Cory Doctorow: Taught by librarians

CC: BY-SA von Ed Schipul

I’d been taught to handle books by librarians, taught to think of books as something more than mere articles of commerce. Books had lives and afterlives, living on as cherished friends in the bookcase and then resurfacing as precious used books, rich with history and old bus-transfer bookmarks.

Cory Doctorow im Locusmag: Why Should Anyone Care?

Zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens

Inspiriert und mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Michal, der seine zwölf hoffentlich finalen Thesen zur Zukunft des Journalismus allen Zukunftsberufen zur Verfügung stellt, nun zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens:

1. Das Bibliothekswesen der Zukunft wird das gegenwärtige Bibliothekswesen eines Tages ablösen.

2. Zukunftsfähig wird das Bibliothekswesen nur dann, wenn es die Gegenwart nicht als Bedrohung empfindet.

3. Bibliothekswesen, die heute nicht vernetzt sind, werden morgen in den Netzen nicht vorkommen.

4. Alle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Leser der Zukunft auch tatsächlich die künftigen Leser sind. (Addendum: Oder von ihnen abstammen.)

5. Die zunehmende Abwendung von den heutigen Medien bedeutet nicht, dass die Zuwendung zu den künftigen Medien nicht zunehmen wird.

6. Im Kampf um die Aufmerksamkeit werden sich Bibliotheken und Leser mehr anstrengen müssen.

7. Mit der wachsenden Orientierungslosigkeit des Bibliothekswesens wächst auch die Navigationsfreude der Leser. Und umgekehrt.

8. Die Nähe zum Geschehen wird die Distanz zu den Lesern bestimmen. Und umgekehrt.

9. Rückkopplungseffekte machen das Bibliothekswesen der Zukunft erst dialogfähig.

10. Leser und BibliothekarInnen werden immer häufiger die Rollen tauschen. Beide werden deshalb die Frage beantworten müssen: Was macht das mit uns?

11. Die Nachfrage nach Qualitäts-Angeboten wird künftig von der Bereitschaft abhängen, Qualitäts-Angebote auch tatsächlich nachzufragen.

12. Wer das Bibliothekswesen der Zukunft finanzieren wird, ist noch nicht raus.

Disclaimer: Die Thesen sind bis auf Kleinigkeiten komplett und 1:1 den 12 Thesen Wolfgang Michals zum Journalismus entnommen.

Flachbildschirmrückseitenberatung und das Internet als gesellschaftliches Betriebssystem

Edlef Stabenau weist auf einen Vortrag von Gunter Dueck beim Bibliothekartag hin. Der ist zwar im Web nicht verfügbar, dafür aber ein Vortrag vom darauf folgenden Tag beim ZVEI:

“Die haben alles automatisiert, alles, nur das Buch noch nicht. Solange sind ihre Arbeitsplätze noch da. […] Dann kommt Traum oder Alptraum, wie man das will. Und dann [fragen die Bibliothekare]: “Was sollen wir denn machen?”

Dann sag ich: Das Wissen der Welt ist vertausendfacht. Ich hätte gerne sowas wie die Primärdaten und die Rohdaten aller Studien von allen wissenschaftlichen Sachen, oder EHEC-Studien oder sonstwas, möchte ich gerne im Internet haben. Und dann können wir darauf forschen. Dann suchen wir nicht mehr auf Texten, sondern auf Daten. Und dann hätte man doch ein hundertfach vervielfältigtes Feld für Bibliothekare. Die können die ganze Welt nochmal neu systematisieren. Und dann sagen sie: “Und wer soll das jetzt machen?”

Die 40 Minuten für den Vortrag lohnen sich. Das Bild ist nicht unbedingt erforderlich, man kann es also auch als Radio im Hintergrund laufen lassen.

