In den letzten Tagen kam es ab und an zu kleinen Aussetzern, auch, aber nicht nur beim Layout. Das hat einen erfreulichen Hintergrund: Seit ein paar Tagen wird Infobib mit Strom aus erneuerbaren Energien gespeist. Besten Dank, und zwar längst nicht nur dafür, an Matthew & Meinhard von Ecobytes!
Autor: ch
Yovisto – Überblick und Kritik
Yovisto (bzw. der Vorgänger Osotis) wurde hier des öfteren erwähnt. Es ist also an der Zeit, eine ausführlichere Detailkritik zu üben.
Zuerst einmal: Was ist Yovisto? Es ist eine Suchmaschine für Videos aus dem Bereich Forschung und Lehre. Die Suche innerhalb von Videos wird möglich, da einzelne Szenen getagged und direkt verlinkt werden können. So kann ich einmal Johnny Häuslers Vortrag auf der Cebit als Ganzes verlinken, wie man es z.B. auch von Youtube & Co kennt, aber auch direkt auf den Ausschnitt verweisen, in dem er über Hype und Realität im Zusammenhang mit Blogs spricht.
Dies ist als nützliches kleines Gimmick zu betrachten. Die wirkliche Stärke von Yovisto liegt in der Synchronisierung von Vortragsfolien und dem dazugehörigen Vortrag. Das sieht dann beispielsweise so aus: Harald Sack über Webtechnologien. Die Aufzeichnung muss leider mit speziellem Gerät vorgenommen werden, eine nachträgliche Synchronisation von vorhandenem Videomaterial mit ebenso vorhandenen Folien ist (noch?) nicht vorgesehen. Innerhalb der Aufzeichnung kann man verschiedene Kapitel anspringen. Sowohl Folie als auch Video springen dann an die passende Stelle und werden weiterhin synchron abgespielt. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Funktion. Wer eine Vorlesung rekapitulieren möchte, will meist nicht erst stundenlang herumspulen, bis er an der richtigen Stelle angelangt ist. Gerade durch die Möglichkeit, gezielt bestimmte Stellen einer Aufzeichnung aufzurufen, wird sie überhaupt erst nutzbar.
Kleine Anmerkung am Rande: Wenn man ein bißchen in den Videos stöbert, bekommt man übrigens auch einen interessanten Einblick in die akademische Welt. Zum Beispiel zum Thema Frauen in Ingenieursberufen, wenn man sich die Begrüßung der Studierenden in der Vorlesung „Integrierte Netze“ von Klaus Jobmann.
Soviel zu den Features. Kommen wir zur Kritik.
Auch wenn es nirgendwo zu lesen ist, würde ich Yovisto noch als in der Beta-Phase befindlich bezeichnen. Ein paar Kinderkrankheiten machen sich noch hier und da bemerkbar. Zuerst einmal sind überlange Tags möglich, die auch in der Tag-Cloud als solche angezeigt werden. Nicht unbedingt schön, wenn ein Spaßvogel eine Szene mit nnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn
tagged, und dies layoutzerreißend dargestellt wird. Außerdem ist nicht wirklich klar, was sich hinter „New Tags“ verbirgt. Gerade eben fand sich dort zweimal das gleiche Tag („Sortieren“), hinter denen sich diese beiden Links verbargen. Anscheinend sind also neue Verwendungen von schon vorhandenen Tags mit einbegriffen. Ich hätte auch erwartet, dass ich eine Liste aller Szenen bekomme, die mit diesem Tag ausgezeichnet sind, wenn ich darauf eines klicke.
Die Suchfunktion bedarf ebenfalls einer Überarbeitung. Sucht man nach Husserl, werden keine Ergebnisse erzielt. Es gibt jedoch einen Link auf zwei metadata hit(s)
. Klickt man darauf, erhält man dann einen einzigen Treffer. Das sind Ungereimtheiten, die beseitigt werden sollten. Die Bilder zum Vergrößern bitte Anklicken.
