Vorschlag für neue Wissenschaftsschranke im Urheberrecht

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Katharina de la Durantaye hat einen Vorschlag für eine neue Wissenschaftsschranke im Urheberrecht unterbreitet. Leonhard Dobusch meint auf Netzpolitik.org:

Wer sich durch Durantayes detaillierte Schilderung der geltenden Rechtslage im deutschen Wissenschaftsurheberrecht gekämpft hat und immer noch am diesbezüglichen Handlungsbedarf zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen. Im Unterschied zu anderen urheberrechtlichen Baustellen wie beispielsweise dem fehlenden Recht auf Remix, lässt sich im Bereich Bildung und Wissenschaft aber auf nationaler Ebene auch ein größerer Wurf umsetzen. Der neue Justizminister Heiko Maas wird sich auch daran messen lassen müssen, ob er einen entsprechenden Versuch unternimmt. Katharina de la Durantaye serviert ihm mit ihrer Analyse entsprechende Formulierungsvorschläge auf dem Silbertablett. Maas müsste eigentlich nur noch zugreifen.

Liebe Fachverlage, nutzt Sherpa/Romeo!

Immer wieder treten AutorInnen an Bibliotheken heran und fragen: „Wie ist das eigentlich mit meinem Artikel aus dem Jahre 1998 in der ‚Zeitschrift für Dieses und Jenes‘, kann ich den einfach einscannen und auf diesen Open-Access-Server stellen“?

Meine Antwort lautet dann meist: „Keine Ahnung, aber das versuchen wir herausfinden.“

Zuerst schaue ich in der ZDB nach, in welchem Verlag die Zeitschrift erschienen ist. Dann schaue ich in der Sherpa/Romeo-Datenbank nach, ob die Zeitschrift oder der Verlag samt Open-Access-Policy dort eingetragen ist.

Wenn nicht, folgt darauf dann in der Regel eine unterschiedlich lange und unterschiedlich ergebnisreiche Recherche mit vielen, vielen Telefonaten.

Das erste Telefonat führt mich meist zu irgendjemandem im Verlag, der oder die zufällig gerade am Telefon ist. Ich werde dann verwiesen an andere Verlagsmitarbeiter, die dem ersten Ansprechpartner zum Thema „Online“ oder „Fachzeitschrift“ gerade als erstes eingefallen sind.

Dann werden mir Kontaktdaten von einer Person genannt, die mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit

  • neu im Verlag,
  • im Urlaub,
  • nicht zuständig oder
  • in der Materie etwas unsicher

ist. Als nächstes werden Mail-Adressen und dann auch Mails ausgetauscht. Dann: Sendepause. Auf Nachfrage irgendwann: „Können wir Ihnen auch nicht genau sagen, aber es wird schon niemand was dagegen haben.“

Liebe Fachverlage, sparen Sie mir und sich selbst bitte viel Zeit und tragen Sie Ihre Open-Access-Policy bitte in die oben erwähnte Sherpa/Romeo-Datenbank ein! Es gibt dort ein Formular, mit dessen Hilfe das ganz einfach ist.

Das Ergebnis sieht man hier bei den nach der Sherpa/Romeo-Farbenlehre „grünen“ Verlagen.

Ein Ergebnis, das Sie dann nicht sehen, möchte ich Ihnen beschreiben: AutorInnen, denen Sie das Leben ein bißchen einfacher gemacht haben und die Sie in guter Erinnerung behalten. Besonders im Vergleich zum Konkurrenzverlag, der nicht in Sherpa/Romeo steht!

Ich habe übrigens fast immer mit gutwilligen und hilfsbereiten Verlagsmenschen zu tun, denen ein Eintrag in dieser Datenbank ebenfalls helfen würde. Einmal als Sicherheit, nicht aus Versehen etwas Falsches zu sagen. Und weil es einfach Zeit sparen würde.

Tracking durch "Googles Web Fonts" – reloaded

Im März 2012 fragte ich mich und das Web, ob Tracking via Googles Web Fonts möglich sei. Damals hieß es, das sei vermutlich nicht möglich. Nun steht in der aktuellen c’t (Herbert Braun: „Undercover – wie Google-Werkzeuge auf fremden Websites Daten sammeln“, c’t 11/2014, S. 135):

Immer mehr Webdesigner haben die Nase voll vom Arial-Times-Verdana-Einheitsbrei und nutzen Webfonts, die inzwischen auf allen nennenswerten Browsern laufen. Weil die Einbettung nicht ganz trivial ist und Ärger mit den Font-Lizenzen droht, hat Google die Chance ergriffenund eine kostenlose Bibliothek von mehreren hundert passablen bis guten Schriftarten samt Werkzeug zum Einbetten zur Verfügung gestellt. Die unter Google Fonts bereitgestellten Schriftarten kann man zwar auch auf den eigenen Server kopieren, aber weil sich kaum jemand die Mühe macht, kommt Google mit dem Gratisangebot auf seine Kosten.

Wie schon vor zwei Jahren bitte ich um fachkundige Antwort: Ist das also doch möglich?

Bibliothekarisches Informationsverhalten

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

As librarians, we claim to uphold the principles of open access, equitable and unbiased service, intellectual freedom, and lifelong learning. How can we better integrate these principles into our workplaces? This article is an exploration of information behaviors and structures in library workplaces, particularly the behaviors of withholding and sharing information, and the effect they have on service to patrons and overall quality of the work environment.

Zum Artikel: Me and You and Everything We Know: Information Behavior in Library Workplaces.

