Mixxt-Account löschen / BibCamp 2009

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen gegen eine Teilnahme am Bibcamp 2009 entschieden. Ein Grund war unter anderem die Form der Organisation über Mixxt. Zumindest für mich muss ich feststellen: Mixxt schießt mit Kanonen auf Spatzen. Blogs, Foren, Wikis, persönliche Profile, alles wird dort angeboten. Natürlich muss man die Funktionen nicht nutzen, aber durch das Überangebot wirkt Mixxt sehr unübersichtlich. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Wer sich dort angemeldet hat, wird nicht gerade mit der Nase darauf gestoßen, wie man seinen Account dort löschen kann. Um anderen die Suche zu ersparen: Wenn man angemeldet ist, findet man auf Mixxt.de den Punkt Mixxt-Einstellungen. Dort ist unter „Benutzerzugang“ die Option Zugang löschen. Im Verlauf der Abmeldung erfährt man:

Manche Beiträge von Dir werden anonymisiert und nicht gelöscht. Wieso? Zum Beispiel im Falle eines Forum-Beitrages, dessen Antworten dann bedeutungslos werden würden.

Wenn man seine Kontaktdaten also im Forum gepostet hat, bleiben sie dort erhalten.

Auch Landesregierung Baden-Württemberg gegen ungesunde Lesewuth!

Wie man dem Newsletter der Württembergischen Landesbibliothek entnehmen kann, wird dort ab dem 9. Mai eine Jahresbenutzungsgebühr von 30 Euro erhoben.

bitte beachten Sie, dass nach der Verkündigung im Gesetzblatt Baden-Württemberg, voraussichtlich mit Wirkung zum 9. Mai 2009, eine novellierte Bibliotheksgebührenverordnung in Kraft treten wird.
Neu ist die Einführung einer Benutzungsgebühr für die Landesbibliotheken (§ 2 n.F).

30 Euro! Vermutlich möchte die Landesregierung der Schweinegrippe ungesunden Lesewuth entschlossen entgegentreten.

Sehr geehrter Ministerpräsident Günther Oettinger: können Sie mir sagen, wo der Sinn dieser Maßnahme liegt? Als Volkswirt sollten Sie eigentlich wissen, dass man an dieser Stelle nicht unbedingt kürzen sollte. Betriebswirtschaftlich sind Benutzungsgebühren übrigens auch nicht immer ein Erfolgsmodell, wie unter anderem das Beispiel Schaffhausen belegt.

Notiz zum Stellenwert des Themas Bibliotheken in Baden-Württemberg: Von dort kam zu meiner Umfrage zu Landesbibliotheksgesetzen außer einer nichtssagenden Antwort der FDP keine Reaktion.

[via Netbib]

Bestandsgarantie für schlechte Arbeit?

Heise: Verleger fordern Bestandsgarantie für „Kulturgut Zeitung“

Angesichts sinkender Auflagen mahnte Bauer, junge Leser zu gewinnen. Zeitungen seien die besten Wissens- und Bildungsvermittler. „In einem horizontlosen Meer des Internets sind Zeitungen Leuchttürme.“ Ähnlich wie in Rheinland-Pfalz und im Saarland sollten deshalb auch in Nordrhein-Westfalen Auszubildende mit Unterstützung der Betriebe Zeitungen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wenn Zeitungen die besten Wissens- und Bildungsvermittler sind, dann schließe ich mich dem Chor der Abendlanduntergangspropheten stante pede an. In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit, Zeitungsartikel zu einem Thema verfolgen zu können, in dem ich mich einigermaßen gut auskenne: die Debatte um Open Access und den Heidelberger Appell. Und man möge mir bitte eine Zeitung nennen, die sich zu diesem Thema geäußert und sich nicht blamiert hat. Ich habe vielleicht ein bißchen den Überblick verloren, aber mehr oder weniger grobe sachliche Fehler fanden sich eigentlich in jeder Zeitung. FAZ, taz, SZ, …

Wer eine Bestandsgarantie einfordert, sollte Qualität liefern. Dies ist in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht der Fall, wie übrigens auch die Umwidmung des Bildblogs in ein generelles Medienwatchblog belegt. Die Gefahr, dass schlechter Journalismus durch Bestandsgarantien geschützt wird, ist mir zu groß.