Eine ärgerliche Kleinigkeit ist auch, dass die Titel der Videos in der Anzeige der Suchergebnisse zwar wie die Links auf der Seite in blau, aber nicht anklickbar sind.

Noch ein Manko ist die Geschwindigkeit. Guckt man sich die recent user actions
an, so war ich allein auf weiter Flur. Dennoch dauerte es teilweise mehrere Minuten, bis ein Video geladen war. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Videos komplett geladen werden, bevor sie angezeigt werden. Aber auch das müsste schneller gehen, wenn der Server eindeutig nicht unter Last steht. Wie schnell Yovisto bei einer Heise-Meldung zusammenbrechen würde, kann man sich ausmalen. Der HTTP-500-Error, der etwa bei jedem 10. Klick auftritt, ist hoffentlich auch kein Dauerzustand.
Auch wenn es so aussehen könnte: Dies ist eindeutig kein Verriß. Ich halte Yovisto für eines der innovativsten Projekte der deutsche Forschungslandschaft in diesem Gebiet. Und auch der Ansatz, Lernmaterialen online zu erschließen und einer breiten Öffentlichkeit verfügbar zu machen, kann gar nicht oft genug gelobt werden. In diesem Sinne noch einmal vielen Dank an Grit Matthias, die mir am Yovisto-Stand auf der Cebit die Neuerungen gegenüber Osotis geduldig erläutert hat, und viel Erfolg bei der Weiterentwicklung!
Dossier zum Urheberrecht
Die iRights-Redaktion hat für ein Dossier über das neue Urheberrecht erstellt, dass von der Bundeszentrale für politische Bildung unter einer CC-Lizenz veröffentlicht wurde.
[via Netzpolitik]
Bundesrat zu DRM an Hochschulen
Aus der Drucksache 47/1/08 des Bundesrates vom 03. März 2008, S. 3f:
Der Bundesrat bittet darum sicherzustellen, dass im Bereich der Hochschulen und anderer Institutionen, die ein berechtigtes Interesse am freien Zugang zu Informationen haben, DRM-Systeme nur im angemessenen Umfang zur Anwendung kommen. Es muss gewährleistet sein, dass Informationen, deren inhaltlicher Wert insbesondere im Bereich der Bildung von öffentlichem Interesse ist, weitestgehend zugänglich sind.
[via Heise]
Cebit 2008: Bookeye WalkUp Scan Station, Groupme & Yovisto

Anfang des Jahres in Hannover: die Cebit öffnet ihre Pforten und lockt mit allerlei Interessantem. Besonders bemerkenswert erschienen mir dieses Jahr ein paar Produkte und Projekte, die ich hier kurz vorstellen möchte.
Zuerst ist die Bookeye 2 WalkUp Scan Station zu nennen. Dabei handelt es sich um einen Scanner für Bibliotheksbenutzer. Die Bedienung erfolgt mittels Touchscreen und einer abgespeckten und anpassbaren Version der Scansoftware BCS2. Wirklich sehr einfach zu bedienen, und es ist auch definitiv ein Konzept, dass überzeugen kann. Besonders die drei Einsatzmöglichkeiten, sich Scans einerseits per Email zuschicken lassen zu können, auf einen USB-Stick zu ziehen oder aber mittels angeschlossenem Drucker einen Kopierer zu ersetzen, machen das Gerät für etwas größere Bibliotheken interessant. Für kleinere Bibliotheken wird sich das vermutlich nicht lohnen, weil die nicht geringen Investitionskosten nur mit einer hohen Auslastung zu rechtfertigen sind.
Dann wäre noch Groupme zu nennen, ein Projekt der GWLB Hannover des Instituts für verteilte Systeme, Fachgebiet wissensbasierte Systeme (siehe Kommentar). In der Selbstbeschreibung heißt es:
GroupMe! extends the idea of social tagging systems like del.icio.us, Flickr or BibSonomy by introducing the group dimension. The foundation of social tagging systems are so-called folksonomies, which describe how users (folks) tag resources (e.g. photos, videos, publications, etc.). In technical terms a folksonomy is just a collection of tag assignments:
(User, Tag, Resource) = User has tagged Resource with Tag at a particular time.Over time it is likely that semantics emerge, e.g. tags that are often assigned to same resources may be synonyms. Hence, folksonomies are promising to improve (web) search, etc. With GroupMe!’s approach of taggable groups we extend tag assignments with a group dimension.
