Google Search Plus = Antitrust?

Danny Sullivan hat auf Searchengineland.com eindrucksvoll dargelegt, welchen Einfluss Google+ auf die Suchergebnisse hat. Und wie relevant es für Unternehmen wird, künftig auf Google+ vertreten zu sein. Eric Schmidt behauptet allerdings etwas anderes:

Did he [Eric Schmidt, Anm. des Verf.] think Google was favoring itself too much with the suggestions of Google Plus?

“No.”

Da bleibt nur noch, sich MG Siegler anzuschließen:

How on Earth is Google going to avoid antitrust inquiries with their new Search+ features announced today? If Facebook, Twitter, etc, have any decent presence in DC, the ball began rolling a few hours ago.

Die juristische Aufarbeitung der Browserkriege könnte hier einen Nachfolger finden.

Update: Ich sehe gerade, dass mit “Social Network Wars” bereits ein Name gefunden ist.

Ravelry: Strick-Community

Farhad Manjoo schrieb vor einigen Tagen für Slate einen interessanten Artikel (“A Tight-Knit Community”) über das auf die Strick-Community spezialisierte Social Network Ravelry.

The best social network you’ve (probably) never heard of is one-five-hundredth the size of Facebook. It has no video chat feature, it doesn’t let you check in to your favorite restaurant, and there are no games. The company that runs it has just four employees, one of whom is responsible for programming the entire operation. It has never taken any venture capital money and has no plans to go public. Despite these apparent shortcomings, the site’s members absolutely adore it.

Dass die strickende Gemeinde auch im Web sehr gut miteinander verknüpft, verwoben, verstrickt ist, war schon in der Kartographierung der deutschsprachigen Blogosphäre von John Kelly und Jan Schmidt klar geworden.

Google wird social

Im Februar 2010 wurde vielerorts die Frage gestellt, ob Google den Twitter-Killer an den Start gebracht hat. Gemeint war Google Buzz. Ein Jahr später wird nicht Twitter gemeuchelt, nun ist Facebook dran. Googles neuester (und lang erwarteter) Clou heißt Google+. Die einfache Erweiterung des Markennamens um ein Pluszeichen deutet wohl daraufhin, wie wichtig Google dieses Feature ist. Das Zeichen einfach wieder zu entfernen, wenn der Dienst – wie so viele Google-Dienste – floppt, wäre ein drastisches Symbol des Scheiterns für Googles Social-Web-Strategie.

Das Konzept steht auf drei Säulen.

Circles:

Man teilt normalerweise verschiedene Dinge mit verschiedenen Leuten. Aber es sollte nicht in Stress ausarten, das Richtige mit den richtigen Personen zu teilen. Mit Circles können Sie ganz einfach einen Kreis für Ihre engsten Freunde, die Fußballkumpel oder Ihre Tanzgruppe anlegen, einen anderen für Ihre Familie und einen eigenen nur für Ihren Chef – genau wie im richtigen Leben.

Hangouts:

Wenn man beim Ausgehen zufällig auf Freunde trifft, ist das oft der Anfang eines unvergesslichen Abends. Mit Hangouts wird so ein unverhofftes Treffen erstmals ins Web verlegt. Lassen Sie Ihre Freunde wissen, dass Sie im Hangout sind, und lassen Sie sich überrraschen, wer vorbeischaut. Noch nicht ganz so gut wie Beamen, aber fast!

Sparks:

Hat Ihr Großvater auch früher Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten und sie Ihnen geschickt? Sparks macht etwas Ähnliches: Es sucht nach Videos und Artikeln, die Ihnen gefallen könnten, sodass Sie immer etwas zum Anschauen, Lesen oder Teilen haben.

Google hat aus dem Buzz-Debakel gelernt. Hatte man dort auf eine Opt-Out-Klausel gesetzt und viele Daten ohne explizite Einwillung der Nutzer veröffentlicht, möchte man es nun anders angehen. Im Googlewatchblog ist zum Datenschutz zu lesen:

Google hat übrigens auf den Datenschutz geachtet und schreibt in der Ankündigung: Es ist uns bewusst, dass Google+ ein neuartiges Projekt ist, das einen anderen Schwerpunkt erfordert: eure Person. Deswegen geben wir euch differenziertere Optionen, privat zu bleiben oder Dinge öffentlich zu machen, mehr Auswahlmöglichkeiten im Hinblick auf eure Daten und eure Kontakte und mehr Gelegenheiten, uns zu sagen, ob wir das auch gut machen.

