Tracking via Google Web Fonts?

Google hat seit einiger Zeit einen nützlichen und natürlich kostenlosen Dienst namens Google Web Fonts im Angebot. Das Prinzip: Man kann über die entsprechende API Webfonts für seine Webseiten einbinden. Diese Fonts können dann auch auf Rechnern angezeigt werden, die diese Schriftart nicht installiert haben. Wie das genau funktioniert, wird u.a. von Elmastudio beschrieben.

Wenn Google diese Schriftarten zur Verfügung stellt und diese Schriftarten vom Browser angezeigt werden: Kann Google tracken, wer welche Webseiten mit Google Web Fonts aufgerufen hat? Das heißt, es brächte überhaupt nichts, Google Analytics zu blocken, sobald Web Fonts eingebunden sind? Wenn man z.B. die Webseite des schwedischen Piratenpartei-Gründers besucht, ist dort nämlich nicht nur Google Analytics eingebunden, sondern auch die API für Web Fonts.

Meine Frage an alle AuskennerInnen: Ist das tatsächlich so? Ich habe zwar eine Menge Hinweise dazu gefunden, aber keine definitiv bestätigende Aussage.

Wikipedia(EN):

Google has been suspected to collect and aggregate data of internet users through the various tools provided to developers, such as Google analytics, Google Web fonts and Google APIs. This might allow to figure out a user’s route through internet by storing it’s IP on each site (cross-domain web tracking). Linked to other information made available through Google APIs, which are widely used, Google might be able to provide a quite complete web user profile linked to an IP. This kind of data is invaluable for marketing agencies, and for Google itself to increase the efficiency of its own marketing/advertising activities.

Google is encouraging developers to use their tools and actively encouraging developers to communicate end-user IP’s to Google (https://developers.google.com/web-search/docs/): „Developers are also encouraged to make use of the userip parameter to supply the IP address of the end-user on whose behalf you are making the API request. Doing so will help distinguish this legitimate server-side traffic from traffic which doesn’t come from an end-user.“

Trash-Wissen.de:

Wer Webfonts verwendet, bindet diese mittlerweile in aller Regel via „Google Webfonts“ ein. Das bringt unter bestimmten Bedingungen weniger Traffic, schnellere Ladezeiten, einen Eintrag in der Tracking-db von Google, und eine Kerbe in der Wahrnehmung der Urheber der Schriften.

Ein Nischenangelegenheit ist dies längst nicht mehr. Etliche WordPress-Themes setzen inzwischen auf die Web-Font-API, z.B. das populäre Liquorice-Theme. Als Webseitenanbieter kann man sich dagegen entscheiden, die Web-Fonts über die API einzusetzen. Als Surfer muss man dagegen a) erst einmal davon wissen und b) in der Lage sein, das Tracking zu blockieren.

Wenn Google Webseitennutzung über die Fonts wirklich nachverfolgen kann: Wie blockt man die Fonts-API?

Trend Nr. 1 für 2011: Peer-to-Peer (P2P)

Teil der Operation Frühjahrsputz, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden. Dieses Posting finde ich aus bloghistorischer Sicht besonders interessant. Ich lag übrigens mächtig daneben mit meiner Prognose.

Mit meiner Trend-Ansage für 2010 lag ich einigermaßen richtig. Linked (Open) Data ist wirklich ein Dauerthema geworden. Immer noch auf dem aufsteigenden Ast, aber inzwischen im bibliothekarischen Bewusstsein verankert. Auch beim anderen prophezeiten Trend, mobile Bibliotheksanwendungen, ist noch Luft nach oben. Thema waren sie jedoch auch jeden Fall. Daher wage ich es, auch für das nächste Jahr eine Prognose abzugeben.

Trend Nr. 1 für 2011 werden Peer-to-Peer-Anwendungen (P2P) verschiedenster Art sein. Verschiedene Vorgänge der jüngeren Vergangenheit haben auch Laien drastisch vorgeführt, wie fragil digitale Kommunikation ist. In Ägypten wurde das Netz kurzerhand abgeschaltet

Zentral Dezentral
Twitter Identi.ca
Facebook Diaspora
Google Yacy

http://webzwonull.ishp.de/allgemein/amazon-facebook-twitter-und-das-hausrecht-in-der-cloud/

http://annalist.noblogs.org/post/2011/01/08/us-justiz-holt-die-netze-ein/

http://derstandard.at/1289609196058/P2P-DNS-Pirate-Bay-Gruender-unterstuetzt-alternatives-Domain-Name-System

P2P-DNS

PS: Der erste Monat des Jahres ist schon wieder herum, und dieses Posting harrte immer noch der Fertigstellung. Daher ist es nun in nicht so ausführlicher Form wie ursprünglich geplant.