Bibliothekswesen für "imagefördernden Zeitungsartikel" gesucht

Aufruf zur Mitarbeit an einer deutschen Fassung von “What it takes to be a 21st century librarian in Germany”:

Ich beabsichtige für eine überregionale deutsche Tageszeitung oder Wochenzeitung einen ähnlichen Artikel wie den vor zwei Wochen in der englischsprachigen Zeitung Guardian erschienen Artikel “Beyond books: what it takes to be a 21st century librarian” zu verfassen. In sogenannten “Case-studies” werden 4 verschiedene BibliothekarInnen und deren Arbeit vorgestellt. Zu einer überregionalen deutschen Zeitung ist der Kontakt hergestellt. Die positive Resonanz auf der Fanseite von Bibliothekarisch.de hat gezeigt, dass dieser Artikel, der von zwei englischen Bibliothekarinnen verfasst wurde ein wichtiger Schritt wäre aus dem “Bibliotheksschneckenhaus” hervorzutreten und selbst mehr in nichtbibliothekarischen Zeitschriften und Zeitungen zu publizieren und “uns weniger von anderen darstellen zu lassen, da dadurch das Bild über den Beruf verzerrt sein kann. Hierfür suche ich Mitstreiter, 3-4 BibliothekarInnen aus dem ÖB-Bereich, dem WB-Bereich und einer Spezialbibliothek, die bereit wären an dem Artikel mitzuschreiben.

Natürlich wäre es gut, wenn gerade jüngere BibliothekarInnen sich angesprochen fühlten und wenn zumindest ein männlicher Bibliothekar dabei wäre. Dennoch ist das keine Bedingung und ich freue mich über interessierte BibliothekarInnen, die mit dazu beitragen wollen, ihren Beruf und ihr Tätigkeitsfeld zu beschreiben, um LeserInnen auf den Beruf neugierig zu machen und ihnen erzählen, was wir den ganzen Tag so machen.

Es geht darum der Außenwelt – der nichtbibliothekarischen Öffentlichkeit – ein zeitgemäßeres Bild (frei von Stereotypen) zu vermitteln, welches den Wert und die Arbeit von BibliothekarInnen ins Zentrum rückt. Warum sollen nicht mehr bibliothekarische Themen (z.B. Medien- und Informationskompetenz, die Förderung der frühkindlichen Buchkultur, das Lebenslange Lernen und der Umgang mit Plagiaten und dem Urheberrecht) in Massenmedien wie Zeitungen und Zeitschriften von BibliothekarInnen auf die Agenda gebracht werden, um den gesellschaftlichen Stellenwert stärker hervorzuheben?

Kontaktdaten für Interessenten (egal ob FachreferentInnen, Fachangestellte für Medien und Information oder Diplom-BibliothekarInnen) gibt es drüben bei Bibliothekarisch.de.

Innovationspreis 2011 / Closed Access über Open Access

Die Preisträger des diesjährigen B.I.T.-Online-Innovationspreises 2011 wurden von der Kommission für Ausbildung und Berufsbilder des BIB erwählt und bekannt gegeben:

  • Ralf Drechsler: Krisen-PR für Öffentliche Bibliotheken
  • Fabian Fürste: Linked Open Library. Bibliographische Daten und ihre Zugänglichkeit im Web der Daten
  • Bodo Pohla: Untersuchung bibliothekarischer Applikationen für Mobiltelefone hinsichtlich der technischen Realisierung und des Nutzens

Herzlichen Glückwunsch den Preisträgern! Keinen Glückwunsch dem BIB für die Publikation der Ergebnisse in B.I.T. Online. Durch die Publikation in einer Toll-Access-Zeitschrift kann ein gewichtiger Anteil der Nachwuchsbibliothekswesen nicht auf die ausgezeichneten Erkenntnisse zurückgreifen.

Die Absurdität einer bibliothekarischen Toll-Access-Publikation wird im aktuellen Themenschwerpunkt (Ausgabe 4/2010) sehr schön deutlich. Es geht um: Open Access. Zitat aus dem Editorial (frei zugänglich als JPG!!) von Michael Mönnich:

Von Seiten B.I.T. Online ist hierzu zu vermelden, dass ab 2011 mit einer einjährigen Embargofrist alle Aufsätze frei zugänglich sein werden.

Falls dies eine Meldung dazu gedacht war,in der bibliothekarischen Welt für Jubelstürme zu sorgen: Nein, so wird das nichts. Welcher Autor möchte, dass sein Artikel erst mit einem Jahr Verspätung wirklich rezipiert werden kann? In diesem Zusammenhang bin ich auch einigermaßen enttäuscht über die Autoren des Schwerpunkts, zu denen mit Frank Scholze (“Open Access-Strategie des KIT”) und Uwe Müller (“Vergütung elektronischer Publikationen in Repositorien – aktueller Stand”) ausgerechnet die beiden Sprecher der DINI-AG Elektronisches Publizieren gehören. In diesem Zusammenhang bleibt nur der Verweis auf den Vortrag von Monika Bargmann: Wein predigen und Wasser trinken? Theorie und Praxis von Open Access im österreichischen Bibliothekswesen

Auch auf die Gefahr hin, allzu missionarisch zu wirken, lautet das Fazit dieses Beitrags: Gehet hin und archivieret selbst!

