Thesen zur Zukunft von Open-Access-Repositorien

Quelle: Thesen zur Zukunft von Open-Access-Repositorien

Die folgenden Thesen sind in der Vorbereitung des Workshops “Repositorien – Praxis und Vision” entstanden, den das Open-Access-Projekt der Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI) vom 30.11. bis 1.12.2010 in Berlin veranstaltet. Autoren der Version 2: Maxi Kindling, Uwe Müller und Heinz Pampel

Lizenz: CC-BY

Hintergrund

In Deutschland beginnt die Entwicklung der Repositorien Ende der 1990er Jahre. Unter dem Namen Hochschulschriften- oder Dokumentenserver entstanden Datenbanken, auf denen Qualifikationsarbeiten als Erst- oder Zweitveröffentlichung zugänglich gemacht wurden.
Mit der Entwicklung von Open Access wurden diese Datenbanken international unter dem Begriff Repositorien bekannt und bilden den Ausgangspunkt für den “Grünen Weg” des Open Access. Prominentes Beispiel ist das disziplinäre Repositorium arXiv, das 1991 am Los Alamos National Laboratory aufgebaut wurde. Bis heute ist es das zentrale Repositorium für Preprints in den Disziplinen Physik, Mathematik und Informatik.

Spätestens seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts wurde, insbesondere im Bereich der außeruniversitären Forschung, damit begonnen, die seit langem bestehenden institutionellen Publikationsdatenbanken, die ausschließlich Metadaten nachweisen, zu Repositorien auszubauen, um Pre- und Postprints sowie Schriftenreihen im Sinne von Open Access zugänglich zu machen. Zudem sind in den letzten Jahren abseits der Text-Repositorien auch Repositorien für viele andere Formen und Formate digitaler Objekte entstanden, z. B. für Forschungsdaten.

Heute stehen die Betreiber von Repositorien vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Mehrheitlich werden Repositorien als passive Dienste betrieben, die nicht in den Arbeitsablauf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingebunden sind. Darüber hinaus steigen mit der Entwicklung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien, die den wissenschaftlichen Arbeitsprozess unterstützen, die Anforderungen an die Repositorien (beispielsweise im Kontext virtueller Forschungsumgebungen).

Die folgenden Thesen zielen darauf ab die zentralen Entwicklungstrends bei der zukünftigen Gestaltung von Open-Access-Repositorien auf der Grundlage des heutigen Kenntnisstandes zu benennen. Ziel der Podiumsdiskussion soll sein, diese vorgeschlagenen Thesen vor dem Hintergrund der insbesondere während des Workshops gesammelten Erkenntnisse abzuwägen und ggf. zu spezifizieren. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, welche technischen und organisatorischen Lösungen in Zukunft maßgeblich sein werden: Zentrale, Disziplinäre oder Institutionelle Repositorien?

These 1: Repositorien dienen als digitale Schaufenster der Wissenschaft

Im Kontext von Open Access fördern Repositorien die Sichtbarkeit der Publikation einer Institution oder einer Disziplin. Darüber hinaus tragen Repositorien zum Transfer von Information und Wissen in Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft bei.

These 2: Nur disziplinäre Angebote werden als Rechercheinstrumente in der Wissenschaft angenommen

Neben der Erfassung des Forschungsoutputs einer Einrichtung bieten Repositorien Suchfunktionalitäten über die in ihnen vorgehaltenen Dokumente. Zudem werden die Metadaten der Dokumente in übergeordneten Rechercheangeboten aggregiert (Harvesting) und für die Dokumentsuche bereitgestellt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen diese Angebote institutioneller Repositorien jedoch kaum als Rechercheinstrument. Die wissenschaftliche Recherche konzentriert sich hier auf disziplinäre Angebote. Der Zugang zu in institutionellen Repositorien gespeicherten Objekten über disziplinäre Dienste und allgemeine Suchmaschinen ist eine zentrale Herausforderung.

These 3: Repositorien sind nur als aktive und integrative Dienste für Forschung und Lehre attraktiv

Repositorien als passive Datenbanken sind für Forschung und Lehre unattraktiv. Der Grad der Einbindung eines Repositoriums in den wissenschaftlichen Arbeitsablauf entscheidet über den Erfolg des Repositoriums. Institutionelle Repositorien können als aktive Dienste, z. B. im Rahmen des Publikationsmanagements Basis für vielfältige Services wie z.B. Bibliographien und persönliche Webseiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sein. Der Schaffung von Mehrwertdiensten, die die reine Bereitstellung von Dokumenten ergänzen, wie beispielsweise Zitations- und Ähnlichkeitsanalyse, deren Zugriffsauswertung oder innovative Begutachtungsverfahren, kommt eine zentrale Bedeutung zu.