Online Catalogs: What Users and Librarians Want

Die Ergebnisse einer WorldCat-Nutzerstudie von OCLC sind nun verfügbar. Selected key research findings sind:

  • The end user’s experience of the delivery of wanted items is as important, if not more important, than his or her discovery experience.
  • End users rely on and expect enhanced content including summaries/abstracts and tables of contents.
  • An advanced search option (supporting fielded searching) and facets help end users refine searches, navigate, browse and manage large result sets.
  • Important differences exist between the catalog data quality priorities of end users and those who work in libraries.
  • Librarians and library staff, like end users, approach catalogs and catalog data purposefully. End users generally want to find and obtain needed information; librarians and library staff generally have work responsibilities to carry out. The work roles of librarians and staff influence their data quality preferences.
  • Librarians’ choice of data quality enhancements reflects their understanding of the importance of accurate, structured data in the catalog.

Zum Volltext (PDF) geht’s hier.

Google News Timeline

Google News lassen sich nun auch in einer Zeitleiste darstellen:

Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden, bestimmte Zeitleisten zu verlinken. Interessant ist auf jeden Fall, dass der Youtube-Channel der Associated Press ausgewertet und eingebunden wird. Auf diese Weise bekommt man bei der Suche nach „climate change“ food z.B. diese Obama-Rede angeboten.

Genauere Infos (auch zur neuen Recommender-Funktion bei der Google-Bildsuche gibt’s im eingebundenen Video oder bei Golem.

Die FAZ versteht den Unterschied!

In der FAZ:

Wie viel für die Autoren auf dem Spiel steht, soll die Liste dokumentieren, die innerhalb eines Monats auf nun 1300 Namen gewachsen ist. Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft sind dabei, darunter Hans Magnus Enzensberger, Siegfried Lenz, Daniel Kehlmann, Sibylle Lewitscharoff und Brigitte Kronauer sowie andere, ja „nahezu alle Büchner-Preisträger der letzten Jahre“. Unterschrieben haben aber auch Übersetzer, Fotografen und Geistes- wie Naturwissenschaftler. Ein intellektuelles Pfund also. Und das trotz (oder vielleicht wegen?) des enormen Widerstandes, der sich seit der Veröffentlichung des „Heidelberger Appells“ auf den Seiten des Reußschen Instituts für Textkritik geregt hat.

Wieviel Sachkenntnis hinter solch klangvollen Namen steht, konnte man kürzlich eindrucksvoll in den Tagesthemen besichtigen. Aber wenn hier schon mit Unterschriftenzahlen angegeben wird, empfehle ich interessierten Journalisten einen Blick auf die Petition for guaranteed public access to publicly-funded research results. Dort finden sich zur Zeit 27648 Unterzeichner, die für Open Access eintreten. Ich habe keine Zeit, die ganze Liste durchzugehen, aber klangvolle Namen sind dort mit Sicherheit auch enthalten.

Immerhin sieht man auch bei der FAZ ein, dass das ungefragte Kopieren („Copy and Paste“) [sic!] von Internetinhalten und das willkürliche Einscannen ganzer Bücher, wie es Google bisher ungehindert vorantreibt, nichts mit Open Access zu tun hat.

Eigentlich geht es im Artikel um einen Brandbrief, den Roland Reuß an Bundeskanzlerin und Bundespräsident geschrieben hat. Leider konnte ich den Brief selbst nicht ausfindig machen. Ist er irgendwo veröffentlicht und mir bislang entgangen?

Bodo Kirchhoff: Dichtung und Wahrheit in Googles Buchsuche

Nach Marek Lieberberg möchte sich nun Bodo Kirchhoff vor den Karren des Börsenvereins spannen lassen. In den Tagesthemen durfte er bar jeder Kenntnis der Materie sein Unbehagen an der „Proletarisierung“ seiner Werke durch Googles Buchsuche zum Ausdruck bringen. Das sich jeder über Wissen hermacht, wie er will, ist offensichtlich nicht im elitären Sinne Kirchhoffs.

Ich konnte kein Werk von Kirchhoff ausfindig machen, dass über Googles Buchsuche tatsächlich vollständig verfügbar gemacht wurde. Bei allen (z.B. bei bei dieser Ausgabe des „Schundromans“) waren nur einzelne Abschnitte durchsuchbar, nicht einmal eine ganze Seite konnte ich mir anzeigen lassen. War das Kirchhoff nicht bekannt? Und ist ihm auch nicht bekannt, dass er selbst in die Proletarisierung in erheblich größerem Umfang eingewilligt hat, als er seine Einwilligung zur Veröffentlichung einer Leseprobe auf einer für ihn eingerichteten Webseite gab? Vielleicht ist er aber auch der abwegigen Meinung, dass man die von ihm genehmigte Leseprobe schließlich nur im Gesamtkontext der Webseite aufnehmen würde.

