CARPET lässt mit sich reden

Das CARPET-Projekt ist vielen Infobib-Lesern vermutlich bekannt. In der Selbstdarstellung heißt es, dass die effiziente Nutzung von Werkzeugen und Dienstleistungen für das wissenschaftliche Publizieren unterstützt werden soll. Im Einzelnen werden

  • eine Erhebung zu vorhandenen Publikationsinstrumenten aufbereitet und in Katalogform dargestellt,
  • ein Kompass zur Analyse für die Bestimmung einer Strukturierung und Systematik entwickelt,
  • eine Kollaborationsplattform entwickelt und zur Verfügung gestellt,
  • Leitlinien zu Standards und Interoperabilität erarbeitet und
  • ein virtuelles Kompetenzzentrum aufgebaut.

In einer Umfrage versucht CARPET-Team gerade herauszufinden, wie CARPET verbessert werden könnte, wo potentielle Nutzungsmöglichkeiten liegen. Ich wurde befragt und habe das geschlossene Forum und die fehlende Kommentarfunktion benörgelt. Das war gestern. Nicht einmal 24 Stunden später wurden die News mit einer Kommentarfunktion (z.B. bei diesem Hinweis auf Doctor-Doc) und das Forum mit einem Gast-Account versehen. Daumen hoch! Die technische Möglichkeit zur Kommunikation bedeutet noch nicht, dass eine Community auch entsteht, sie ermöglicht dies aber immerhin.

In diesem Sinne habe ich den Carpet-RSS-Feed jetzt auch in die Quellen für die Yahoo-Pipe aufgenommen, aus der sich das Schaufenster der deutschen Open-Access-Szene gespeist wird. Ein Angebot, dass übrigens tatsächlich genutzt wird, wenn ich mir die Anzahl der Infobib-Besuche mit Pipe-Referrer ansehe. Im April waren es insgesamt 1928, im Mai bislang 1068. Da Infobib ansonsten kaum gepiped wird, interpretiere ich das einfach mal so, dass zumindest ein gewisser Teil dieser Besucher über die Yahoo-Pipe hierhin geleitet wird.

Schaufenster der deutschen Open-Access-Szene

Im Juni 2009 forderte ich die Öffnung der Open-Access-Szene und schlug die Einrichtung von Projektblogs vor. Die RSS-Feeds könnte man bündeln und in irgendeiner Form verfügbar machen.

Nun ist es soweit, eine Yahoo-Pipe sorgt nun dafür, dass man zumindest einen gewissen Teil der Open-Access-relevanten Blogs auf einen Blick beobachten kann.

Die Pipe funktioniert folgendermaßen:

  1. In einem Google-Doc werden die Feeds gesammelt, die für die Pipe relevant sind. Ich habe mich dafür entschieden, weil man solch ein Dokument kooperativ erstellen kann. Das heißt, die Auswahl der Feeds ist nicht abhängig von der Pflege der Pipe. Außerdem kann man Google-Spreadsheets auch als .csv anzeigen lassen. Das erleichtert die Weiterverarbeitung mit der Pipe enorm.
  2. Die Feeds werden, wie schon erwähnt, als .csv-Datei in die Pipe eingelesen und aggregiert.
  3. Der aggregierte Feed wird nach verschiedenen Begriffen durchsucht. Motto: Falls Open-Access-relevanter Begriff enthalten, dann ab ins Töpfchen; else: Kröpfchen.

Das war’s schon. Das Ergebnis findet sich nun zusammen mit einem von Lambert Heller vorgeschlagenen Twitterwidget auf der Webseite von Open-Access.net. Und hier:

Verbesserungsvorschläge werden gerne angenommen, Rumgemecker ignoriert. Das Ganze ist nicht perfekt, eben perpetual beta. Aber es ist brauchbar. Wer Blogs vermisst, möge sie hier in den Kommentaren oder per Email an info (at) openaccess-germany.de vorschlagen!

Google in China

Nerdcore:

Wenn Ihr nicht grade unter einem Stein lebt, habt ihr mitbekommen, dass offensichtlich die chinesische Regierung eine Cyberattacke gegen Google gefahren und Google dafür die Filter abgeschaltet hat, weshalb auf google.cn nun kritische Ergebnisse zu „Tiananmen“ auftauchen.

