Akademische Öffentlichkeitsarbeit mit Twitter und Blogs

Times Higher Education berichtet über einen Versuch, die Sichtbarkeit des eigenen akademischen Oeuvres zu steigern:

Six months ago, Melissa Terras decided to investigate whether putting her past research papers in University College London’s free repository and publicising them via blog posts and Twitter would help them find a wider audience than they would get from journal publication alone.

Die Zugriffszahlen sind durch Öffentlichkeitsarbeit von (vermutlich täglich) ein bis zwei Downloads auf über 70 gestiegen. Terras selbst hat ausführlich über ihren Versuch gebloggt.

Pressemitteilung zu Wikidata

Quelle: Pressemitteilungen/PM 3 12 Wikidata, CC: BY-SA

Die Zukunft der Wikipedia

Wikidata wird das erste neue Wikimedia-Projekt seit 2006

Vom 30. März bis 1. April findet in Berlin die jährliche Wikimedia Conference mit Teilnehmern aus 40 Ländern statt. Zeitgleich startet Wikimedia Deutschland mit Wikidata ein völlig neues Wikimedia-Projekt. Wikidata wird eine offene Datenbank für das Wissen der Welt werden, an der jeder mitarbeiten kann. Das erste Ziel des Projekts ist es, die mehr als 280 Sprachversionen von Wikipedia mit einer einzigen gemeinsamen Datenquelle auszustatten. Damit können weltweit die Daten der Artikel in allen Sprachen der freien Enzyklopädie ergänzt und zentral gepflegt werden. Aber auch außerhalb von Wikipedia können die Daten verwendet werden, zum Beispiel in Blogs oder auf Webseiten. Das Prinzip einer gemeinsamen Datenquelle soll die Qualität und Übereinstimmung von Wikipedia-Artikeln verbessern. Durch Wikidata werden mehr Informationen in kleineren Sprachversionen von Wikipedia verfügbar gemacht. Gleichzeitig wird es für Zehntausende freiwillige Wikipedia-Autoren erheblich einfacher, Daten in der Enzyklopädie aktuell zu halten.

Der Vorstand von Wikimedia Deutschland, Pavel Richter, erklärt : “Wir betreten Neuland. Wikidata ist das größte technische Projekt, das jemals eine der 40 Länderorganisationen der Wikimedia-Bewegung in Angriff genommen hat. Wikimedia Deutschland widmet sich mit Begeisterung der Aufgabe, durch Wikidata die Datenverwaltung der größten Wissenssammlung der Menschheit deutlich zu verbessern.”

Neben den Wikimedia-Projekten werden auch zahlreiche externe Anwendungen von den Daten profitieren. Mit Wikidata können Daten vernetzt und annotiert werden, was beispielsweise für wissenschaftliche und öffentliche Daten von großer Bedeutung ist. Die Wikidata-Inhalte werden unter einer freien Creative Commons-Lizenz veröffentlicht.

Das Projekt wird mittels einer Großspende von 1,3 Millionen Euro finanziert, die zur Hälfte vom Allen Institute for Artificial Intelligence ([ai]²) stammt. Das Institut wurde 2010 von Paul G. Allen, Mitgründer von Microsoft, ins Leben gerufen und unterstützt langfristige Forschungsarbeiten, die den Fortschritt auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz beschleunigen sollen.

“Wikidata ist eine einfache wie kluge Idee und ein bedeutender nächster Schritt in der Entwicklung von Wikipedia”, sagt Dr. Mark Greaves, Vizepräsident des Allen Institute for Artifical Intelligence. “Es wird die Art und Weise verändern, wie enzyklopädische Daten veröffentlicht, zugänglich gemacht und von Menschen weltweit verwendet werden können. Wikidata baut auf semantischen Technologien auf, die wir seit Langem unterstützen. Das Projekt wird den Takt wissenschaftlicher Entdeckungen beschleunigen und der Welt eine außergewöhnliche neue Datenquelle bereitstellen.”

