Öffentlichkeitsarbeit mit GoAnimate

GoAnimate ist ein Webdienst, mit dem man kleine oder auch größere Zeichentrickfilmchen sehr einfach zusammenklicken kann. Es stehen zwei deutsche Stimmen zur Verfügung, die man auswählen kann. In der kostenlosen Version ist die Zahl der Charaktere stark begrenzt, aber man könnte problemlos kleinere PR-Filmchen für Bibliotheken zusammenklicken. Als recht sinnfreies 1,5-Minuten-Beispiel (Erstellungszeit, Abspielzeit etwa 30 Sekunden) habe ich dies hier erstellt:

Bibliotheksbesuch ist eine Belohnung! by CH_

Hier ein Beispiel, wo GoAnimate für eine kleine Bibliothekseinführung verwendet wurde:

Ein weiteres, schon etwas älteres Beispiel findet sich hier bei Bibliothekarisch.de: You’re a librarian. Wie sieht’s aus, werte KollegInnen? Schaffen wir es, ein paar Beispiele für gelungene Bibliotheksvideos zu sammeln? Klickt, schreibt, verlinkt (am Besten unten in den Kommentaren)!

Bibliothekarische Hausbesuche in Münster

Via Twitter bin ich auf das Konzept der Hausbesuche an der UB Münster aufmerksam geworden. Dort bietet man Studierenden, Wissenschaftlern und Ärzten der Uni-Klinik Besuche durch geschultes Personal an, dass Beratung für verschiedene Themen liefert.

Mögliche Themen der Hausbesuche:

  • Desktop Publishing mit Adobe InDesign
  • Elektronische Zeitschriften und Bücher
  • Email Alerts und Nachrichtenfeeds
  • Fernleihe und Subito
  • Katalog und Ausleihe
  • Literaturverwaltung mit RefWorks
  • Open Access
  • Quellen der Evidenz-basierten Medizin (Cochrane, UpToDate)
  • Personal Digital Assistants
  • PubMed und andere relevante Literaturdatenbanken
  • Web of Science und Impact Faktoren
  • Wikis und Weblogs
  • … oder ein Überblick über die Angebote der Bibliothek

Dadurch, dass man sich in Münster aus der Bibliothek herausbewegt, ist – ähnlich wie bei der Stippvisite– neben den normalen Schulungseffekten auch mit positiven Auswirkungen im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit und der Vernetzung der Bibliothek in der Institution zu rechnen.

Gibt es Zahlen, wie oft die Hausbesuche in Anspruch genommen wurden? Wie kommt es dazu, dass InDesign geschult wird und geschult werden kann? Fragen über Fragen, auf die @obsto sicherlich antworten kann!

Ein paar Infos gibt es noch in diesem Posting hier.

QR-Codes: weitere Anwendungsmöglichkeiten

Schon der wohl bekannteste QR-Code-Generator von Kaywa bietet an, verschiedenartige Informationen (URL, Text, Phone Number, SMS) zu kodieren. Es sind jedoch noch viele weitere Anwendungen denkbar. Eine davon ist die Kodierung von Calendar-Events. Dafür bietet der ZXING QR-Generator eine Maske, die auf Googles Chart API aufsetzt.

Gibt man die gewünschten Daten ein, so produziert Google Charts zum Beispiel diesen QR-Code:

Nutzt man ein entsprechend ausgestattetes Smartphone, erhält man nach Einlesen des QR-Codes nicht nur die Daten des Events, sondern auch die Möglichkeit, dies dem eigenen Kalender hinzuzufügen. Klingt großartig, funktioniert nur leider auf vielen Geräten nicht. Zumindest war dies der Stand vor ca. einem Jahr. [1] Neuere Erkenntnisse bitte in die Kommentare! Daher – und weil wir noch keine Möglichkeit sehen, die Kalender-Informationen mit einer Anmeldung per E-Mail zu verknüpfen [2] Dies könnte auf einer speziell angereicherten mobiltauglichen Webseite kombiniert werden. Interessanter wäre jedoch eine Kombination in einem QR-Code. - setzen wir in der Bibliothek der Fachhochschule Hannover bislang auch nur Links auf Webseiten mit weiterführenden Informationen ein.

Über den ZXING-Generator sind auch andere Inhalte kodierbar. Zum Beispiel die Geokoordinaten der Bibliothek der FH Hannover:

Auch Kontaktdaten und weitere Informationen sind denkbar. Dies sind mehr oder weniger alles Anwendung im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Die hinter QR stehende Idee der Verknüpfung von virtueller und „echter“ Welt bietet gerade in Bibliotheken jedoch weitaus spannendere Anwendungen. Zum Beispiel die schon erwähnte Anwendung des Smartphones als Ausweisersatz. Oder natürlich die Verknüpfung der physischen Bestände mit E-Books oder E-Journals. Ein kleiner Aufkleber mit dem QR-Code könnte im Präsenz-Exemplar eines Buches auf parallel verfügbare Online-Ausgaben hinweisen.

References

References
↑1 Neuere Erkenntnisse bitte in die Kommentare!
↑2 Dies könnte auf einer speziell angereicherten mobiltauglichen Webseite kombiniert werden. Interessanter wäre jedoch eine Kombination in einem QR-Code.

Was ist bibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit?

