7 Grundregeln für digitale Projekte

Klaus Graf schlägt “7 Grundregeln für digitale Projekte” vor:

Für digitale Sammlungen von Archiven, Bibliotheken, Museen usw. und virtuelle Ausstellungen sind die folgenden Grundregeln gedacht, die ich zur Diskussion stelle.

1. NICHT AN DER AUFLÖSUNG SPAREN! Jede Bildseite muss in hoher Auflösung vorliegen, denn nur diese garantiert die wissenschaftliche Nutzbarkeit.

2. PERMANENT-LINKS! Jede einzelne Bildseite muss mit einem deutlich angebrachten KURZEN dauerhaften Link versehen werden.

3. META-DATEN ZU JEDEM DIGITALEN OBJEKT! Zu jedem digitalen Objekt (auch zu separat nutzbaren Einzelseiten wie Druckgrafik, Zeichnungen) muss es entsprechende Metadaten geben, die professionellen Ansprüchen genügen müssen.

4. OAI-PMH NUTZEN! Alle Meta-Daten müssen für OAI-Harvester zur Verfügung stehen.

5. KEIN COPYFRAUD! Die Rechtslage ist in den Metadaten möglichst objektiv und auf jeden Fall ohne Copyfraud zu beschreiben. Was gemeinfrei ist, muss auch als Digitalisat gemeinfrei bleiben! Wenn das Projekt über Urheberrechte verfügt, ist eine Nachnutzbarkeit über eine möglichst liberale CC-Lizenz vorzusehen.

6. WEB 2.0! Nutzer sollten die Möglichkeit haben, Ergänzungen und Korrekturen anzubringen (Tags, Transkriptionen usw.)

7. LANGZEITARCHIVIERUNG! Die dauerhafte öffentliche Verfügbarkeit ist ggf. durch Kooperation mit Bibliotheken sicherzustellen.

Hier geht’s zum Posting und zur Diskussion.

Empfehlungen zur Bereitstellung gemeinfreier Inhalte

Von Adrian Pohl:

Rechtliche Grundlagen und Empfehlungen zur Digitalisierung gemeinfreier Werke und ihrer Bereitstellung im Internet. Ein Vortrag vor Bibliothekar/innen im Rahmen des scantoweb-Workshops am 27. April im Hochschulbibliothekszentrum Nordrhein-Westfalen.

Die wichtigsten Punkte kurz und knackig in den Folien zu den Praxisempfehlungen:

  1. Volltextdownload ermöglichen
  2. Copyfraud unterlassen
  3. Nutzungsbedingungen angeben
  4. Die Public Domain stärken

Wer dies befolgt, macht schon einmal sehr viel richtig.

Copyfraud (auch “Schutzrechtsberühmung”) laut Wikipedia:

Der US-Jurist Jason Mazzone hat die vielfältigen Versuche, gemeinfreie Werke als dem Copyright unterliegend auszugeben, als Copyfraud bezeichnet und gefordert, das Ungleichgewicht bei der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen einerseits und unzulässiger Schutzrechtsberühmung andererseits zu beseitigen.

Als Beispiel für Copyfraud im Bereich der Bildrechte kann etwa der Stempel auf einer Fotokopie eines gemeinfreien Archivales angesehen werden, der das Copyright (korrekt wäre im deutschsprachigen Bereich: das Urheberrecht) dem Archiv zuspricht. Das Archiv hat offensichtlich weder ein Immaterialgüterrecht an dem nicht mehr geschützten Dokument noch ein Leistungsschutzrecht gemäß § 72 UrhG, denn beim Fotokopieren entsteht – darin sind sich alle juristischen Kommentare einig – kein geschütztes Lichtbild.

Dazu in Archivalia:

Copyfraud liegt übrigens auch dann vor, wenn man Medien unter eine Creative Commons Lizenz stellt, die in Wirklichkeit gemeinfrei sind.

Eine Frage an die werte Leserschaft: Wurde dies schon mal gerichtlich durchgefochten? Hat schon jemand z.B. ein von einer Bibliothek eingescanntes und widerrechtlich mit einer Lizenz versehenes Werk kommerziell genutzt, die Schutzrechtsberühmer darauf aufmerksam gemacht und erfolgreich auf die Klage der Bibliothek gewartet?

OLG Frankfurt zu Ulmer vs. ULB Darmstadt

Heise: OLG Frankfurt schränkt Nutzerrechte in Bibliotheken ein. Nun sollen nicht einmal mehr Ausdrucke von eingescannten Werken möglich sein.

Worin genau unterscheidet sich ein Ausdruck eines eingescannten Werkes von einer Kopie? Auch bei modernen Kopierern wird das Original zuerst eingescannt und dann ausgedruckt. Im Heise-Forum schreibt mukenukem:

Oh, da weiß ich was. Man platziert neben dem Leseplatz einen Fotokopierer, auf den man dann den Monitor drauflegt.

Die Idee ist nicht neu.

Mehr dazu unter anderem bei Archivalia oder Netethics. Die digitale, ausdruckbare Kopie der Urteilsbegründung (PDF) findet sich beim Börsenverein. Sie wurde eingescannt und steht auch außerhalb speziell vorgesehener Leseplätze in Bibliotheken zur Verfügung.

Update: Nun gibt es auch einen Kommentar von Eric Steinhauer zum Urteil.

Bundeskabinett beschließt Deutsche Digitale Bibliothek

Aus Mitteln des Konjunkturprogramms II soll ab 2011 der Aufbau eines nationalen Webportals finanziert werden, welches das digitale Kulturgut von 30 000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen zusammenführen soll. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bezeichnete das Vorhaben als “eine angemessene Antwort auf Google”.
Andere Prioritäten als in der gängigen Praxis des Suchmaschinengiganten sollen Urheberrecht und Leistungsschutzrechten eingeräumt werden:

Im Unterschied zu Google werden bei der DDB die Rechte-Inhaber zuerst gefragt, und dann wird gehandelt – „dokumentiert und jederzeit nachvollziehbar“, sagte Neumann.

[via FAZ.net, Heise.de]

"Digitaler Porträtindex" der Universität Marburg

Das Bildarchiv Foto der Philipps-Universität Marburg digitalisiert und erschließt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) europäische Bildnisse von Fürsten, Geistlichen und Gelehrten aus der Zeit zwischen 1450 und 1850.
Die ersten 130 000 Bilder des „Digitalen Porträtindex druckgraphischer Bildnisse der Frühen Neuzeit“ sollen Mitte 2010 zugänglich sein.

Mehr dazu hier.

Google-Projekt-Befürworter aus Frankreich

Die französische Nationalbibliothek verhandelt mit Google über eine Digitalisierung ihrer Bestände. Frankreich habe „nichts gegen die Idee“, Google einen Teil seiner Bücher anzuvertrauen, sagte die für digitale Wirtschaft zuständige Staatssekretärin, Nathalie Kosciusko-Morizet. Großbritannien und Spanien arbeiten schon seit längerer Zeit mit Google zusammen.

[via handelsblatt.com]