Elinor Ostrom erhält Wirtschaftsnobelpreis

Elinor Ostrom erhält den Wirtschaftsnobelpreis, der ja eigentlich gar kein Nobelpreis ist. Was ihn nicht weniger renommiert macht. Und erwähnenswert in infobibschen Zusammenhängen ist dies, weil sich Ostrom mit commons beschäftigt, mit Gemeingütern. Und in diesem Zusammenhang widmet sie sich auch ausführlich den intellektuellen Gemeingütern, auch der Open-Access-Bewegung. 2008 gab sie Understanding Knowledge as a Commons heraus, zu dem auch der Open-Access-Pionier Peter Suber einen Beitrag lieferte.

Bei Wikipedia findet sich ein gerade rapide wandelnder Artikel über Ostrom.

Update: Via Commonsblog bin ich nun noch auf eine cc-lizensierte deutschsprachige Veröffentlichung mit Ostrom-Beteiligung gestoßen: in „Wem gehört die Welt“ (PDF) schreibt sie über „Gemeingütermanagement“.

Dezentrale OAIster-Alternative mit YaCy

In einer Mail an NGC4LIB, einer Mailingliste, in der das Ende des OAIster derzeit heftig debattiert wird, habe ich vorgeschlagen eine dezentrale Alternative mit YaCy aufzubauen.

A lot of people don’t seem to be very happy with OCLCs decision on OAIster. There’s a general problem with centralized services like OAIster. Too much can happen to that single service, and if it’s down it’s down. That’s why I thought about a distributed OA search for some time now and the OAIster decision gave reason to me to ask the YaCy [1] developer Michael Christen if YaCy could be used for such a search. To make it short: he’s quite optimistic.

Right now YaCy is not able to import data via OAI-PMH but that should be possible to realize. Of course there’s still some work to be done, for example the proper implementation of dublin core. On page 2 of http://yacy.net/material/YaCy_LT2009_Flyer_216x303.pdf (in German) you can find an example of the current possibilities of YaCy with dublin core. BTW: It’s SRU compliant.

We’d like to set up a Yacy instance as a proof of concept. In future it should be possible to cluster some of these instances to a large network of open access search engines. Just to mention the name of this mailing list: kind of a „next generation catalog for libraries“, I guess.

Opinions, anyone? Do you think a distributed OA search could be useful?

Kritik, Vorschläge und andere Äußerungen dazu bitte in die Mailingliste oder hier in die Kommentare. Gerne auch direkt per Mail. Hätte solch ein Projekt Zukunft? Was wären die Anforderungen?

OCLC stampft OAIster ein. Was tun?

Klaus Graf machte kürzlich darauf aufmerksam, was OCLC mit OAIster vorhat. Verständlicherweise brach ein Sturm der Entrüstung los. Nun beantwortet Roy Tennant zumindest einige der aufgetretenen Fragen. Ein paar der spannendsten Punkte:

Starting in October, the records will be freely discoverable along with all the other content in WorldCat.org. However, it will not be possible to limit a search to OAIster records alone.

[…]

Contributors of OAIster records can receive free access to the OAIster aggregation in FirstSearch by request. Contributors were recently contacted to offer them such access and many have already responded that they would like to have such access.

Only data providers that request that we not harvest their records will be removed from the aggregation. We feel strongly that one of the main benefits of OAIster has been the aggregation of records from the vast majority of repositories worldwide. Therefore, unless a repository denies us permission to harvest their records, we will seek to include them.

[…]

We are exploring options for machine access. Z39.50 access to OAIster is available to FirstSearch subscribers now, and we are considering whether additional options should be supported. The University of Michigan did not offer an OAI-PMH or Web Services interface, although they did offer an rsync option. Learning the needs of the community will help inform what we do in this area.

Eine höchst unbefriedigende Situation. Es spricht meines Erachtens nichts dagegen, dass der OAIster in irgendwelche OCLC-Produkte eingebunden wird, aber der OAIster oder ein adäquater Nachfolger sollte unbedingt erhalten bleiben. Ist das OCLCs verfrühter Beitrag zur Open-Access-Week?

