Informationspraxis, das neue OA-Journal für Bibliothek, Archiv & vieles mehr?

Warum ich die Neugründung eines genuinen Open-Acces-Journals mit dem Titel Informationspraxis (und dem Fokus auf die Praxis) unterstütze, habe ich im dortigen Blog kurz angerissen.

Wer hier häufiger reinsieht, wird noch viele andere Gründe und Motivationen kennen. Wer hier schon länger mitliest, wird sich vielleicht noch an das Infobib-Posting mit den vermutlich meisten Kommentaren erinnern: Bibliothekarische Fachkommunikation 2010. Dort hat zumindest in meiner Wahrnehmung die Diskussion begonnen, und ein beträchtlicher Anteil der dort Kommentierenden ist nun auch am Aufbau der Informationspraxis beteiligt.

Eine kurze Übersicht, was die Informationspraxis werden könnte, findet sich hier, die Tagesordnung für das Gründungstreffen heute abend in Bremen ist hier einsehbar. Ich bin sehr gespannt, was sich aus der Diskussion heute abend ergeben wird!

Ach ja: Auch wer bislang noch nichts von der Neugründung mitbekommen hat, kann sich natürlich einbringen. Ein paar Infos dazu finden sich im Mitmach-Aufruf.

Neues deutschsprachiges OA-Journal: "027.7 – Zeitschrift für Bibliothekskultur"

Bernhard Herrlich, Andreas Ledl und David Tréfás haben sich entschieden, ein neues deutschsprachiges OA-Journal herauszugeben, dass eine Nische neben Libreas & Co füllen soll: 027.7 – Zeitschrift für Bibliothekskultur. Ein längeres Zitat aus dem Editorial zur Entstehungsgeschichte:

Wir, drei wissenschaftliche Bibliothekare der Universitätsbibliothek Basel, haben seit geraumer Zeit darüber gesprochen, dass dem Bibliothekswesen im deutschsprachigen Raum ein Open Access-Journal gut tun würde. Kurz nachdem wir uns entschlossen, ein solches zu gründen verkündete am 14. Juni 2012 die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) in einer Pressemitteilung, die Zeitschrift „Bibliotheksdienst“ werde ab 2013 beim Verlag De Gruyter erscheinen, woran sich eine Open Access-Debatte entzündete.

Noch am selben Tag forderte Eberhard R. Hilf, es brauche „mutige Bibliothekare“, die „eine entsprechende OA Zeitschrift aufmachen und dafür werben“ (Hilf 2012). Dass sich solch couragierte Kolleginnen und Kollegen fanden, davon kann man sich auf dem Etherpad und Wiki des Projekts „newLIS“ und auf Twitter (#newlis) eindrucksvoll überzeugen. Umso überraschender kam am 4. Februar dieses Jahres die soweit wir sehen unwidersprochene Mitteilung, das Vorhaben sei gescheitert. In Kommentaren wurden zwischenzeitlich auch schon Gründe für den missglückten Versuch herausgearbeitet, so dass man leider wohl tatsächlich von einem – wenn auch in der Diskussion fruchtbaren – Fehlschlag ausgehen muss (vgl. Kaden 2013). Trotz ständiger Bedenken wegen des zu erwartenden grossen Wurfs aus Deutschland (noch dazu unterstützt von der HTW Chur), der unsere Pläne auf sehr wackligen Beinen stehen liess und im Erfolgsfall zunichte gemacht hätte, haben wir es letztendlich trotzdem gewagt: Wir haben „027.7“, die „Zeitschrift für Bibliothekskultur“, aus der Taufe gehoben.

Dem ersten Aufbruch und der Andeutung der HTW Chur folgte leider tatsächlich nichts mehr, die #newLIS-Debatte zerfaserte. Das ist zwar schade, aber immerhin konnte dieses zumindest vorläufige Scheitern von den 027.7-Machern produktiv verarbeitet werden.

