Open-Access in den USA, der EU und in Niedersachsen

Stefan Krempl berichtet über die aktuelle Open-Access-Initiative der US-Regierung:

Das Weiße Haus hat einen Vermerk (PDF-Datei) herausgegeben, wonach die Ergebnisse staatlich geförderter Forschung zwölf Monate nach ihrer Erstpublikation in einem wissenschaftlichen Journal online frei zugänglich gemacht werden sollen. Die Initiative von US-Präsident Barack Obama bezieht sich auch auf begleitende wissenschaftliche Daten in digitalen Formaten, solange dadurch nicht Rechte Dritte wie etwa der Schutz der Privatsphäre betroffen wäre.

Mehr dazu unter anderem bei Wisspub, wo auch auf das Zweitverwertungsrecht und die vorgeschlagene Open-Access-Verpflichtung im Horizon-2020-Programm eingegangen wird.

Und in Niedersachsen? „Erneuerung und Zusammenhalt : Nachhaltige Politik für Niedersachsen“ heißt der Koalitionsvertrag der rot-grünen Koalition in Niedersachsen für die 17. Wahlperiode. Und plagiiert damit den Titel eines SPD-Regierungsprogramms von 2002. Doch sei’s drum! Wichtig ist, was drin ist. Und wie es umgesetzt wird.

Die rot-grüne Koalition wird gemeinsam mit den Hochschulen und Universitätsbibliotheken eine Open-Access-Strategie entwickeln.

Gemeint sind hoffentlich alle Hochschulbibliotheken, denn nicht nur an den Universitäten passiert einiges in Sachen Open Access. Ebenso übrigens in den Ministerien, den Landesanstalten und vielen anderen Institutionen des Landes.

Referentenentwurf zu verwaisten Werken und Zweitverwertungsrecht

Heise.de:

Ein Referentenentwurf gibt einen Blick auf die Pläne des Bundesjustizministeriums für den Umgang mit verwaisten und vergriffenen Werken. Das Ministerium will deren Nutzung erleichtern.

Rainer Kuhlen bewertet den Entwurf.

"Fair Access to Science and Technology Research Act" (FASTR)

US-Gesetzentwurf will Open Access in der Wissenschaft stärken

Der Demokrat Ron Wyden und sein republikanischer Kollege John Cornyn haben einen Gesetzentwurf (PDF-Datei) in den US-Senat eingebracht, der „Open Access“-Veröffentlichungen fördern will. Laut dem Vorstoß für einen „Fair Access to Science and Technology Research Act“ (FASTR) sollen die Ergebnisse staatlich geförderter Forschung spätestens sechs Monate nach ihrer Erstpublikation in einem wissenschaftlichen Journal online frei zugänglich gemacht werden. Wyden möchte damit Durchbrüche in Technologie, Forschung, Medizin und zahlreichen anderen einzelnen Disziplinen schneller der Öffentlichkeit zugänglich machen, um weitere Entdeckungen zu fördern.

Nichtkommerzielle Dachsgeräusche

Heise.de berichtet über ein Tierstimmenarchiv der Cornell University mit – gelinde gesagt – verschrobenen Nutzungsbedingungen:

Die Bestände können für nicht-kommerzielle Forschung, Bildung und persönliche Zwecke online genutzt werden. Auch die Einbindung in eigene Webseiten ist unter diesen Voraussetzungen gestattet. Der Download der Dateien ist hingegen nicht vorgesehen. Für die kommerzielle Verwendung können Lizenzen erworben werden, wobei die Preise je nach Verwendungszweck gestaffelt sind. Die Nutzungsbedingungen der Macauly Library gestattet es heise online aber nicht, ohne schriftliche Genehmigung Links auf die Website zu setzen. Der geneigte Leser kann zwecks Zugriff mittels HTTP „macaulaylibrary“, gefolgt von einem Punkt und der Zeichenfolge „org“, in die Adresszeile seines Browser eingeben.

Wer keine Links will, bekommt auch keine. Projekte mit dermaßen schrägen Benutzungseinschränkungen möchte ich nicht unterstützen/verlinken.

Das Kurzposting Bibliothek der Tiergeräusche ist übrigens seit über fünf Jahren eins der beliebtesten hier auf Infobib. Das Interesse an Tiergeräuschen ist riesengroß. Ob für Hörspiele oder auch um Kindern verschiedene Tierstimmen vorzuspielen. Das Schaf macht „Mäh“, die Kuh macht „Muh“, das ist allgemein bekannt. Aber was macht eigentlich eine Giraffe oder ein Dachs? Für die wahrlich Interessierten hier ein wenig Dachsgeschrei:

PeerJ legt los

E-Mail von PeerJ:

We are writing to inform you that we published our first articles today, Feb 12th. You can now visit https://PeerJ.com and view the first 30 published articles. The next group of articles will be published on Feb 19th, and PeerJ PrePrints will launch in a few weeks time.

We announced the launch at: http://blog.peerj.com/post/42920112598/launch-of-peerj and highlighted some of the functionality at: http://blog.peerj.com/post/42920094844/peerj-functionality.

Early coverage of our launch can be read at http://bit.ly/PeerJGuardian ; http://bit.ly/PeerJSciAm and http://bit.ly/PeerJAuthorReview

Ein Beispiel für ein Autorenprofil (mit gleich drei Publikationen schon am ersten Tag) gibt es hier zu sehen.

Reproduzierte Psychologie

If you’re a psychologist, the news has to make you a little nervous, beginnt ein Artikel im Chronicle of Higher Education. Besonders PsychologInnen, die 2008 in einem der Journals „Psychological Science“, „Journal of Personality and Social Psychology“ oder im „Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition“ veröffentlicht haben. Denn deren Werk wird vom Reproducibility Project unter die Lupe genommen, genauer gesagt: reproduziert.

Wer helfen möchte, kann sich beteiligen:

The Reproducibility Project is open to anyone who is interested in the reproducibility of psychological science or in participating in a large-scale, open science project. Contributors receive authorship on project reports (see Executive Summary for details). Ways to contribute include:

  • Conducting or helping with a replication study
  • Helping with statistical analyses or power / sample size calculations
  • Reviewing and contributing to replication protocols or reports
  • Coding published studies (extracting hypotheses, sample characteristics, and requirements for replication)
  • Programming tasks such as creating stimulus presentation scripts or automated data processing

If you’d like to get involved, fill out our new contributor survey and we’ll get in touch with you about opportunities that are a match for your skills and resources. We welcome contributions from students and citizen scientists as well as researchers and scientific professionals. If you have any questions, feel free to contact our volunteer coordinator at reproducibilityproject@gmail.com.

Voraussetzung für Reproduzierbarkeit sind neben sauber dokumentierten Versuchen auch die Verfügbarkeit der Mittel zur Reproduktion.

  • Open Access: Wer den Artikel nicht lesen kann, kann Versuche auch nicht reproduzieren
  • Open Data: Wer die Rohdaten nicht hat, auch nicht.
  • Open Source: Wo Software eingesetzt wird, sollte diese frei verfügbar sein. Zum Beispiel Octave statt MatLab (aktuell € 500 für die Basisversion, wenn ich die Preistabelle richtig verstehe) oder R statt SPSS (wirklich über € 2000?). Darunter fallen dann auch die konkreten Skripte und Modelle.

Ergo (natürlich verkürzt): Reproduzierbarkeit = Open Access + Open Data + Open Source