[via Beyond the journal]
Interessantes aus Informations- und Bibliothekswesen
Heise berichtet über eine neue Kontroverse um Online-Publikationsrechte in der Wissenschaft.
Der Streit um den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information gemäß dem „Open Access“-Prinzip hat sich durch die Forderung von Forschern nach einem „formatgleichen Zweitveröffentlichungsrecht“ verschärft. Auf einem Fachgespräch der SPD-Bundestagsfraktion Anfang der Woche zur geplanten erneuten Novellierung des Urheberrechts kam es so zu einem Schlagabtausch zwischen Vertretern der Verleger und Wissenschaftlern.
Zum Zweitverwertungsrecht, aber auch zu anderen Aspekten des Dritten Korbs hat sich Timo Ehmann in seinem Vortrag „Das Wissenschaftsurheberrecht in der Urheberrechtsreform“auf den Open-Access-Tagen am 4. und 5. Oktober 2010 in Göttingen geäußert. Eine Aufzeichnung ist bei Youtube verfügbar.
Das Manuskript findet sich in vollständiger Länge im Jusmeum-Blog.
Weitere Äußerungen zur Kontroverse gibt es unter anderem in Archivalia und vom Schockwellenreiter.
Nachdem ich den Ist-Zustand skizziert und mögliche Vorbilder vorgestellt habe, möchte ich nun einen Lösungsvorschlag für ein Open-Access-Upload-Formular machen. Es besteht aus drei Teilen.
Wie bei Youtube & Co sollte der Upload der Datei zuerst erfolgen. Ich erhoffe mir davon eine erhöhte Motivation der AutorInnen, den Veröffentlichungsvorgang zu komplettieren. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sollte auf jeden Fall einmal untersucht werden. Generell sollte in Zukunft ein Hauptaugenmerk bei der Weiterentwicklung von Repository-Software auf der Usability liegen. Welches Metadatenmodell unterstützt wird, interessiert AutorInnen nicht.
Hier geht’s zum Dummy [1] Vielen Dank für Begutachtung, Tipps und Diskussion an Andrea, Christian, Danny, Edlef, Frank, Horst, Lambert, Nina, Uli, Wiebke & alle anderen, die ich schändlicherweise vergessen habe . Achtung, diese Webseiten könnten verändert werden oder verschwinden. Die Screenshots dokumentieren den Zustand während des Verfassens dieses Postings. Das Formular funktioniert nicht. Um zum nächsten Schritt zu gelangen, bitte ganz unten auf „nächster Schritt“ klicken.
Es sollten wirklich nur Daten erhoben werden, die nicht selbst durch Autopsie erhoben werden können. Ich bin dabei (exklusive Datei-Auswahl, inkl. Lizenzauswahl) auf drei Phasen mit insgesamt 12 auszufüllenden Feldern gekommen. Würde man den Upload zum Beispiel mit einem Nutzerkonto verknüpfen, entfiele zum Beispiel noch die Angabe einer Email-Adresse.
Hier geht’s zum Dummy.
Dies müsste graphisch noch eleganter gelöst werden. Im letzten Schritt sollten die bibliographischen Details überprüft und geändert werden können. Wichtiger jedoch ist die rechtliche Seite der Veröffentlichung. Hier werden Nutzungsrechte vereinbart und eine Creative-Commons-Lizenz gewählt. Das Menü für letzteres ist eins zu eins von Creative-Commons.org übernommen. Schöner, also nutzerfreundlicher, kann man es kaum machen. Durch die Auswahl zweier Checkboxen kann man auch ohne umfangreiche Vorkenntnisse zwischen sechs verschiedenen Lizenzmodellen wählen.
Hier geht’s zum Dummy.
Ich habe einen Dummy erstellt, in dem man sich den hier vorgestellten Upload-Vorgang ansehen kann. Die Links funktionieren größtenteils nicht, das CSS ist von Creative-Commons.org übernommen, optisch ist da sicherlich mehr drin.
