Open-Data-Portal der EU

Nachdem viele Mitgliedsländer der EU bereits nationale Open-Data Plattformen etabliert haben oder dabei sind diese zu entwickeln, hat die Europäische Kommission heimlich, still und leise, pünktlich zum Weihnachtsfest die Beta-Version des brandneuen EU Open-Data Portals mit über 5800 Datensätzen (ca. 5600 davon kommen von Eurostat) gelauncht!

Mehr bei Open Everything. Und hier geht’s zum Portal.

EU steckt über 50 Mio. Euro in Diktaturengrundlagenforschung

INDECT und Clean IT sind zwei bekannte EU-Forschungsprojekte, die der Realisierung orwellscher Fantasien zuarbeiten. Dass die EU noch weitere, sehr ähnliche Forschungsprojekte mit vielen Millionen Euro fördert, war zumindest mir bis jetzt unbekannt. Wer wissen möchte, was die EU im Bereich der Diktaturengrundlagenforschung leistet, sollte den Artikel “EU-Millionen für Überwachungsforschung” von Erich Moechel auf ORF.at lesen. Gruselig.

PS: @Ertraeglichkeit twittert lesenswert über Gesichtserkennung und Videoüberwachung.

EU-Kommission blockt Verbesserungen für Sehbehinderte

Die EU tritt auf die Bremse, und das bei einem heiklen Thema. Seit Jahren gibt es Pläne für einen internationalen Vertrag, der das Urheberrecht zu Gunsten Blinder und Sehbehinderter lockern soll. Hauptanliegen ist, die Übertragung von Büchern und anderen Sprachinhalten in geeignete Formate für Blinde auch ohne Zustimmung der Rechteinhaber zu gestatten. Die EU sprach sich jetzt aber bei der World Intellectual Property Organisation (WIPO), wo über den Vertrag verhandelt wird, in einer nichtöffentlichen Sitzung gegen diese Pläne aus.

Mehr im Lawblog, wo auch dieser Erfahrungsbericht eines blinden Studenten verlinkt ist.

Open Access: EU-Kommission und Großbritannien

Große Neuigkeiten, kurz notiert:

EU-Kommission will Open Access vorantreiben

Forscher und Unternehmen sollen künftig leichter die Resultate öffentlich geförderter Forschung nutzen können. Nach dem Willen der Europäischen Kommission sollen bis 2016 etwa 60 Prozent der Publikationen im Rahmen öffentlich geförderter Forschung als Open-Access-Veröffentlichungen frei zugänglich sein. Eine entsprechende Empfehlung gab die Kommission am Dienstag bekannt. Zuvor war die britische Regierung mit einer umstrittenen Open-Access-Initiative vorgeprescht, die die Übernahme der Publikationskosten durch die Autoren vorsieht.

Um die erwähnte britische Initiative geht es hier: Open Access: Freier Zugang zur britischen Forschung.

Zum Vorgang um die EU-Kommission siehe auch Wisspub.

Freiheitskämpfer Guttenberg

KT zu Guttenberg wurde von Neelie Kroes engagiert als “Berater in der Frage […], wie Internetnutzer, Blogger und Cyberaktivisten in autoritär regierten Ländern auf Dauer unterstützt werden können” (Pressemitteilung). Die Süddeutsche empört sich in die falsche Richtung:

Ausgerechnet der Ex-Minister, der das Internet für seine Texträuberei missbraucht, der von Onlineaktivisten widerlegt und verspottet wurde, soll nun die Freiheitskämpfer im Netz beflügeln.

Die Zeit argumentiert ähnlich.

Ob er das Internet für seinen Betrug nutzte, weiß ich nicht. Er hätte es auf jeden Fall auch offline machen können. Wichtiger ist ein anderer Punkt. Guttenberg ist ausgewiesener Befürworter von Zensurinfrastrukturen.

Mit welcher Glaubwürdigkeit will er nun gegen Infrastrukturen argumentieren, die er selbst schaffen wollte? Dazu Markus Beckedahl:

Ich beschäftige mich intensiv mit diesem Thema und bisher ist mir Karl Theodor zu Guttenberg zu diesem Thema nicht einmal positiv aufgefallen. Wenn er sich bisher zum Thema Internet geäussert hat, ging es wahlweise um einen Ausbau von Überwachungsmaßnahmen oder zur Einführung von Netzsperren. Sowohl Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung als auch Netzsperren werden in repressiven Regimen zur Einschränkung von Meinungsfreiheit genutzt – u.a. exportiert von deutschen Unternehmen, weil das Wirtschaftsministerium keine Exportkontrolle für Überwachungstechnologien einführen will, dessen Minister zu Guttenberg vor nicht allzulanger Zeit war.

PS: Kommt es mir nur so vor, oder hat Guttenberg auch seine Comebackstrategie kopiert? Er macht den Özdemir in Zeitraffer.