Im Posting erklärt Tennant noch, wie kompliziert es sei, Metadaten per OAI-PMH zu harvesten. Vielleicht wäre es ja eine Aufgabe für einen oder mehrere Bibliotheksverbünde, eine Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, auf die andere Suchdienste aufbauen könnten. Konkret könnte das so aussehen, dass ein Server alle greifbaren Daten aggregiert, normalisiert und zum Beispiel per SRU (nur als Beispiel) durchsuchbar macht oder auch als komplettes Datenpaket zum Download anbietet. Das wäre wirklich ein Fortschritt für die Open-Access-Bewegung. Und der Ausfall einer Suchoberfläche kein Problem mehr, da ruckzuck eine weitere aufgebaut werden könnte.

Erst die Kontroverse über die OCLC-Policy, nun dies. Das Fazit kann nur sein, OCLC nicht mehr Verantwortung und Daten in die Hand zu geben, als unbedingt notwendig ist.

Antworten auf die Fragen der Hochschulrektorenkonferenz an ein paar Parteien zu Open Access

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) befragte ein paar Parteien unter anderem zu Open Access. Ich wiederum befragte daraufhin die HRK, da ich über die (höchst lobenswerte) Initiative der HRK berichten wollte. Ich erhielt zwar die Rückfrage, wer denn „Träger“ von Infobib ist, aber keine Antworten auf unter anderem folgende Fragen, die ich nun zum Teil selbst beantworten kann.

1. Werden Sie die Antworten veröffentlichen? Falls ja, wo?

Ja. Hier.

2. Wurde eine Frist gesetzt, bis zu der die Fragen beantwortet werden müssen?

Im Quelltext der Seite ist das DC.Date „13.09.2009 22:51:30“ angegeben. Also lief die Frist, wenn es denn eine gab, vermutlich vorher ab.

3. Um welche Parteien handelt es sich im Einzelnen?

Antworten sind nur von CDU und CSU (leider gemeinsam, obwohl da vielleicht interessante Unterschiede auszumachen wären), SPD, FDP, Grüne und Linke zu finden. Ob andere Parteien befragt wurden, ist nicht auszumachen.

Genug des Vorgeplänkels. Kommen wir nun zu direkt der für viele BibliothekarInnen vermutlich interessantesten Frage:

Unterstützt Ihre Partei die open-access-Strategie der Allianz im Wissenschaftsbereich und beabsichtigt sie den 3. Korb der Urheberrechts-Novelle in der nächsten Legislaturperiode umzusetzen?

CDU/CSU unterstützen die Ziele der Allianz und lässt Open Access dabei eine wichtige Rolle zu kommen. Die SPD sieht urheberrechtlichen Reformbedarf:

Bei der Prüfung eines dritten Korbes zur Novellierung des Urheberrechtes ist insbesondere zu berücksichtigen, wie das Prinzip eines freien und für die Nutzer im Regelfall kostenlosen Zugangs zu mit öffentlichen Mitteln produziertem Wissen (Open Access) auch in Deutschland festgeschrieben werden kann. Damit könnte die Chance eröffnet werden, dass auf der Grundlage des Open-Access-Prinzips innovative, attraktive und elektronischen Umgebungen und angemessene Organisations- und Geschäftsmodelle für Publikation und Distribution von Wissen entstehen, die auch Verlagen und der gesamten Informationswirtschaft neue Möglichkeiten zur Erschließung von Publikations- und Distributionsmärkten bieten.

Die FDP unterstützt Open Access ebenfalls. Und zwar ausdrücklich als ein Alternative zur herkömmlichen Publikation im Wissenschaftsbereich. Forderungen nach einer Beschränkung urheberrechtlicher Nutzungsrechte durch gesetzliche Eingriffe in das Urheberrecht der Autoren sieht die FDP allerdings kritisch. Dennoch macht sie sich eine für konsequente Weiterentwicklung des Urheberrechts auf nationaler wie auf europäischer Ebene stark.

