Keine Onleihe in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern droht beim großen Zukunftstrend in deutschen Bibliotheken, der «Onleihe», ins Hintertreffen zu geraten. Während bundesweit bereits mehr als 100 Büchereien in die digitale Offensive gehen, bleibt den Bibliotheken im Nordosten bislang die nötige finanzielle Förderung versagt.

Neun Bibliotheken hatten einen Antrag beim Land gestellt, der abgelehnt wurde. Dass es sich bei der Onleihe um den deutschen Zukunftstrend handelt, möchte ich übrigens anzweifeln. Bibliothekare aus onleihenden Bibliotheken geben im persönlichen Gespräch schnell zu, dass es sich bei der Onleihe um ein Produkt handelt, mit dem man bei der lokalen Presse sehr gut landen kann. Die faktische Nutzung sei eher marginal.

Und wer Linux nutzt, muss nach wie vor draußen bleiben. So steht es auch in den Hilfeseiten:

Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir unser neues Angebot derzeit aus technischen Gründen zwar den meisten, aber nicht allen unseren Kunden in vollem Umfang zur Verfügung stellen können. Eine Weiterentwicklung insbesondere für Linux ist vorgesehen.

Hervorhebung von mir. Wenn es tatsächlich stimmt, das die Nutzungszahlen eher gering sind, tendiert die Zahl der Beschwerden über fehlende Linux-Unterstützung sicherlich auch gen Null.

Naja, die Debatte ist ebenso alt wie langweilig.

Warum PDF-Dateien verschlüsseln?

Collection by 96dpi Peter Suber schreibt über die Open Access Policy der Fraunhofer-Gesellschaft, die auf Deutsch und Englisch als PDF-Datei veröffentlicht wurde. Dabei moniert er:

Unfortunately, both the German and English versions of the policy are locked PDFs which block cutting/pasting (why?) and I don’t have time to rekey the important passages.

Why? Gute Frage! Wenn man mit wissenschaftlichen Autoren über elektronische Publikationen spricht, stößt man schnell auf einen Wust des Mißtrauens gegen das einfach so ins Netz stellen. Viele Autoren denken offensichtlich, sie müssten ihr Werk in jeder Art und Weise gegen eventuellen Mißbrauch schützen. Worin dieser Mißbrauch genau bestehen könnte, ist meist unklar. Auf Nachfrage wurde mir schon diverse Mal „das Copyright“ genannt, das es zu schützen gelte. Abgesehen davon, dass es in Deutschland kein Copyright gibt, sondern ein Urheberrecht, hat dessen Durchsetzung auch wenig bis gar nichts [1] Wenn ich §95a des Urheberrechtsgesetz richtig verstehe, ist die Umgehung technischer Kopierbremsen zwar verboten, aber ebenso einfach wie unnötig. mit technischen Sperren zu tun.

Das es im betrieblichen Umfeld Sinn ergeben mag, PDF-Dateien gegen Veränderung zu schützen oder den Empfängerkreis zu begrenzen, ist klar. Aber vor was fürchtet sich ein wissenschaftlicher Autor? Davor, zu oft zitiert zu werden? Wohl kaum. Wovor dann?

References

References
↑1 Wenn ich §95a des Urheberrechtsgesetz richtig verstehe, ist die Umgehung technischer Kopierbremsen zwar verboten, aber ebenso einfach wie unnötig.

Mozart: Neue Fragmente entdeckt

Wieder ein neuer Mozart-Fund, diesmal in Nantes. Dazu die Presseerklärung der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg:

