Keine stereotypen Forderungen in der Urheberrechtsdebatte

In einem offenen Brief an Olaf Zimmermann, den Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, fordert Rainer Kuhlen eine differenzierte(re) Diskussion über den Schutz „geistigen Eigentums“ und in der Debatte rund ums Urheberrecht.

Wäre nicht die Forderung nach einer neuen Kultur des Teilens und der gemeinsamen Beförderung von Wissen und Kultur nicht auch dem Deutschen Kulturrat angemessener als auf den individuellen Interessen und auf Schutz von Verwertung und damit auf Verknappung zu beharren? Versuchen sie es doch einmal damit!

Kuhlen reagiert auf die kulturpolitischen Mindestanforderungen an die neue Bundesregierung und den neuen Deutschen Bundestag. Eine davon bezieht sich auf „geistiges Eigentum“:

Die Debatte zur Weiterentwicklung des Urheberrechts und Stärkung des Bewusstseins für das geistige Eigentum muss konsequent und offen fortgeführt werden.

In einer aktuellen Presseerklärung jubelt der Kulturrat, besonders in der Urheberrechtspolitik [seien] von der neuen Bundesregierung deutliche Aktivitäten zu erwarten.

Permalinks für Katalogisate

In der Mailingliste NGC4LIB wird gerade eifrig darüber gestritten, in welcher Form Kataloge im Netz präsent sein sollten. Ausgangspunkt war eine Diskussion über das Semantic Web, aber schnell ist die Debatte zum Kernpunkt gekommen: Bislang sind Bibliotheken nicht einmal im „normalen“ Web angekommen.

Tim Spalding fasst das Problem folgendermaßen zusammen:

1. Vendors don’t make linkable systems, mostly because libraries don’t
force them to.
2. OCLC maintains that libraries should stay off the web, and rely on
WorldCat to serve as their front-end to the world.

The result:

1. Libraries are almost NEVER in search results.
2. WorldCat is seldom visited. For example, WorldCat has HALF the
traffic of LibraryThing. It even has less traffic than Dogster.com,
the social network for people who REALLY love their dogs.

Spalding ist uneingeschränkt zuzustimmen. Man bedenke: OPAC steht für Online Public Access Catalogue. Der Gedanke war also ursprünglich, den Katalog online für den öffentlichen Zugang zur Verfügung zu stellen. Der Katalog an sich ist auch öffentlich zugänglich. Nun ist es an der Zeit, auch die Katalogisate öffentlich zugänglich zu machen. Was brauchen wir dazu? Suchmaschinentaugliche Permalinks auf Katalogisate.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die VZG getan, als sie kürzlich sogenannte Zitierlinks in den GVK einbanden.

Beispiel: http://gso.gbv.de/xslt/DB=2.1/PPNSET?PPN=595545807

Dabei gibt es jedoch (abgesehen von der Benennung der Funktion, hinter der ich eigentlich eher die bibliographischen Daten in maschinenlesbarer Form vermutet hätte) zwei Probleme.

  1. PPNs sind nicht dauerhaft, sie können sich ändern oder gelöscht werden. Dann ändert sich auch der Zitierlink, was ihn insgesamt untauglich macht. Denn: Cool URIs don’t change. Vielleicht wäre es sinnvoll, eine übergreifende ID wie die Erstkatalogisierungs-ID (EKI) für diesen Zweck einzusetzen.
  2. Der Link entspricht nicht dem, was man sieht, wenn man aus einer Recherche dorthin gelangt. Das heißt, man muss den Zitier-Link extra anklicken. Dies problematisch z.B. beim Einsatz von Bookmarkingplugins. Ist die Session beendet, ist zum Beispiel dieser Link hier nicht mehr gültig.

Ändern könnte man dies, indem man das Vorgehen der OpenLibrary übernimmt. Sucht man dort nach „The Mahabharata“ von Jean-Claude Carrière, findet man unter anderem folgenden Titel:

http://openlibrary.org/b/OL9587696M/The_Mahabharata

Dieser Link besteht aus dem Basis-Link für die OpenLibrary + alphanumerische ID + Titelstichwort. Der Titel ist für die Funktion des Links irrelevant. Ruft man die selbe ID mit einem anderen Titel auf, kommt man trotzdem zum gewünschten Titel:
http://openlibrary.org/b/OL9587696M/Harry_Potter_and_the_catalogue_of_death

Bestimmt sind auch andere technische Umsetzungen denkbar. Wichtig ist nur, dass durch dieses nur scheinbar unwichtige Detail unsere Kataloge endlich im Web ankommen. Überlegungen zur Umsetzung bestehen, jetzt kommt es darauf an, sie so schnell wie möglich umzusetzen.