Die Linke möchte einerseits eine Novelle des Urheberrechts mit dem Ziel, Open-Access-Veröffentlichungen zu vereinfachen. Sie möchte Total-Buyout-Verträge und Exklusivabtretungen begrenzen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Verhandlungen mit Verlagen stärken. Letztere sollen auf ihre eigentliche Rolle als Dienstleister orientiert werden. Die Linke setzt allerdings nicht nur auf juristische Handhabe:

Um die weitere Verbreitung von Open Access zu stärken, muss allerdings neben Veränderungen im Urheberrecht auch die Akzeptanz in der Scientific Community gesteigert werden.

Die Grünen wollen eine grundlegende Urheberrechtsreform, Flickschustereien wie in der Vergangenheit seien zu vermeiden.

Wir drängen in eine Richtung, die zuvorderst BürgerInnen, KünstlerInnen, ForscherInnen, Schulen und Universitäten nützt, nicht der Medien- und Geräteindustrie oder Verlagsgiganten.

Hier gibt’s alle Fragen im Überblick, hier die Open-Access-Frage inklusive Antworten. Die HRK bietet übrigens auch ein totes Forum an.

Matthias Kleiner und Roland Reuß zu Open Access und zum Heidelberger Appell

Harter Starker Tobak von Roland Reuß im Interview mit Forschung&Lehre, die einen Schwerpunktausgabe zu Open Access herausgebracht haben.

F&L: Sie meinen, die DFG gibt Gutachten mit Hinweis auf das gewünschte Ergebnis in Auftrag?

Roland Reuß: Ja, bei jemandem, der auch schon den englischen Open-Access-Publikationssektor schöngerechnet hat. Souveränität sieht anders aus. Offenheit und selbstkritisches Verhalten auch.

Reuß prophezeit auch, dass die OA-Initiative der Allianz der Wissenschaftsorganisationen am Grundgesetz scheitern wird. Ich bin gespannt auf die erste Verfassungsklage gegen das Max-Planck-Institut. Ansonsten wirft er mal wieder OA und Google in einen Topf. Man kann das nicht mehr mit Unkenntnis entschuldigen. Reuß sollte inzwischen wissen, wo die Unterschiede liegen. Ich bin auch müde, sie immer und immer wieder zu formulieren. Dazu Matthias Kleiner (DFG-Präsident) im zweiten F&L-Artikel zu OA:

Die Freiheit der Autoren ist durch Open Access nicht bedroht. Der „Heidelberger Appell“ hat leider sehr unglücklich, und wie ich finde auch unzulässig, die Debatten um die Google Book Search einerseits und um Open Access andererseits vermischt. Beim Open-Access- Publizieren geht es ausschließlich darum, dass Autoren als Urheber ihrer Werke den über das Internet für den Leser entgeltfreien Zugang zu ihren eigenen Schöpfungen gewähren. Somit entscheiden immer die Urheber über die Art und Weise einer Publikation.
Diesen ganz grundsätzlichen Punkt konnte ich inzwischen auch in einem Briefwechsel mit Vittorio Klostermann, der ja nicht nur Mit-Initiator des „Heidelberger Appells“, sondern auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger ist, klar stellen. Dadurch sind solche Missverständnisse für die Zukunft hoffentlich ausgeräumt.

Ein frommer Wunsch, der schon wegen der sturen Ignoranz der Heidelberger Missionare nicht in Erfüllung gehen wird.

Bibsonomy bald quelloffen / Open-Access-Projekt PUMA

Im Bibsonomy-Blog wurden ein paar Neuigkeiten zur Zukunft des Projekts gepostet. Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Bibsonomy-Technologie wird in das PUMA-Projekt eingebracht, das, wenn ich die Projektbeschreibung richtig verstanden habe, Open Access aus Nutzersicht attraktiver machen möchte. Prinzipiell eine gute Idee. Warum die Beispielimplementation an DSpace ausgerichtet wird, könnte ich mir dadurch erklären, dass OPUS m.E. nicht wirklich Open Source ist. Man kann zwar den kompletten Quellcode einsehen, aber eine Testinstallation ist nicht ohne weiteres möglich.
  • Alle Bestandteile des Projektes werden unter als FLOSS veröffentlicht. Also auch Bibsonomy, leider aber erst nachdem das Projekt beendet ist. Wann das sein wird, ist leider weder im Blogposting noch auf der Projektwebseite angegeben.