Ein Viertel der Entwicklungskosten von Wikidata ist durch eine Spende der Gordon and Betty Moore Foundation gesichert. Die Vision der Gordon and Betty Moore Foundation ist es, messbare, nachhaltige und weitreichende Erfolge in Umweltschutz und Wissenschaft zu erzielen.

“Wikidata ist für die Forschung bedeutend”, sagt Chris Mentzel vom wissenschaftlichen Programm der Gordon and Betty Moore Foundation. “Das Projekt wird ein wichtiges Datenangebot für Wikipedia sein. Zusätzlich können beispielsweise Wissenschaftler die einfach bedienbare Wikidata-Software herunterladen. Wikidata ermöglicht ihnen, ständig wachsende und komplexe wissenschaftliche Datenmengen zu verwalten und daraus wertvolle Schlüsse zu ziehen.”

Google, Inc. stellt ein weiteres Viertel der Wikidata-Finanzierung bereit. Chris DiBona, Leiter des Bereichs Open Source, sagt: „Googles Auftrag ist es, die Informationen der Welt überall zugänglich und sinnvoll verwendbar zu machen. Darum freuen wir uns, am Projekt Wikidata teilzuhaben. Wir hoffen, dass damit erhebliche Mengen strukturierter Daten der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden können.”

Wikidata wird in drei Phasen entwickelt. Der Abschluss der ersten Phase erfolgt voraussichtlich bis August 2012. Darin werden Links zwischen verschiedenen Sprachversionen von Wikipedia zentral an einer Stelle gesammelt. In der zweiten Phase können Nutzer Daten verwenden und neue hinzufügen. Die Ergebnisse der Auswertung werden hierfür im Dezember 2012 veröffentlicht. Die dritte und letzte Phase wird die automatische Erstellung von Listen und Grafiken erlauben.

Wikimedia Deutschland führt die drei Phasen aus und übergibt anschließend den Betrieb und die Wartung von Wikidata an die Wikimedia Foundation. Geplanter Übergabetermin ist März 2013. Das Team von acht Software-Entwicklern wird von Dr. Denny Vrandečić geleitet. Er wechselte vom Karlsruher Institut für Technologie zu Wikimedia Deutschland. Zusammen mit Dr. Markus Krötzsch von der University of Oxford hat er das Semantic-MediaWiki-Projekt gegründet. Der Projektvorschlag für Wikidata wurde mit finanzieller Unterstützung des EU-Projekts RENDER entwickelt, an dem Wikimedia Deutschland als einer der Anwendungspartner ebenfalls beteiligt ist.


Links

Langzeitarchivierung für Atommülldokumentationen

Teil der Operation Frühjahrsputz, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Wie Spiegel Online berichtet sprechen sich verschiedene Mitglieder des Arbeitskreises Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für den Neubau von Atomkraftwerken aus. Martin Keilhacker wird zitiert:

„Wir vom Arbeitskreis Energie sind keine Kernkraftbefürworter“, betonte der emeritierte Professor. Man müsse den Anteil des Atomstroms in Deutschland nicht erhöhen. Es gehe vielmehr darum, ihn zu halten.

Im Artikel werden natürlich auch die üblichen Einwände genannt. Anreicherung und Proliferation von waffenfähigem Uran, explodierende Kosten und Atomkraftwerke. Auch die Endlagerfrage wird gestellt. Es gebe weltweit noch kein Endlager für Atommüll, dessen Betrieb langfristig sichergestellt sei.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang langfristig? Ich bin weder Experte für Atommüll, noch für Langzeitarchivierung. Aber schon kurzes Wikipedia-Gestöber und ein paar Zeitungsartikel zur Asse lassen mich stutzig werden.