Der Bibliothekar (und sicherlich auch seine Kolleginnen)

Katalogrezensent Dale Askey hat mit Studierenden der HTWK Leipzig eine packende Reportage über das Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft gedreht:

Der Vorhang fällt und eine Frage offen: Wo bekommt man solche Brillen her?

[Am Gartenzaun gefunden.]

Update: Dale Askey besteht darauf, selbst selbst keinen Finger gerührt zu haben. ;o)

Live in the library 1: Thomas Leeb – Riddle

Last week I posted a video of Kristin Hersh playing live in the Burnley Library and I received several positive responses. That made me think of a weekly „live in the library posting“ here at Infobib. If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.

Let’s kick off this little series with „Riddle“ by Thomas Leeb, a really remarkable guitar player. If you listen to his song without seeing him performing, you could think that there’s a complete band.

(Thanks again to Frank!)

Schwarz-Gelb für Robots.txt in Gesetzesform

Schwarz-Gelb plant eine Revision des Urheberrechts, einen dritten Korb. Dazu soll unter anderem ein Leistungsschutzrecht gehören, nach dem Verlage „im Online-Bereich nicht schlechter gestellt sein [sollen] als andere Werkmittler.“ Warum ausgerechnet die FDP („Bürokratie abbauen“) darauf kommt, man müsse die Funktioner der robots.txt in Gesetzestext gießen, ist mir unverständlich.

Mehr dazu bei Carta, Heise, iRights.info und Message-Online.

Welchen OA-Server hätten Sie gerne?

Eine hübsche kleine Service-Leistung liefert The Depot, ein Open-Access-Repository an der University of Edinburgh. Zum Depot:

The purpose of the Depot is to enable all academics worldwide to share in the benefits of open access exposure for their research outputs. The Depot is provided as an international facility geared to support the policies of universities and national funding agencies towards Open Access, aiding policy development in advance of a comprehensive institutional archive network.

Wer dort eine Publikation veröffentlichen will, bekommt (je nach IP-Netz) eventuell den jeweils lokal ansässigen Dokumentenserver vorgeschlagen. So sieht das aus:

Kristin Hersh live in der Burnley Library

Musik über Bibliotheken hatten wir hier schon einige Male, Musik in Bibliotheken eher selten. Oder sogar nie? Ich habe auf die Schnelle zumindest nichts gefunden. Und falls das jetzt eine Gewohnheit werden sollte, wäre Kristin Hersh ein guter Anfang.

Live in der Burnley Library.

Besten Dank an Frank für den Hinweis!

Technorati-Relaunch 2009

Technorati wurde heute von Grund auf erneuert. Es wurde höchste Zeit, und es kann eigentlich nur besser werden. Was ist neu?

Die Technorati Authority, der Fuchsschwanz der Blogosphäre, wird flexibler. Statt der Backlinks der letzten sechs Monate werden nur noch die eines Monats berücksichtigt.

Because most searches are looking for items less than a month old, we’re going to narrow that window in a similar way.

Dazu kommt eine neue Topical Authority, die nur die Technorati Authority für ein bestimmtest Themengebiet bezeichnet.

Die Suche wurde gewichtet. Es werden nicht mehr die aktuellsten, sondern die „wichtigsten“ Treffer angezeigt. Daumen runter, Technorati. Ich habe die Suchfunktion eigentlich immer dazu genutzt, mir einen aktuellen Überblick über die allerneuesten Beiträge zu einem Thema zu verschaffen.

Leider funktioniert momentan überhaupt nicht viel, daher muss eine ausgiebige Untersuchung der Funktionen erstmal verschoben werden. Mehr Infos gibt es im Technorati-Blog. So wie sich Technorati jetzt darstellt, bleibe ich dabei: Seit dem letzten Relaunch hat sich wenig verbessert. Tschüss Technorati, hallo Twingly!