Schön, dass der Open-Source-Gedanke Einzug hält in die DFG-Projekt-Landschaft. Es ist ja schließlich wirklich schwer vermittelbar, warum Projekte wie Bibtip, die von Steuermitteln angeschoben wurden um eine dauerhafte Verbesserung der Informationsinfrastruktur wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland zu ermöglichen, nicht allen die an eben jener Verbesserung arbeiten möchten, open source zur Verfügung steht.

[via acka47]

Wer bloggt über was?

Gerhard Hachmann beklagt das Schweigen im Bloggerwald zu einer neuen Auflage des Lehrbuches Basiskenntnis Bibliothek von Böttger. Er kann sich nicht erklären, warum es bis auf einen kleinen Hinweis auf die Existenz des Buches nichts dazu gebloggt wurde. Keine Rezension, rein gar nichts.

Wird das Buch ignoriert, weil es sich “nur” um eine Fachkunde für die FaMIs handelt? Weil es sowieso alle schon kennen? Weil es ausschließlich als Printmedium erscheint? Weil es nicht um einen in die Zukunft gerichteten 2.0-Inhalt geht? Weil in der Biblioblogosphäre Ausbildungsfragen so gut wie gar nicht thematisiert werden, und sich keiner für so etwas zuständig fühlt?

In dieser Reihenfolge: Jein. Nein. Nein. Eher ja. Ja, und ja.

1. Die meisten Biblioblogger (alle?) betreiben ihr Geblogge mehr oder weniger privat, zumindest zusätzlich zum normalen Arbeitspensum. Sie decken damit ihre beruflichen und privaten Interessen ab. Obwohl die deutschsprachige Biblioblogosphäre schon vielfältiger wird, ist die Dominanz von eher web-affinen BibliothekarInnen nicht zu übersehen. Anscheinend bloggen hauptsächlich mit der Ausbildung befasste Bibliothekswesen bislang nicht oder nicht zu diesem Thema.

2. Ich habe das Buch zufällig am Donnerstag oder Freitag in der Hand gehabt, da ich es bei einem Kollegen sah. Aber ich kenne es in der Tat nicht.

3. Printmedien sind nicht komplett außerhalb der Wahrnehmungssphäre. Zumindest nicht außerhalb meiner. Aber eine PDF-Version wäre sicherlich häufiger erwähnt worden. Wenn auch nur, weil das noch etwas besonderes ist.

4. Siehe Punkt 1: Es geht in Biblioblogs überwiegend um „Web-Themen“. Das ist meines Erachtens höchst logisch, da die Medien, in denen wir uns hier bewegen, selbst noch genügend Neues bieten, das beschrieben werden will und muss. In neueren Biblioblogs geht es aber auffällig oft nicht primär um das Web selbst, sondern z.B. um Schulbibliotheken, Leseförderung, Katalogisierung von asiatischen Schriften und vielleicht auch bald um die FAMI-Ausbildung.

5. Ich fühle mich in der Tat nicht zuständig. Weil ich mich bloggerisch für überhaupt nichts zuständig fühle. Ich blogge über Themen, die mich interessieren, ohne Vollständigkeitsanspruch. Wer ein Thema aufgegriffen sehen möchte, mag sich gerne selbst darum kümmern. Der Teil in den 2.0-Theorien, der sich um Partizipation dreht, ist durchaus ernstzunehmen. Frei nach JFK: Frag nicht, was die Biblioblogosphäre für Dich tun kann, sondern frag, was Du für sie machen kannst.

Es gibt zahlreiche Themen, die in Biblioblogs nicht behandelt werden, obwohl sie durchaus ihre Leserschaft im vielzitierten Long Tail fänden. Ein paar Desiderate (wie es in der DFG-Prosa immer so schön heißt) meinerseits wären zum Beispiel:

  • Immer noch Blogs von Niggemann, Lux & Co
  • bloggende ProfessorInnen an den Fachhochschulen, die sich dem Bibliothekswesen in irgendeinem Sinne widmen. Ich weiß nicht, ob ich die Ausnahmen loben oder das restliche Schweigen peinlich finden soll.
  • BibliotheksdirektorInnen scheinen ihre Meinung auch nicht gerne öffentlich zur Diskussion stellen zu wollen.
  • Die ganzen EDV-Leute in den Bibliotheken, die tagein, tagaus an irgendwelchen Perl-Skripten basteln, die jeden Tag das Rad neu erfinden: Tausch Euch aus! Stellt Eure Skripte ins Netz.

