Bibliothek in Moskau gestürmt, Leiterin verhaftet

In Moskau wurde die Bibliothek für Ukranische Literatur(?) gestürmt, weil dort anti-russische Propaganda vorzufinden sei. Natalia Sharina, Leiterin der Bibliothek, wurde verhaftet. Nach der zur Zeit einzigen von mir gefundenen deutschsprachigen Quelle zu diesem Vorgehen auf Euronews.com:

Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Bibliothek stürmten etwa 15 Polizisten die Räume am Donnerstagmorgen und nahmen die Direktorin Natalya Sharina fest. Sie wird beschuldigt, “auf nationaler Grundlage Hass und Feindseligkeit” entfacht zu haben.

International finden sich zahlreiche weitere Quellen:

Weniger Sammelbände, mehr Zeitschriftenartikel

Adrian Pohl hat einen dritten Beitrag zum Bibliotheksbärendienst veröffentlicht, in dem er unter anderem einen Absatz zur offenen Fachkommunikation von mir zitiert. Den letzten Satz möche ich noch einmal hervorheben:

Schön wäre dann noch der Schritt weg von den sattsam bekannten Sammelbänden, die meist doch eh nur Artikelsammlungen sind, hin zu Themenschwerpunkten in OA-Zeitschriften.

Es ist wirklich schade, dass viele sehr gute und interessante Beiträge in Sammelbänden erscheinen, wo sie höchstens zufällig gefunden werden. Zwar werden diese inzwischen deutlich besser erfasst und suchbar gemacht. Aber generell gilt immer noch: Statt sein wissenschaftliches Werk als Buchkapitel zu publizieren, könnte man es genauso gut in einem Loch im Garten vergraben.

De Gruyter, die ZLB und der Bibliotheksbärendienst

Eigentlich wollte ich zum Bibliotheksdienst nichts mehr schreiben. Viele andere vermutlich auch nicht. Adrian Pohl hat dies letztens aber getan, und zwar höchst lesenswert und unter dem hübschen Titel Bibliotheksbärendienst. Worum ging es?

Adrian wollte auf einen Artikel verlinken, den er selbst 2009 im Bibliothekdienst veröffentlicht hat. Er stellte dabei fest, das dieser Artikel nicht frei im Web verfügbar ist und stellte die Frage, ob die ZLB überhaupt das Recht hatte, die Nutzungsrechte an de Gruyter zu übertragen. Klaus Graf meint dazu: nein.

Adrian Pohl hat De Gruyter auch direkt gefragt und die Antwort in seinem Blog veröffentlicht. De Gruyter sieht sich im Recht  und verlangt für alte Bibliotheksdienst-Artikel satte 30 Euro.

Sehen wir es positiv und als ganz großartige Öffentlichkeitsarbeit für die inzwischen beachtliche deutschsprachige Open-Access-Landschaft im Bibliotheks- und Informationsbereich –   und das ausgerechnet in der Open Access Week!

Ich möchte hier einmal direkt zur Mitarbeit bei der Zeitschrift aufrufen, bei der ich mich selbst engagiere, der Informationspraxis. Und darauf hinweisen, dass es darüber hinaus noch  027.7, GMS Medizin, Bibliothek, Information, Libreas, O-Bib, Perspektive Bibliothek und die VÖB-Mitteilungen gibt. Und vielleicht noch andere, die ich gerade übersehen habe.

Wer offene Fachkommunikation befördern möchte – und nur offene Fachkommunikation ist in meinen Augen tatsächlich stattfindende Fachkommunikation – hat eigentlich keine Ausrede mehr. Egal, ob man sich mit der Schweizer Verbundlandschaft, mit Problemen beim Einsatz von Textvergleichsprogrammen zur vermeintlichen Plagiatsvermeidung, mit sozialer Bibliotheksarbeit, Anforderungen an einen Fachinformationsdienst, RFID in Bibliotheken oder mit Barrierefreiheit für Digitale Bibliotheken beschäftigt: Es gibt eigentlich kein Thema mehr, für das sich nicht ein Ort außerhalb der früher mal üblichen Zeitschriften finden würde. Schön wäre dann noch der Schritt weg von den sattsam bekannten Sammelbänden, die meist doch eh nur Artikelsammlungen sind, hin zu Themenschwerpunkten in OA-Zeitschriften.