Zuerst einmal scheint nicht klar zu sein, was überhaupt in der Asse liegt. In einem Zeit-Dossier ist zu lesen, dass das Forschungsministerium Siemens zugesichert habe,

»einen Teil« von »ca. 25 Fässern mit hochradioaktivem Abfall (Kernbrennstoff)« in der Asse einlagern zu dürfen. »Wir danken Ihnen für diese Möglichkeit zur Entlastung unserer Lagerkapazität«, antwortete Siemens, »und erwarten bei gelegentlichen Anfragen einen Ihnen günstigen Termin für die Anlieferung in Asse II.« Ob der strahlende Abfall tatsächlich angeliefert wurde, so behauptet Siemens, wisse man nicht mehr – die Akten seien nicht mehr vorhanden, da die vorgeschriebene Aufbewahrungszeit von 30 Jahren abgelaufen sei.

Siegmar Gabriel bezeichnete den Zustand der Dokumentation zur Asse als deutsche Verhältnisse ungewöhnlich. Die Vorgänge sind noch kein halbes Jahrhundert alt. Radioaktiver Abfall hat eine weitaus längere Lagerzeit. Setzen wenn wir den Idealfall einer lücken- und fehlerlosen Dokumentation voraussetzen, müsste man sich also ansehen, wie lange diese Dokumentation überhaupt überdauern kann.

Ontology for Innovation

Fundstück: Ontology for Innovation

One key use case for this ontology is to faciliate the matching of needs and innovations. This document does not provide specific guidelines or formal rules for achieving this. However the following concepts might be factors in deciding when an innovation qualifies as fulfilling a need. This can also incrementally be applied to qualify innovations as solutions to problems (and hence qualify as fulfilling a need).

SciGit: Versionsverwaltung für die Wissenschaft

In Kürze möchte SciGit an den Start gehen. Dabei handelt es sich um ein Versionsverwaltungstool, dass sich zumindest namentlich an Git anlehnt und auch Git (und SVN, CVS oder Mercurial) unterstützen soll. Die Ankündigung in vier Punkten:

  • No more „-version19 John“ edits anymore. Keep track of changes done by each person and see the differences between papers. Merge edits easily.
  • Simply Drag and Drop and it’ll do the rest, no more dealing with the terminal. Supports SVN, CVS, Mercurial, and Git.
  • Use the same text editor you have now. Have the convenience to work offline.
  • Your paper would remain securely and privately on your computer, only accessible to whom you gave permission to

Bei den Texteditoren sind u.a. Logos von Emacs, TeX/LaTeX, Vim oder Word aufgeführt. Genauere Infos folgen sicherlich noch.

Ist PLoS ONE das "größte" Journal der Welt?

Schon im Januar schrieb Heather Morrison:

According to Pete Binfield (personal correspondence), in 2010 PLoS One published 6,749 articles. Based on listserv discussions in 2008, the world’s largest journals at that date were PHYS REV B (5782 articles) and APPL PHYS LETT (5449 articles). As of today, a search for 2010 articles at the APS website yields 6,206 articles. A search for 2010 articles for APPL PHYS LETT in IEEE’s xPLore service yields 4,381 articles.

Zum Artikel: PLoS ONE: now the world’s largest journal?

Update: Es war sogar schon im Januar 2011. Was die Information für mich nicht uninteressanter macht.

Neusprech: Geistiges Eigentum

Kai Biermann beschäftigt sich im Neusprech-Blog mit dem Begriff „Geistiges Eigentum“. Damit ist er natürlich nicht der Erste. Hier ein paar weitere Zitate zur selben Thematik:

