Niedersächsischer Landesrechnungshof fordert Neujustierung der Landesbibliotheken

Eine “Neujustierung des Profils der Landesbibliotheken” wird im Jahresbericht des Niedersächsischen Landesrechnungshofs 2015 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung (PDF, ab S. 80) gefordert. Zu den Kritikpunkten gehört unter anderem die bislang ungenügende Digitalisierung von historischen Werken (S. 80):

Zur Stärkung ihres Profils als Forschungseinrichtungen sind zudem insbesondere die Landesbibliothek Hannover und die Herzog August Bibliothek gefordert, ihre historischen Werke für wissenschaftliche Zwecke verstärkt in digitaler Form anzubieten. Die Digitalisierung wurde bislang
jedoch nur punktuell betrieben und projektbezogen durch Drittmittel finanziert. Für eine
systematische elektronische Archivierung der Altbestände, die Kosten in nicht unbeträchtlicher
Höhe verursachen wird, stehen dagegen aktuell keine Mittel zur Verfügung.

Weiter werden die Erwerbungspolitik, das Veranstaltungsbudget und auch die nicht vorhandenen Nutzungsgebühren angesprochen. Zu letzteren heißt es:

Durch ein jährliches Benutzungsentgelt von beispielsweise 20 € könnten die Landesbibliotheken bei insgesamt ca. 28.000 Nutzerinnen und Nutzern zusätzliche Erträge von 560.000 € jährlich generieren.

Wieviele NutzerInnen verblieben denn noch bei 20 Euro Jahresgebühr? Würde ich unsere Studierenden noch guten Gewissens an die hiesige Landesbibliothek verweisen, wenn sie dort 20 Euro Jahresgebühr zahlen müssten? Milchmädchen, ick hör Dir rechnen.

[via @esteinhauer]

Ab heute keine Mahngebühren mehr in NRW?

Laut Eric Steinhauer ist die “Verordnung über die Erhebung von Gebühren im Bereich Information, Kommunikation, Medien nach § 30 Hochschulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen” (GebO-IKM NRW) vom 18. August 2005 (siehe z.B. hier (PDF)) ab 13. Januar 2010 außer Kraft gesetzt. Also heute!

Die Konsequenz daraus ist, dass bis zum rechtsgültigen Erlass hochschuleigener Gebührensatzungen an den Hochschulbibliotheken in Nordrhein-Westfalen derzeit KEINE Säumnisgebühren mehr erhoben werden dürfen.

Dem Fazit Steinhauers kann man nur beipflichten:

Eine handwerklich saubere Neuregelung des Rechts der Bibliotheksgebühren an den Hochschulen hätte eine Übergangsfrist vorsehen müssen. Einnahmen gerade aus Säumnisgebühren sind ein wichtiger Posten für die Erwerbungsetats in den Hochschulbibliotheken. Man wird auf sie nun bis zur Neuregelung des Gebührenrechts in den einzelnen Hochschulen verzichten müssen.

Starke Leseempfehlung für das gesamte Posting im Bibliotheksrecht-Blog!

Auch Landesregierung Baden-Württemberg gegen ungesunde Lesewuth!

Wie man dem Newsletter der Württembergischen Landesbibliothek entnehmen kann, wird dort ab dem 9. Mai eine Jahresbenutzungsgebühr von 30 Euro erhoben.

bitte beachten Sie, dass nach der Verkündigung im Gesetzblatt Baden-Württemberg, voraussichtlich mit Wirkung zum 9. Mai 2009, eine novellierte Bibliotheksgebührenverordnung in Kraft treten wird.
Neu ist die Einführung einer Benutzungsgebühr für die Landesbibliotheken (§ 2 n.F).

30 Euro! Vermutlich möchte die Landesregierung der Schweinegrippe ungesunden Lesewuth entschlossen entgegentreten.

Sehr geehrter Ministerpräsident Günther Oettinger: können Sie mir sagen, wo der Sinn dieser Maßnahme liegt? Als Volkswirt sollten Sie eigentlich wissen, dass man an dieser Stelle nicht unbedingt kürzen sollte. Betriebswirtschaftlich sind Benutzungsgebühren übrigens auch nicht immer ein Erfolgsmodell, wie unter anderem das Beispiel Schaffhausen belegt.

Notiz zum Stellenwert des Themas Bibliotheken in Baden-Württemberg: Von dort kam zu meiner Umfrage zu Landesbibliotheksgesetzen außer einer nichtssagenden Antwort der FDP keine Reaktion.

[via Netbib]

Schafft die Benutzungsgebühren ab!