Bei dem Skizzenblatt aus der Sammlung Labouchère der Bibliothèque municipale Nantes handelt es sich um ein einseitig beschriebenes, am oberen Rand beschnittenes Blatt. Es enthält eine 15taktige Melodieskizze für den Beginn eines Credo in D-Dur; dem Credo geht eine vollständig ausgeführte Verlaufskizze von 32 Takten für einen Vokalsatz in d-Moll voran, bei dem es sich offenbar um das Kyrie der von Mozart geplanten Messe handelt. Auf Grund des Handschriftenbefundes dürfte die Entstehung in die Zeit um 1787 fallen. Das neu entdeckte Skizzenblatt, das einen Echtheitsvermerk des bekannten Autographensammlers Aloys Fuchs aus dem Jahr 1839 aufweist, ist ein wichtiges Dokument für Mozarts Auseinandersetzung mit der Kirchenmusik in seiner Wiener Zeit im Vorfeld seiner Bewerbung als Substitut des Kapellmeisters am Stephansdom im Frühjahr 1791. Warum Mozart das Werk nicht ausgearbeitet hat, ist unbekannt. Nur selten werden gänzlich unbekannte Notenhandschriften Mozarts aufgefunden. Im Einvernehmen mit der Bibliothek wird das Blatt im Jahr 2009 im Rahmen des Bandes X/31/4 Nachträge (herauszugeben von Ulrich Konrad) in Faksimile und Übertragung ediert werden

Wer der französischen Sprache mächtig ist, kann sich auch direkt bei der Bibliothek informieren.

[via Yahoo News]

Open Source and Libraries

Einen schönes Posting über Open Source and Libraries gibt’s im Blog der Howard County Library.

Whenever I teach open source to librarians I always start by outlining why libraries are the prefect breeding grounds for open source. What many librarians probably don’t realize is that the open source community actually shares a lot of the same ethics, ideals and characteristics as the library world. I think that Glen Horton put it best in his talk at the 2008 Computers in Libraries conference:

Libraries and Open Source Both…

* Believe that information should be freely accessible to everyone
* Give away stuff
* Benefit from the generosity of others
* Are about communities
* Make the world a better place

10th International Conference on Science and Technology Indicators

Morgen beginnt die 10th International Conference on Science and Technology Indicators in Wien.

Das Erkennen von Trends in der Forschung, die Identifikation von Forschungsgebieten mit einem hohem Zukunftspotential, sowie die Messung von Forschungsleistungen sind die Leitthemen der “10th International Conference on Science and Technology Indicators”.

Die quantitative Messung der Leistung und Entwicklung von Forschung und Technologie (F&T) hat international eine lange Tradition und findet breite Akzeptanz in der F&T-Politik. Eines der bekanntesten Konzepte ist der Impact Faktor von wissenschaftlichen Zeitschriften, welcher durch die Zahl der Zitierungen die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Arbeit in der Scientific Community erfasst. “Die Anwendung und die Weiterentwicklung von ähnlichen bibliometrischen Indikatoren gehören auch zu den Aufgaben einer modernen Universitätsbibliothek”, sagt Programme Chair Juan Gorraiz von der Universität Wien.

Weitere wichtige Konferenzthemen sind: Neue Anforderungen und Entwicklungen im Open Access-Publikationswesen, neue Möglichkeiten zur Erforschung der Wissenschaft, Fortschritte in der Forschung zur Knowledge Based Economy und neuartige Analysekonzepte, wie z. B. Netzwerkanalyse und Forschungslandkarten (Mapping Science).

Über 250 WissenschafterInnen, insbesondere InformationswissenschafterInnen, WissenschaftspublizistInnen sowie ForschungsmanagerInnen, DatenbankanbieterInnen, BibliothekarInnen und Policy Maker aus der ganzen Welt tauschen neueste Erkenntnisse über Entwicklung und Anwendung von Forschungs- und Technologieindikatoren aus. Neben VertreterInnen der Industrieländer nehmen auch zahlreiche ForscherInnen aus Schwellenländern an der Konferenz teil.

Die Themenpalette klingt interessant. Wer genaueres wissen möchte, dem sei das mit 49 MB reichlich schwergewichtig geratene Book of Abstracts (PDF) empfohlen.

[via IDW-Online]

HGIS Germany

Stefan H. machte mich auf HGIS Germany aufmerksam.