These 4: Repositorien werden als vertrauenswürdige Plattform für das digitale Publizieren wahrgenommen

Repositorien übernehmen heute vielerorts bereits die Funktion von Publikationsplattformen im Sinne des “Goldenen Weges” und nähern sich damit Verlagsangeboten an. Repositorienbetreiber sind aufgefordert, vertrauenswürdige Plattformen für das digitale Publizieren zu schaffen, die Objekte dauerhaft und interoperabel zugänglich machen. Durch die dynamische Entwicklung von Technologien steigen die Anforderungen an die Repositorienbetreiber zur ständigen Weiterentwicklung ihrer Dienste. Kriterienkataloge wie das DINI-Zertifikat für Dokumenten- und Publikationsservices greifen diese Trends auf und bieten eine Orientierung.

These 5: Repositorien dienen als Knotenpunkte für eine übergreifende Vernetzung

Der Nachweis sowie die Einbindung von in Repositorien gespeicherten Objekten in umfassende Kontexte wie institutionelle und (inter)disziplinäre Informationsangebote sind unabdingbar. Repositorenbetreiber sind gefordert die Bereitstellung und Verbreitung von Objekten zu garantieren. Neben dem klassischen Harvesting-Ansatz kommt dabei semantischen Technologien wie Linked Open Data wesentliche Bedeutung zu.

These 6: Repositorien dienen als Rückgrat des Forschungsprozesses

Im Publikationskreislauf haben Repositorien bereits ihre feste Position. Zunehmend spielen sie auch bei der ganzheitlichen Betrachtung des Forschungsprozesses eine wichtigere Rolle. Das vielfach betonte Zusammenspiel von Texten, Grafiken, Forschungsdaten und anderer Objekte bedarf Repositorien, die eine Vernetzung der Objekte beispielsweise im Sinne einer Integration von Forschungsdaten und Publikationen oder der Bereitstellung von Objekten im Sinne einer Infrastrukturkomponente für Virtuelle Forschungsumgebungen unterstützen.

DDC-Verteilung in DINI-zertifizierten Repositorien

Im OAN-Blog ist eine Übersicht über die Häufigkeit von DDC-Klassifikationen in DINI-zertifizierten Repositories veröffentlicht worden.

Interessant ist dabei natürlich die Frage wie sich die fachliche Verteilung aller Dokumente des OAN-Datenraums gestaltet. Welche Fachdisziplinen sind besonders stark vertreten, welche weniger? Ein Stück weit sind diese Daten sicherlich auch ein Indikator dafür, in welchen Fachbereichen Open Access mehr Anklang findet als in anderen.

Dass die Klassifikationen Medizin, Informatik und Wirtschaft vorne liegen, ist nicht weiter verwunderlich. Ebenso die nachfolgenden naturwissenschaftlichen Disziplinen. Überraschend stark vertreten mit 2,14% ist jedoch auch die Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Dies entspricht laut OAN-Suche zur Zeit 687 Dokumenten. Weniger verwunderlich dagegen das sehr schwache Abschneiden der Geisteswissenschaften.

OPUS 4 ist da!

Endlich ist es geschafft, die Repository-Software OPUS ist in der neuen Version als OPUS 4 erschienen. OPUS wird nun auch endlich auch installationsbereit zum Download angeboten. Wie man OPUS (auf Ubuntu 10.04) installiert, kann man sich in einem Screencast ansehen. Der liegt zum Download bereit und umfasst sagenhafte 128 Megabyte. In der Erwartung eines abendfüllenden Spielfilms in High Definition und 3D habe ich dieses AVI-Riesenpaket heruntergeladen und auch die erforderlichen DivX-Pakete installiert. Nun sind 15 Minuten herum, und ich habe den Film immer noch nicht starten können. Vielleicht wäre der Upload auf ein Videoportal eine Option?