In der ersten Ausgabe des mit OJS produzierten Journals finden sich nun ein paar Artikel im Themenrahmen “Bibliothek 2.0 am Ende?! / Library 2.0 on the Ropes?!”. Die drei Herausgeber schreiben zur Konzeption:

1. 027.7 ist bewusst als herkömmliche Zeitschrift mit Themenheften konzipiert, die vorläufig ausschliesslich elektronisch erscheint.
2. 027.7 versucht, ein Open beziehungsweise Post Peer Review-Verfahren zu etablieren.
3. Gegenwärtig besteht 027.7 aus 3 Rubriken: Editorial, Artikel/Articles und Standortwechsel/Relocation. Letztere ist im wahrsten Sinne geografisch zu verstehen und
soll helfen, die im Hauptteil verhandelten Thesen aus dem deutschsprachigen bzw. europäischen Raum durch einen nicht eurozentristisch geprägten Blickwinkel zu ergänzen und gegebenenfalls neu einzuordnen.

Besonders der Blick über den Tellerrand, bzw. der Blick von außerhalb auf unseren Teller kann sehr reizvoll sein, wie ich auch im Nachhinein am Beispiel der infobibschen LibWorld-Reihe immer wieder feststellen muss. Weitere Details sind dem Editorial zu entnehmen. Dort steht abschließend:

Wir bitten um Verständnis, dass 027.7 möglicherweise noch nicht seine endgültige Form erreicht hat, sich weiterentwickeln und hoffentlich wachsen wird. Es ist ein kleiner Anfang – aber es ist ein Anfang.

Dafür muss man m.E. nicht um Verständnis bitten. Ein starre Publikation wäre ungleich langweiliger.

Tim Gowers will Overlay-Journal gründen

Tim Gowers (der mit der Fields-Medaille und Cost of Knowledge) möchte ein Overlay-Journal gründen:

Ein französisches Forschungszentrum will die Zusammenstellung von Fachzeitschriften mit “Open Access”-Artikeln des arXiv-Servers deutlich vereinfachen und so Wissenschaftsverlagen stärkere Konkurrenz machen. Üblicherweise werden kostenfreie Online-Magazine gesondert formatiert. Bei der geplanten Variante solle das wissenschaftliche Magazin dagegen aus einer reinen Verzeichnisstruktur in Form eines klickbaren Inhaltsverzeichnis bestehen, erläuterte Tim Gowers, Mathematiker an der Universität Cambridge, das Vorhaben in einem Blogeintrag.

Mehr bei Heise.de.

GMS Medizin — Bibliothek — Information

Wenn es um bibliothekarische, deutschsprachige Open-Access-Zeitschriften geht, werden meist dieselben Beispiele genannt. Libreas, die VÖB-Mitteilungen und neuerdings auch Perspektive Bibliothek. Vergessen wird dabei immer wieder – und m.E. zu Unrecht – GMS Medizin — Bibliothek — Information.

Dabei handelt es sich um ein echtes OA-Journal, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen, mit CC-Lizenzierung und Beiträgen unterschiedlichster Art. Dort werden zum Beispiel Fachbeiträge über Repositories, Poster über Bibliometrie oder Mitteilungen zur Aachener Erklärung über den Erwerb von elektronischen Büchern veröffentlicht.

PS: Die neunte Open-Access-Wette (PDF) auf der Inetbib-Tagung ist damit übrigens schon fast erfüllt.

PPS: Lange nichts mehr zum Thema newLIS gehört…

Keine Ausrede für Paywall-Journals von Fachgesellschaften

Das Argument, dass diese oder jene Zeitschrift eine Fachgesellschaft finanzieren würde, fällt häufiger, wenn es darum geht, eine Zeitschrift OA zu stellen. Die passende Antwort hat Mike Taylor im Guardian formuliert:

But this paywalled journal’s subscription fees fund its scholarly society …

No. This is the tail wagging the dog. The purpose of a scholarly society is to promote scholarship, which is best done by making that scholarship available. A society that cares more about preserving its own budget than about the field it supposedly supports has lost its way. Societies need to find other ways to fund their activities. And yes, I am talking to you, Society of Vertebrate Paleontology (my own field’s society). You cannot support the science of vertebrate palaeontology by taking science and hiding it where most people can’t see it.

