Wiebke Duda: Stadtbibliothek Wolfsburg – Eine Usability-Studie

Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit den Themen Usability digitaler Bibliotheksangebote, Nutzerorientierung und Zielgruppendefinition von Öffentlichen Bibliotheken. Die Bearbeiterin untersucht die Website der Stadtbibliothek Wolfsburg. Die Zielgruppen der Stadtbibliothek werden unter Berücksichtigung der demografischen Struktur der Region definiert. Ebenso werden die Entstehungsgeschichte der Stadt beschrieben und wirtschaftliche Einflüsse aufgezeigt. Eine regionale Besonderheit ist die Abhängigkeit der Stadt Wolfsburg zum Volkswagen-Konzern, welche sich einmal mehr durch aktuelle Ereignisse wie den „Abgasskandal bei Volkswagen“ aus dem Jahr 2015 zeigt. Diese regionalspezifischen Aspekte haben insgesamt eine große Relevanz für die zielgruppenorientierte und nutzerfreundliche Gestaltung der Bibliothekswebsite. Allgemein gültige Usability-Standards werden hier an individuelle Faktoren angepasst. Unter Berücksichtigung der Zielgruppendefinition und mithilfe einer Kombination der Usability-Methoden Personas-Verfahren, der Recherchedokumentation im Stil eines Thinking-Aloud-Protokolls und dem Abgleich mit ausgewählten Usability-Kriterien aus dem BibEval-Kriterienkatalog der HTW Chur untersucht die Bearbeiterin den Internetauftritt der Stadtbibliothek Wolfsburg im Praxisteil dieser Bachelorarbeit. Eine zusammenfassende Auswertung zeigt Stärken und Schwächen der Website auf und nennt darüber hinaus Verbesserungspotenziale. Diese Arbeit ist interessant für Bibliothekare, die sich mit der Usability und Nutzerorientierung von digitalen Inhalten nach den spezifischen Zielgruppen einer Institution und ihrem Umfeld auseinander setzen möchten.

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Claudia Heitfeldt: Nutzungsformen digitaler Spiele im Kontext öffentlicher Bibliotheken

“Nutzungsformen digitaler Spiele im Kontext öffentlicher Bibliotheken – Erstellung eines Konzepts zur Verknüpfung digitaler und analoger Spielstrategien” von Claudia Heitfeldt

Abstract:

Die Aufnahme von Computerspielen in den Bibliotheksbestand stellt viele Einrichtungen vor neue Herausforderungen, da diese Medien vermehrt nicht in physischer Form vertrieben werden. Welche grundlegenden Überlegungen kommen auf Bibliotheken und ihre Mitarbeiter zu, wenn sie Konzepte zum Einsatz digitaler Spiele erarbeiten und mit diesen Medien erfolgreich arbeiten wollen? Anhand von Best-Practice-Beispielen werden innovative Ideen aufgezeigt, die abseits eines reinen Verleihkonzepts Bibliotheken in Spiel- und Lernorte verwandeln, in denen alle Medien gleichberechtigt als Informationsträger nebeneinander eingesetzt werden. Ausgehend von der Geschichte der Computerspiele über die Beleuchtung der Zusammenhänge zwischen der Nutzung digitaler Spiele und der Steigerung von (Lern-)Kompetenzen zeigt diese Arbeit abschließend ein Konzept, wie digitale und analoge Spielstrategien verknüpft und Nutzern ein einzigartiges Spielerlebnis im Bibliotheksraum geboten werden kann.