Nun läuft der Film, und er ist nicht in 3D und hat auch keinen Ton. Abendfüllend ist er nur an knapp 9 Minuten langen Abenden. Wie so oft ist das Buch (OPUS-Dokumentation, PDF), nach dessen Vorlage der Film gedreht wurde, viel spannender und – in diesem Fall – wahrscheinlich auch nützlicher.

Getestet habe ich die Installation noch nicht, sieht aber erstmal recht unkompliziert aus. Wer OPUS 4 schon mal sehen möchte: das KOBV betreibt eine Test-Installation. Der Upload-Vorgang wurde in Details verändert. Der Upload des Dokumentes erfolgt nun schon im ersten Schritt, wie auch hier gefordert wurde. Insgesamt gibt es immer noch viel zu viele Felder, aber da es sich um eine Demo-Installation handelt, müssen diese sicherlich nicht alle in Produktivsysteme übernommen werden.

Wer hat OPUS 4 schon ausprobiert oder sogar im Einsatz?

Update:

Facharbeit: Hilfe bei der Informationsbeschaffung

In einem studentischen Projekt der angehenden Informationsmanager an der FH Hannover wurde eine Anleitung zur Informationsrecherche für Facharbeiten erstellt. Der Fahrplan zur Facharbeit steht unter einer Creative-Commons-Lizenz und kann also an Schulen eingesetzt und von Schulbibliotheken empfohlen werden.

PS: Der „Fahrplan“ ist übrigens sehr hübsch gestaltet.

Zeitschriftenpreise explodieren weiter

Oliver Obst macht in Medinfo auf Preissteigerungen bei wissenschaftlichen Zeitschriften aufmerksam:

* American Journal of Medicine (Elsevier) +26%
* Archives of Internal Medicine (AMA): +41%
* JAMA (AMA): +45%
* Journal of Continuing Education in the Health Professions (Wiley): +62%
* Lancet (Elsevier): +23%
* Medical Teacher (Informa): +24%
* New England Journal of Medicine (Massachusetts Medical Society):
+30%

Die Zeitschriftenkrise ist noch längst nicht vorbei. Liebe WissenschaftlerInnen, wenn Ihr einen Ausweg aus diesem Dilemma sucht, Ihr findet ihn hier.

Wer weitere Beispiele beisteuern kann, möge dies bitte drüben bei Medinfo machen.

Call for Papers für die Vernetzungstage 2011

Call for Papers für die Vernetzungstage 2011:

Die Vernetzungstage 2011 werden vom DFG-Projekt „Open-Access-Netzwerk 2“ (OA-Netzwerk) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI) ausgerichtet. Sie finden vom 3.-4. März 2011 an der Universität Osnabrück statt.

Vernetzung von Wissen lässt sich durch die Vernetzung von Open-Access-Repositorien sichtbar machen wie auch mit neuen Diensten voranbringen. Wir laden daher dazu ein, auf den Vernetzungstagen 2011 die folgenden Themen zu diskutieren und bitten um Vorschläge für Beiträge:

* Vernetzung von digitalen Objekten wie Publikationen, Forschungsdaten und anderen Daten (Enhanced Publications, Linked Open Data etc.)

* Übergreifende (Mehrwert-)Dienste in einer verteilten Publikationsinfrastruktur

* Vernetzung und Integration von Repositorien und Publikationsmanagement

* Organisatorische Vernetzung in Form von Kooperationen
o mit Blick auf die Nachhaltigkeit von geförderten Projekten
o internationale Netzwerke von Repositorien
o unter dem Aspekt der Langzeitarchivierung

* Rechtliche Fragestellungen, die durch die Aggregation und Vernetzung von Inhalten entstehen

* Vernetzung von disziplinären und institutionellen Repositorien

* Ansätze und Erfahrungsberichte („Erfolgsgeschichten“) der lokalen/überregionalen/fachlichen Sammlung und Vernetzung von Inhalten

* Wissenschaftliches Publizieren unter vernetzten Bedingungen

Deadline ist der 1. Dezember. Kontaktdaten und weitere Informationen gibt’s auf der oben verlinkten CfP-Seite.

Kritik der Informationswissenschaft I + II von Willi Bredemeier

Die beiden Kritiken der Informationswissenschaft (Teil 1, Teil 2) von Willi Bredemeier wurden schon von Ben Kaden (direkt zum PDF) und Jakob Voss aufgegriffen und ihrerseits kritisiert.

