Zum Umgang mit verschmutzten Büchern

Dörte Böhner fragt drüben bei Bibliothekarisch.de nach Erfahrungen und Tipps im Umgang mit verschmutzten Büchern. In den Kommentaren ist noch reichlich Platz für sachdienliche Hinweise, die man übrigens auch pseudonymisiert abgeben kann, wenn man sich nicht outen möchte.

Nebenbei bemerkt halte ich solche Themen für hervorragendes Call-For-Paper-Material für die Informationspraxis: “Die schmutzigen Geheimnisse der Bibliothek – wie halten wir die Medien, Möbel und MitarbeiterInnen sauber? Wie reinigen wir, wenn mal etwas schief geht? Was sind Marginalien, was muss weg?”

Third-Party-Elements in Bibliothekswebseiten – wer liest mit?

Vor einiger Zeit wies ich hier auf ein Interview zu Third-Party-Elements hin. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich zwischenzeitlich einen Artikel zu diesem Thema in der Informationspraxis veröffentlichen konnte:

Titel: Third-Party-Elemente in deutschen Bibliothekswebseiten
Abstract:

4753 Webseiten wurden mit der Open-Source-Software webXray auf die Einbindung von Elementen untersucht, durch die Dritte über den Abruf einer Webseite durch einen Browser von einem Server informiert werden können. 54,77 % der analysierten Webseiten wiesen solche Third Party Elements (TPE) auf. 18,94 % setzten Cookies ein, 44,81 % banden Javascript von Drittanbietern ein. Google-Services dominieren die TPE-Anbieterliste, sie werden in 30,02 % der untersuchten Webseiten verwendet.

Warum ich den Artikel geschrieben habe, ist im vorletzten Absatz recht gut zusammengefasst:

Dieser Artikel soll einen Beitrag dazu leisten, sich der Verpflichtungen des Bibliothekswesens hinsichtlich der informationellen Selbstbestimmung ihrer NutzerInnen bewusst zu machen. Zur freien Verfügbarkeit von Informationen gehört immer auch die Möglichkeit, diese unbeobachtet nutzen zu können.

Den Volltext gibt es als PDF, HTML und EPUB. Wer übrigens mit einfachen Mitteln mal schauen möchte, welche Webseiten – z.B. auch die eigene Bibliothekswebseite –  Dritte mitschnüffeln lassen, dem sei die Firefox-Erweiterung Lightbeam ans Herz gelegt.

Beat Mattmann: Die digitale Zugänglichkeit von Archivalien: Stand der Dinge aus Praxissicht

In der Informationspraxis ist nun der vielleicht weltweit erste Call for Call for Papers und der erste Artikel mit Archivbezug erschienen.

Die digitale Zugänglichkeit von Archivalien: Stand der Dinge aus Praxissicht / Beat Mattmann

Abstract:

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – ein Sprichwort, das bei der Digitalisierung von Kulturgut nicht immer gilt, wie dieser Artikel zeigt. Natürlich sind die Chancen der Digitalisierung allgemein bekannt. Der Weg zur Nutzung dieser Chancen ist allerdings nicht selten steinig. Eine Digitalisierung ist weder günstig, wie dieser Artikel vorrechnet, noch rechtlich immer unproblematisch. In der Praxis zeigt sich jedoch ein kreativer Umgang mit diesen Hürden – durch effiziente Ressourcennutzung, aber auch progressive Rechtsauslegungen oder Beteiligung an Gesetzesrevisionen. Mit diesem Willen ist man also, trotz ungünstiger Rahmenbedingungen, auf einem guten Weg, auch wenn dieser Geduld erfordert.

Hier geht’s zum Volltext

Frisch veröffentlicht: Roving in der Bibliothek der Hochschule Hannover

Gerade wurde ein Artikel von meiner Kollegin Andrea Hofmann und mir in der Informationspraxis veröffentlicht, in dem ein Experiment beschrieben wird, nach dessen Ausgang wir in den letzten Jahren etliche Male befragt wurden. Wir haben natürlich stets Auskunft gegeben, aber eine richtige Zusammenfassung des Ganzen stand noch aus. Nun ist der Artikel über “Roving Librarians in der Zentralbibliothek der Hochschule Hannover: ein Experiment” also erschienen:

Abstract:

In der Zentralbibliothek der Hochschule Hannover wurde ab Wintersemester 2012 ein Experiment mit Roving Librarians durchgeführt, um die Auskunftsqualität zu verbessern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek liefen zu diesem Zweck mit einem Netbook ausgerüstet durch den Benutzungsbereich der Bibliothek, um Fragen der Nutzer und Nutzerinnen gleich dort aufzufangen, wo sie entstehen. Der Versuch kann nicht als erfolgreich bezeichnet werden, doch konnten während des Experiments wertvolle Einblicke in Nutzerwünsche gewonnen werden.