Es gab im Vorfeld schon eine Menge guter Kritik am Dummy. In ungeordneter Reihenfolge:
Insgesamt fehlt es noch an einigem. Ich hoffe allerdings, dass die zugrunde liegenden Ideen deutlich werden und erkläre hiermit die Diskussion für eröffnet. Was fehlt? Noch besser: Was kann noch gestrichen werden? Ist die Reihenfolge so in Ordnung? Ich bitte um begründete Verrisse und Gegenvorschläge!
References
| ↑1 | Vielen Dank für Begutachtung, Tipps und Diskussion an Andrea, Christian, Danny, Edlef, Frank, Horst, Lambert, Nina, Uli, Wiebke & alle anderen, die ich schändlicherweise vergessen habe |
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Hier habe ich die Unübersichtlichkeit der klassischen Upload-Formulare in Open-Access-Repositorien zusammengefasst. Nun möchte ich darstellen, wer es besser macht. Und warum das so ist.
Der Content-Gigant Youtube verzeichnete unlängst zwei Milliarden angesehene Videos pro Tag. Die genaue Zahl der Nutzer konnte ich nicht herausfinden. Die Schätzung von 300 Millionen Accounts konnte ich nicht verifizieren, ich halte sie aber zumindest in der Größenordnung nicht für unrealistisch. Ob es nun doppelt so viele sind oder nur 10% der 300 Millionen, ist an dieser Stelle unbedeutend. Festzustellen ist: Millionen von Usern sind in der Lage, ein Video auf Youtube zu veröffentlichen. Und das sieht folgendermaßen aus:
Dieses ist der erste Streich.
Und der zweite folgt sogleich. Fünf Felder stehen zur Auswahl.
Fertig.
Noch radikaler geht Scribd vor. Auf der Startseite ist ein großer Upload-Button. Klickt man dort drauf, kann man sofort die zu veröffentlichende Datei auswählen. Dann folgt die Metadaten-Erfassung.
Auch Slideshare geht ähnlich vor. Zuerst lädt man die Datei hoch, dann füllt man folgende Felder aus:
Gemeinsam ist den hier beschriebenen Upload-Vorgängen folgendes:
Im nächsten Teil mache ich einen Vorschlag, wie ein Kompromiss zwischen den hier vorgestellten Diensten und den gängigen Veröffentlichungsformularen aussehen könnte.
References
| ↑1 | Dies ist eine These, die genauer untersucht werden muss. Vielleicht ein gutes Thema für eine Bachelor-Arbeit? |
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Die Green Road funktioniert langfristig nur, wenn sich Open-Access-Repositorien den Bedürfnissen ihrer Nutzer anpassen. Nutzer sind dabei nicht die Mitarbeiter der Bibliotheken, die den jeweiligen Server administrieren. Nutzer sind die Autoren, deren Publikationen archiviert und publiziert werden sollen.
Wer selbst einen Publikationsserver und somit auch Autoren betreut, wird diese Fragen und Hilferufe kennen:
Diese und ähnliche Fragen kulminieren oft in: „Können Sie das vielleicht für mich übernehmen?“
Die Antwort ist logisch: „Natürlich kann ich das für Sie übernehmen! Würden Sie der Bibliothek ein von Ihnen geschriebenes Buch schenken, müssten Sie es schließlich auch nicht selbst katalogisieren.“
Die Realität sieht oft anders aus. Wer sein Dokument auf dem Server und in die Bibliothekskataloge bekommen möchte, muss neuerdings selbst formal und inhaltlich erschließen.
Die in Deutschland am weitesten verbreitete Repository-Software ist meines Wissens OPUS. Das klassische Veröffentlichungsformular von OPUS enthält folgende Punkte:
Über 20 verschiedene Dokumententypen stehen zur Auswahl, z.B. 22 in Hannover, 24 in Freiburg.
