And the Open Access Irony Award goes to…

Bei Mendeley bietet die Möglichkeit, in sogenannten Groups gemeinsam Literatur zu sammeln. Eine dieser Gruppen trägt den Titel „Open Access Irony Award“ und sammelt Literatur, die Open Access feiert, aber selbst nicht frei verfügbar ist.

Any paper that extols the virtues of open access publishing or the open sharing of data on the web, but is (ironically) inaccessible without the reader paying a subscription or fee.

Die Mission: Name them and shame them!

Auf ein besonders schönes Exemplar für den Award bin ich gerade via OATP aufmerksam geworden:

Ein Screenshot der Artikelseite bei ScienceDirect sagt mehr als Tausend Worte:

Als Sahnehäubchen möchte ich den ersten Satz aus dem Abstract nicht vorenthalten: OA is to become the future of academic library exchanges in China.

PS: Ich würde nie und nimmer für einen Aufsatz einen solchen Preis bezahlen. (Nemissimo, 2012)

PPS: Den Vogel schießt in der Gruppe m.E. der erste dort aufgenommene Artikel ab.

Bezahlschranken sind eine Motivationsbremse

In einigermaßen regelmäßigen Abständen werden Beiträge aus der Libworld-Reihe in Journals oder Büchern zitiert. Ich erfahre davon meistens über Alerts, z.B. bei Google Scholar. Was ich selten erfahre ist der eigentliche Inhalt der Publikation über den Abstract hinaus. Fast immer handelt es sich um Closed-Access-Publikationen. Natürlich ließe sich an die Artikel gelangen. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Ich könnte die meist geforderten 25 – 39 US$ zahlen, [1] Haha. Hat das überhaupt schon mal jemand gemacht? Oder ist das eher ein symbolischer Preis? ich könnte die Fernleihe bemühen, ich könnte nach eventuellen Embargo-Zeiten nach OA-Versionen suchen. Und noch vieles mehr.

Will ich das? Ich will ja nur schnell nachsehen, in welchem Kontext die Libworld-Publikation (aktuell der Finnland-Artikel von Reetta Saine, der anscheinend in diesem Artikel zitiert wurde) erwähnt wird. Dafür so ein Aufwand? [2] Besonders unverständlich ist das bei Publikationen der IFLA, die sich oft an ein Publikum aus Schwellen- und Entwicklungsländern richten.

Zusammenfassung: Bezahlschranken sind Zugangsschranken sind Entdeckungsverhinderer sind innovations- und wissenschaftsfeindlich.

References

References
↑1 Haha. Hat das überhaupt schon mal jemand gemacht? Oder ist das eher ein symbolischer Preis?
↑2 Besonders unverständlich ist das bei Publikationen der IFLA, die sich oft an ein Publikum aus Schwellen- und Entwicklungsländern richten.

IEEE bringt OA-Megajournal an den Start

Das nach dem Erfolg der PLoS und dem Riesenwirbel um PeerJ nun immer mehr Megajournals an den Start gehen würden, war zu erwarten. Die Ankündigung von IEEE, nächstes Jahr das eigene OA-Megajournal IEEE Access zu starten, überrascht mich dennoch.

IEEE Access will debut in 2013 as the first open access mega journal in the growing IEEE open access publishing program. The scope of this all-electronic, archival publication comprises all IEEE fields of interest, emphasizing applications-oriented and interdisciplinary articles.

Für die in Sachen Open Access eher zögerlichen Ingenieurswissenschaften klingt das nach einem großen Schritt. Article Processing Charges von US$ 1750 sind zwar alles andere als günstig, aber die Preise werden durch PeerJ & Co mittelfristig ohnehin sinken. Interessanter wird die Lizenzfrage sein:

For now, an author will be asked to sign a copyright transfer form for an open access article.

However, IEEE is reviewing options for new legal instruments for authors, including a license that would define usage rights for open access articles. When the appropriate documents are prepared, IEEE systems now used to manage copyright transfer will be modified for open access.

Bleibt abzuwarten, wie diese „new legal instruments“ gestaltet sein werden.

[via @lambo & @pmphlt]

Aktualisierte Liste der "predatory open access publishers"

„Beall’s List“ hatten wir hier vor einiger Zeit schon einmal. Die Liste wurde nun aktualisiert und vor einigen Tagen wurden auch die Kriterien veröffentlicht, die zu einer Aufnahme führen.

Einzelne Kriterien sind durchaus diskutabel. Ein paar Beispiele, denen man m.E. nicht zustimmen muss:

  • Depends on author fees as the sole and only means of operation with no alternative, long-term business plan for sustaining the journal through augmented income sources.
  • The publisher does not use ISSN numbers, DOI numbers or uses them improperly.
  • The publisher has no membership in industry associations […]

Auch wenn ein genauerer Blick auf die Verlage und deren Praktiken im Einzelfall nicht ganz erspart bleibt, ist die Liste sehr hilfreich.

[via Archivalia]

Die Geheimgesellschaft der Okulisten

Geheimgesellschaften und verschlüsselte Botschaften aus Wolfenbüttel – was wie die Zutatenliste zum neuen Bestseller von Dan Brown klingt, ist Inhalt eines Musterbeispiels für spannenden Wissenschaftsjournalismus. Noah Shachtman hat mit „They Cracked This 250-Year-Old Code, and Found a Secret Society Inside“ einen der besten Artikel auf Wired.com geschrieben, der dort in den letzten Jahren zu finden war. Es geht um die Entschlüsselung des Codex Copiale.

Wer sein Wissen nach der Lektüre vertiefen möchte, kann sich dank Beáta Megyesis selbstarchivierter Version an den Artikel aus dem Journal for Research into Freemasonry and Fraternalism begeben:

Knight, Kevin; Megyesi, Beáta; Schaefer, Christiane (2012): The Secrets of the Copiale Cipher. In: Journal for Research into Freemasonry and Fraternalism 2 (2), S. 314–324.
DOI: http://dx.doi.org/10.1558/JRFF.v2i2.314
OA: http://stp.lingfil.uu.se/~bea/publ/knight-megyesi-schaefer-copiale.pdf

Internet-Enquete zur OA-Week

“In Deutschland wird ein Großteil der Wissenschaft und Wissensproduktion durch die öffentliche Hand finanziert. Während die privatwirtschaftliche Aneignung und Nutzung des produzierten Wissens erwartet wird, sind die wissenschaftlichen Publikationen aber nur selten für den Steuerzahler frei verfügbar. Das muss sich ändern!”

Christian Heise und Mercedes Bunz schreiben in einem Gastbeitrag für Netzpolitik.org (der auch im Blog der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages erschien), über Open Access.

Podiumsdiskussion: „Open Science – Chancen und Herausforderungen der digitalen Wissenschaft“

Am 23. Oktober 2012 um 18 Uhr findet in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Open Access Week 2012 zum Thema „Open Science – Chancen und Herausforderungen der digitalen Wissenschaft“ statt.

Hochkarätige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Verlagswesen werden darin die Themenfelder Open Access, Web 2.0 und die dauerhafte Zugänglichkeit von Forschungsdaten unter dem Titel „Open Science – Chancen und Herausforderungen der digitalen Wissenschaft“ thematisieren.

Weitere Informationen:
http://www.ibi.hu-berlin.de/aktuelles/veranstaltungen/open_access

Maike Sommer: Automatische Generierung von DDC-Notationen für Hochschulveröffentlichungen

Abstract:

Das Thema dieser Bachelorarbeit ist die automatische Generierung von Notationen der Dewey-Dezimalklassifikation für Metadaten. Die Metadaten sind im Dublin-Core-Format und stammen vom Server für wissenschaftliche Schriften der Hochschule Hannover.

