Elsevier schlägt Geoblocking für “Open-Access-Artikel” vor

Elsevier hat wieder einmal recht originelle Vorstellungen davon, wie die wissenschaftliche Welt aussehen sollte. Die neuesten Ideen sind in einem Traktat namens Working towards a transition to open access veröffentlicht worden. Am besten selbst lesen. Und dann den Kommentar von Björn Brembs. Wer Zeit sparen möchte (der Elsevier-Text ist allerdings wirklich nicht lang), hier ist die Kernaussage:

Europe is a region where a transition to fully gold open access is likely to be most cost-neutral and, perhaps for this reason, where gold OA currently has the highest policy focus. This is in stark contrast to other research-intensive countries such as the US, China and Japan, which on the whole have pursued the subscription/green open access path. Therefore one possible first step for Europe to explore would be to enable European articles to be available gold open access within Europe and green open access outside of Europe.

“Klar wollen wir Open Access. So ein bißchen. Also für die, die gut zahlen können.” Elsevier versucht hier wieder einmal dreisterweise, den Begriff Open Access zu verbiegen, verformen und in die eigenen Geschäftspläne einzupassen. Es ist hier wiederholt festzustellen, dass es ganz klare Definitionen gibt, was Open Access ist. In Details mögen sich diese Definitionen widersprechen. Aber ganz klar ist, dass freie Verbreitung und Wiederverwendung essentieller Bestandteil jeder Open-Access- Publikation ist. Diese Verbreitung auf einen eh wirtschaftlich privilegierten Raum einzuschränken, ist zynisch.

Über 60 Einrichtungen ohne Elsevier

Voraussichtlich keine Volltexte von Zeitschriften des Elsevier-Verlags ab dem 1.1.2017:

Für rund 60 namhafte Wissenschaftseinrichtungen werden ab dem 1. Januar 2017 voraussichtlich keine Volltexte von Zeitschriften des Verlages Elsevier mehr zur Verfügung stehen. Hierzu gehört auch die Universität Göttingen mit 440 Zeitschriften.

Elsevier kauft Social Science Research Network (SSRN)

Elsevier baut weiter an einer Wissenschaftslandschaft komplett aus einer Hand. Nun geht man in den Bereich Pre-Print und kauft das Social Science Research Network (SSRN). Dazu in den Nature-News:

After trying without success more than a decade ago to set up preprint servers — where academics share their papers before peer review — science-publishing giant Elsevier is now buying one. It is paying an undisclosed sum for the Social Science Research Network (SSRN), one of the world’s most popular repositories of research in economics, law and the social sciences.

 

Wikipedia, #Wikigate und/oder Open Access

SPARC und Wikipedia kündigen einen weltweiten “Editier-Marathon” zu Artikeln mit Open-Access-Bezug an, der in der Internationalen Open-Access-Week stattfinden soll.

Gleichzeitig, an anderer Stelle in derselben Wikipedia, wird darüber diskutiert, ob eine Zusammenarbeit von Elsevier und Wikipedia angebracht sei. Elsevier möchte 45 “top Wikipedia editors” mit kostenfreien ScienceDirect-Accounts versehen. Hintergedanke von Elsevier wird erstens kostengünstige Werbung und zweitens kostengünstiges (akademisches) SEO sein. Peter Murray-Rust hat die Debatte zusammengefasst. Auf Twitter wird unter dem Hashtag #Wikigate diskutiert.

[Zweiter Teil via Archivalia]

Swets-Gruppe ist insolvent

Aus dem Börsenblatt:

Der Informationsdienstleister Swets (Swets & Zeitlinger Group B.V.) mit Sitz im niederländischen Leiden hat Insolvenz angemeldet. Eine entsprechende Meldung hat die deutsche Tochter Swets Information Services bestätigt.

Swets ist der breiten Öffentlichkeit vielleicht unbekannt und hat zur Zeit nicht einmal einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel – hier geht es zum englischen Artikel. Es handelt sich dabei jedoch um ein Branchen-Schwergewicht, das nicht nur als Mittler oder Makler zwischen wissenschaftlichen Zeitschriftenverlagen und Bibliotheken agiert(e), sondern unter anderem auch die Institutional Edition von Mendeley bewarb und vertrieb. Springer und Elsevier sind sicherlich nicht die einzigen, die derzeit eindringliche Botschaften an Bibliotheken bezüglich der Zahlungsabwicklungen senden…

Und: Die Aufsatztitel der Online Contents werden von Swets geliefert und täglich aktualisiert.

[via @Libreas]

Taylor & Francis mischen sich in Inhalte ein

Taylor & Francis haben anscheinend versucht, die Veröffentlichung eines Artikels über Preistreiberei wissenschaftlicher Verlage zu stoppen, so berichtet Times Higher Education:

The debate, in the journal Prometheus: Critical Studies in Innovation, was due to appear last September, but was delayed by Taylor & Francis and published only at the end of last month.

T&F soll die Kürzung des Artikels um mehr als die Hälfte gefordert und zudem verlangt haben, eingeladene Debattenbeiträge sollen von ihnen genehmigt werden. Der Verlag konnte sich immerhin durchsetzen mit der Forderung, die Namen von Verlagshäusern zu streichen. Was natürlich Unsinn ist, wenn u.a. die Cost-of-Knowledge-Kampagne erwähnt wird, die dem elsevierschen Treiben gewidmet ist. Hier der Artikel:

David Harviea, Geoff Lightfoota, Simon Lilleya & Kenneth Weira: Publisher, be damned! From price gouging to the open road. Prometheus: Critical Studies in Innovation Bd. 31, H. 3, 2013. http://dx.doi.org/10.1080/08109028.2014.891710

Der Artikel wird interessant ergänzt durch:

Glenn S. McGuigan: Hateful metrics and the bitterest pill of scholarly publishing. Prometheus: Critical Studies in Innovation Bd. 31, H. 3, 2013.
http://dx.doi.org/10.1080/08109028.2014.891711

Mendeley -> Zotero

Luis J. Villanueva hat eine Anleitung verfasst, wie man von Mendeley zu Zotero migrieren kann. In sechs Schritten:

  1. Create new folders in Mendeley. You will divide your full library into each folder.
  2. Select a bunch of references from your library and drag-and-drop to an empty folder.
  3. Delete those references from the main library (to avoid duplication). Once the drag-and-drop is done it is as easy as clicking Del on your keyboard.
  4. Go to the new folder, select all the references (Ctrl-A) and hit Ctrl-E.
  5. Save the references in RIS format.
  6. In Zotero, select “Import…” and look for the RIS file. If you have files attached, the RIS file should have the full path to the file in your disk and Zotero will copy it.

Details und Hintergrund sind in seinem Posting “Mendeley sells out; I’m moving to Zotero” zu finden.

Kleine Umfrage zur Mendeley-Übernahme durch Elsevier


Ein bißchen Lesestoff noch zur Übernahme:

  1. Sauropod Vertebra Picture of the Week: A few words on Elsevier’s acquisition of Mendeley
  2. My thoughts on Mendeley/Elsevier & why I left to start PeerJ von einem ehemaligen Mendeley-Mitarbeiter
  3. A Matter of Perspective — Elsevier Acquires Mendeley . . . or, Mendeley Sells Itself to Elsevier

Interessant ist auch dieses Interview vom letzten September, in dem Mendeley-Victor sich über Elsevier äußert:

Elsevier tried to sneak in legislation through lobbying – the so-called Research Works Act – that was to undo the National Institute of Health’s Open Access mandate and therefore would have prevented public access to millions of bio-medical research papers. They had to pull back after outrage and boycotts from the academic community.