Hinzufügen muss man diesem Fazit schließlich nur die Frage, wozu der BIB eigentlich ein eigenes Repository hat.

[via Inetbib]

Update: Die Artikel des Schwerpunkts sind frei verfügbar. Näheres in den Kommentaren.

Stephanie Löwensen: Kompetenzanforderungen für Informationsmanager in Bibliotheken 2010

Bachelorarbeit von Stephanie Löwensen zum Thema “Kompetenzanforderungen für Informationsmanager in Bibliotheken 2010”.

Abstract:

Die vorliegende Arbeit untersucht die Kompetenzanforderungen des aktuellen Arbeitsmarktes an Informationsmanager mit Bachelor-Abschluss. Dazu erfolgt eine statistische Erhebung von Stellenangeboten, die von Oktober 2008 bis einschließlich Mai 2010 über die bibliothekarische Diskussionsliste InetBib ausgeschrieben wurden. Nach Beschreibung der Auswertungselemente, interpretiert die Verfasserin die Ergebnisse zunächst quantitativ. Die aus den Ergebnissen gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der Erwartungen des Arbeitsmarktes werden festgehalten und münden in einem Kompetenzprofil eines idealtypischen Informationsmanagers. In einem abschließenden Kapitel erarbeitet die Verfasserin unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse Empfehlungen für das Curriculum der Fachhochschule Hannover.

Zum Volltext.

Ver.di befragt über "gute Arbeit in Bibliotheken"

Ver.di möchte wissen, ob es “noch” (?) erstrebenswert ist, in Bibliotheken zu arbeiten:

Wir, die ver.di-Arbeitsgruppe Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen, möchte es jetzt genau wissen: Wie steht es um die Qualität unserer Arbeit? Ist es noch erstrebenswert, als BibliothekarIn zu arbeiten?

Um diese Fragen besser beantworten zu können, haben wir uns entschlossen, die Arbeitswelt in Bibliotheken genauer zu untersuchen. Im Projekt “Index Gute Arbeit” sollen unsere Mitglieder, aber auch interessierte Nichtmitglieder ausführlich beantworten, wie gut es sich in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten lässt, wie hoch die Zufriedenheit mit dem Beruf ist und welche Veränderungen beobachtet wurden.

Hier geht’s zur Umfrage über gute Arbeit in Bibliotheken.

Warum solch eine Umfrage nicht anonym möglich ist, erschließt sich mir nicht. Man muss auch die PLZ des Arbeitgebers angeben. Zwar “nur die ersten vier Stellen”, aber die reichen im Bibliothekswesen wohl häufig aus, um den Arbeitgeber eindeutig zu identifizieren. Sieht ein bißchen aus wie ein Fischzug nach potentiellen Mitgliedern und deren Daten. Zumindest, wenn die Daten für die Auswertung wie zugesichert tatsächlich anonymisiert werden.

Wer teilgenommen hat, kann seine/ihre Eindrücke des Fragebogens gerne hier in den Kommentaren schildern. Natürlich auch anonym.

Bibliothekarin benannte Top-Level-Domains

Vor 25 Jahren wurden die Namen der Top-Level-Domains festgelegt. Wie bei Heise zu lesen ist, wurde die endgültige Benamsung zweier TLDs dabei durch eine Bibliothekarin durchgeführt:

Das endgültige Schema prägte die Bibliothekarin Elizabeth “Jake” Feinler, die mit der täglichen Aktualisierung der Hosts-Datei beauftragt war. Neben den Vorschlägen von Postel legte sie .com für Commerce und .edu für Education fest. Weder Jon Postel noch Vint Cerf mochten ihre Vorschläge, doch hatten sie keine besseren Alternativen parat.

Dass man nicht nur dagegen sein kann, wusste schon Knarf Rellöm.