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Frisch veröffentlicht: Roving in der Bibliothek der Hochschule Hannover

Gerade wurde ein Artikel von meiner Kollegin Andrea Hofmann und mir in der Informationspraxis veröffentlicht, in dem ein Experiment beschrieben wird, nach dessen Ausgang wir in den letzten Jahren etliche Male befragt wurden. Wir haben natürlich stets Auskunft gegeben, aber eine richtige Zusammenfassung des Ganzen stand noch aus. Nun ist der Artikel über “Roving Librarians in der Zentralbibliothek der Hochschule Hannover: ein Experiment” also erschienen:

Abstract:

In der Zentralbibliothek der Hochschule Hannover wurde ab Wintersemester 2012 ein Experiment mit Roving Librarians durchgeführt, um die Auskunftsqualität zu verbessern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek liefen zu diesem Zweck mit einem Netbook ausgerüstet durch den Benutzungsbereich der Bibliothek, um Fragen der Nutzer und Nutzerinnen gleich dort aufzufangen, wo sie entstehen. Der Versuch kann nicht als erfolgreich bezeichnet werden, doch konnten während des Experiments wertvolle Einblicke in Nutzerwünsche gewonnen werden.

Besonders erfreulich an dieser Publikation ist für mich, dass wir hier kein Projekt beschreiben, bei dessen Umsetzung ein Rad ins andere gegriffen hat und der selbstverständlich eingetretene Erfolg von Anfang an klar ersichtlich war. Nein, wir haben das Roving ausprobiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es zumindest in unserer Umsetzung, zu der Zeit des Experiments und in unserer Bibliothek nicht funktioniert hat. Und wir haben darüber hinaus noch einiges andere über unsere NutzerInnen und ihre Bedürfnisse gelernt. Der Artikel möchte ein konstruktives Scheitern beschreiben, also genau das, was schon beim 3. Bibcamp in Hannover, von Anne Christensen oder in einer älteren Libreas-Ausgabe (siehe auch hier) thematisiert wurde.

PS: 2007 wurde das Roving hier im Blog übrigens erstmals thematisiert.

Am Kunden vorbei entwickeln?

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden. In der Überschrift steht übrigens “Kunde”, weil im Text von “customers” gesprochen wird.

As pointed out by Steve Jobs, customers notoriously do not know what they want. No wonder 35% those who engage in co-creation are disappointed by the results, as shown by the 2013 YMS.

Nutzerforschung ist das eine, doch manchmal erweist es sich als nützlich, die Wünsche der Nutzer einfach zu ignorieren. Mehr hier.

#notourpatrons – nicht gehaltener Lightning Talk über Nutzerforschung

Auf dem 2. Deutschen VuFind-Anwendertreffen wollte ich eigentlich einen Lightning-Talk mit der Kernaussage halten, dass die einschlägig bekannten Nutzerstudien viele hilfreiche Ansatzpunkte zur Verbesserung von Dienstleistungen bieten können. Der Talk fand nicht statt, aber die Folien möchte ich nun nicht einfach auf der Festplatte in Vergessenheit geraten lassen. 1) Besonders den Hinweis auf den INETBIB-Vortrag von Ursula Schulz möchte ich als leichten Einstieg in die Materie hier noch einmal explizit empfehlen. Ebenso deutlich möchte ich erwähnen, dass im Einzelfall lokale Bedürfnisse und Voraussetzungen von den “Standard-Empfehlungen” abweichen können.

Ein gutes Beispiel wurde während des Treffens von Jessica Drechsler vorgeführt (PDF). Sie präsentierte die VuFind-Installation des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung (GEI). Deren Nutzerschaft ist hochspezialisiert und hat ein ebenso spezielles Suchverhalten. Die Suche nach Titeln oder Autoren funktioniert bei Schulbüchern anscheinend oft nur schlecht oder gar nicht. Ein vielleicht denkbarer Fall wäre die Suche nach Grundschulliteratur (Schulform) aus den 80er-Jahren (Zeitraum) in Südafrika (Land) für ein bestimmtes Schulfach. Ein einfacher Suchschlitz ist in hier nicht das ideale Suchwerkzeug.

Wenn man partout seine NutzerInnen nicht befragen möchte, sind die Standard-Faustregeln sicherlich eine gute Richtlinie. Im Idealfall müssten im Zuge der lokalen Anpassungen wie beim GEI einige dieser Regeln über Bord geworfen werden.

Frei nach Ranganathan: Jedem Benutzer seine Suchwerkzeuge. Oder zumindest jeder Bibliotheksbenutzerschaft.

