Die französische Zeitschriftenabo-Abbestellungs-Epidemie

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

In An Epidemic of Journal Subscription Cancellations schreibt Laurence Bianchini über die Zeitschriftenabo-Kündigungen verschiedener Universitätsbibliotheken. Sie sorgt sich, dass die Zeitschriftenkrise auf dem Rücken der Wissenschaftlerinnen ausgefochten wird.

Scientists need access to publications. It is troubling to see such situations end up in bilateral disagreement and subscription cancellations en masse. The mission of consortiums is to protect researchers by negotiating for fair prices. When conflicts like this occur, they expect to have the support of researchers, which is not always the case. “Some researchers contacted us after the Science subscription was cancelled,” says Emeline Dalsorg. “When we explain to them, they understand the decision that was made and try to access publications via other subscriptions, like those of the CNRS.” In other cases, the consortium’s refusal gets much less support from researchers. On the contrary, they express disillusioned incomprehension, even a feeling of betrayal toward the negotiators who cut off their access to journals indispensable to carrying out quality research.

Berechtigte Bedenken. Doch wenn Konsortien nicht zeigen, dass sie Verhandlungen in Ermangelung akzeptabler Bedingungen auch scheitern lassen können, ist die ohnehin nicht besonders starke Verhandlungsposition noch weiter geschwächt.

Archiv der Annals of Library Information Studies

Rabishankar Giri verkündete in der IFLA-Mailingliste, dass die Annals of Library Information Studies (one of India ’s oldest peer reviewed LIS research journal published by CSIR-NISCAIR) nun ein Open-Access-Archiv eröffnet hat. Ich kann die angegebene Adresse zur Zeit nicht aufrufen. Vermutlich eine Kinderkrankheit, die sich hoffentlich bald geben wird.

Wer sich fragt, warum ich auf ein indisches Journal verweise: Laut Giri sind im Archiv 54 Artikel von Ranganathan zu finden.

Wie Open der Access ist, kann ich leider nicht sagen. Aktuelle Ausgaben der Zeitschrift stehen unter der unseligen CC-BY-NC-ND-Klausel, die nicht dem entspricht, was Open Access genannt werden kann.

EPUB im Open Journal System

Trude Eikebrokk, Tor Arne Dahl and Siri Kessel: EPUB as Publication Format in Open Access Journals: Tools and Workflow. Code4Lib 24, 2014-04-16.

Abstract:

In this article, we present a case study of how the main publishing format of an Open Access journal was changed from PDF to EPUB by designing a new workflow using JATS as the basic XML source format. We state the reasons and discuss advantages for doing this, how we did it, and the costs of changing an established Microsoft Word workflow. As an example, we use one typical sociology article with tables, illustrations and references. We then follow the article from JATS markup through different transformations resulting in XHTML, EPUB and MOBI versions. In the end, we put everything together in an automated XProc pipeline. The process has been developed on free and open source tools, and we describe and evaluate these tools in the article. The workflow is suitable for non-professional publishers, and all code is attached and free for reuse by others.

Zum Volltext. Realisiert wurde das Projekt anhand der Zeitschrift „Professions and Professionalism“. Dort werden insgesamt vier Formate pro Artikel angeboten: PDF HTML ePub mobi. Besonders die HTML-Ansicht scheint mir sehr gut gelungen.

GND per SPARQL

Die ZBW hat nun einen SPARQL-Endpoint für die GND (Fuseki) gebaut. Aus der dazugehörigen Mail von Joachim Neubert:

Der Endpoint ist rein experimentell und ohne jede Gewähr auf Verfügbarkeit oder Performanz. Ich würde mich freuen davon zu hören, wenn er sich für Experimente als hilfreich erweist (oder was ggf. verbessert werden könnte).

Dies ist nützlich u.a. für den Abgleich (Reconciliation) von eigenen Daten mit der GND zum Beispiel via Google Refine/OpenRefine.

Schleswig-Holsteins Hochschulen forcieren Open Access

Deutschlandfunk.de:

Schleswig-Holstein will alle öffentlich finanzierte Forschung unentgeltlich ins Internet stellen. Das zuständige Wissenschaftsministerium und die Hochschulen erarbeiten dafür Open-Access-Richtlinien. Sie berühren unter anderem finanzielle, technische und urheberrechtliche Aspekte des digitalen Publizierens.