Ben Kaden [1]Wenn ich Ben Kaden hier zitiere, meine ich immer den in Libreas erschienenen Kommentar „Die sogenannte Geisteswissenschaft: Willi Bredemeiers Kritik der Informationswissenschaft misstönt schon … Continue reading greift viele Schwachstellen auf, unter anderem auch die grundsätzliche Position Bredemeiers als „exogener“ Kritiker. Wer sich dafür und für die diskussionswürdige Einstufung der Informationswissenschaft als Geisteswissenschaft interessiert, möge direkt dort (im oben verlinkten PDF) weiterlesen. Dort sind auch verschiedene andere Punkte aufgelistet, denen ich weitgehend zustimmen kann.

Stichpunktartige zusätzliche Anmerkungen:

  • II.1.1: Nach dem gesellschaftlichen Nutzen zu fragen und dabei die Funktion der Informationswissenschaft als „Berufsschule“ auszuklammern, scheint mir nicht redlich zu sein. Dieser Funktion wird innerhalb der Studiengänge eine so bedeutende Stellung eingeräumt, dass mancherorts kaum noch etwas anderes stattfindet.
  • II.1.2: Bredemeier behauptet, dass das „Heranziehen von Gesichtspunkten des Gemeinwohls als ‚Spinnertum‘ abgestraft“ würde. Wer macht das? Wo ist das der Fall? Die Nützlichkeit für die Gesellschaft, für das Gemeinwohl ist allgegenwärtig, wenn man über Open Access, über Informationskompetenz oder eine flächendeckende Informationsversorgung diskutiert.
  • Im selben Absatz fragt er: „Sind die grundlegenden Fragen unserer Branche nicht zu wichtig, als dass man sie ausschließlich der Informationswissenschaft überlässt?“. Viele grundlegende Fragen werden schon außerhalb der Disziplin beantwortet, wenn man so möchte. Zumindest sehe ich auf Tagungen und in Fachzeitschriften immer wieder Beiträge von beispielsweise Informatikern oder Juristen, die Antworten auf informationswissenschaftliche und -praktische Fragen geben.
  • II.1.3: Ben Kaden hat es schon aufgegriffen, aber dies stach mir so sehr ins Auge, dass ich es nochmal erwähne. „Allerdings haben sich weder Thomson Reuters noch die Wissenschaftsgemeinschaft die Frage gestellt, ob das Reputationssystem der Scientific Community funktionstüchtig ist.“
    Dass der Impact Factor kaum mehr als eine Krücke ist, ist wohl den meisten Wissenschaftlern, aber zumindest fast allen Bibliothekswesen durchaus bewusst. Nicht umsonst gibt es zahllose Versuche, ihn durch bessere bibliometrische Verfahren abzulösen. Auch die Diskussion über die Zulässigkeit dieser Quantifizierung wissenschaftlicher Qualität überhaupt ist weder neu noch im Geheimen erfolgt.
  • II.2.1:

    Das vielfach behauptete Kompetenzgefälle zwischen Wissenschaft und Praxis besteht in der Informationswissenschaft kaum.

    Bredemeier beschreibt dann, dass das Gefälle kaum existiert. Wer behauptet es denn?

  • II.5:

    Sollte es dennoch in mindestens einem Fall zu einer nachhaltigen Bereicherung der Entwicklung in Wissenschaft oder Praxis durch die Kommunikation und Kooperation miteinander gekommen sein, so sind diese ein Geheimnis geblieben.

    Kooperationen und gegenseitige Beratung sind mir beispielsweise aus dem Umfeld der Open-Access-Projekte bekannt. Diese Projekte sind schon von ihrer Ausrichtung an der Nahtstelle zwischen Grundlagen und Anwendung angesiedelt. Zum Beispiel OA-Statistik. Dort müssen werden alternative bibliometrische Verfahren untersucht. Ohne konkrete Einbindung von Praktikern (Repositoriums-Management, Autorenbetreuung, etc.) wäre das Projekt jedoch gar nicht denkbar. Ein richtiger und wichtiger Punkt ist allerdings im letzten Nebensatz versteckt: Die Projekte kommunizieren zu wenig mit der fachpraktischen Öffentlichkeit, in diesem Fall also z.B. den gemeinen Bibliothekswesen. Aber auch dies ist den Akteuren inzwischen bekannt und erfährt hoffentlich in näherer Zukunft eine Besserung.

Damit sind wir beim zweiten Teil angelangt.