Ein Video zu Google+ gibt’s natürlich auch:

Scheitert Google+? Wetten werden angenommen. Ich lehne mich aus dem Fenster: das Projekt wird jetzt von zwei Dritteln der Social-Media-Irgendwasse gehyped, und in einem Jahr spricht niemand mehr darüber.

Algorithmische Ignoranz und das persönliche Web

DRadio Wissen macht auf eine drastische Veränderung der Informationsflüsse durch die fortschreitende Personalisierung von Webangeboten aufmerksam.

Jeder steckt in einer Filterblase, denn die virtuelle Welt, die ihm Google, Facebook und Co anliefern, ist auf seine persönlichen Vorlieben abgestimmt. Ein in sich zurückgekrümmtes System – mit fatalen Folgen.

Der komplette, sehr aufschlussreiche Podcast lässt sich auf der DRadio-Webseite nachhören. Noch etwas ausführlicher beschäftigt sich Mashable mit dem Thema. Sowohl Mashable als auch DRadio beziehen sich auf einen TED-Talk von Eli Pariser mit dem Titel Beware online “filter bubbles”“.


Ein sehr anschauliches Beispiel für solch eine “Filterblase” liefert der oben verlinkte DRadio-Podcast:

Wir werden so zu einem vormodernen Papst, der nach dem Weltbild googelt. Der Name Kopernikus taucht in den Suchlisten nicht auf. Nur ein gewisser Ptolemäus versichert uns tagtäglich: Wir, nur wir, sind der Mittelpunkt des Universums.

Aktuell gibt zum Beispiel Netzpolitik.org praktische Lebenshilfe, wie man in Facebook zumindest teilweise die Kontrolle darüber zurückerlangen kann, wessen Nachrichten man sehen kann. Wir neigen ohnehin dazu, nur das wahrzunehmen, was wir wahrnehmen möchten. Dies kann durch verstärkende Algorithmen in personalisierten Webangeboten in eine permanente Nabelschau münden. Eine Gefahr, die natürlich auch durch personalisierte bibliothekarische Angebote gegeben ist.

Sobald ein Recommender-System erwähnt wird, kommt zwangsläufig die Debatte über den Matthäus-Effekt. Auch Klassifikationen sind alles andere als neutral. Ansonsten hätte die Klassifikation für Allgemeinbibliotheken nach der Wende kaum umgearbeitet werden müssen. Kann es Aufgabe der Bibliotheken sein, diesem Trend durch auch nur scheinbar neutrale Suchsysteme entgegen zu wirken?

DMOZ-Relaunch im März?

Das Open Directory Project DMOZ war mal ein unverzichtbarer Bestandteil des Webs, ein moderierter Webkatalog mit hohem Anspruch an Aktualität und Seriösität. Administratoren für spezielle Kategorien sollten dafür sorgen, dass nur geprüfte, “gute” Webseiten aufgenommen werden. Dadurch baute sich DMOZ einen sehr guten Ruf auf, der natürlich schwarze SEO-Schafe noch und nöcher anzog. Kürzlich konnte man sogar einen DMOZ-Eintrag (für 87 €!) bei Ebay ersteigern.

Dazu kommt, dass manche Kategorien schon seit Jahren nicht mehr gepflegt wurden.

Nichtsdestotrotz wird die Aufnahme einer Webseite in DMOZ nach wie vor von vielen Ranking-Tools und vielleicht sogar noch von Suchmaschinen als Qualitätsfaktor gewertet. Als Beispiel sei seitwert.de genannt.

Wie Webranking.com nun berichtet, soll (eventuell noch in diesem Monat) ein Relaunch stattfinden.

Wird ein Webkatalog wie DMOZ jedoch überhaupt noch noch benötigt? Die Verschiebung von Webkatalogen zu Suchmaschinen fand vor einigen Jahren statt. Aktuell zieht Facebook zumindest in den USA an Google in puncto generierter Traffic vorbei.

Wenn man möchte, kann man also von vier Phasen der “Webseitenfindung” ausgehen:

  1. Die persönliche Empfehlung von Webseiten durch Freunde & Bekannte in direkter Kommunikation. Motto: “Guck mal, ich bin beim Surfen auf diese Webseite gestoßen.”
  2. Nachschlagen in Webkatalogen wie z.B. Altavista.
  3. Suchen in Suchmaschinen wie Yahoo oder Google.
  4. Die persönliche Empfehlung von Webseiten über Social Networks wie Facebook & Co.