Passend dazu sei auf die verschrobene Position des DHV im Falle der Open-Access-Strategie Baden-Württembergs verwiesen, die Wissenschaftsfreiheit durch Wegsperren von wissenschaftlichen Publikationen hinter Bezahlschranken fördern möchte. Das dort verlinkte Börsenvereinspapier ist übrigens lesenswert und es wäre sehr lustig, wenn nicht zu befürchten wäre, dass die Politik es ernst nehmen könnte. Spitzenzitat: Bestehender Markt für wissenschaftliche Publikationen funktioniert.

Protest gegen die Diskriminierung der Hochschulwissenschaft im Urheberrecht

Die Unterzeichner dieses Aufrufs protestieren gegen die Anfang 2014 in Kraft getretene Regelung im Urheberrechtsgesetz, § 38 (4), die der Mehrheit von Autorinnen und Autoren an den Hochschulen das Zweitveröffentlichungsrecht verweigert. Die Unterzeichner fordern ein Zweitveröffentlichungsrecht für alle Autorinnen und Autoren, unabhängig von ihren Beschäftigungsverhältnissen. Die Unterzeichner fordern den Bundesjustizminister auf, rasch eine entsprechende Änderung im Urheberrechtsgesetz auf den parlamentarischen Weg zu bringen

Begründung:

Das Recht von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, ihre öffentlich geförderten Werke nach einer kommerziellen Erstveröffentlichung zweitveröffentlichen zu dürfen, ist seit Anfang 2014 im deutschen Urheberrechtsgesetz verankert. Dieses neue Recht ist eine wichtige Errungenschaft, obgleich es in manchen Details unzureichend ist. So ist z.B. die Frist mit 12 Monaten nach der Erstveröffentlichung zu lang und berücksichtigt werden nur Publikationen in Zeitschriften, nicht aber solche in Konferenz-Proceedings oder anderen Sammelbänden geschweige denn Monographien.

Keinesfalls akzeptabel ist, dass nur solche Forschungen bzw. solche Werke von diesem Recht betroffen sind, „die im Rahmen der öffentlichen Projektförderung oder an einer institutionell geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtung durchgeführt werden“ (so in der Begründung zum Gesetz).

Insbesondere die mit Grundmitteln finanzierte Forschung an den Hochschulen bleibt damit von diesem Recht ausgeschlossen. Dieser Ausschluss wurde von der früheren Bundesregierung dadurch begründet (und vom Bundestag akzeptiert), dass bei der Drittmittel- und institutionellen Forschung „das staatliche Interesse an einer Verbreitung der Forschungsergebnisse besonders hoch“ sei (ebenfalls in der Begründung). Wir, die Unterzeichner, halten diese Begründung der Ungleichbehandlung für nicht akzeptabel und die Differenzierung deshalb für verfassungswidrig.

Die Unterzeichner dieses Aufrufs protestieren daher gegen die in § 38 (4) UrhG ersichtliche Diskriminierung der Hochschulwissenschaft. Daher fordern die Unterzeichner dieses Aufrufs die Politik (Bundesregierung und Bundestag) auf, die bestehende Regelung für das Zweitveröffentlichungsrecht in oben genanntem Sinne zu verbessern und vor allem das Recht auf alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auszuweiten.

Dieser Protest kann von allen unterzeichnet werden, die ein umfassendes und nicht-diskriminierendes Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und einen raschen und freizügigen Zugriff zum Wissen, vor allem zu dem mit öffentlichen Mitteln finanzierten Wissen haben, einfordern.

Hier geht es zur Petition.

Wikidata als Über-Klassifikation

Am Sonntag hat Lydia Pintscher in ihrem wöchentlichen Wikidata-Newsletter neue Properties bekannt gegeben. Und einige davon muten reichlich bibliothekarisch an:

impact factor, Municipality code (Denmark), USB ID, Home world, Cardinality of the group, Internet media type, Bluebook abbreviation, Z39.5 abbreviation, ISO 4 abbreviation, CODEN, landing site, US Congress Bio identifier, Scopus Source ID, Scopus Affiliation ID, Scopus EID, Scopus Author ID, IPTC Media Topic, topic’s main portal, Regensburg Classification, Library of Congress Classification, neutron number

Über die Nachnutzung der Daten (Scopus oder impact factor)  ließe sich im bibliothekarischen Kontext einiges schreiben. Besonders aufgefallen sind mir jedoch LoCC und RVK. Wenn die nun eine eigene Property haben, was denn noch?