  1. Skandal.
  2. Rücktritt.
  3. Arbeit für einen “Think tank” in den USA.
  4. Posten auf EU-Ebene
  5. Rückkehr in die dt. Politik.

Cem Özdemir hat nur vergessen, seine Schuld zu konsequent zu leugnen und der eigenen Partei vor den Kopf zu stoßen. Und er hat sich ein paar Jahre Zeit gelassen. Nicht nur ein paar Wochen.

PPS: In der FTD sind ein paar schöne Tweets zum Thema gesammelt.

Jahrhunderte währendes Copyright?


In TechDirt
erklärt Rose M. Welch einen kuriosen Fall von Copyrightsverletzungsangst. Sie wollte verschiedene Buchmalereien aus dem Zeitraum 600 bis 900 n. Chr. in einer Publikation abbilden. Eine Druckerei verweigerte dies mit Hinweis auf eventuell verletzte Copyrights.

The documents in question feature anywhere from one to six pieces from various illuminated manuscripts on each sheet, including some bits from the famous Book of Kells. The largest image is comprised of a full scan of the original manuscript, but printed in less than half of the size of the original piece (something like 6″ x 8″) and the smallest are six 2.5″ x 2.5″ chunks showing specific detailing from five different manuscripts on a single page.

These manuscripts were created between 600 and 900 A.D. and are firmly in the public domain. Even if they were not, printing pages and cutout bits from pages for an educational paper almost certainly constitutes fair use, which the printer had never heard of.

Seriously. No joke. What is the world coming to?”

Das Book of Kells ist zur Zeit nicht urheberrechtlich geschützt. Kann man rückwirkend aber bestimmt noch machen. Vielleicht ja sogar für Veröffentlichungen, die noch weit länger zurückliegen.

Warum Angabe persönlicher Daten in der EU-Konsultation zu "scientific information in the digital age"?

Zügig kam die ausführliche Antwort auf meine Anfrage, warum man bei der Teilnahme an der EU-Umfrage zum Zugang zu Wissenschaftspublikationen verschiedene persönliche Angaben machen muss:

We are asking respondents to give their names and affiliations for the following reasons:

– to be able to compile a list of respondents (without e-mail addresses, just names and affiliations), which will be published in accordance with the European Commission’s commitment to transparency in its public consultations. This is standard for EC public consultations as they address areas that are of public interest.

– to encourage only genuine responses (sometimes anonymous replies are not genuine, and are therefore hard to evaluate/take into account).

Please note that, if individuals feel that they cannot respond “on behalf of an organisation”, they can of course still answer “as a citizen”.

Respondents who wish to remain anonymous have the possibility of doing so “on the grounds that such publication would harm his or her legitimate interests”, as you can read in the “Specific privacy statement” (http://ec.europa.eu/research/consultations/scientific_information/privacy_statement.pdf):

(Excerpt):
3. WHO HAS ACCESS TO YOUR INFORMATION AND TO WHOM IS IT DISCLOSED?
A synthesis of the contributions received via the online questionnaire, as well as any individual contributions, together with the identity of the contributor and his or her organisation/affiliation, will be published on the Internet, unless the contributor objects to publication of the personal data on the grounds that such publication would harm his or her legitimate interests. In this case the contribution may be published in anonymous form. Otherwise the contribution will not be published nor will, in principle, its content be taken into account. Any objections concerning publication of personal data should be sent to the service responsible for the consultation (see Contact information below).

Dieser Erläuterung folgte noch die Hoffnung, dass möglichst viele teilnehmen mögen, da die Stimmen der Bibliothekare und Wissenschaftler für die Konsultation von ausschlaggebend sind. Wer sich nun berufen fühlt, möge auf folgenden Link klicken: Consultation on scientific information in the digital age.

Befragungen zu Urheberrecht und offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen

Zwei (interessante) Aufrufe zur Teilnahme an Umfragen erreichten mich in den letzten Tagen. Einerseits eine Umfrage von IUWIS: Was erwarten Sie in Ihrer Arbeit in Bildung und Wissenschaft von den Regelungen im Urheberrecht?

In wenigen Minuten soll man seine Erwartungen an ein bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht ausdrücken. Das ist sinnvoll, ging schnell, war gut formuliert.

Ob eine andere Umfrage sinnvoll, schnell durchführbar und gut formuliert ist, weiß ich leider nicht. Die EU-Umfrage zum Zugang zu Wissenschaftspublikationen weist direkt darauf hin, dass es sich um eine Konsultation handelt und die Ergebnisse nicht-anonymisiert veröffentlicht werden.

Contributions are particularly sought from governments, research institutions and universities, libraries, scientific publishers, research funding organisations, businesses, individual researchers and other interested parties.

Das sich viele indivual researchers darauf einlassen, kann ich mir nicht vorstellen. Wer dennoch teilnehmen möchte: Consultation on scientific information in the digital age.