Google Minus: Immer weniger Suchmaschine. -1

Teil der Operation Frühjahrsputz, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden. Die hier erwähnten Beispiele funktionieren teils nicht mehr, da Google das Pluszeichen nun anderweitig verwendet.

Alle reden über Google+, dabei ist Google- mindestens ebenso spektakulär. Und von der Bedeutung für die Google-Nutzer zum jetzigen Zeitpunkt als wesentlich gravierender einzuschätzen. Gemeint ist damit die schleichende Verschlechterung der Suchmaschine, die Google einst auszeichnete.

1. Exakte Suche

Suche ich nach Informationen zum Markt in der französischen Gemeinde Schwoben, ist mir Google keine Hilfe. Gebe ich „markt schwoben“ in den Suchschlitz, wird nach „markt schwaben“ gesucht. Nicht das, was ich wollte.

Nun wird mir – wie im Screenshot ersichtlich – angeboten, nach „markt schwoben“ zu suchen. Wie gelesen, so geklickt. Was passiert?

Immerhin die drei der ersten zehn Treffer enthalten die gewünschten Suchbegriffe. Bei den restlichen sieben werden ähnliche Begriffe wie „Schwoba“ oder wieder „Schwaben“ in die Ergebnisse gemischt.

Eine exakte Suche in Google ist nur noch möglich, wenn man entweder die Phrasensuche (in Anführungszeichen) verwendet oder ein Plus-Zeichen vor den gewünschten Begriff setzt. Mit „+markt +schwoben“ erhält man tatsächlich Seiten, in denen beide Begriffe auftauchen.

Warum es Google egal ist, eine Social-Media-Geisterstadt zu bauen

Einer Studie von Comscore (im Wall Street Journal wiedergegeben) zufolge fällt die monatliche Nutzungszeit von Google+ pro User deutlich geringer aus als die z.B. von Facebook. PC-User verbrachten zwischen September 2011 und Januar 2012 etwa drei Minuten pro Monat in Google+. Facebook kommt dagegen auf sechs bis sieben Stunden. Venturebeat tritt noch einmal mit der Behauptung nach, dass sogar „social networking pariah MySpace“ auf eine durchschnittliche Nutzungszeit von 8 Minuten pro Monat käme.

Gegenüber Venturebeat hat Google auch geäußert, worum es bei Google+ eigentlich geht:

The reality that Google+ is much more than a destination site makes it exceedingly hard for any third-party research firm to monitor or measure its performance. Google thinks about the service not as a site but as a deepening of its relationship to billions of existing users who are already committed to Google’s services like Search, YouTube, Android, etc. By this measure, engagement is already enormous.

Es geht Google also nicht um die Beziehungen der Nutzer untereinander, sondern um Googles Beziehung zu den Nutzern. Das ist wenigstens eine klare Aussage.

Nicht nur in Hamburg sagt man Tschüss.

Suchprotokoll leeren (Google)

Die Electronic Frontier Foundation beschreibt, wie man sein Suchprotokoll bei Google löschen kann. Und warum man das noch heute, vor dem 1. März 2012 tun möchte.

1. https://www.google.com/history aufrufen
2. Einloggen.
3. „Ganzes Webprotokoll entfernen“
4. Dann sollte da stehen: „Ihr Suchprotokoll ist derzeit leer.“

Mehr dazu auch bei Wired.

Google Search Plus = Antitrust?

Danny Sullivan hat auf Searchengineland.com eindrucksvoll dargelegt, welchen Einfluss Google+ auf die Suchergebnisse hat. Und wie relevant es für Unternehmen wird, künftig auf Google+ vertreten zu sein. Eric Schmidt behauptet allerdings etwas anderes:

Did he [Eric Schmidt, Anm. des Verf.] think Google was favoring itself too much with the suggestions of Google Plus?

“No.”

Da bleibt nur noch, sich MG Siegler anzuschließen:

How on Earth is Google going to avoid antitrust inquiries with their new Search+ features announced today? If Facebook, Twitter, etc, have any decent presence in DC, the ball began rolling a few hours ago.

Die juristische Aufarbeitung der Browserkriege könnte hier einen Nachfolger finden.

Update: Ich sehe gerade, dass mit „Social Network Wars“ bereits ein Name gefunden ist.

c't-Editorial zum Browsermarkt

Im lesenswerten Editorial zur c’t-Ausgabe 1/2012 schreibt Herbert Braun über die Probleme, die sich mit der wachsenden Verbreitung von Googles Browser Chrome abzeichnen. Google „optimiert“ die eigenen Inhalte für den eigenen Browser, so dass die Benutzung anderer Browser bei der Allgegenwart von Googlediensten in Zukunft schwierig werden könnte.