  • III: Und gleich zu Beginn wird ein ganz grobes Mißverständnis angesprochen. Bredemeier schreibt:

    Nach dem Selbstverständnis der Wissenschaft werden Erkenntniszuwächse in Zeitschriftenbeiträgen und auf Tagungen kommuniziert.

    Wäre dies so, würde es nicht zu ausufernden Diskussionen über Fachkommunikation hier und in zahlreichen anderen Blogs kommen, von der Einrichtung eines Blogs zur Zukunft des wissenschaftlichen Journals ganz zu schweigen. Jakob Voss schrieb auch, dass die Rezeption der „Kritik der Informationswissenschaft“

    nicht bzw. für Abbonnenten bislang nur teilweise online frei verfüg- und verlinkbar [sei]. Dies mag ein Grund sein, weshalb er in der Biblioblogosphäre noch nicht rezipiert wurde.

    Wer in Printzeitschriften schreibt, wird nur von Abonnenten gelesen. Die Debatte über die verschiedenen Arten der Fachkommunikation möchte ich hier nicht wieder anstoßen. Aber nicht nur diese Diskussion deutet auf einen Paradigmenwechsel in der Fachkommunikation hin. Auch der Erfolg des Bibcamps ist ein eindeutiges Signal, dass es bessere Kanäle für die Verkündigung von Projekt- und Forschungsergebnissen gibt als Konferenzen. Die gemeinsame Zeit kann man (je nach Gusto und Veranstaltung: manchmal/häufig/oft/immer) sinnvoller durch Kommunikation miteinander füllen, statt nur einem Referenten zuzuhören.
    Wie erwähnt: diese Diskussion ist zu groß und zu grundsätzlich, um sie hier noch einmal neu zu beginnen.

  • IV.2: Sehr richtig ist Bredemeiers Kritik zur Einteilung der Arbeiten in Sonderkategorien wie „Doktoranden-Vorträge“ oder „Studentenpräsentationen“.

    Nicht, dass es für Tagung und Reader keine schlechtere Lösung hätte geben können. Diese hätte darin bestanden, dass man Doktoranden und Studenten überhaupt keine Chance zu einem Auftritt in Konstanz mit anschließender Veröffentlichung gegeben hätte.

    Wie kann der gelungene Kompromiss zwischen Nachwuchsförderung und hohem wissenschaftlichem Anspruch einer Tagung aussehen?

  • IV.3.1: Kritisiert wird die Nennung der Mitglieder des Programmkommitees inkl. Titel.

    Besser als eine Auflistung von Titeln wäre die Angabe wissenschaftlicher Thesen gewesen, die die Mitglieder des Programmkomitees vertreten. Auf diese Weise wäre von vornherein ein Bezug zwischen Wissenschaftlern und ihren informationswissenschaftlichen Thesen sichergestellt und ein Interesse an einer inhaltlichen Thematik deutlich geworden.

    Wie soll das aussehen? „Lisa Lustig vertritt These A und B mit der Einschränkung, dass…“? Für die inhaltliche Diskussion ist m.E. die Konferenz und der Tagungsband zuständig. Die Nennung der Titel mag überflüssig sein, das Aufführen inhaltlicher Standpunkte ist jedoch zu komplex und somit fehleranfällig. Ausdiffernzierte Positionen müssten dadurch weit verkürzt werden, nur damit sie in einem Personenverzeichnis aufgeführt werden können.

  • IV.3.2:

    An dem Programmkomitee fällt seine ungeheuerliche Größe auf. Wer einmal selbst Veranstaltungen organisiert hat, weiß, dass es auf kleine schlagkräftige Teams ankommt, wenn man ein Mindestmaß an Effizienz und eine Erfüllung des Tagungsziels sicherstellen will.

    Das ist eine sehr subjektive Kritik. Sie hat auch mit der inhaltlichen Arbeit des Komitees nichts zu tun.

  • IV.3.3:

    An dem Programmkomitee fällt zusätzlich die extreme Konzentration auf den Hochschulbereich auf.