Besonders erfreulich an dieser Publikation ist für mich, dass wir hier kein Projekt beschreiben, bei dessen Umsetzung ein Rad ins andere gegriffen hat und der selbstverständlich eingetretene Erfolg von Anfang an klar ersichtlich war. Nein, wir haben das Roving ausprobiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es zumindest in unserer Umsetzung, zu der Zeit des Experiments und in unserer Bibliothek nicht funktioniert hat. Und wir haben darüber hinaus noch einiges andere über unsere NutzerInnen und ihre Bedürfnisse gelernt. Der Artikel möchte ein konstruktives Scheitern beschreiben, also genau das, was schon beim 3. Bibcamp in Hannover, von Anne Christensen oder in einer älteren Libreas-Ausgabe (siehe auch hier) thematisiert wurde.

PS: 2007 wurde das Roving hier im Blog übrigens erstmals thematisiert.

Hauschke/Liventsova: Erstellung wiederverwendbarer RDF-Geodaten mit Google Refine

Gemeinsam mit Elena Liventsova habe ich meinen ersten Informationspraxis-Artikel veröffentlicht: Erstellung wiederverwendbarer RDF-Geodaten mit Google Refine.

Abstract:

Das Forschungsinformationssystem VIVO bietet als Linked-Data-basiertes System die Möglichkeit, Daten aus anderen Quellen wiederzuverwenden. In der Praxis kann man dabei auf Konvertierungsprobleme stoßen. Oft liegen Daten nur in tabellarischem Format vor, z.B. als CSV-Datei. Zur Konvertierung dieser Daten existieren verschiedene Werkzeuge, viele dieser Werkzeuge erfordern jedoch entweder spezielle technische Umgebungen (oft Linux-Systeme) oder sie sind in der Bedienung sehr anspruchsvoll. Im Artikel wird ein Workflow für die Konvertierung von Daten aus GeoNames für VIVO mit Google Refine beschrieben.

Das Ergebnis des beschriebenen Vorgangs wurde schon hier im Blog erwähnt und ist auf Zenodo und auf Github zu finden.

Es war übrigens sehr aufschlussreich, den Informationspraxis-Veröffentlichungsprozess einmal aus Autorensicht zu erleben. Und nun kann ich die Veröffentlichung dort auch als Autor durchaus empfehlen – was vermutlich niemanden überraschen wird. Das nicht-anonyme Peer Review empfand ich als sehr konstruktiv. Schwächen des Artikels konnten behoben werden, und dadurch, dass die Begutachtung nicht anonym war, konnten direkte Rückfragen die Bearbeitung des Artikels erheblich beschleunigen. Meine Erfahrungen decken sich an dieser Stelle mit dem Feedback, dass wir bislang von anderen AutorInnen bekommen haben. Wer das auch erfahren möchte: hier geht es lang!

De Gruyter, die ZLB und der Bibliotheksbärendienst

Eigentlich wollte ich zum Bibliotheksdienst nichts mehr schreiben. Viele andere vermutlich auch nicht. Adrian Pohl hat dies letztens aber getan, und zwar höchst lesenswert und unter dem hübschen Titel Bibliotheksbärendienst. Worum ging es?

Adrian wollte auf einen Artikel verlinken, den er selbst 2009 im Bibliothekdienst veröffentlicht hat. Er stellte dabei fest, das dieser Artikel nicht frei im Web verfügbar ist und stellte die Frage, ob die ZLB überhaupt das Recht hatte, die Nutzungsrechte an de Gruyter zu übertragen. Klaus Graf meint dazu: nein.

Adrian Pohl hat De Gruyter auch direkt gefragt und die Antwort in seinem Blog veröffentlicht. De Gruyter sieht sich im Recht  und verlangt für alte Bibliotheksdienst-Artikel satte 30 Euro.

Sehen wir es positiv und als ganz großartige Öffentlichkeitsarbeit für die inzwischen beachtliche deutschsprachige Open-Access-Landschaft im Bibliotheks- und Informationsbereich –   und das ausgerechnet in der Open Access Week!