Die Tagesthemen übernehmen übrigens unkritisch das Wort „Urheberrechtsbruch“, was für mich ganz klar einer Vorverurteilung Googles gleich kommt. Wer sich über schlechten Journalismus und ahnungslose Dichter aufregen möchte, der sollte sich den Beitrag auf der Webseite der Tagesthemen ansehen. Der betreffende Teil fängt fast exakt in Minute 26 an.

Ein Kommentar zur Sendung findet sich auch bei Archivalia.

Joachim Losehand über Open und Closed Access

Viel zu schön geschrieben, um nur in der Materialsammlung zum Heidelberger Appell erwähnt zu werden, ist die Replik Joachim Losehands auf Marek Lieberbergs Requiem für die Kunst an und für sich:

Marek Lieberbergs Kunstkosmos ist bestimmt einem einzigen Naturgesetz: „Was nichts kostet ist nichts wert“. Die 1. Ableitung von Lieberbergs Gesetz lautet damit: „Kunst ist, wenn jemand daran verdient“, und die Forderung aus der 1. Ableitung ist: „Wenn etwas Kunst ist, muß auch jemand daran verdienen“. Und das, bitteschön, sollen die Verleger und Impresarii sein. Und so treiben sie uns, die von ihnen betreuten Urheber, deren Rechte sie unter Lebensgefahr verteidigen, in der Debatte um die Digitalisierung wie Schutzschilde vor sich her. Keine Finte zu lahm, keine Argumentation zu platt, kein Pinselstrich zu dick und keine Lüge zu schamlos, um nicht dafür herzuhalten, alte Pfründe, die so schön viel Geld abwarfen, zu bewahren.

Erschienen ist dieser schöne Text am und im letzten Freitag im März diesen Jahres. Vielen Dank an Sascha Fricke für den Hinweis!

Valmadonna Trust Library zu verkaufen

Die Valmadonna Trust Library ist eine bedeutende Kollektion hebräischer Schriften. Sothebys hat anlässlich des bevorstehenden Verkaufs einen hübsche Videoführung durch den Bestand veröffentlicht.

Laut Wikipedia enthält die Sammlung unter anderem:

* A well-preserved set of the Babylonian Talmud (1519-23) designed by a panel of scholars and codifying many aspects of how the Talmud is laid out, printed in Venice by Daniel Bomberg; this was acquired by Lunzer from the collection of Westminster Abbey in exchange for a 900-year-old copy of the Abbey’s original Charter, and supporting endowments, fulfilling a 25 year dream.[2], [1]

* A Hebrew Bible from England (known as the Codex Valmadonna I), handwritten in 1189 and looted the next year during the destruction of the Jewish community of York, which is the only known surviving Hebrew text from England dated prior to the expulsion of the Jews in 1290 under King Edward I.[1] ,[2]

* A Franco-German Pentateuch, probably written in the tenth or eleventh century

* A 12th-century scroll of the Pentateuch from the Samaritans, written in the Samaritan alphabet.[1]

* The first Mikraot Gedolot

* The earliest dated illustrated Haggadah of Pesach known to exist, printed in Prague in 1526.[1]

* A Pentateuch from 1547 Constantinople, containing Spanish and Greek translations written using Hebrew script.[1]

* One of the first illustrated Hebrew books: A 1492 Mishna with commentary by Maimonides

* The first book printed in Lisbon, 1489, Nahmanides’ commentary on the Pentateuch.

* A 19th-century copy of A Thousand and One Nights from Calcutta, in Arabic spelled out in Hebrew script.[1]

* An illustrated guide for shechita from early twentieth century Pakistan, with Hebrew and Marathi on facing pages.[1]

* A copy of every Hebrew book published in Cremona during the ten year period such printing was allowed, ending in the 1560s.[1]

* The first book ever printed in Turkey, a 1493 copy of the Arba’ah Turim.[1]

* The first book ever printed in Africa, a Hebrew book about prayer from 1516 Fez.[1]

* The first scientific work printed in Portugal, by Abraham Zacuto in 1496.[1]

* An 1848 copy of the Communist Manifesto in German, one of 11 surviving copies of the first edition’s February 1848 second printing in London.[3]

* A Book of Psalms with part of its Radak commentary crossed out by a Christian censor.

* A 1666 Dutch newspaper with a front page headline and article describing Sabbatai Zevi

* A Venice Sukka decoration from 1783

Leider lässt sich das Video nicht einbinden, daher muss man sich bei Interesse schon auf die Webseite des Auktionshauses begeben.