    Ist das verwunderlich? Woher sollen die Angehörigen des Komitees denn sonst kommen? Bei einer Tagung über die Erdölförderung in der Tiefsee würde die Beteiligung der fördernden Gesellschaften das Vertrauen in die Parteilosigkeit der ausgewählten Referenten nicht unbedingt steigern. Wie es um von Pharma-Konzernen (mit)organisierte Tagungen und Zeitschriften steht, ist allgemein bekannt, ebenso die regelmäßig wiederkehrenden Skandale. Als Referenten sind Industrievertreter auf fast allen von mir besuchten Konferenzen vertreten gewesen. Kürzlich auf den OA-Tagen haben de Gruyter und Springer ihre Open-Access-Strategien vorgestellt. Das ist für niemanden ein Problem. Im Gegenteil, es bereichert beide Seiten. Wäre einer der Referenten jedoch im Komitee gewesen, wäre er vielleicht in die mißliche Lage gekommen, über die Annahme eines direkten Konkurrenten mitentscheiden zu müssen.
    Objektive Auswahl und Bewertung von Fachbeiträgen ist schon schwierig genug, wenn „nur“ Faktoren wie Zu- oder Abneigung, fachliche Konkurrenz zwischen Instituten und ähnliches hineinspielt. Wirtschaftliche Konkurrenz macht dies m.E. schwer bis unmöglich. [2]Über die Schwierigkeiten der Verflechtung von Industrie und Wissenschaft wird regelmäßig und polemisch im Blog Forschungsmafia berichtet. Dort fand ich auch den Hinweis auf einen DLF-Beitrag von … Continue reading

Fazit

Es finden sich bestimmt noch weitere kritikwürdige Punkte in diesen beiden, und sicherlich auch in den noch folgenden Teilen der „Kritik an der Informationswissenschaft“. Aber auch wenn mein Posting hier vielleicht so anmuten mag, soll es keineswegs ein Verriß sein! Kaden schreibt:

Die „Kritik der Informationswissenschaft“ ist angesichts der Unklarheit über den Status des Fachs, die gerade der Text Willi Bredemeiers offenbart, mehr als notwendig. Insofern ist er als Impuls wichtig.

Selbst wenn man den Status selbst nicht für wichtig erachtet, bleiben genug Punkte, die diskutiert werden können. Bredemeiers Verdienst ist nicht, Antworten gefunden zu haben. Doch zumindest teilweise stellt er die richtigen Fragen, oder anders: falsche Gewissheiten in Frage. Die Diskussion über Ziele und Methoden der Informationswissenschaften muss stattfinden und ich bin schon gespannt auf die weiteren Teile dern „Kritik“. Vielleicht führen sie ja auch dazu, dass aus Password ein Journal wird, dass die Informationswissenschaft nicht nur diskutiert, sondern auch selbst dem Stand der Forschung entspricht. [3] Diese Diskussion bitte hier führen: http://beyondthejournal.net/ und insbesondere die Kriterien für ein informationswissenschaftliches Journal der Zukunft lesen! Dies nur als Anregung eines interessierten und besorgten Informationspraktikers mit Common Sense.

References

References
↑1 Wenn ich Ben Kaden hier zitiere, meine ich immer den in Libreas erschienenen Kommentar „Die sogenannte Geisteswissenschaft: Willi Bredemeiers Kritik der Informationswissenschaft misstönt schon bei der Ouvertüre“ (PDF)
↑2 Über die Schwierigkeiten der Verflechtung von Industrie und Wissenschaft wird regelmäßig und polemisch im Blog Forschungsmafia berichtet. Dort fand ich auch den Hinweis auf einen DLF-Beitrag von Philip Banse, in dem über die Probleme wirtschaftsfinanzierter Forschung gesprochen wird.
↑3 Diese Diskussion bitte hier führen: http://beyondthejournal.net/ und insbesondere die Kriterien für ein informationswissenschaftliches Journal der Zukunft lesen!

Call for Papers: Wissenschaftskommunikation und Wissensorganisation (Libreas)

Aus dem Libreas-Blog:

Keiner forscht im 21. Jahrhundert für sich allein. Das Schlüsselwort der Wissenschaftswelt heißt Kollaboration. Kollaboration ist ein wissenschaftshistorischer Terminus technicus. Ursprünge finden sich bereits mit dem Aufkommen der ersten wissenschaftlichen Akademien in England und Frankreich im 17. bzw. 18. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden Formen von Großgruppenforschung, die sich rasch institutionalisierten („Big Science“). Die Wissenschaft ist kein abstraktes Phänomen sondern ein soziales Miteinander, bei dem es darum geht, Hand in Hand Idee zu Idee und Wort auf Wort zu fügen, um ihrer Aufgabe einer intellektuellen Durchdringung der Welt gerecht zu werden.

