Im Blog des Antiquars

„Im Blog des Antiquars. Bücher und Menschen aus 6 Jahrhunderten“ – so heißt ein neues Weblog des Antiquars Otto W. Plocher in Achterstadt.
Plocher beschreibt seinen Blog selbst:

Diese Seite ist dem antiquarischen Buch gewidmet in all seinen Facetten. Ich möchte Ihnen aus der faszinierenden Welt des Antiquariats berichten und Sie teilhaben lassen an der Begeisterung, die mir der Umgang mit Alten Büchern vermittelt. Kurze und längere Aufsätze zu Büchern und zur Buchgeschichte, Hinweise zu Einzelstücken aus meinem Geschäft, aber auch Geschichten und Anekdoten aus dem Antiquariatswesen und Reflexionen zur antiquarischen Arbeit werden sich dabei in freier Folge abwechseln. Daß sich hier und da Literarisches einschleichen könnte liegt in der Natur der Sache, mehr noch in der des Betreibers.

Gothaer Stundenbuch ist zurück

Das kostbare „Gothaer Stundenbuch“ aus dem Spätmittelalter ist in die Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein Gotha zurückgekehrt. Die reichillustrierte Gebetshandschrift konnte mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, des Kulturstaatsministers und der Ernst von Siemens Kulturstiftung bereits 2005 im Schweizer Kunsthandel erworben werden. Das um 1500 entstandene Stundenbuch war bis 1939 im Besitz der „Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’ischen Stiftung für Kunst und Wissenschaft“ in der herzoglichen Bibliothek auf Schloss Friedenstein und wurde vor Kriegsbeginn für 1850 Reichsmark verkauft.Die Handschrift ist nach Expertenmeinung zudem ein Spitzenstück der Pariser Stundenbuch-Produktion aus dieser Zeit.

[via welt.online]

Demolux verklagt Bibliotheksblogger (oder auch nicht?)

In Netbib las ich gerade, dass der mir bislang unbekannte Hersteller für Computermöbel Demolux (Slogan: „Sicher ist besser“) juristisch gegen das Schulbibliotheksblog Basedow1774 vorgeht. Oder auch nicht. Dem Blogger Günter K. Schlamp wurde anscheinend per Einschreiben (mit Rückschein; sicher ist besser!) zugestellt, aus dem Susanne Drauz zitiert:

In dem Einschreiben mit Rückschein steht wörtlich: “Wir haben deshalb am 21.07.2009 Strafanzeige erstattet” – gegen wen steht da wirklich nicht.

Das Ursprungsposting und die interessante Debatte in den Kommentaren findet man direkt bei Basedow1764.

Kunden zu verklagen (oder zumindest den Eindruck zu erwecken) ist sicherlich nicht die eleganteste Art, sein Unternehmen durch die Wirtschaftskrise zu führen, aber auf jeden Fall eine originelle Form der Öffentlichkeitsarbeit. Oder auch nicht.

Update: Hier noch das besagte Einschreiben (PDF). Ich käme mir auch verklagt vor.

Bergungsrutsche für Bücher

In der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover wurde gestern eine Bergungsrutsche für Bücher vorgestellt. Diese soll, zum Beispiel im Falle eines Brandes, dazu dienen wertvolle Bücher aus der Gefahrenzone zu schaffen.

Insbesondere die in der Bibliothek aufbewahrten 15 000 Leibniz-Briefe, die seit 2007 zum Unesco-Weltkulturerbe gehören, könnten so im Notfall vor der Zerstörung bewahrt werden, sagte Bibliotheksleiter Georg Ruppelt. Wie wichtig eine solche Vorsorgemaßnahme sei, zeige der Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004.

Mehr Informationen auch mit Bild gibt es hier.

[via welt.de]

Facebook für Bibliotheken ungeeignet?

Edlef machte mich auf die Facebook-Einführung von Annette Schwindt aufmerksam. Sie beschreibt dort unter anderem die Einrichtung einer Facebook-Seite für Institutionen. Da ich selbst gerade ein wenig mit Facebook rumbastel, kann ich ihre Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen. Vor allem die Auswahl von Anwendungen, die für Seiten zur Verfügung stehen, ist ausgesprochen mangelhaft. Man kann keine RSS-Feeds in die Seite einbinden, seine News nicht mit Twitter synchronisieren. Man muss alle Inhalte direkt in und ausschließlich für Facebook erstellen. Es lassen sich nicht einmal die Veranstaltungen, auf die man hinweist als RSS-Feed abonnieren.

Insgesamt ein absolut schwaches Bild. Auch die Kontaktmöglichkeiten für „Fans“ der Seite sind dürftig:

Da der Name des Erstellers der Seite ja nicht angezeigt wird, gibt es für Fans keine Möglichkeit, den Seitenbetreiber anders als öffentlich über die Seite zu kontaktieren. Privatnachrichten sind nicht vorgesehen.

Ihrem Fazit kann ich mich daher nicht anschließen:

Auch wenn einiges an den Facebook-Seiten reichlich unpraktisch ist, so sind sie dennoch ein lohnenswertes Tool. In der kurzen Zeit, in der die Facebook-Seite meiner Agentur jetzt online ist, habe ich schon viel positives Feedback erhalten und neue Kontakte gewonnen.

Ich frage mich, wie man als Marktführer mit solch einem Murks durchkommt. Oder geht das gerade nur dann, wenn man Marktführer ist? Wie auch immer: Vielleicht sind Facebook-Gruppen eine Alternative. Allerdings braucht man, um diese anzulegen, einen persönlichen Facebook-Account. Kollegen, wie sieht’s aus? Was passiert da gerade facebookliches in den Bibliotheken?

Hat das Antiquariat bald ausgedient?

Amazon will in Zusammenarbeit mit der Universität in Michigan rund 400.000 nicht mehr verfügbare Werke nachdrucken.

Bei Amazon werden die Titel, von denen die meisten inzwischen gemeinfrei sind, je nach Umfang zwischen 10 und 45 Dollar kosten. Sie werden im Soft-Cover-Format angeboten und erscheinen in moderner Optik oder, falls gewünscht, als Faksimile. Beides ist, sobald die Bände einmal digital vorliegen, keinerlei technisches Problem mehr.

Für echte Buchliehaber aber dann doch wohl nur Nachdrucke…

[via taz.de]

Papierzerfall – Archiven fehlt Geld zum Erhalt

Ein Artikel bei sueddeutsche.de berichtet über die Misere von Bayerns Archiven hinsichtlich des Papierzerfalls ihrer Bestände. 45% der Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek aus der Zeit von 1840 bis 1970 sind betroffen.

Für die Massenentsäuerung der gefährdeten Archivbestände ist – im Gegensatz zu Baden-Württemberg – in Bayern bisher noch nicht ein einziger Cent ausgegeben worden. Michael Stephan, der Leiter des Münchner Stadtarchivs, beklagte bei der gestrigen Pressekonferenz der Grünen, der Wert der Archive werde völlig verkannt. Die Digitalisierung erleichtere zwar den Zugang zu den Beständen. In einem Archiv werde jedoch nur ein Prozent der Akten und Dokumente zu Forschungszwecken bewegt. Genau so wichtig sei es deshalb, die vom Säurefraß bedrohten Unikate und Originalbände zu restaurieren. Schließlich handle es sich nicht nur um alte Papiere, sondern um Kulturgut, das die Identität eines Landes widerspiegele.