Mir ist so, als hätte ich das aus dem Bibliothekswesen auch schon das eine oder andere Mal vernommen.

Starting an Open Access Journal: a step-by-step guide

Martin Eve erklärt in einem Fünfteiler, worauf es bei der Gründung eines Open-Access-Journals ankommt. Hier geht es los.

Schon im ersten Teil wartet er mit der Erkenntnis auf, die banal klingt, bei der Diskussion um Systeme und technische Anforderungen doch leicht übersehen wird:

What takes the time, energy and willpower is to get the social, rather than technical aspects sorted.

In diesem Sinne: Mal sehen, ob aus der Ideensammlung #newLIS tatsächlich eine Zeitschrift wird.

[gefunden im newlis-Wiki]

Neues BID-Journal: Library Essentials

Weitgehend unbemerkt 1) Zur Zeit drei Links auf die Startseite via Google zu finden: von der Öffentlichkeit ist ein neues Journal entstanden: Library Essentials – Fakten und Berichte für Informationsspezialisten 2) Der Titel ist auch der Name eines Infoseite für “Home Library Furniture Tips & More”. Aber originelle Namensfindung im BID-Bereich ist wirklich alles andere als einfach. Vgl. “Infobib”, “Netbib”, “Inetbib”, “Bib-Info” und so weiter. . Es erscheint – wie B.I.T Online – bei Dinges & Frick und Chefredakteur ist – wie bei B.I.T Online – Rafael Ball. Diesmal in Kooperation mit Erwin König.

König ist auch gleich fleissigster Autor. Er hat fast alle bisher erschienen Artikel geschrieben. Neben seinen Artikeln gibt es noch ein paar von einem Anonymus namens wg und ein Editorial von Rafael Ball.

Es ist kein OA-Journal.

Technisch ist im NewLIS-Kontext vielleicht interessant, dass es sich bei Library Essentials um ein einfaches WordPress-Blog handelt. Für die Abonnementfunktion wird anscheinend das kostenpflichtige Plugin s2Member verwendet. Dies scheint mir auch so ziemlich das einzige sein, was die Plattform von einem gewöhnlichen Blog unterscheidet.

References   [ + ]

1. Zur Zeit drei Links auf die Startseite via Google zu finden:
2. Der Titel ist auch der Name eines Infoseite für “Home Library Furniture Tips & More”. Aber originelle Namensfindung im BID-Bereich ist wirklich alles andere als einfach. Vgl. “Infobib”, “Netbib”, “Inetbib”, “Bib-Info” und so weiter.

#newlis: Burning down the house

Der Bibliotheksdienst wechselt wie schon IWP zu de Gruyter, siehe unter anderem Archivalia. Und bekommt nun eine moving wall von satten zwölf Monaten.

Ich selbst habe nur einen Artikel im Bibliotheksdienst veröffentlicht, das ist auch schon ein bißchen her. Aber der Bibliotheksdienst ist die einzige bibliothekarische Zeitschrift, die ich immer noch als Printexemplar im Zeitschriftenumlauf bekomme. Der Bibliotheksdienst bringt zu oft die berüchtigten Liebesbriefe an die Projektfinanzierer. Aber manchmal eben auch Perlen wie Joachim Eberhardts “Was ist (bibliothekarische) Sacherschliessung?”

Daher tut es mir tatsächlich leid, nun sagen zu müssen: Ich hoffe, dass der Bibliotheksdienst an Autorenmangel eingeht. Für die interessanten Artikel, die dennoch veröffentlicht werden sollen , wird nun in einem – zur Zeit teils schwer erreichbaren – Etherpad über Alternativen diskutiert. Gemeint ist damit die Neugründung eines OA-Journals für den BID- oder LIS-Bereich.

Mögliche Anknüpfungspunkte: