Nochmal: Mendelsevier

Der eventuell bevorstehende Verkauf von Mendeley an Elsevier wird vielerorts diskutiert. Ein paar Links:

Zotero positioniert sich derweil ganz offen als freie Alternative:

Wird Mendeley von Elsevier geschluckt?

Uli Herb weist auf einen Techcrunch-Artikel hin, nach Mendeley kurz davor steht, ein Übernahmeangebot in the region of $100 million von Elsevier anzunehmen. Kleingeld für Elsevier, eine Menge Geld für ein Startup.

Die Mendeley-Community ist bislang recht ruhig. Im Mendeley-Feedback-Forum sind für die Aufforderung, Mendeley bitte nicht an Elsevier zu verkaufen, noch nicht sehr viele Votes zu sehen.

CDU für Open Access

Bei Netzpolitik heißt es:

Auch die CDU/CSU sieht ein, dass die Wissenschaft erhebliche Probleme mit dem Urheberrecht in Zeiten der Digitalisierung hat. Man plant eine Evaluation und “Überarbeitung dieser Regelungen und die Zusammenführung zu einer einheitlichen Wissenschaftsschranke”. Die CDU/CSU sieht “Anzeichen für eine marktbeherrschende Stellung von wissenschaftlichen Großverlagen”, und schlägt eine Überprüfung dieses Marktes durch das Bundeskartellamt vor. Dazu setzt man sich “für die Verankerung eines verbindlichen Zweitveröffentlichungsrechts in den Förderrichtlinien für Autoren wissenschaftlicher Beiträge im Internet ein.”

Auch eine Regelung zu verwaisten Werken soll erfolgen. Weiteres dazu und zu weiteren urheberrechtlichen Positionen der CDU im Diskussionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Urheberrecht in der digitalen Gesellschaft.

ETH-Bibliothek: Stellungnahme zur Klage der STM-Verlage

Wie schon erwähnt hat die International Association of Scientific, Technical and Medical Publishers (STM) gegen den Dokumentlieferdienst der ETH Zürich geklagt. Wolfram Neubauer, Direktor der ETH-Bibliothek, äußerte sich nun in einer Stellungnahme zur Klage.

STM-Mitglieder sind u.a.:

  • Börsenverein des deutschen Buchhandels
  • Crossref
  • Elsevier
  • IEEE
  • Springer
  • Thieme
  • Thomson Reuters
  • Wiley

Elsevier verleiht E-Lehrbücher

Die Lehrbuchsammlung als Kerngeschäft und Zukunftssicherung der wissenschaftlichen Bibliotheken? Elsevier sieht das nicht so und wirbt für eLibrary student flat und mediscript Online plus Lernsystem. Für 60 Euro pro Semester gibt es folgendes Angebot:

  • Wählen Sie aus 40 Bestsellern der Studienliteratur Ihre 10 Favoriten aus, z.B. den Sobotta, das Physikum von Buchta oder Innere Medizin von Renz-Polster.
  • Nutzen Sie diese 10 Titel für 6 Monate online und offline.
  • Ein Monat vor Ablauf der 6 monatigen Laufzeit können sie für das nächste Semester neue Titel auswählen.

[via Medinfo]

Elsevier vs. Wissenschaft

Liane Haensch macht in ihrer Stimme auf zwei Kampagnen aufmerksam. Die eine Kampagne geht von Elsevier, Thieme und Springer aus, die den Dokumentenlieferdienst der ETH-Bibliothek untersagen lassen will.

Die zweite Kampagne ist von Wissenschaftlern initiiert und richtet sich gegen die Praktiken von Elsevier: The Cost of Knowledge. Man kann auf der Webseite seinen Unwillen erklären, für Elsevier tätig zu werden als Autor, als Herausgeber oder als Reviewer.

Zu “The Cost of Knowlegde” gibt es auch sonst eine Menge zu lesen. Ich hebe hier mal die Mail von BC Kämper in Inetbib hervor.

Die Resonanz auf die Aktion reicht von Mathematikern (und nochmal Mathematikern) zu Historikern, von Linguisten über Biologen zu Webwissenschaftlern.

Unterzeichnet hat übrigens auch Scott Aaronson, der Verfasser dieses amüsanten Reviews von John Willinskys “Access Principle”.

Verlage, die Feinde der Wissenschaft

Ist das eine plakative Überschrift? Ja. Entspricht sie den Tatsachen? Nun, empört den Kopf schütteln wird wohl niemand. Vor drei Tagen hieß es zum Beispiel in einem Interview des ORF mit Gerhard Fröhlich über die beklagenswerten Zustände im innovationsresistenten Wissenschaftsverlagsgewerbe:

Es wundert mich nicht, wenn es auch in der Wissenschaft so zugeht. Und ich rede nicht von kleinen österreichischen Verlagen, mit denen ich gute Erfahrungen habe, sondern von internationalen Großunternehmen mit zum Teil hunderten Journalen im Repertoire. Diese Verlage verdienen so gut, dass dies nur mit Waffen- und Drogenhandel vergleichbar ist. Und wer bestens verdient, warum sollte der dazulernen wollen?

Nun heißt es im Guardian:

This is the moment academic publishers gave up all pretence of being on the side of scientists. Their rhetoric has traditionally been of partnering with scientists, but the truth is that for some time now scientific publishers have been anti-science and anti-publication. The Research Works Act, introduced in the US Congress on 16 December, amounts to a declaration of war by the publishers.

Dies und vieles mehr wird unter der Überschrift “Academic publishers have become the enemies of science” veröffentlicht.

Der Research Works Act (RWA) ist – kurz gefasst – die Bestrebung von Elsevier & Co, durch massive Lobbyarbeit Open-Access-Mandate wie die Public Access Policy des National Institute of Health zu verhindern. Die Behauptung, Wissenschaftsverlage
seien wissenschaftsfeindlich, wird zur Zeit also sehr solide untermauert.

Weitere Infos u.a. bei Archivalia, Wisspub, Geograffitico oder Telepolis.

Darüber hinaus hat Wenke Bönisch eine kurze Chronologie der Ereignisse rund um den RWA bei Storify zusammengestellt, nähere Informationen in ihrem dazugehörigen Posting:

Elsevier-Testimonial für 1000 Euro: DGI

Auf der nächsten DGI-Konferenz werden Nachwuchsvorträge mit einem Best Paper Award ausgezeichnet:

Der 2010 erstmalig erfolgreich vergebene Preis wird wieder durch die Unterstützung des Wissenschaftsverlags Elsevier ermöglicht. Die langfristige Weiterführung der Partnerschaft zwischen der DGI und Elsevier unterstreicht das hohe Interesse von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft an der Förderung des Berufsnachwuchses.

Der beste Vortrag wird mit 500 Euro, der 2. und 3. Platz mit je 300 EUR und 200 EUR dotiert. Die Preisverleihung findet im feierlichen Rahmen der Abschlussveranstaltung der DGI-Konferenz am 23. März 2012 statt.

Mit satten 1000 Euro unterstreicht Elsevier also das “hohe Interesse”. Natürlich sind 200 Euro für den Drittplatzierten sicherlich netter als gar nichts. Und im Lebenslauf macht sich so ein Preis ja auch ganz gut. Angesichts der Profite Elseviers ist das jedoch kein Ausdruck hohen Interesses, sondern ein Witz. Für 1000 Euro bekommt man z.B. in der taz (PDF) eine Textteilanzeige von etwa 7 cm Höhe. In der Zeit (PDF) sind es etwa 1,8 cm, im Bibliotheksdienst (PDF) immerhin 2,5 Seiten. Da steht dann nicht mit dem Siegel einer Fachgesellschaft, wie sehr man sich für die Nachwuchsförderung in der Wissenschaft engagiert.

Ich muss jetzt davon ausgehen, dass dem DGI die sog. Zeitschriftenkrise bislang entgangen ist. Wer in den letzten 20 Jahren tiefgefroren oder auf einer einsamen Insel war, sei an dieser Stelle informiert: Die Preispolitik gerade des hier gepriesenen Nachwuchsförderers Elsevier sorgt dafür, dass der Nachwuchs nicht auf wissenschaftliche Informationen zugreifen kann. Wäre die DGI ein Verband für Meeresbiologie im Golf von Mexiko, hätte man sich vermutlich für BP als Sponsor entschieden. Im Umweltbereich nennt man das Greenwashing.

Liebe DGI-Organisatoren: Es gibt viele, viele mögliche Sponsoren, denen man ein Engagement für den Nachwuchs abnimmt. Da man von Elseviers bekundetem Interesse an “Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft” jedoch zwei abziehen muss: dieser Sponsor gehört nicht dazu.