In der Zeit erschien kürzlich ein Artikel von Hanno Rauterberg mit dem Titel: “Schafft die Eintrittsgelder ab!” Er beschreibt die Entwicklung der Museumsbesucherzahlen in Paris und London und liefert sehr gute Argumente für eine wirklich Öffnung der Museen. Zu der Tatsache, dass manche Museen schon knapp 10 Euro Eintritt kassieren, schreibt er:
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Universitäten: Qualitätsoffensive ohne Personal

Telepolis: Universitäten: Qualitätsoffensive ohne Personal

Die Schlagworte, die den Beginn einer grundlegenden Reform des deutschen Bildungswesens behaupten, klingen vielversprechend: Spitzen-Universitäten, Exzellenz-Initiativen und Zukunftsprogramme aller Art sollen den Rückweg in die Weltspitze bahnen, doch die Hochschulrealität sieht anders aus. Nach [extern] Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, die am Montag vom Deutschen Hochschulverband vorgestellt wurden, haben die 16 Bundesländer in nur zehn Jahren 1.451 Professorenstellen abgebaut. Besonders drastisch sind die Einschnitte bei den Sprach- und Kulturwissenschaften, denen im vollmundig angekündigten “Jahr der Geisteswissenschaften” nun die Streichung von 663 Stellen präsentiert wird.

Gebühren als Bildungshemmnis

Passend zum gestrigen Fundstück (Bibliotheksgebühren gegen “ungesunde Lesewuth”) macht Heise heute auf die Drucksache 16/6054 des deutschen Bundestages aufmerksam. Es handelt sich um eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der Linkspartei zu den Konsequenzen der Bundesregierung aus den Ergebnissen der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (PDF). Auszug:

1. a) Wie bewertet die Bundesregierung den Rückgang der Studierendenquote von 39 Prozent in der 17. Sozialerhebung auf nur noch 36 Prozent in der 18. Sozialerhebung?
b) Hält die Bundesregierung vor diesem Hintergrund weiterhin an ihrem im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziel, die Studierendenquote auf mindestens 40 Prozent zu steigern, fest?
Falls nein, warum nicht?
Falls ja, mit welchen politischen Maßnahmen möchte sie dieses Ziel erreichen?

2. Anhand welcher Ergebnisse der 18. Sozialerhebung lässt sich die Aussage des Parlamentarischen Staatssekretärs Andreas Storm in der Fragestunde am 20. Juni 2007 belegen, dass sich „über den Zeitraum der letzten zwei Jahrzehnte die Bildungsbeteiligung der Kinder aus den unterschiedlichen Herkunftsmilieus tendenziell angenähert hat“, wo die Ergebnisse doch aufzeigen, dass sich die Zahl der Studierenden aus der sozialen Herkunftsgruppe „hoch“ zwischen 1982 und 2006 von 17 auf 38 Prozent erhöht hat, während die Zahl der Studierenden aus der sozialen Herkunftsgruppe „niedrig“ im gleichen Zeitraum von 23 auf 13 Prozent gesunken ist?

Die Antwort der Bundesregierung ist in der Drucksache 16/6161 (PDF) zu finden. Den Rückgang der Studierendenquote von 39% auf 36% kann man aber auch in vier Worten erklären: BaföG runter, Studiengebühren rauf. Viel eindeutiger kann ein Zusammenhang meines Erachtens nicht sein, und dieser Eindruck bestätigt sich auch im Gespräch mit Studenten und solchen, die es (nicht) werden wollen.

Bibliotheksgebühren gegen "ungesunde Lesewuth"

Fundstück: Ein Zitat zum Thema Benutzerschwund durch Bibliotheksgebühren, dass zuletzt durch die Diskussion um Gebühren für externe Nutzer an der UB Mannheim akut geworden ist. Es geht um den drastischen Rückgang der Benutzerzahlen in der Freien Städtischen Bibliothek Basel.

Einschneidender war die Einführung von Benutzungsgebühren. 1916 beschloss die Bibliothekskommission, das bisherige Depot von einem Franken für die Freie Städtische Bibliothek in eine feste Einschreibegebühr umzuwandeln. Zwei Jahre später galt diese Regelung auch für die Basler Volksbibliotheken 1)Jahresbericht / Allgemeine Bibliotheken der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel (Jb) 1916,4. Ab 1920 folgte eine regelmäßig zu entrichtende Lesegebühr. “Von der Einsicht ausgehend, dass die gegenwärtigen Verhältnisse die Eröffnung einer Einnahmequelle verlangen, haben wir beschlossen, fortan in der Freien Städtischen Bibliothek ein jährliches Lesegeld von zwei Franken, bei den Volksbibliotheken ein solches von einem Franken zu erheben. Damit hoffen wir in den Stand gesetzt zu werden, selbst wenn auch mit Austritten zu rechnen sein wird, den Anforderungen, die das sonst so blühende und so weiten Kreisen dienende Unternehmen an uns stellt, gerecht zu werden.” 2)Jb 1919, 4 Diese Entscheidung war nicht einfach, da dadurch mit dem Grundsatz der Unentgeltlichkeit gebrochen wurde. Der Umsatzrückgang überraschte die Verantwortlichen. Die Basler Volksbibliotheken verloren 25% und die Freie Städtische Bibliothek rund 30% der Leser. Die Kommission äußerte sich trotzdem optimistisch: “Wir dürfen aber annehmen, dass mancher, der jetzt ausgetreten ist, wieder zurückkehren wird, und uns auch sagen, dass wer das geringfügige Opfer nicht gebracht hat, in den seltensten Fällen es nicht bringen konnte, sondern eben nicht wollte und damit bekundete, dass es ihm nicht sehr ernst damit war, gute Bücher zu lesen, wie denn auch die Statistik zeigt, dass hauptsächlich solche Leser zurückgetreten sind, welche die Bibliothek wenig benützten.” 3)Jb 1920, 3 Dem darauf folgenden Jahresbericht ist zu entnehmen, dass die Leserzahl weiter zurückging, die Ausleihen jedoch wieder anstiegen. Die Bibliotheken sahen sich darin bestätigt, dass die verbleibenden Leser, die das Lesegeld nicht scheuten, um so fleissigere Leser waren. 4)Vgl. Jb 1921, 3

Zu finden auf Seite 80 von:
“Ungesunde Lesewuth in Basel” : allgemeine Bibliotheken der GGG 1807 bis 2007 / hrsg. von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel. Hrsg. von Robert Barth. Unter Mitw. von Studierenden der Fachrichtung Informationswissenschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur: Alena Andres … – Basel : Schwabe, 2007. – 155 S. : Ill., graph. Darst., Kt. ; 24 cm
(Neujahrsblatt / Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige ; 185)
ISBN 3-7965-2245-9 – 978-3-7965-2245-1

References   [ + ]

1. Jahresbericht / Allgemeine Bibliotheken der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel (Jb) 1916,4
2. Jb 1919, 4
3. Jb 1920, 3
4. Vgl. Jb 1921, 3

Neues aus der UB Mannheim: Benutzerkarte, Gebühren, Aleph

Die UB Mannheim gab in ihrem Blog verschiedene Neuerungen bekannt. Dazu gehört ein neuer Katalog, jetzt Aleph (was war es denn vorher?). In den Kommentaren kommt dieser fast durchweg schlecht weg. Ein Beispielkommentar (von “Mia”):

Übersichtlich, benutzerfreundlich, geeignet zum effizienten Arbeiten. Anscheinend soll mit dem neuen System all dies auf jeden Fall ausgeschlossen werden. Wird das eigentlich aus den Studiengebühren finanziert? Dann war das ein klassischer Fall von Kaufrausch der Verwaltung Uni Mannheim.

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Konstanzer Studenten ohne soziales Gewissen?

Eine harte Überschrift, aber angesichts der Sachlage muss man diese Frage stellen. Worum geht’s?

Die Universitätsbibliothek Konstanz wurde aufgefordert, ein Konzept für Benutzungsgebühren für externe Nutzer vorzulegen. Die Konstanzer Bibliotheksdirektorin Petra Hätscher schreibt dazu in Inetbib:
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Benutzerschwund in Schaffhausen

Die Schaffhauser Nachrichten berichten über den Schwund aktiver Bibliotheksbenutzer, den die Stadtbibliothek seit Einführung von Benutzungsgebühren (30 CHF (ca. 18,50€) pro Jahr für Bewohner Schaffhausens, 40 CHF (ca. 24,50 €) für Bewohner des Kantons) beklagen muss. Im Artikel heißt es dazu: Die damit erzielten Einnahmen blieben allerdings unter den Erwartungen: Statt wie budgetiert 90 000 Franken, dürfte pro Jahr wohl höchstens die Hälfte eingenommen werden, teilen die Bibliotheken in ihrem Jahresbericht mit.

Die Zahl der aktiven Benutzer ist um 12,3% auf 8300 Benutzer gesunken. Als weitere mögliche Ursache für den Schwund ist eine umbaubedingte Schließzeit im November genannt.