Die Auswahl der Lizenzen erfolgt per Drop-Down. Das führt dazu, dass man Creative-Commons-Lizenzen kaum ohne Vorkenntnisse auswählen kann. Wer weiß schon, was Angaben wie Creative Commons – Namensnennung, Nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
bedeuten?
Ein Feature, dass Experten sicher weiterhelfen kann, aber die meisten Autoren ebenso sicher verwirrt.
Ich werde nun nicht jedes Feld kommentieren. Ein Blick auf die Menge der möglichen Angaben spricht für sich:
Kontrollierte Schlagwörter, DDC, sonstige beteiligte Körperschaften? Wenn das wirklich jeder problemlos ausfüllen könnte, ohne sich eingehend damit beschäftigt zu haben, bräuchten wir keine professionelle inhaltliche Erschließung mehr. Auch eine interessante Debatte, aber weiter im Text…
Hier kann man die bibliographischen Daten kontrollieren und ggf. zurück zum Erfassungsformular springen.
Nun kann man die Datei tatsächlich hochladen. Zumindest der Teil der publikationswilligen AutorInnen, die es bis hierhin geschafft haben. Nach – wenn ich mich nicht verzählt habe – 27 Feldern ist man also dort angekommen, wo man eigentlich hinwollte.
Nicht nur bei OPUS ist die Lage derart unübersichtlich. Um nur ein anderes Beispiel zu nennen: E-Prints‘ Upload-Vorgang umfasst ebenfalls vier Seiten mit etwa 20 Feldern, davon zahlreiche Pflichtfelder. Wie man es besser machen kann, zeigen verschiedene Publikationsdienste aus dem nicht-akademischen Bereich, die ich morgen vorstellen möchte.
„Like it or not, this [demand for openness] indicates a transformation in the way science has to be conducted in this century.“ That, say many, will be the lasting legacy of the independent review published last week into the controversial e-mails between climate scientists that were stolen from the University of East Anglia and posted online.
Mehr dazu im Environmental Research Web.
The evolution of scholarly communication in the field, recently embodied by the SCOAP3 initiative, has reached an important milestone with the publication of the first results of the LHC experiments under a Creative Common license. These have appeared in the European Physical Journal (Springer) doi:10.1140/epjc/s10052-009-1227-4 (CC BY-NC); Journal of High Energy Physics (SISSA), doi:10.1007/JHEP02(2010)041 (CC BY-NC); Physics Letters (Elsevier), doi:10.1016/j.physletb.2010.03.064 (CC BY); and Physical Review Letters (APS), doi:10.1103/PhysRevLett.105.022002 (CC BY).
Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben gemeinsam mit indischen und italienischen Kollegen ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von Insulin mithilfe eines genetisch veränderten Hefepilzes entwickelt. Mit der neuen Methode kann das Hormon zur Behandlung von Diabetes besonders effizient und preisgünstig produziert werden. Dr. Ursula Rinas vom HZI und ihre Kollegen haben sich entschlossen, das neue Verfahren nicht zum Patent anzumelden, sondern zu veröffentlichen – in der Open-Access-Zeitschrift „Microbial Cell Factories“.
Eine Prüfung der Verwertungsaussichten für das neuartige Verfahren kam zu dem Ergebnis, dass ein Patentantrag voraussichtlich langwierig und die Erfolgsaussichten eher ungewiss sein würden. Die Forschergruppe um Dr. Ursula Rinas entschied sich stattdessen für den Weg der Veröffentlichung, um mit der neuen Methode hergestelltes preisgünstiges Insulin möglichst für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern zugänglich zu machen. Mit der Wahl einer Open-Access-Zeitschrift für die Publikation des Fachartikels ist sichergestellt, dass die Informationen nicht nur für Wissenschaftler aus den reichen Industriestaaten, sondern weltweit frei zur Verfügung stehen.