In der Tat, die Ergebnisse sind eindeutig, auch wenn ich nicht verstehe, was die Suchmaschinen (Baidu, Google, Yahoo) mir mitteilen wollen.

  1. Interessant ist, dass mit Baidu tatsächlich überhaupt drei Ergebnisse gefunden wurden, von denen zumindest das Erste Menschenrechtsbezug hat.
  2. Kann jemand den Infotext im Screenshot von Yahoo.cn übersetzen?

Open Access muss sich öffnen

Ein umfassender Rückblick auf die Open-Access-Vernetzungstage 2009 steht noch aus. Bevor ich mich in einem späteren Posting einzelnen Projekten widme, möchte ich auf ein Thema kommen, das zum Ende des Workshops von einem immer größeren Teil der Teilnehmer besprochen wurde: Die Kommunikation innerhalb der “Szene”.

Es gibt zahlreiche Projekte in der deutschsprachigen Open-Access-Szene. Dem interessierten Beobachter fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Noch schwieriger wird es, wenn man sich zum Ziel setzt, den Fortschritt einzelner Projekte im Auge behalten zu wollen. Einige Projekte und Initiativen betreiben Öffentlichkeitsarbeit nur auf Tagungen, Workshops oder aber per Journal-Veröffentlichung. Das ist weder effektiv noch dem Thema “Open Access” angemessen.

Die einfachste Lösung: Projektblogs. Jedes Projekt sollte ein Blog führen, in dem zumindest wesentliche Meilensteine dokumentiert werden. Noch schöner wäre es natürlich, wenn tatsächlich projektinterne Überlegungen offen gelegt und zur Diskussion gestellt werden. Zwei schöne Beispiele für Projektblogs sind zum Beispiel Oliver Flimms Blog zu OpenBib und der des Beluga-Projekts.

Wenn alle (oder zumindest einige) der Projekte per Blog kommunizieren, ist der nächste logische Schritt die Einrichtung eines RSS-Aggregators zum Thema Open Access. Zwei Alternativen habe ich quick’n’dirty eingerichtet. Hier eine Yahoo-Pipe, in der News-Artikel und Blogpostings aus verschiedenen Quellen aggregiert sind:

Den selben Feed habe ich auch in einen Testplaneten gepackt. Welche Quellen enthalten sind, wie ein Aggregator genau aussieht: Das ist meines Erachtens gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Projekte so schnell wie möglich anfangen, ihre Bemühungen zu dokumentieren und die Berichte irgendwie per RSS zugänglich machen. Dann findet sich schon eine Lösung, wie man einen Aggregator aufbaut, der Deutschlands Open Access in Aktion darstellt.

Dreiseitiger Suchmaschinenmarkt ohne Staat

Wolfgang Sander-Beuermann beklagt das Oligopol der größten drei Suchmaschinenanbieter (Google, Microsoft, Yahoo), die hierzulande gemeinsam auf einen Marktanteil von 98% kommen. Auffällig sei, dass es in Russland oder China einheimische Alternative gäbe, hierzulande aber nicht.

Es ist das Ergebnis beispielloser Ignoranz in der Wissenschafts- und Förderpolitik. Anstatt in realitätsnahe Zukunftstechnologien der IT zu investieren, die von den Nutzern gebraucht werden, wurden Unsummen an Fördergeldern für abgehobene Wolkenkuckucksvisionen sinnlos verbrannt. Denn das Ganze ist eine Frage des Geldes: es ist völlig naiv, zu glauben, dass technisch gute neue Ideen ausreichen würden, um neue Maßstäbe zu setzen. Nur dann, wenn solch gute neue Ideen mit ausreichend Startkapital versorgt werden, kann etwas Konkurrenzfähiges daraus werden. Solange jedoch die Wissenschafts- und Medienpolitik weiter im Tiefschlaf vor sich hin googelt, wird sich hieran nichts ändern.

Den nationalen Suchmaschinennotstand auf die Politik zu schieben, halte ich für sehr vereinfachend. Wo ist denn aus einem staatlich geförderten IT-Forschungsprojekt mal ein erfolgreiches Unternehmen geworden? Und genau darum geht es doch: um kommerziell erfolgreiche Suchmaschinen. Da ist kein Geld vom Staat gefragt, das ist Aufgabe der hiesigen IT-Firmen. Und wenn von denen keiner Geld verdienen will oder sich die Konkurrenz zu Google & Co nicht zutraut, dann ist es eben so. Beklagenswert, aber durch Forschungsprojekte nicht zu ändern.