References   [ + ]

1. Besonders den Hinweis auf den INETBIB-Vortrag von Ursula Schulz möchte ich als leichten Einstieg in die Materie hier noch einmal explizit empfehlen.

Brauchbare Bezeichnung für "Institutional Repository" gesucht

Heute vormittag fragte ich die Twitterwelt:

Aus den zahlreichen Rückmeldungen der KollegInnen stellte ich eine Liste zusammen, mit der ich durch die Bibliothek (und zum Süßigkeitenautomaten) ging. Das gesammelte Feedback:

Bezeichnung Bibliotheksmitarb. StudentInnen Wiss./Prof.
Dokumentenserver 1 3 1
Publikationsserver 2 2
Publikationsdienst 2 1
Hochschulschriftenserver 1
Publikationsplattform 1

Dokumentenserver liegt in dieser mäßig repräsentativen Umfrage vorne. Interessant ist, dass allerdings nur zu dieser Bezeichnung auch explizite Einwände kamen. Von immerhin drei Personen wurde geäußert, dass man in einem Dokumentenserver eher Immatrikulationsformulare und ähnliches vermutet.

Wie Nutzer unsere Kataloge sehen

An der Bibliothek der Hochschule Hannover haben wir seit ein paar Wochen VuFind im Beta-Einsatz. Den Begriff “Beta” fassen wir in einer ähnlichen Weise auf, wie er in der Wikipedia beschrieben wird:

Der Nutzen eines Betatests besteht darin, dass Fehler, die typischerweise erst in der Praxis auftreten, wie zum Beispiel Konflikte mit anderen Programmen oder Probleme mit bestimmten Hardwarekomponenten, schon vor dem Release des Programms erkannt und behoben oder zumindest dokumentiert werden können.

Dass wir BibliotheksmitarbeiterInnen mit jahre- bis jahrzehntelanger Bibliotheks- und Katalogerfahrung nicht geeignet sind, unser neues System aus Nutzerperspektive zu beurteilen, war uns klar. Also hat meine Kollegin Andrea Hofmann einen Fragebogen konzipiert, den wir mit verschiedenen Nutzern durchgehen wollten. Gesagt, getan:

Das Testszenario war recht einfach. Wir haben StudentInnen und KollegInnen mit Kaffee und Keksen in unseren Besprechungsraum gelockt und sie dort vor den Katalog gesetzt. Meine Kollegin unterhielt sich mit den Testern und ging mit ihnen die Fragen und Aufgaben aus dem vorbereiteten Fragebogen durch. Ich saß im Hintergrund, beobachtete und machte Notizen. Die Ergebnisse haben uns teils bestätigt, teils überrascht.

Da wir nicht die einzige Bibliothek sind, die gerade an der Oberfläche von Discovery-Systemen herumschraubt, möchten wir ein paar der wichtigsten Erkenntnisse hier zusammenfassen:

Kleine Fehler und Unbequemlichkeiten

Erwartungsgemäß sind den Testern gleich ein paar Fehler oder Unbequemlichkeiten in der Usability aufgefallen. Das Fenster für die Autocomplete-Vorschläge war beispielsweise nicht breit genug. Die Vorschläge waren abgeschnitten und wurden dadurch unbrauchbar:

Verwirrende Dialoge und unklare Angaben

Die Favoritenfunktion war einigen Testern zu überladen. Man muss im Favoriten-Popup scrollen, um speichern zu können. Und durchschnittliche Nutzer scrollen nicht gern. Auch war einigen nicht klar, was Tags sind. Und noch wichtiger: wo diese Angaben auftauchen. Letzteres haben wir provisorisch behoben, indem wir das Formular um die Angabe ergänzt haben, was öffentlich ist und was nicht.

Verfügbarkeitsinformationen

Die Darstellung der Verfügbarkeitsinformationen in der Vollanzeige wurde teils als unübersichtlich empfunden. Daran arbeiten wir ohnehin gerade. Die wiederholten Wünsche nach Anzeige des Rückgabedatums und der Zahl der Vormerkungen sind verständlich, können aber leider noch nicht umgesetzt werden.