Ein Konzept, das bisher allerdings nur für kleinere Datenmengen taugt. Aber da sich das Projekt noch in der Entwicklung befindet, kann sich noch einiges tun. Ein vielversprechender Ansatz ist auf jeden Fall vorhanden.
Auf Yovisto (ehemals Osotis) werde ich in einer ausführlicheren Kritik noch einmal eingehen. Die nette Vorführung am Stand war auf jeden Fall sehr überzeugend.
Es gab natürlich noch einige weitere Highlights der Cebit, die aber an anderen Orten besser gewürdigt werden können.
Jörg Dräger zur Bertelsmann-Stiftung
Sie haben sich gesucht und gefunden: Der schlechteste Bildungspolitiker Deutschlands Jörg Dräger tritt von seinem Posten als Wissenschaftssenator, um in Zukunft für die Bertelsmann-Stiftung zu arbeiten. Er soll Konzepte für die Bildungspolitik entwickeln und auch geschäftsführend für das CHE-Ranking tätig sein.
Verwunderlich, dass er den Posten verlässt, bevor er die Geisteswissenschaften in Hamburg endgültig beerdigen konnte.
[via SpOn]
Dokumenta-Archiv
Das Dokumenta-Archiv hat ein neues Konzept zur Archivierung seine Schätze entwickelt.
Kern des Projektes ist die Digitalisierung der Aufnahmen. Damit bleibe das Material nicht nur der Nachwelt erhalten, sondern werde zugleich für eine breite Öffentlichkeit nutzbar, sagte Kassels Kulturbürgermeister Thomas-Erik Junge (CDU). Möglichst viele sollten über das Internet abrufbar sein. „Bei den Videos handelt es sich um künstlerische Arbeiten, Dokumentationen und auch journalistische Beiträge. Neben technischen Problemen müssen da auch Urheberrechtsfragen geklärt werden“, sagte Junge.
[via http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?sid=9ddae36e0a84a0e8a159d1437bb8f12a&em_cnt=1298528]
Aus Osotis wird Yovisto
Wie JW in einem Kommentar bemerkte, ist Yovisto alias Osotis 2.0 nun online. Die Umbenennung ist ein wenig schade, aber der erste Blick sieht recht vielversprechend aus.
Eine ausführlichere Würdigung folgt sicherlich in Kürze.
Gibt Ask Teoma auf?
Ask ist eine Suchmaschine, die es bei mir nicht nur theoretisch zur Google-Alternative gebracht hat. Besonders die Blogsuche finde ich äußerst gelungen. Umso ärgerlicher ist nun dieses Gerücht:
Ask is rumored to be considering switching to Google for search and subsequently downsizing its engineering team.
According to Silicon Alley Insider, Ask may abandon or selling its Teoma search engine in favor of using Google for its search results. Teoma has powered Ask since it was acquired in September 2001. The decision will result in “bad news for Ask Engineers.”
[via Library Stuff]
Biblioblogs: Basedow 1764 und Intelligent Information
Über die RSS-Suchmaschine, die hier in Netbib vermeldet wurde, habe auch ich ein paar mir unbekannte Biblioblogs gefunden. Zwei möchte ich kurz vorstellen:
- Basedow 1764, ein Weblog von Hans-Günther Brée, dem Vorsitzenden der hessischen Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken. Folgerichtig geht es dort auch größtenteils um eben diese.
- Intelligent Information ist anscheinend ein anonymes Blog, in dem es zumindest in nächster Zeit um Ranganathan und dessen Five Laws, die hier bei Infobib auch schon häufiger Erwähnung fanden.
Der allseits prophezeite Trend zur Diversifizierung der Biblioblogosphäre scheint tatsächlich einzutreten. Viel Erfolg und willkommen in der Biblioblogosphäre!