Publikation:
Gurramkonda, C. et al. 2010: Application of simple fed-batch technique to high-level secretory production of insulin precursor using Pichia pastoris with subsequent purification and conversion to human insulin. Microb. Cell Fact. 9: 31. doi:10.1186/1475-2859-9-31.
Quelle: CC-BY: Helmholtz Open Access Newsletter
Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) und der Verlag edition sigma werden in den nächsten drei Jahren drei unterschiedliche Vertriebswege untersuchen:
ITAS und TAB geben bei der edition sigma drei Buchreihen heraus, die ab sofort wie folgt zugänglich sind:
1. Die ITAS-Buchreihe „Gesellschaft – Technik – Umwelt“ (bis heute 12 Bände) wird zusätzlich zum normalen Buchvertrieb als kostenpflichtiges, aber preisreduziertes E-Book über das Internet angeboten: http://edition-sigma.zevep.com.
2. Die 29 Titel der TAB-Buchreihe „Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag“ stehen als PDF zum Download über die Webseiten des ITAS (http://www.itas.fzk.de/deu/itaslit/reihe-tab.htm) und des TAB (http://tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/buecher) zur Verfügung. Neuerscheinungen sind nach einer Karenzzeit von sechs Monaten ebenfalls vom Web des TAB und des ITAS abrufbar.
3. Die ITAS-Buchreihe „Global zukunftsfähige Entwicklung – Nachhaltigkeitsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft“ (bis heute 14 Bände) wird unverändert nur als gedrucktes Buch über den Buchhandel vertrieben und stellt die Kontrollgruppe dieses Vergleichs dar (siehe http://www.itas.fzk.de/deu/itaslit/reihe-gze.htm).
Mehr Informationen in dieser Presseerklärung.
So wichtig solche Experimente auch sind, um Zweifel auszuräumen: Warum sind eigentlich nicht alle Schriften des TAB frei verfügbar?
Das CARPET-Projekt ist vielen Infobib-Lesern vermutlich bekannt. In der Selbstdarstellung heißt es, dass die effiziente Nutzung von Werkzeugen und Dienstleistungen für das wissenschaftliche Publizieren unterstützt werden
soll. Im Einzelnen werden
- eine Erhebung zu vorhandenen Publikationsinstrumenten aufbereitet und in Katalogform dargestellt,
- ein Kompass zur Analyse für die Bestimmung einer Strukturierung und Systematik entwickelt,
- eine Kollaborationsplattform entwickelt und zur Verfügung gestellt,
- Leitlinien zu Standards und Interoperabilität erarbeitet und
- ein virtuelles Kompetenzzentrum aufgebaut.
In einer Umfrage versucht CARPET-Team gerade herauszufinden, wie CARPET verbessert werden könnte, wo potentielle Nutzungsmöglichkeiten liegen. Ich wurde befragt und habe das geschlossene Forum und die fehlende Kommentarfunktion benörgelt. Das war gestern. Nicht einmal 24 Stunden später wurden die News mit einer Kommentarfunktion (z.B. bei diesem Hinweis auf Doctor-Doc) und das Forum mit einem Gast-Account versehen. Daumen hoch! Die technische Möglichkeit zur Kommunikation bedeutet noch nicht, dass eine Community auch entsteht, sie ermöglicht dies aber immerhin.
In diesem Sinne habe ich den Carpet-RSS-Feed jetzt auch in die Quellen für die Yahoo-Pipe aufgenommen, aus der sich das Schaufenster der deutschen Open-Access-Szene gespeist wird. Ein Angebot, dass übrigens tatsächlich genutzt wird, wenn ich mir die Anzahl der Infobib-Besuche mit Pipe-Referrer ansehe. Im April waren es insgesamt 1928, im Mai bislang 1068. Da Infobib ansonsten kaum gepiped wird, interpretiere ich das einfach mal so, dass zumindest ein gewisser Teil dieser Besucher über die Yahoo-Pipe hierhin geleitet wird.