Bibliothekarische Begrifflichkeiten sind unverständlich

Bibliothekarische Begrifflichkeiten sind Nichtbibliothekaren ebenso unverständlich, wie Versicherungsvokabular Nichtversicherungsmenschen unverständlich ist. Dieser Kritikpunkt war zu erwarten. Erstaunt waren wir ein bißchen, welche Begrifflichkeiten unklar sind. “Artikel” zum Beispiel ist vielen offenbar geläufiger als “Aufsatz”. Hier wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal mehr Zeit investieren, um ein Vokabular zu finden, das sowohl die exakte Beschreibung des Bestandes erlaubt als auch allgemein verständlich ist.

Ein klarer Kritikpunkt war in diesem Zusammenhang auch unser “Collections”-Filter. Wir hatten Facetten, mit denen sich “Bibliotheksbestand”, “Nationallizenzen” und “Online Contents” filtern ließen. Bibliotheksbestand leuchtete ein, “Nationallizenzen” war allen unklar und “Online Contents” wurde als “online verfügbare Dokumente” missverstanden.

Die Funktion der übrigen Facetten war allen Testern klar und wurde für sinnvoll befunden. Es wurden spontan keine weiteren Facetten vermisst.

Trefferliste zu lang (und zu voll)

Die Trefferliste wurde von fast allen als viel zu lang empfunden. Gewünscht wurden mehr Treffer auf einen Blick. Die bis dahin in der “Kurzliste” angezeigten Verfügbarkeitsinformationen (z.B. Standort und Signatur) wurden an dieser Stelle meist als überflüssig gesehen.

Wir haben zusätzlich die “Ähnlichen Schlagworte” entfernt, um größere Teile der Ergebnisliste auf den Bildschirm zu bekommen. Denn: Nutzer scrollen nicht gerne! 1) Vgl. “Verwirrende Dialoge und unklare Angaben”

Usability der grafischen Zeitleiste

Die Bedienung der grafischen Zeitleiste (Markierung des gewünschten Zeitraums) wurde von keinem Testnutzer ohne Hilfestellung verstanden. Als nützlich wurde die Darstellung der Erscheinungsjahre – im Sinne einer Infografik – meist dennoch empfunden.

Suche nach Dokumententyp

Wir wollten auch herausfinden, wie Nutzer gezielt nach Zeitschriftenartikeln eines bestimmten Autors suchen. Interessanterweise wurde daraufhin mehrfach nach „Bill Gates Artikel“ oder „Bill Gates Zeitschrift“ gesucht. Wir wollen nun verfolgen, 2) In nicht allzu ferner Zeit werden wir eine weitere Gruppe Nutzer unter Beobachtung auf unseren neuen Katalog loslassen. Zusätzlich erfassen wir – selbstverständlich anonymisiert – die Nutzung des Katalogs mit PIWIK. ob wir diese Art der Suche ausgelöst haben oder ob es sich um ein gängiges Suchmuster handelt. Falls letzteres, könnte man darüber nachdenken, diese Art der Suche zu ermöglichen.

Sonstige Bemerkungen

Das waren im wesentlichen die Kritikpunkte. Insgesamt wurde VuFind als “freundlicher”, “einladend” und “umfassend” empfunden. Die Formulierung “besser als der alte Katalog” fiel im Wortlaut mehrfach. Ebenso gab es (positive) Vergleiche zu Ebay, Amazon und Immobilienportalen. Eigentlich war jeder Testnutzer sehr angetan. Also: weiter geht’s!

References   [ + ]

1. Vgl. “Verwirrende Dialoge und unklare Angaben”
2. In nicht allzu ferner Zeit werden wir eine weitere Gruppe Nutzer unter Beobachtung auf unseren neuen Katalog loslassen. Zusätzlich erfassen wir – selbstverständlich anonymisiert – die Nutzung des Katalogs mit PIWIK.