Was brauchen wir? Mehr und unterschiedliche Biblioblogs. Ganz klar. Also, Bibliothekswesen, hört die Signale! Auf ins Gefecht Web 2.0!

[via Netbib]

Zwei Vorträge über Open Access bei Yovisto

Gerade bei Yovisto gefunden: zwei Vorträge zu Open Access. Der Erste ist OPEN ACCESS – der freie Zugang zum Wissen von Igor Drieghe.

Der Zweite, Second-Generation Open Access: Building an Open Content von John Wilbanks ist leider nicht einbindbar. Daher sei an dieser Stelle auf die entsprechende Yovisto-Seite hingewiesen.

Bei der Suche in Yovisto wurden mir auch mehrere Mängel des Angebots bewusst. Ich habe zuerst die Angabe der Spieldauer zum Beispiel beim letzten Video vermisst. Bis mir klar wurde, dass sie in den Suchergebnissen ganz klein (und anscheinend nur dort) tatsächlich verzeichnet ist. Auch andere Metadaten werden dem geneigten Seitenbesucher verheimlicht. Zwar findet man deutsche Videso zu Open Access, wenn man den Sprachfilter in der Suchfunktion nutzt, aber eine Sprachangabe in den Metadaten suche ich vergeblich.

Joachim Losehand: Open Access senkt die Produktionskosten

Dank Joachim Losehand ist der Freitag inzwischen eine von wenigen Zeitungen, in denen ab und an etwas handfestes zu Open Access zu lesen ist. Aktuell: Open Access senkt die Produktionskosten.

Jedoch ist die eigentliche Publikation, sind die Schritte, die zur Veröffentlichung eines Textes führen, nicht der hauptsächliche Kostenfaktor wissenschaftlichen Arbeitens, im Grunde sind diese Kosten vernachlässigbar. Und zwar vernachlässigbar angesichts der Kosten, die zur Erstellung des wissenschaftlichen Textes, zur Gewinnung der Forschungsergebnisse führten. Die Produktion von Forschungsergebnissen und deren notwendiger Verschriftlichung ist mit Produktionskosten verbunden, welche in der Debatte um die Kosten von Open Access zu kurz kommen.

Richtig, das Thema Zugang zu wissenschaftlichen Informationen muss auch volkswirtschaftlich betrachtet werden. Nur dem Gejammer einiger Verlage und Appell(unter)schreiber zu lauschen führt definitiv nicht zu einer verbesserten Faktenlage. Daher ist Losehands Fazit uneingeschränkt zuzustimmen:

Hier valides und empirisch gesichertes Material zu erarbeiten und in die öffentliche Diskussion einzubringen, ist unzweifelhaft ein Desiderat der Forschung. In unser aller Interesse.

Schön, dass es gerade letzten Monat eine passende Studie zu diesem Thema veröffentlicht wurde: „Open Access – What are the economic benefits? A comparison of the United Kingdom, Netherlands and Denmark“. Der Autor John Houghton untersuchte verschiedene Publikationsmodelle in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden. Er kommt zu folgendem Schluß:

In the three national studies the costs and benefits of scholarly communication were compared based on three different publication models. The modelling revealed that the greatest advantage would be offered by the Open Access model, which means that the research institution or the party financing the research pays for publication and the article is then freely accessible.

Adopting this model could lead to annual savings of around EUR 70 million in Denmark, EUR 133 million in The Netherlands and EUR 480 in the UK. The report concludes that the advantages would not just be in the long term; in the transitional phase too, more open access to research results would have positive effects. In this case the benefits would also outweigh the costs.

Deutschland gibt erheblich mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als z.B. Großbritannien, daher ist für Deutschland auch mit erheblich höheren Einsparungen zu rechnen. Vielleicht sollte der Bund der Steuerzahler hier mal nachhaken? Zumindest sollte angesichts der vorliegenden Erkenntnisse die Position des Wirtschaftsministers eigentlich völlig eindeutig pro Open Access sein.