ScienceOpen und die 6000-Euro-Artikel

ScienceOpen wird von der Deutschen Welle vorgestellt. Es scheint sich um eine Art Mega-Journal zu handeln, das mit meritenbasierten User-Kategorien arbeitet. Je mehr veröffentlicht oder reviewed wurde, desto höher steigt man auf. Zu ScienceOpen kann man bestimmt ganz viel schreiben, aber nicht hier und jetzt. Zuerst:

  1. Mit „Prof. Dr. Björn Brehms“ im Editorial Board ist vermutlich Björn Brembs gemeint, dessen Blog ich bei dieser Gelegenheit empfehlen möchte.
  2. So sieht ein ScienceOpen-Artikel aus.
  3. Alle Artikel werden unter CC-BY 4.0 veröffentlicht.

Im Bericht der Deutschen Welle wird ScienceOpen-CEO Stephanie Dawson zitiert:

800 Dollar, etwa 600 Euro, so Dawson, kostet die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels auf ScienceOpen einschließlich Redaktion und sprachlicher Korrekturen. „Wir wollen etwas Hochwertiges präsentieren, uns aber abgrenzen von Internet-Magazinen, die für einen Open-Access-Artikel 5000 oder 6000 Euro verlangen.“ Das sei langfristig für die Community kein tragbares Modell.

Da hat sie Recht, und von diesen Journals würde ich mich auch abgrenzen wollen. Aber gibt es überhaupt Journals, die solch hohe Gebühren verlangen? Ein erster Blick zu ein paar großen Akteuren bestätigt das nicht:

Ich bin nicht der Erste, der diese APCs vergleichen möchte. Hier ein paar Übersichten:

Die teuersten Journals, die dort verzeichnet sind:

  • BMJ Publishing Group: etwa $4,600.
  • Cell Reports: Angeblich $5,000, auf der Webseite findet sich aber nur ein Preis von $3,700.
  • Nature Communications: $5,200.

Das teuerste Journal (das übrigens wie so ziemlich alle teuren Journals nur Hybrid-OA anbietet) verlangt also 5200 US-Dollar pro Artikel. $5200 entspricht aktuell fast genau 3750 Euro.

Einschub: Ich möchte an dieser Stelle dringend darauf verweisen, dass die meisten OA-Journals überhaupt keine Gebühr nehmen. Laut DOAJ:

Kommen wir zurück zu den oben gestellten Fragen: Von welchen Journals möchte sich ScienceOpen abgrenzen? Gibt es diese Journals wirklich? Oder ist das hier einfach ein kerniges Zitat, das von den Journalisten eh nicht auf Korrektheit geprüft wird? Falls es wirklich Unmengen an Journals mit APCs im mittleren vierstelligen Bereich gibt, bitte ich um sachdienliche Hinweise! Wie teuer kann OA im schlimmsten Fall sein?

ChemVisitor: Urheberrecht behindert Wissenschaft

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Andy Howlett und Mark Williamson haben eine Software (ChemVisitor) entwickelt, die chemische Strukturen in wissenschaftlichen Publikationen ausfindig machen und analysieren kann.

It can read the whole scientific literature and analyse it in minute detail. One of the things we are starting with is chemistry. ChemVisitor (part of AMI2) can read chemical structure diagrams and chemical names and work out what they mean.

So können Fehler in wissenschaftlichen Publikationen gefunden und korrigiert werden. Fehler, die, wie Peter Murray-Rust schreibt, dazu führen können, das Menschen sterben. Der Haken an der Sache: Das Urheberrecht. Machines are better referees than humans but we’ll be sued if we use them, schreibt er. Warum brauchen wir echtes Open Access? Darum.

Ponies und die Bibliothek

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/">CC: BY</a> von <a href="http://heroman4b3.deviantart.com/">heroman4b3</a>
Bild: CC-BY von heroman4b3

Letzte Woche hatten wir Bibliotheks-Lego. Diese Woche haben wir die Bibliothek als Lebensraum von und Kulisse für Bibliotheksponies, Geknutsche, Qualm (?), Buchrecycling, Schlappohrelfen, eine merkwürdige Puppe, noch ein Bibliothekspony, fliegende Bücher, ein weiteres Bibliothekspony, einen Computerspiel-Igel, ein Bibliothekspony, frisierte Leute, einen Bibliothekshase, einen Wissenshüter (inkl. Making of), wirklich noch ein Bibliothekspony und ein allerletztes Bibliothekspony.

Alles gefunden in sehr kurzer Zeit auf Deviant Art, einer Plattform zur Veröffentlichung von Bibliotheksponies und anderen digitalen Kunstwerken.

Vier Monate ohne aktuelle Bibcharts

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden. Die Zeitangaben (vier Monate) beziehen sich auf den ursprünglichen Erstellungszeitpunkt dieses Postings etwa Januar 2013.

Die ZBW kündigte am 29. Juli 2011 die Bibcharts an. Dabei handelt es sich um ein Ranking der Fan- und Followerzahlen von Bibliotheksauftritten bei Facebook und Twitter. Die damalige Diskussion über Sinn und Unsinn eines solchen Rankings lässt sich ganz gut über Plan3t.info nachvollziehen.

Das Ranking wurde nun seit vier Monaten nicht mehr aktualisiert. Nach dem Feedback (der ZBW) auf das Feedback vom 1. August 2011 ist dazu auch nichts mehr im ZBW-Blog zu finden.

Wikipedia Redefined

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Eine der beliebtesten (und wichtigsten) Webseiten der Welt sieht bestenfalls mittelprächtig aus und ist auch nicht besonders einfach zu bedienen. Ja, es geht um Wikipedia. Ein Designerteam hat daher mal versucht, Wikipedia ein Redesign zu verpassen. Nicht alle Vorschläge finde ich gelungen, aber einiges sieht doch sehr schön aus. Hier geht’s lang zu Wikipedia Redefined.