Die digitalen Kommunikationsräume sind paradoxerweise der greifbare Ausdruck dieses Miteinanders in der Wissenschaft. Wenn man etwas greifen kann, kann man es zu gestalten versuchen. Nicht überraschend erlebt die Welt der elektronischen Werkzeugkästen eine Blüte – sofern man in technischen Kontexten von „blühen“ sprechen kann.

Spätestens seit dem DFG-Positionspapier von 2006, in welchem die „Schwerpunkte der Förderung der wissenschaftlichen Informations- und Literaturversorgung bis 2015“ festgelegt wurden, sind die Entwicklung und Bereitstellung von Kollaborationswerkzeugen respektive -funktionen Grundbausteine so gut wie jeder Forschungsförderung. Es geht darum, die „Implementierung einer integrierten digitalen Umgebung für die wissenschaftliche Informationsversorgung aller Disziplinen und Fächer“ zu erreichen.

Zum Bergfest des Positionspapiers liegt der Schwerpunkt der kommenden LIBREAS-Ausgabe auf den Themen einer digital vermittelten Wissenschaftskommunikation und Wissensorganisation.

Dabei geht es nicht unbedingt darum, bestimmte Werkzeuge und ihre Funktionalitäten zu beleuchten. Wir möchten vielmehr diese Formen der wissenschaftlichen Arbeit und der Möglichkeiten des Austauschs facettenreich und nach Möglichkeit auch kritisch reflektieren.

Hier sind so unterschiedliche Aspekte denkbar wie:

* Tradition und Veränderung ─ Hat sich die Wissenschaftskommunikation wirklich verändert oder stehen die neuen Tools neben einer althergebrachten Kommunikationskultur. Haben die Werkzeuge und Möglichkeiten zur Sammlung und Distribution eine andere Form der Nutzung von Daten und Literatur hervorgebracht?
* Akteure/Akteurinnen und Rollen ─ Wer kommuniziert eigentlich wie mit wem? Wissenschaftsinstitutionen; Bibliotheken/Informationsdienstleister, Wissenschaftler, Studierende? Kommuniziert die Wissenschaft untereinander? Kommunizieren Wissenschaft und Öffentlichkeit?
* Diskursivität ─ Inwiefern beeinflusst die Medialität der ektronischen Kommunikationswerkzeuge den wissenschaftlichen Informationsaustausch bzw. die Wissenschaft(en) selbst?
* Mehrwerte und Verluste ─ Welche Vorteile erfüllen die Angebote tatsächlich, wo liegen Wunsch und Wirklichkeit zu weit auseinander?
* Ökonomie ─ Wie verhält es sich im Sinne einer angestrebten/anzustrebenden Nachhaltigkeit mit den Geschäftsmodellen und der Vermarktung von Kollaborationstools?
* Technik ─ Wie erfolgt die Integration und die Nutzung von Informationen und Daten (Objekten) in den Wissenschaftswerkzeugen?

Ob nun die Eigenschaften von (webbasierten) Literaturverwaltungsprogrammen zur Begleitung des Publikationsprozesses, die Effektivität von Mailinglisten zum Austausch über Forschungsthemen oder das Nutzungspotential integrierter Portallösungen ─ die Möglichkeiten, sich plattformbezogen der Wissenschaftskommunikation und der Wissensorganisation zu nähern, sind schier unbegrenzt. Wir laden Sie ein, mit uns diese zu entdecken, zu ergründen und erfahrbar zu machen. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Redaktionsschluss ist der 31.12.2010. Bitte achten Sie auf unsere Autoreninformationen. Sie erreichen die Redaktion unter redaktion@libreas.eu.

(Dieser Text steht unter der CC-Lizenz Attribution-NoDerivs 3.0 Unported http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/ und darf im Rahmen dieser Lizenz frei genutzt werden.)

Science 3.0 aggregiert deutschsprachige Wissenschaftsblogs

Science 3.0, ein vor kurzem schon von Tobias Maier erwähntes wissenschaftliches Social Network, hat seit gestern die Zahl der im deutschsprachigen Feed-Aggregator „German Blogs“ aufgeführten Blogs stark erhöht. Nun sind auch alle in der Wikio-Kategorie „Wissenschaft“ enthaltenen Blogs integriert. Open Access ist in der Tag-Cloud prominent vertreten.