Einen Vorgeschmack davon bekommt man, wenn man neue Google-Dienste mit Opera ausprobieren will – diesen sperrt Google nämlich systematisch und absichtlich aus. Und wer den Internet Explorer wählt, wird ständig von der Aufforderung belästigt, den Browser zu wechseln. Google missbraucht seine Macht als Inhalteanbieter, um seine Software auf den Markt zu drücken, nicht anders als Microsoft es seinerzeit mit seiner Vormachtstellung bei den Betriebssystemen getan hat.

Hier gilt, wie bei den meisten c’t-Editorials: Lesebefehl!

Bibliothekare entdecken bisher unbekannten Vordenker des deutschen Naturschutzes

Im zweiteiligen Posting „Bibliothekare entdecken bisher unbekannten Vordenker des deutschen Naturschutzes“ (1: Naturschutzteil, 2: Bibliotheksteil) erklärt Gerhard Hachmann, wie er in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Rainer Koch die bisher als Begründer des deutschen Naturschutzes geltenden Ernst Rudorff, Wilhelm Wetekamp und Hugo Conwentz vom Sockel stieß und Philipp Leopold Martin emporhob.

Kein einziger deutscher Historiker kannte bisher Martins überragende Bedeutung für den deutschen Naturschutz.

Im bibliothekarischen Teil wird der methodische Weg beschrieben. Soviel sei hier erwähnt: Googles nGram-Viewer spielte eine herausragende Rolle. Weiteres in den oben verlinkten Postings!

Ich zitiere meinen eigenen Kommentar: Diese beiden Postings sind eine schöne Demonstration, was sich mit Daten (und Digitalisaten) alles anstellen lässt, wenn man sie mal genauer unter die Lupe nimmt. Eine Perle der Biblioblogosphäre!

Kein Plus mehr in der Google-Suche

12 Jahre lang konnte man mit dem Pluszeichen erzwingen, dass ein Begriff in den Ergebnissen erscheinen muss. 12 lange Jahre, in denen Google mehr oder weniger das fand, was man suchte. Nun wurde das Pluszeichen einfach so seiner Funktion beraubt. Bei der Suche nach +orcid erfährt man:

Ergebnisse für orcid
Der Operator + wurde ersetzt.
Verwenden Sie für die Suche nach einem genauen Wort oder einer genauen Wortgruppe doppelte Anführungszeichen: „orcid“

In Wired findet sich ein lesenswerter Artikel über den Plusmord. Dort werden auch „Alternativen“ aufgeführt. Zum Beispiel ein Greasemonkey-Script, das jeden Suchbegriff automatisch mit Anführungszeichen versieht, oder die „Suchmaschine“ (oder besser -maske) FindErr, die dasselbe macht. Beides wenig überzeugend. Interessanter klingt da schon der Hinweis auf die Suchmaschine Duckduckgo. Schräger Name, aber man wird sehen, wie sich die Seite entwickelt.

At Google’s scale, user testing can hide the behaviors and passions of entire subcommunities. The long-term implications of small changes like these are very hard to predict, especially with early adopters.

Who knows? If Google’s search engine dominance started with an “and,” it might just end with a “+”.

Ernsthafte(!) Alternativen zu Google wären auf jeden Fall wünschenswert.

Google+ on Air

Google hat einige Neuerungen für Google+ vorgestellt. Unter anderem gibt es nun die Möglichkeit, Videochats (Hangouts) aufzuzeichnen oder öffentlich zu streamen. Laut der Ankündigung klingt es allerdings so, dass sich „öffentlich“ nur auf die bei Google+ eingeloggte Öffentlichkeit bezieht. Auch sind weitere, teils schon erwartete Erweiterungen angekündigt:

  • Bildschirmfreigabe: Fotos zeigen, Highscores teilen, zusammen Code schreiben — mit anderen teilen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist
  • Sketchpad: Zusammen zeichnen, etwas entwerfen oder auch bloß kritzeln
  • Google Text & Tabellen: Gemeinsam ein Dokument verfassen, etwas planen oder eine Präsentation halten
  • Hangouts mit Namen: Live und öffentlich mit anderen Google+ Nutzern über ein Thema diskutieren

Skype bekommt ernsthafte Konkurrenz. Und Bibliothekare neuen Stoff für Workshops zum kollaborativen Arbeiten. Vielleicht ja auch in Google+.