[Via Recherchenblog]

Yahoo IDs nerven

Man gewöhnt sich ja daran, ca. 100 verschiedene Accounts für verschiedene Dienste zu nutzen. Das ist alles noch halbwegs machbar, wenn man auf die Usernamen noch einigermaßen Einfluß hat. Was bei Yahoo nicht der Fall ist. Wieso muss ich eine Email-Adresse bei Yahoo haben, um Flickr oder die Yahoo APIs nutzen zu können? Und wieso muss ich mich datentechnisch nackig machen (Geburtsdatum, Postleitzahl etc.), um einen vergessenen Account wiederzubeleben?

Dazu kommt noch, dass viele Dienste ohne Anmeldung einfach unkomfortabel sind. Wenn ich z.B. dieses Bild in dieses Posting integrieren möchte, kann ich das natürlich auch ohne Anmeldung machen. Aber die “Share This”- Option gibt’s nur nach Anmeldung. Damit geht’s ganz fluffig:

97220015

Offenheit geht anders. Web 2.0 geht anders. Dies ist ein riesengroßes Manko an Flickr, und auch an etlichen anderen Yahoo-Diensten. Die Anmeldungen sind durchweg umständlich und benutzerunfreundlich. Und Dienste wegzuschließen, die keine Personalisierung erfordern, ist kontraproduktiv.

Mach was, Yahoo!

Web-2.0-Dienste als Ergänzung zu algorithmischen Suchmaschinen

Mit sozialen Suchdiensten – wie z.B. Yahoo Clever, Lycos iQ oder Mister Wong – ist eine Ergänzung zu den bisherigen Ansätzen in der Web-Suche entstanden. Während Google und Co. automatisch generierte Trefferlisten bieten, binden soziale Suchdienste die Anwender zur Generierung der Suchergebnisse in den Suchprozess ein.

Vor diesem Hintergrund wird in diesem Buch der Frage nachgegangen, inwieweit soziale Suchdienste mit traditionellen Suchmaschinen konkurrieren oder diese qualitativ ergänzen können. Der vorliegende Band beleuchtet die hier aufgeworfene Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven, um auf die Bedeutung von sozialen Suchdiensten zu schließen.

Das Buch “Web-2.0-Dienste als Ergänzung zu algorithmischen Suchmaschinen”, das in einem Forschungsprojekt von Studierenden der HAW Hamburg, Department Information, und Lycos Research entstanden ist, gibt’s auch als kompletten Download.

[via Inetbib]

Ecocho – klickend Bäume pflanzen

Ein etwas eigenwillige Vorstellung vom Kampf gegen den Klimawandel hat das Suchinterface Ecocho:

Ecocho ist eine neue Suchmaschine, die versucht, dem Klimawandel entgegenzuwirken.
Für jeweils 1.000 Suchanfragen über Ecocho setzen wir ein Gegengewicht zum Ausgleich für bis zu einer Tonne Treibhausgase. Wir tun dies, indem wir 2 Bäume durch Werbung auf der Webseite sponsern.

Sozusagen das Krombacher-Konzept. Hier gibt’s ein bißchen mehr dazu zu lesen. Gesucht werden kann in den Ergebnissen von Yahoo und Google.

Update: Google ist ausgestiegen, wegen angeblichen Verstoßes gegen die Adsenserichtlinien.

Verworbenes PDF

Heise berichtet über Ads for Adobe PDF Powered by Yahoo:

Adobe Systems hat heute Ads for Adobe PDF Powered by Yahoo in sein Angebot aufgenommen. Bei dem Service, der momentan noch in einer Betaphase läuft, können registrierte Kunden ihre Dokumente auf einen Server hochladen, wo sie vor der Veröffentlichung mit Werbeblöcken versehen werden. Diese Werbung könne jeweils an den Kontext der Dokumente angepasst werden, heißt es in einer Mitteilung. Sie wird nur angezeigt, wenn die PDF-Dokumente mit Adobes Reader oder Acrobat betrachtet werden.

Der letzte Satz ist ein eindeutiges Argument für alternative PDF-Viewer. Eine kleine Auswahl ist hier zu finden. Wer einen schnellen Viewer für Windows sucht, sollte Foxit probieren. Dieses Progrämmchen ist um Größenordnungen schneller als der Adobe Acrobat Reader