Ich möchte hier einmal direkt zur Mitarbeit bei der Zeitschrift aufrufen, bei der ich mich selbst engagiere, der Informationspraxis. Und darauf hinweisen, dass es darüber hinaus noch  027.7, GMS Medizin, Bibliothek, Information, Libreas, O-Bib, Perspektive Bibliothek und die VÖB-Mitteilungen gibt. Und vielleicht noch andere, die ich gerade übersehen habe.

Wer offene Fachkommunikation befördern möchte – und nur offene Fachkommunikation ist in meinen Augen tatsächlich stattfindende Fachkommunikation – hat eigentlich keine Ausrede mehr. Egal, ob man sich mit der Schweizer Verbundlandschaft, mit Problemen beim Einsatz von Textvergleichsprogrammen zur vermeintlichen Plagiatsvermeidung, mit sozialer Bibliotheksarbeit, Anforderungen an einen Fachinformationsdienst, RFID in Bibliotheken oder mit Barrierefreiheit für Digitale Bibliotheken beschäftigt: Es gibt eigentlich kein Thema mehr, für das sich nicht ein Ort außerhalb der früher mal üblichen Zeitschriften finden würde. Schön wäre dann noch der Schritt weg von den sattsam bekannten Sammelbänden, die meist doch eh nur Artikelsammlungen sind, hin zu Themenschwerpunkten in OA-Zeitschriften.

Tl;dr: Kein Mensch braucht mehr den Bibliotheksdienst. Aber der Bibliotheksdienst braucht Menschen. Es werden sich in den nächsten Jahren mehr und mehr Menschen für die oben genannten Open-Access-Optionen entscheiden. Und dass der Bibliotheksdienst im Toll-Access-Knast steckt, ist erbärmlich.

Welche Artikel sollten geschrieben werden?

Kürzlich überlegte ich mir, welche Artikel für Informationspraxis geschrieben werden sollten, immer nach dem Motto: Was würde ich gerne lesen? Dabei ist in wenigen Minuten schon einiges zusammengekommen.

1. Welche E-Books entsprechen der Aachener Erklärung?
Die Aachener Erklärung stieß bei eigentlich allen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, auf große Zustimmung. Viele E-Book-Pakete, die sich in den wissenschaftlichen Bibliotheken großer und stetig wachsender Beliebtheit erfreuen, erfüllen jedoch zahlreiche der genannten Kriterien nicht. Wäre es nicht nützlich, die zehn, zwanzig, dreißig größten E-Book-Anbieter einmal durchzutesten und in einer großen Tabelle auf Anhieb sichtbar zu machen, wer einwandfreie Ware liefert und wer nicht?

2. Chat-Software für Bibliotheken
Ein ausgelutschtes Thema? Ja, einerseits schon. Der große Aufmerksamkeitsboom war vor ein paar Jahren. Doch immer wieder erreichen mich Anfragen, welche Chatsoftware unsere Bibliothek einsetzen würde, ob wir zufrieden seien und überhaupt. Das wäre doch mal eine nützliche Themenstrecke! “Chat-Software X : ein Praxisbericht aus der Bibliothek der Hochschule Irgendwo ” oder “Chat-Software Y : Pro und Contra”.

3. Linked Open Data in der Praxis
Ja, dieser Lizenzkram ist wichtig, und da gibt es auch ganz viele tolle Tools. Aber wie kann ich als Bibliothekar ohne Programmierkenntnisse Linked Data produzieren, publizieren und – nicht zu vergessen – auch nutzen und nachnutzen? Kleine Berichte über Praxisprojekte wären schick und lesenswert. Das Thema ist spannend, benötigt aber Nachahmenswertes, um in der Breite anzukommen.

4. Auskunft 2015
Wir sitzen in der Bibliothek und warten darauf, dass uns jemand fragt. Ist das so? Oder macht es jemand anders? Wie? Hat die Auskunft überhaupt eine Zukunft?

5. Hidden Champions im Bibliotheksalltag
Was gibt es für kleine Helferlein im Bibliotheksalltag, die in den Bibliotheken ausgedacht und entwickelt wurden und unspektakulär und hilfreich ihren Dienst tun?

Was fehlt denn der werten Leserschaft? Schreibt es in die Kommentare! Bloggt es selbst (und sendet vielleicht einen Trackback, damit ich die Vorschläge finde) und vor allem: Schreibt die Artikel!