HGIS Germany ist ein historisch-geographisches Informationssystem, das auf Flächenbasis aufgebaut ist und die Entwicklung der Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes (bzw. des Norddeutschen Bundes/Deutschen Reiches) von 1820 bis 1914 abbildet. Es verbindet damit Informationen zu Raum und Zeit in einem Informationssystem. […] Den geographischen Daten sind historische Informationen, wie etwa Bevölkerungszahlen, Wirtschaftsdaten, dynastische Verbindungen oder auch multimediale Staatenbeschreibungen, zugeordnet.

Ein Beispiel ist die Visualisierung der Streichgarnproduktion in Preußen:

Dieses hübsche Projekt zeigt sehr schön auf, wie man historische Daten visualisieren kann. Und nun sich mir die Frage: Könnte man so etwas nicht auch mit Freebase hinbekommen? Durch Freebase Parallax bieten sich dem geübten Herumklicker schon etliche Visualisierungsmöglichkeiten. Auch wenn ich es spontan nicht hinbekommen habe: Ich sehe es als nicht unmöglich an, die Zeitleiste mit den Map-Funktionen zu kombinieren. Wenn das jetzt tatsächlich noch nicht gehen sollte, kann man eine solche Funktion sicherlich implementieren.

So schnell werden wir das jedoch nicht herausfinden können. Denn:

© HGIS Germany, 2006-2007. All rights reserved.

Eine Nachnutzung der erstellten Datenbanken ist also offensichtlich nicht vorgesehen. Immerhin kann HGIS auch so z.B. für schulische Zwecke verwendet werden.

Yahoo IDs nerven

Man gewöhnt sich ja daran, ca. 100 verschiedene Accounts für verschiedene Dienste zu nutzen. Das ist alles noch halbwegs machbar, wenn man auf die Usernamen noch einigermaßen Einfluß hat. Was bei Yahoo nicht der Fall ist. Wieso muss ich eine Email-Adresse bei Yahoo haben, um Flickr oder die Yahoo APIs nutzen zu können? Und wieso muss ich mich datentechnisch nackig machen (Geburtsdatum, Postleitzahl etc.), um einen vergessenen Account wiederzubeleben?

Dazu kommt noch, dass viele Dienste ohne Anmeldung einfach unkomfortabel sind. Wenn ich z.B. dieses Bild in dieses Posting integrieren möchte, kann ich das natürlich auch ohne Anmeldung machen. Aber die „Share This“- Option gibt’s nur nach Anmeldung. Damit geht’s ganz fluffig:

97220015

Offenheit geht anders. Web 2.0 geht anders. Dies ist ein riesengroßes Manko an Flickr, und auch an etlichen anderen Yahoo-Diensten. Die Anmeldungen sind durchweg umständlich und benutzerunfreundlich. Und Dienste wegzuschließen, die keine Personalisierung erfordern, ist kontraproduktiv.

Mach was, Yahoo!

Pia Kluth: Leser, Kunde oder Benutzer?

Pia Kluth widmet sich in ihrer Arbeit „Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken“ [1]Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken / Kluth, Pia. – 1. Aufl. – Saarbrücken : VDM Verlag Dr. Müller, 2007, S. 32-36 unter anderem der Frage, wer das denn nun eigentlich ist, der da Bibliotheken benutzt oder bekundet. Eine befriedigende Antwort findet sie leider nicht.

Beim Vergleich der Begriffe Benutzer und Leser greift Kluth auf das Lexikon des Bibliothekswesens (Kunze) von 1969 zurück. Da es sich bei der Umwidmung des Bibliotheksbenutzers in einen Konsumenten um ein neueres Phänomen handelt, scheint mir dies verfehlt. Wie auch immer, wesentlicher ist der Vergleich der Begriffe Benutzer und Kunde, auf den sie später eingeht. Zitat, S. 33f:

Anders als bei den Begriffen „Leser“ und „Benutzer“ führt die Bezeichnung „Kunde“ zu weiteren Implikationen. Kundenwert, Kundenverständnis und Kundenbindung sind einige Anknüpfungspunkte, die von diesem Begriff ausgehen. Die Richtung ist deutlich, es geht um ein innovatives Bild der Bibliotheksklientel. Das Wort „Kunde“ löst Assoziationen aus, die Menschen und nicht Medien ins Zentrum bibliothekarischer Arbeit rücken. Kundenorientierung bedeutet, die Aufmerksamkeit auf Dienstleistungen zu richten, die Kundenbedürfnisse befriedigen.