Ein Blick in ein paar populäre Wikidata-Topics erhellt die Lage. Sport wurden folgende statements zugewiesen:

Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es? Reicht es künftig, auf ein Wikidata-Topic zu verlinken, um Ressourcen gleich in mehreren Klassifikationen zu verorten?

"PLOS Opens" mit Cameron Neylon

Cameron Neylon ist nun PLOS-Blogger:

Open Access will be at the center of what we discuss, but we chose deliberately not to have ‘Open Access’ in the name. The successful implementation of full Open Access is a necessary, but not sufficient condition of realizing the potential that the web brings to research communication.

Es ist auch schon das erste Posting einer wöchentlich oder zweiwöchentlich angesetzten Reihe „The Opens“ erschienen.

Ein konkreter Anwendungsfall für Open Data

Diskussionen über Open Data bleiben oft abstrakt, die Frage nach einem konkreten Anwendungsfall schwebt immer wieder im Raum. „Wer will denn überhaupt diese Daten haben?“ Um diese Frage mit einem Beispiel zu beantworten: ich.

Mein Anwendungsfall ist der Aufbau einer Hochschulbibliographie. Dort sollen nicht nur die Autoren und ihre Publikationen verzeichnet werden, das System soll vielmehr ein Abbild der Forschungsaktivität der Hochschule sein. Dazu setzen wir auf VIVO. Und VIVO arbeitet mit Linked Data.

Ich habe das System und seine Komponenten hier im Blog schon beschrieben. Um meinen Anwendungsfall zu verstehen, reicht ein Blick auf dieses Profil der Boeing Company im VIVO der Cornell University.

Man kann in VIVO also Firmen abbilden, die in irgendeiner Art mit der Forschungs-, Lehr- oder Publikationstätigkeit in Verbindung stehen. Dies ist von vielen Seiten gewünscht. Manche möchten Transparenz darüber, wer die Hochschulforschung finanziert. Andere möchten wissen, welche ProfessorInnen die fleissigsten Drittmitteleinwerber sind. Manche möchten sich dadurch einfach als industrienah präsentieren oder sind auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern. Motive gibt es vielerlei.

Nun kann man diese Daten natürlich per Hand eingeben oder die hausintern vorliegenden Daten (die berühmten Excel-Tabellen) nachnutzen. Doch ist das wirklich notwendig? Warum muss jede Hochschule diese Daten selbst pflegen? Welcher Aufwand steckt dahinter, die Daten korrekt und vollständig zu halten? Ich kann ihn nicht beziffern, eine grobe und meines Erachtens durchaus realistische Abschätzung lautet allerdings: er ist mir zu groß.

Und hier kommt der deutsche Datengeiz ins Spiel. OpenCorporates ist ein Verzeichnis für Firmeninformationen. Eines der besonderen Art. Die Daten sind unter ODbL lizenziert, es gibt tolle Schnittstellen und es finden sich dort Infos über sagenhafte 62,035,536 Firmen. Ein beachtlicher Berg!

Davon sind 40,155 aus Albanien, 45,423 aus Aruba, 68,711 aus Pakistan, 104,852 aus Gibraltar, 535,779 aus Irland, 723,842 aus Norwegen, 1,559,918 aus Südafrika oder 8,199,109 aus Großbritannien. Aus Deutschland: 0. Keine einzige.

Nichts gegen Aruba! Eine Insel, deren Wahlspruch „Una isla feliz“ (kreolisch für „Eine glückliche Insel“) sicherlich berechtigt ist. Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten sind bei 45.000 Firmen auf etwa 100.000 Einwohnern sehr beachtlich. Aber wie kann es sein, dass Aruba schafft, was für Deutschland nicht möglich ist? Liegt es daran, dass der Wahlspruch Deutschlands „Amtsgeheimnis“ lauten könnte?

Die Diskussion darüber hatte ich kürzlich erst mit OKF DE, Marian Steinbach und Friedrich Lindenberg. Es wird Zeit, dass sich etwas tut.