Zu Beginn erfolgt eine allgemeine Einführung über die Methoden und Hauptanwendungsbereiche des automatischen Klassifizierens. Danach werden die Dewey-Dezimalklassifikation und der Prozess der Metadatengewinnung beschrieben. Der theoretische Teil endet mit der Beschreibung von zwei Projekten. In dem ersten Projekt wurde ebenfalls versucht Metadaten mit Notationen der Dewey-Dezimalklassifikation anzureichern. Das Ergebnis des zweiten Projekts ist eine Konkordanz zwischen der Schlagwortnormdatei und der Dewey-Dezimalklassifikation. Diese Konkordanz wurde im praktischen Teil dieser Arbeit dazu benutzt um automatisch Notationen der Dewey-Dezimalklassifikation zu vergeben.

Nicht nur die Daten stammen vom Server für Wissenschaftliche Schriften der Hochschule Hannover, auch diese Bachelorarbeit ist dort als Volltext verfügbar.

"Predatory open access publishers"

Jeffrey Beall hat eine Liste von potential, possible, or probable predatory scholarly open-access publishers erstellt. „Beall’s list“ ist nützlich, wenn man die Seriösität eines Verlages nicht recht einschätzen kann. Warum ein Verlag dort geführt ist, ist der Liste zwar nicht zu entnehmen. Zu vielen Verlagen findet man im Blogarchiv jedoch nähere Informationen.

[via Sauropod Vertebra Picture of the Week]

Der Affe, die Leser und die deutsche Presse

Am 12. September wurde in PLOS ONE ein Artikel [1]Hart JA, Detwiler KM, Gilbert CC, Burrell AS, Fuller JL, et al. (2012): „Lesula: A New Species of Cercopithecus Monkey Endemic to the Democratic Republic of Congo and Implications for … Continue reading veröffentlicht, in dem die neu entdeckte Affenart Lesula (Cercopithecus lomamiensis) beschrieben wird.

lesula_journal.pone.0044271.g006
Lesula (Cercopithecus lomamiensis). CC: BY (John A. Hart et al.)

Als Open-Access-Befürworter freut man sich natürlich, dass die Beschreibung in PLOS ONE erfolgt. Einem Journal, dass jedem zugänglich ist, der oder die Zugang zum Internet hat.

Neu entdeckte Affenarten sind etwas Besonderes, die Meldung ging daher durch viele Medien. Unter anderem Focus, Frankfurter Rundschau, Spiegel, Stern, Welt oder Zeit haben in ihren Onlineportalen über die Neuentdeckung berichtet, meist mit einer DPA-Meldung. Andere werden folgen.

Und hat auch nur eine dieser deutschen Zeitungen die Gelegenheit genutzt, den Artikel zu verlinken? Aber natürlich nicht. Wer deutsche Qualitätsmedien aufsucht, erhält dort schließlich alle benötigten Informationen und muss die Seite eigentlich nie wieder verlassen.

Oder hält die Presse ihre Leser für nicht pfiffig genug, den Artikel zu verstehen? Oder es ist ihnen einfach egal? Die Mission „Klickvieh auf unsere Seite treiben“ ist schließlich schon erfüllt.

Dementsprechend gibt es aus den Artikeln auch keinen Link zu PLOS ONE. Also nicht einmal auf deren Startseite.

Deutsche Presseerzeugnisse mit Link auf den PLOS-Artikel habe ich auf Anhieb nicht gefunden. In der Schweiz scheint man Leser ernst zu nehmen und ihnen Mehrwert bieten zu wollen. Die NZZ verlinkt in ihrer Lesula-Meldung auf den Artikel. [2] Es geht auch in Deutschland anders. Julia Merlot schreibt zwar auch für SPON, hat aber ein positiveres Bild von ihren Lesern. Sie verlinkt zumindest hier einen PLOS-Artikel. Dradio kann’s auch.

References

References
↑1 Hart JA, Detwiler KM, Gilbert CC, Burrell AS, Fuller JL, et al. (2012): „Lesula: A New Species of Cercopithecus Monkey Endemic to the Democratic Republic of Congo and Implications for Conservation of Congo’s Central Basin“. PLoS ONE 7(9): e44271. doi:10.1371/journal.pone.0044271
↑2 Es geht auch in Deutschland anders. Julia Merlot schreibt zwar auch für SPON, hat aber ein positiveres Bild von ihren Lesern. Sie verlinkt zumindest hier einen PLOS-Artikel. Dradio kann’s auch.