Auf S. 35 zitiert sie Umlauf („Die Bibliothek als wirtschaftliches Dienstleistungszentrum“, 2001, S. 7):

Mir scheint, dass die Beziehung zwischen den Nutzern der Bibliothek und der Bibliothek nicht vergleichbar ist zwischen den Kunden und einem Unternehmen, das diesen Kunden Waren und Dienstleistungen verkauft.

S. 35f:

Folglich scheinen sich beide Begriffe im bibliothekarischen Sprachgebrauch durchgesetzt zu haben, auch wenn sie nicht sauber voneinander abgetrennt werden. „Benutzer“ ist das traditionellere und gewohntere Wort. „Kunde“ hebt die ursprünglich intendierte Botschaft aus der Marktwirtschaft hervor. Vielleicht ist der sorglose Gebrauch aber nicht als Makel zu interpretieren, zeugt er doch von einer Normalisierung und realen Integration des dienstleistungsorientierten Wortes „Kunde“ in die bibliothekarische Alltagssprache.

Noch ein Fragment, das wohl nie fertig geworden wäre. Daher einfach mal so als hoffentlich nützliche Zitatsammlung ins Netz gepackt.

References

References
↑1 Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken / Kluth, Pia. – 1. Aufl. – Saarbrücken : VDM Verlag Dr. Müller, 2007, S. 32-36

Publish or Perish: Harzings Hirsch

Wenn man den Hirsch-Faktor eines Autoren via Google Scholar ermitteln möchte, bietet sich Anne-Wil Harzings Publish or Perish an.

Publish or Perish is a software program that retrieves and analyzes academic citations. It uses Google Scholar to obtain the raw citations, then analyzes these and presents the following statistics:

* Total number of papers
* Total number of citations
* Average number of citations per paper
* Average number of citations per author
* Average number of papers per author
* Average number of citations per year
* Hirsch’s h-index and related parameters
* Egghe’s g-index
* The contemporary h-index
* The age-weighted citation rate
* Two variations of individual h-indices
* An analysis of the number of authors per paper.

Einen Artikel, der die Eignung von Thomson ISI Web of Science und von Google Scholar für die Zitationsanalyse vergleicht, ist hier zu finden.

Um einen kleinen Überblick zu bekommen, habe ich mal eine Journal Impact Analysis von Libreas (links) und Author Impact Analysis von Lawrence Lessig (rechts) gemacht (zum Vergrößern auf’s Bild klicken):

Das Programm ist schnell installiert, arbeitet zügig, und erlaubt es zumindest, Bibliometrie etwas greifbarer zu machen.

Large Traffic wegen Large Hadron Collider

Was das Thema des Tages ist, lässt sich aus den Logfiles so klar wie selten ablesen. Die Bastelanleitung zum Large Hadron Collider sprengt gerade infobibsche Trafficrekorde. Passt ja auch gut zum gerade angekündigten Big-Data-Special…

Wenn’s mal ein bißchen langsamer gehen sollte, bitte ich daher um etwas Geduld.

Noch was zum Thema für Freizeit-Apokalyptiker: Solange man http://hasthelargehadroncolliderdestroyedtheworldyet.com/ aufrufen kann, beantwortet sich die Frage vermutlich von selbst. Wenn die Antwort nicht gefällt, kann man sich hier auch selbst darum bemühen, den eigenen apokalyptischen Vorstellungen auf die Sprünge zu helfen. Danke an Stefan für den Hinweis!

Der Vollständigkeit halber sei noch auf den LHC-Rap eingebaut: