"Fair Access to Science and Technology Research Act" (FASTR)

US-Gesetzentwurf will Open Access in der Wissenschaft stärken

Der Demokrat Ron Wyden und sein republikanischer Kollege John Cornyn haben einen Gesetzentwurf (PDF-Datei) in den US-Senat eingebracht, der „Open Access“-Veröffentlichungen fördern will. Laut dem Vorstoß für einen „Fair Access to Science and Technology Research Act“ (FASTR) sollen die Ergebnisse staatlich geförderter Forschung spätestens sechs Monate nach ihrer Erstpublikation in einem wissenschaftlichen Journal online frei zugänglich gemacht werden. Wyden möchte damit Durchbrüche in Technologie, Forschung, Medizin und zahlreichen anderen einzelnen Disziplinen schneller der Öffentlichkeit zugänglich machen, um weitere Entdeckungen zu fördern.

PeerJ legt los

E-Mail von PeerJ:

We are writing to inform you that we published our first articles today, Feb 12th. You can now visit https://PeerJ.com and view the first 30 published articles. The next group of articles will be published on Feb 19th, and PeerJ PrePrints will launch in a few weeks time.

We announced the launch at: http://blog.peerj.com/post/42920112598/launch-of-peerj and highlighted some of the functionality at: http://blog.peerj.com/post/42920094844/peerj-functionality.

Early coverage of our launch can be read at http://bit.ly/PeerJGuardian ; http://bit.ly/PeerJSciAm and http://bit.ly/PeerJAuthorReview

Ein Beispiel für ein Autorenprofil (mit gleich drei Publikationen schon am ersten Tag) gibt es hier zu sehen.

Reproduzierte Psychologie

If you’re a psychologist, the news has to make you a little nervous, beginnt ein Artikel im Chronicle of Higher Education. Besonders PsychologInnen, die 2008 in einem der Journals „Psychological Science“, „Journal of Personality and Social Psychology“ oder im „Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition“ veröffentlicht haben. Denn deren Werk wird vom Reproducibility Project unter die Lupe genommen, genauer gesagt: reproduziert.

Wer helfen möchte, kann sich beteiligen:

The Reproducibility Project is open to anyone who is interested in the reproducibility of psychological science or in participating in a large-scale, open science project. Contributors receive authorship on project reports (see Executive Summary for details). Ways to contribute include:

  • Conducting or helping with a replication study
  • Helping with statistical analyses or power / sample size calculations
  • Reviewing and contributing to replication protocols or reports
  • Coding published studies (extracting hypotheses, sample characteristics, and requirements for replication)
  • Programming tasks such as creating stimulus presentation scripts or automated data processing

If you’d like to get involved, fill out our new contributor survey and we’ll get in touch with you about opportunities that are a match for your skills and resources. We welcome contributions from students and citizen scientists as well as researchers and scientific professionals. If you have any questions, feel free to contact our volunteer coordinator at reproducibilityproject@gmail.com.

Voraussetzung für Reproduzierbarkeit sind neben sauber dokumentierten Versuchen auch die Verfügbarkeit der Mittel zur Reproduktion.

  • Open Access: Wer den Artikel nicht lesen kann, kann Versuche auch nicht reproduzieren
  • Open Data: Wer die Rohdaten nicht hat, auch nicht.
  • Open Source: Wo Software eingesetzt wird, sollte diese frei verfügbar sein. Zum Beispiel Octave statt MatLab (aktuell € 500 für die Basisversion, wenn ich die Preistabelle richtig verstehe) oder R statt SPSS (wirklich über € 2000?). Darunter fallen dann auch die konkreten Skripte und Modelle.

Ergo (natürlich verkürzt): Reproduzierbarkeit = Open Access + Open Data + Open Source

SAGE Open reduziert Autorengebühr auf $99

Im Dezember schrieb ich noch:

Article Processing Charges von US$ 1750 sind zwar alles andere als günstig, aber die Preise werden durch PeerJ & Co mittelfristig ohnehin sinken.

SAGE hatte zwar „nur“ Gebühren von m.W. etwa US$ 700, die Preissenkung der Autorengebühr ist dennoch deutlich. Aus einer Infomail von SAGE, in ähnlicher Formulierung auch in dieser Pressemitteilung enthalten:

Since our founding nearly fifty years ago, SAGE has championed social science research and recognized the crucial role social science plays in society. As the landscape of publishing continues to evolve, we have discounted the price of SAGE Open to $99 to make quality, peer reviewed open access publishing a more accessible option for researchers in the humanities and social sciences.

Genau US$ 99 sind es wohl nicht zufällig. Die genaue Summe ist auch fast egal. Wichtig ist das Signal: es geht offenbar auch deutlich günstiger als momentan meist üblich.

GMS Medizin — Bibliothek — Information

Wenn es um bibliothekarische, deutschsprachige Open-Access-Zeitschriften geht, werden meist dieselben Beispiele genannt. Libreas, die VÖB-Mitteilungen und neuerdings auch Perspektive Bibliothek. Vergessen wird dabei immer wieder – und m.E. zu Unrecht – GMS Medizin — Bibliothek — Information.

Dabei handelt es sich um ein echtes OA-Journal, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen, mit CC-Lizenzierung und Beiträgen unterschiedlichster Art. Dort werden zum Beispiel Fachbeiträge über Repositories, Poster über Bibliometrie oder Mitteilungen zur Aachener Erklärung über den Erwerb von elektronischen Büchern veröffentlicht.

PS: Die neunte Open-Access-Wette (PDF) auf der Inetbib-Tagung ist damit übrigens schon fast erfüllt.

PPS: Lange nichts mehr zum Thema newLIS gehört…

Keine Ausrede für Paywall-Journals von Fachgesellschaften

Das Argument, dass diese oder jene Zeitschrift eine Fachgesellschaft finanzieren würde, fällt häufiger, wenn es darum geht, eine Zeitschrift OA zu stellen. Die passende Antwort hat Mike Taylor im Guardian formuliert:

But this paywalled journal’s subscription fees fund its scholarly society …

No. This is the tail wagging the dog. The purpose of a scholarly society is to promote scholarship, which is best done by making that scholarship available. A society that cares more about preserving its own budget than about the field it supposedly supports has lost its way. Societies need to find other ways to fund their activities. And yes, I am talking to you, Society of Vertebrate Paleontology (my own field’s society). You cannot support the science of vertebrate palaeontology by taking science and hiding it where most people can’t see it.

Mir ist so, als hätte ich das aus dem Bibliothekswesen auch schon das eine oder andere Mal vernommen.

Wahlprüfsteine zur niedersächsischen Landtagswahl von DBV und Wikimedia

DBV und BIB haben Wahlprüfsteine zur niedersächsischen Landtagswahl an die Parteien des aktuellen Landtags ausgegeben. Die Piraten wurden also nicht befragt.

Neben viel Geschwurbel bieten einige Parteien auch ganz konkrete Ansichten. Zum Beispiel zum Urheberrecht. Das ist allerdings nicht Ländersache und von daher eigentlich wenig geeignet für Wahlprüfsteine. Es lohnt sich dennoch, in die Texte hineinzuschauen. Da erfährt man zum Beispiel, dass die FDP die unkomplizierte Verbreitung von Informationen explizit erschweren will (PDF):

Im Hinblick auf das Urheberrecht setzen wir uns seit langem auf nationaler und europäischer Ebene für eine Respektierung des geistigen Eigentums ein, was eine „unkomplizierte“ Verbreitung von Information – vor allem im Netz (Stichwort. Internetpiraterie) – gerade erschweren soll: Eigentum ist Bürgerrecht, das gilt nicht nur für Sachwerte sondern auch für geistige Werte.

Für die FDP ist es offenbar unvorstellbar, dass es auch Immaterialgüter gibt, die ohne Eurozeichen in den Augen verteilt werden.

Weitere konkrete Positionen (in Auswahl):

Wir fordern, dass über Open Access ein freier Zugang zu den Resultaten öffentlich geförderter Forschung gewährt wird. Dies würde unserer Ansicht nach den wissenschaftlichen Austausch, die Transparenz, den Zugriff, die Verarbeitung und die Verwaltung wissenschaftlicher Informationen vereinfachen und beschleunigen.

Das meinen die Grünen (PDF). Und dies lässt sich auf Landesebene konkret umsetzen. Ich bin gespannt. Die Linke (PDF) formuliert etwas unbeholfen in eine ähnliche Richtung. Gemeint ist wohl Green OA für öffentlich finanzierte Publikationen:

Publikationen von (öffentlich finanzierten) Hochschulangestellten, die über einen privaten Verlag vertrieben werden, müssen der eigenen (öffentlich finanzierten) Hochschulbibliothek kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Und die SPD (PDF) will eine flächendeckende kulturelle Grundversorgung mit Bibliotheken, Theater, Kunst- und Musikschulen oder Museen in einem kommunalen Kulturfördergesetz regeln und sichern.

Wikimedia hat kürzlich ebenfalls Wahlprüfsteine und die Antworten darauf veröffentlicht. Die Highlights:

Zu Open Data:

Nach unserer Einschätzung müsse es in jeder denkbaren Regierungskonstellation nach den Wahlen möglich sein, ein Open Data-Portal zu starten, in dem Inhalte abgelegt und unter freien Lizenzen veröffentlicht werden.

Anmerkung: Vor fast drei Jahren schrieb ich zu Open Data in Niedersachsen aus gegebenem Anlass:

Dies ist (wahrscheinlich!) das erste Mal, dass ein Bundesland beabsichtigt, ein Pilotprojekt im Bereich Open Government Data durchzuführen.

Passiert ist dann lange Zeit überhaupt nichts. Niedersachsen hätte Vorreiter sein können, nun hinkt es hinterher. Ich bin skeptisch, dass ohne einen Regierungswechsel diesbezüglich etwas passiert.

Zu freien Lizenzen:

Eine künftige Landesregierung wird aber ebenso in den meisten denkbaren Konstellationen ausgehend von den Antworten auf unsere Frage in der Lage sein, mehr staatliche Werke als bisher durch Verwendung Freier Lizenzen für Dritte nachnutzbar zu machen.

Eine künftige Landesregierung wird abgesehen durch gesetzgeberische Maßnahmen im Land und in Gemeinschaft der Länder den politischen Willen für Freie Lizenzen im Rundfunk artikulieren können, abhängig von den Mehrheitsverhältnissen nach der Wahl.

Zum Informationsfreiheitsgesetz:

Bereits nach den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Landesparlament vor der Wahl hätte es also ein Informationsfreiheitsgesetz geben können. Wir haben große Hoffnungen, dass eine der ersten Handlungen einer künftigen Landesregierung (gleich welcher Konstellation) die Einführung eines Transparenzgesetzes sein wird.

Anmerkung: Das kann ich mir nicht vorstellen, solange Schünemann im Amt ist. Er hat sich schon vielfach explizit gegen ein IFG geäußert. Zum Beispiel in dieser Pressemitteilung von 2004: [1]Welchen Sinn haben Informationsansprüche, die ohne Angabe eines Verwendungszwecks, ohne rechtliches oder berechtigtes Interesse geltend gemacht werden ? fragt er noch. Wer Schünemanns Positionen … Continue reading

Es gibt keinen Bedarf für ein solches Gesetz. Für die Bürgerinnen und Bürger ist damit kein wirklicher zusätzlicher Nutzen verbunden. In der Landesverwaltung und bei den Kommunen entstehen erheblicher Mehraufwand und weitere Kosten. Es ist daher kein Zufall, dass die meisten Bundesländer und der Bund kein Informationszugangsgesetz haben.

Und als Herrscher über die Stammtische genießt er Narrenfreiheit in der Landesregierung.

Zu OER:

Eine künftige Landesregierung wird entweder selbst entsprechende OER-Initiativen starten können oder ihre Kräfte mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen bündeln können.

Zur Freigabe von Luftbildern:

Eine künftige Landesregierung wird keine Probleme bekommen, im Parlament Zustimmung zur Freigabe der landeseigenen Luftbilder und Orthofotos zu erhalten.

References

References
↑1 Welchen Sinn haben Informationsansprüche, die ohne Angabe eines Verwendungszwecks, ohne rechtliches oder berechtigtes Interesse geltend gemacht werden ? fragt er noch. Wer Schünemanns Positionen zur Vorratsdatenspeicherung kennt, kann sich da nur auf die Schenkel klopfen.

Suchmaschine und Linksammlung zu #pdftribute

Als ich den Wikipedia-Artikel zu Aaron Swartz angelegt habe, dachte ich eigentlich, dass da noch sehr viele Abschnitte zu seinem Wirken und Schaffen ergänzt würden. Kürzlich wurde er erhängt aufgefunden.

Es gibt zahlreiche Nachrufe, zum Beispiel von Cory Doctorov oder Lawrence Lessig. Aber auch den Aufruf, Aaron Swartz Tribut zu zollen, indem man seine wissenschaftlichen Publikationen befreit und die Links unter dem Hashtag #pdftribute twittert. Wer Aaron Swartz bislang nicht kannte und den Zusammenhang nicht versteht, dem sei das Guerilla Open Access Manifesto zur Lektüre empfohlen.

Findige Menschen haben zu den geposteten Links eine Linkliste und eine Suchmaschine erstellt. Anscheinend sind schon über drei GB zusammengekommen!

Weitere Links zu Aaron Swartz, #pdftribute und Konsequenzen:

Kostenlose DOIs für akademische Einrichtungen

Das nenne ich mal eine schöne Nachricht! Aus der Pressemitteilung der TIB:

Die Vergabe der Digital Object Identifier, kurz DOI, die die dauerhafte Zitierbarkeit von elektronischen Publikationen und Forschungsdaten gewährleistet, ist ab diesem Jahr für akademische Einrichtungen kostenfrei. Dies haben die deutschen Mitglieder der internationalen Non-Profit-Organisation DataCite e.V., das GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, die Technische Informationsbibliothek (TIB), die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) und die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW), auf ihrer Mitgliederversammlung im Dezember 2012 beschlossen.

Ein Ziel von DataCite ist es, Forschungsdaten im Internet dauerhaft verfügbar und zitierbar zu machen. Möglich wird dies durch das Digital-Object-Identifier-System (DOI). Bei DOIs handelt es sich um eindeutige und dauerhafte digitale Identifikatoren für digitale Objekte. Sie sind mit den ISBN für Print-Publikationen vergleichbar. In Deutschland vergeben die vier deutschen DataCite-Mitglieder – GESIS, TIB, ZB und ZBW – DOIs.

„Die DOI-Vergabe ist ab sofort für akademische Einrichtungen in Deutschland kostenlos“, berichtet Jan Brase, Geschäftsführer von DataCite. „Wir möchten dadurch die Forschung und vor allem die einfache Bereitstellung und Zitierbarkeit von Forschungsdaten in Deutschland weiter fördern. Wir hoffen, dass immer mehr Forschungseinrichtungen ihre Daten im Internet veröffentlichen und dauerhaft zitierbar machen.“

URN als permanente Identifier sind international unbekannt und werden übersehen. DOIs werden m.E. deutlich eher genutzt. Dazu kommt, dass viele Altmetrics-Dienste die Nutzung von DOIs voraussetzen. Ich bin sehr angetan und hoffe, dass dies bald in OPUS integriert wird!

[via @nowakman]