  1. Die persönliche Empfehlung von Webseiten durch Freunde & Bekannte in direkter Kommunikation. Motto: “Guck mal, ich bin beim Surfen auf diese Webseite gestoßen.”
  2. Nachschlagen in Webkatalogen wie z.B. Yahoo.
  3. Suchen in Suchmaschinen wie Altavista oder Google.
  4. Die persönliche Empfehlung von Webseiten über Social Networks wie Facebook & Co.

Auch wenn sich die Mechanismen geändert haben, ist die Übermittlung von Webfundstücken wieder an ihren Ursprung gelangt. Ein modernes DMOZ müsste sich diesen Gegebenheiten anpassen. Es dürfte also weder Moderatoren noch vorbestimmte Kategorien geben. Beides ist anachronistisch. Ein modernes DMOZ könnte Empfehlungen aus sozialen Netzwerken fischen und stets aktuell in Ad-hoc-Kategorien clustern. Dies entspräche auch dem erklärten Ziel des DMOZ-Projektes:

Anstatt sich dem explosiven Wachstum des Internets entgegenzustellen, stellt das Open Directory Project dem Internet die Mittel zur Verfügung sich selbst zu organisieren. Gleichzeitig mit dem Internet wächst auch die Anzahl der Internet-Bürger. Diese Bürger können jeder einen kleinen Teil des Internets ordnen und das Ergebnis der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Sie sortieren dabei Schlechtes und Unnützes aus und übernehmen nur qualitativ hochwertige Inhalte.

Ich bin gespannt, wie DMOZ in ein paar Wochen aussehen wird.

[via Blogs-optimieren.de]

Facebook für Bibliotheken ungeeignet?

Edlef machte mich auf die Facebook-Einführung von Annette Schwindt aufmerksam. Sie beschreibt dort unter anderem die Einrichtung einer Facebook-Seite für Institutionen. Da ich selbst gerade ein wenig mit Facebook rumbastel, kann ich ihre Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen. Vor allem die Auswahl von Anwendungen, die für Seiten zur Verfügung stehen, ist ausgesprochen mangelhaft. Man kann keine RSS-Feeds in die Seite einbinden, seine News nicht mit Twitter synchronisieren. Man muss alle Inhalte direkt in und ausschließlich für Facebook erstellen. Es lassen sich nicht einmal die Veranstaltungen, auf die man hinweist als RSS-Feed abonnieren.

Insgesamt ein absolut schwaches Bild. Auch die Kontaktmöglichkeiten für “Fans” der Seite sind dürftig:

Da der Name des Erstellers der Seite ja nicht angezeigt wird, gibt es für Fans keine Möglichkeit, den Seitenbetreiber anders als öffentlich über die Seite zu kontaktieren. Privatnachrichten sind nicht vorgesehen.

Ihrem Fazit kann ich mich daher nicht anschließen:

Auch wenn einiges an den Facebook-Seiten reichlich unpraktisch ist, so sind sie dennoch ein lohnenswertes Tool. In der kurzen Zeit, in der die Facebook-Seite meiner Agentur jetzt online ist, habe ich schon viel positives Feedback erhalten und neue Kontakte gewonnen.

Ich frage mich, wie man als Marktführer mit solch einem Murks durchkommt. Oder geht das gerade nur dann, wenn man Marktführer ist? Wie auch immer: Vielleicht sind Facebook-Gruppen eine Alternative. Allerdings braucht man, um diese anzulegen, einen persönlichen Facebook-Account. Kollegen, wie sieht’s aus? Was passiert da gerade facebookliches in den Bibliotheken?

Soziale Netzwerke im Internet

In der NZZ ist ein Dossier über soziale Netzwerke im Internet erschienen. Unter anderem wird dort auch die Frage diskutiert, inwiefern das “Zeitalter des Social Networking” die Art und Weise verändert, wie Menschen ihre Beziehungsnetze knüpfen.

Und hier sind die einzelnen Beiträge aufgelistet:

LibGuides

Das Blog mit dem langen Titel Friends:Social Networking Sites for Engaged Library Services macht in einem Posting mit einem ebenso langen Titel auf “LibGuides: The Web 2.0 Library Knowledge Sharing System (in Facebook)” aufmerksam:

LibGuides is a Web 2.0 library knowledge sharing system. Think of it as social networks meets wikis meets bookmarks meets blogs … LibGuides helps librarians share knowledge and information, while highlighting and promoting the library resources and services to the community.

LibGuides is a system for publishing information and creating social networks centered around the library resources. Librarians create Guides (we use the word loosely – it can be any content, on any topic, for any purpose) and then publish them online. The Guides contain documents, links, podcasts, RSS feeds, videos, etc. Users can participate in interactive polls and rate the links and resources.

Es ist auch ein Demo-System verfügbar.