Wer den Begriff des „geistiges [sic] Eigentums“ als Grundbegriff des Immaterialgüterrechts etablieren möchte, muss sich der Gefahren bewusst sein, die er mit sich bringt. Entscheidend ist nämlich nicht der Begriff als solcher, sondern sein Verständnis und seine Verwendung in der fortlaufenden Debatte über Reichweite und Grenzen von Immaterialgüterrechten. „Geistiges Eigentum“ suggeriert der Allgemeinheit eine Parallele zur Rechtsstellung des Sacheigentümers und verleitet zur Aussage, der Rechtsinhaber sei mindestens genau so zu schützen wie der Sacheigentümer. Hier wird eine Vergleichbarkeit des Sacheigentums mit dem „geistigem Eigentum“ behauptet, des es doch erst nachzuweisen gilt. Man könnte sich nämlich auf den entgegengesetzten Standpunkt stellen und behaupten, dass eine unterschiedliche Behandlung von Sach- und geistigem Eigentum wegen der tatsächlich Verschiedenheiten gerechtfertigt sei.

Grünberger, Michael: Rechtsdurchsetzungsbemühungen – Anzeichen eines Systemkollapses? – In: Geistiges Eigentum : Herausforderung Durchsetzung / hrsg. von Reto M. Hilty … – Berlin, Heidelberg: Springer, 2008. – (MPI Studies on intellectual property, competition and tax law ; Bd. 4). S. 5.

Urheberrecht hat nichts mit Eigentum im landläufigen Sinne zu tun.

Wenn dem so wäre, dann könnte man mit der Musik auf der CD, die man erwirbt, machen, was man will. Kann man aber nicht. Man kann die Musik zu Hause anhören. Man kann eine “Privatkopie” anfertigen. Man darf aber nicht die Musik öffentlich aufführen, ohne Gebühren an die GEMA zu entrichten. Man darf keinen Remix anfertigen und ihn weiterverkaufen.

Urheberrecht: Es gibt kein ‘geistiges Eigentum’ / Marcel Weiss, 2009. = http://netzwertig.com/2009/11/04/urheberrecht-es-gibt-kein-geistiges-eigentum/.

Es ist in Mode gekommen, Copyrights, Patente und Handelsmarken als „geistiges Eigentum“ zu bezeichnen. Diese Mode entstand nicht aus einem dummen Zufall – der Begriff verzerrt und verwirrt diese Themen systematisch, und seine Verwendung wird in erster Linie von jenen vorangetrieben, die aus dieser Verwirrung Nutzen ziehen. Jeder, der klar über diese Gesetze nachdenken will, tut gut darin, diesen Begriff abzulehnen.

Sagten Sie „geistiges Eigentum“? Eine verführerische Illusion / Richard M. Stallman, 2006. = http://www.gnu.org/philosophy/not-ipr.de.html.

Ein weiteres Werk, auf das auch Stallman verweist, ist „Property, Intellectual Property, and Free Riding“ (PDF) von Mark A. Lemley, in dem er die Begriffsentstehung des geistigen Eigentums auf die WIPO zurückführt:

Lemley, Mark A.: Property, Intellectual Property, and Free Riding. – In: John M. Olin Program in Law and Economics / Working Paper. – 291 (2004).

Das der Begriff an sich recht neu ist, lässt sich auch schön mit Googles nGram-Viewer darstellen:

Dass sich Rainer Kuhlen seit Jahren mit dem Begriff herumquält, ist den Lesern sicherlich vertraut.

PS: Eigentum verpflichtet.

Papercore

Die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen steigt von Jahr zu Jahr. Papercore will Wissenschaftlern helfen, dies zu bewältigen und den Wissenschaftlern Zusammenfassungen von Artikeln bieten:

Papercore collects summaries of scientific papers, in particular in physics, where this database is optimized to. Note that a summary is not just an abstract: A summary should contain the core information of a paper, including a little introduction, basic definitions, outline of methods and key results of a paper, such that a specialist in the field does not have to look into the paper anymore, basically. The rule of thumb is that a summary should be 1/10 of the length of the corresponding paper, the compression factor is automatically computed by Papercore for each summary.

Das sieht dann beispielsweise so aus. Nach Registrierung darf jedeR eigene Zusammenfassungen hochladen.

[via Zugang zum Wissen]