Tl;dr: Kein Mensch braucht mehr den Bibliotheksdienst. Aber der Bibliotheksdienst braucht Menschen. Es werden sich in den nächsten Jahren mehr und mehr Menschen für die oben genannten Open-Access-Optionen entscheiden. Und dass der Bibliotheksdienst im Toll-Access-Knast steckt, ist erbärmlich.

Data Munging Tools in Preparation for RDF: Catmandu and LODRefine

Die neue Code4Lib-Ausgabe 30 ist da. Besonders interessant:

Data Munging Tools in Preparation for RDF: Catmandu and LODRefine von Christina Harlow

Abstract:

Data munging, or the work of remediating, enhancing and transforming library datasets for new or improved uses, has become more important and staff-inclusive in many library technology discussions and projects. Many times we know how we want our data to look, as well as how we want our data to act in discovery interfaces or when exposed, but we are uncertain how to make the data we have into the data we want. This article introduces and compares two library data munging tools that can help: LODRefine (OpenRefine with the DERI RDF Extension) and Catmandu.

The strengths and best practices of each tool are discussed in the context of metadata munging use cases for an institution’s metadata migration workflow. There is a focus on Linked Open Data modeling and transformation applications of each tool, in particular how metadataists, catalogers, and programmers can create metadata quality reports, enhance existing data with LOD sets, and transform that data to a RDF model. Integration of these tools with other systems and projects, the use of domain specific transformation languages, and the expansion of vocabulary reconciliation services are mentioned.

Library 2.015 am 20. Oktober

Seit einigen Jahren bietet die internationale Ning-Community bibliothekarische Onlinekonferenzen und so auch dieses Jahr mit der Library 2.015 am 20. und 21. Oktober. Themen:

Strand 1: Digital Services, Preservation, Curation, and Access

Strand Tag: 2.015Data

Example topics (but not limited to the following)

  • Building sustainable digital collections
  • Challenges and examples of data curation
  • Creating ontologies and metadata schemes
  • Digital Humanities
  • New forms of scholarly publishing
  • Organizing and managing electronic records including reliability and authenticity issues

Strand 2: Emerging Technologies and Trends

Strand Tag: 2.015Trend

Example topics (but not limited to the following)

  • 3-D Printing
  • Internet of things, smart objects, and wearable technologies
  • E-books and e-book devices
  • Mobile access to services
  • New forms of delivery and emerging models of literacies such as game-based learning
  • MOOCS

Strand 3: The User Experience

Strand Tag: 2.015UX

Example topics (but not limited to the following)

  • Social networking trends and implications
  • Usability techniques and website improvements
  • Effective techniques for instructing users in the retrieval and evaluation of information
  • The relationship between design thinking and the user experience and interaction
  • Reaching out to diverse communities
  • Innovative delivery techniques in storytelling

Strand 4: Management of Libraries and Information Centers in the 21st Century

Strand Tag: 2.015Leader

Example topics (but not limited to the following)

  • Advocacy and building influence
  • Analytics (reporting value to organizational stakeholders)
  • Grant writing
  • Green libraries
  • Managing people
  • Funding models
  • Marketing/PR
  • Outsourcing/privatization

Hier ist der Zeitplan. Die Teilnahme ist kostenlos.

„Zugänglich“ bedeutet auch „verständlich“

Für den ersten Begriffsteil von „Open Access“ gibt es im Deutschen oft Übersetzungsschwierigkeiten. Offen? Frei? Beim zweiten Begriffsteil ist man auf der sicheren Seite, selbst wenn man, wie hier im Telegraph, damit meint, dass Forschung auch verständlich und nicht nur erreichbar sein soll.

In eben diesem Beitrag des Telegraph wird gefordert, dass publizierte Forschung nicht nur zugänglich sein soll, sondern neben einem Abstract auch einen “People’s Paragraph” („Volksabsatz“? Oder eher „Laienabsatz“?) beinhalten sollte.

A spokesperson for Research Councils UK, commented: “Relevance, trust, accountability and transparency are the cornerstones of the relationship between research and society. It is vital that the public have both access to the knowledge research generates and the opportunity to influence the questions that research is seeking to address.”

Ob sich dieser Absatz so schnell schreibt? Aber eine breite Verfügbarkeit und bessere Vermittlung wissenschaftlicher Forschung würde der Akzeptanz sicherlich nicht schaden. Und vielleicht auch dabei helfen, den teils aufgeblähten Wissenschaftsjargon ein wenig einzudämmen.

Hier geht’s zum Volltext der Erklärung des Research Councils UK (PDF).