Linda Tillander beschrieb in einem Gastposting in Peter Alsbjers Blogg (Google-Übersetzung) ein paar Überlegungen zu bibliothekarischer Öffentlichkeitsarbeit. Ihre These: Ziel bibliothekarischer Öffentlichkeitsarbeit könnte sein, die Wahrnehmung von und das Wissen über Bibliotheken zu ändern.

Det här jobbet blir aldrig färdigt – marknadsföring är det vi gör varje dag.

Frei (und hoffentlich richtig übersetzt): Diese Arbeit ist nie beendet – Marketing ist das, was wir alle Tag für Tag tun. Es geht also weniger darum, stylishe Hochglanzbroschüren in tolle Aufsteller zu packen. Wichtiger ist es, für die Nutzer relevante Angebote in hoher Qualität einfach und unkompliziert zur Verfügung zu stellen und das Wissen darüber so breit wie möglich zu streuen.

PS: Die Google-Übersetzung ist an einigen Stellen etwas hakelig, insgesamt aber sehr gut verständlich.

Raus aus der Bibliothek: Die Stippvisite

„You’ve got to get out of the library!“

So sprach Indiana Jones im „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, genauer gesagt in der englischen Originalfassung. Das ist weder in Action-Archäologen noch in Bibliothekskreisen eine besonders originelle These; sie wurde auch schon auf Konferenzen und natürlich in verschiedenen Blogs immer mal wieder geäußert. Wer als Bibliothekswesen in der Bibliothek bleibt, hat dort zwar seine Ruhe, in Zukunft aber keine Arbeit mehr. Da ich die Gründe für Exkursionen in die nichtbibliothekarische Welt nicht noch einmal von vorne aufrollen möchte, hier ein Hinweis auf eine kurze Zusammenfassung von Karen Marie: Communities of practice in the library world (PDF). Oder, um vom Kristallschädelsammler zur Dämonenjägerin zu springen:

Fassen wir zusammen: Wer sich im Büro versteckt, hat keine Zukunft. Wie gelangt man also heraus? Ein Instrument, dass ich recht erfolgreich einsetze, ist die Stippvisite oder Visitenkarte. Idealisierter Ablaufplan:

  1. Kontaktaufnahme mit ProfessorIn
  2. Anfrage wegen eines kurzen Besuchs in einer Lehrveranstaltung
  3. Durchführung eben jenes Besuchs

In der Praxis sieht das meistens so aus, dass ein bestehender Kontakt eines Bibliothekswesens zu einer ProfessorIn genutzt wird, um einen Kurzbesuch in einer Veranstaltung zu vereinbaren. Dies können Labore, Seminare sein, aber auch größere Vorlesungen. Was auch immer gerade ansteht. Versprochen wird, den ProfessorInnen nicht mehr als 3-4 Minuten ihrer kostbaren Vorlesungszeit zu rauben.

In der Veranstaltung stelle ich kurz mich und meine Rolle in der Bibliothek vor und mache dann „ein Angebot, dass Sie [die Studierenden] zwar ablehnen können, aber nicht sollten“. Ich biete Ihnen an, Zeit sparende Methoden in der Literaturrecherche und -verwaltung bei mir erlernen zu können. Dann wird ein kleiner Stapel mit Visitenkarten ausgelegt. Die Studierenden sollen sich selbst in Gruppen von ca. 10-15 Mitgliedern sammeln und mit mir individuell Termine außerhalb der Lehrveranstaltungen vereinbaren.

Das hat zweierlei Vorteile:

  1. Ich nehme keine weitere Vorlesungszeit in Anspruch. Ich störe die Vorlesung nicht weiter, was dazu führt, dass ich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit noch einmal eingeladen werde.
  2. Die Lerngruppen, die sich schließlich bei mir einfinden, haben sich selbst dazu entschlossen, etwas zu lernen. Die eigenverantwortliche Organisation führt zu deutlich höherer Motivation und Konzentration in den Veranstaltungen.

Oft ist die erste Veranstaltung eine „Einführung in die Fachrecherche“ für ein bestimmtes Fachgebiet, z.B. Elektrotechnik. Am Ende der Veranstaltung (die jeweils in 90 Minuten eine kurze Einführung in die Recherche liefern sollen) wird dann die jeweils andere Veranstaltung (z.B. „Literaturverwaltung mit Citavi“) beworben. Die Quote der Folgeveranstaltungsteilnehmer ist recht hoch. Ohne gezählt zu haben gehe ich von deutlich mehr als 50% aus. Gefühlt sind es etwa 80%. Von den bei der Stippvisite Angesprochenen finden im Schnitt etwa die Hälfte den Weg in die Citavi- oder Fachrecherche-Schulung. Alle Angaben ohne Gewähr!

Wichtig ist natürlich, nach erfolgreicher Veranstaltung den einladenden ProfessorInnen Rückmeldung zu geben, um in zukünftigen Semestern wieder Berücksichtigung zu finden.

Einwerben von Inhalten: Download-Charts

Klaus Grafs Liste „Wie füllt man einen Dokumentenserver?“ ist Repository-Betreibern vermutlich ebenso bekannt wie die Infoseite „Einwerben von Inhalten“ auf Open-Access.net. Unter „Weitere Werbemaßnahmen“ wird bei letzterem vorgeschlagen:

Das Einstellen besonders relevanter Dokumente bekannt machen, Top-Download-Listen etc.

Für den Dokumentenserver SerWisS der FH Hannover wurde dies nun drei Mal gemacht. Die dafür erforderlichen LogFiles stehen seit Mitte 2010 rückwirkend zur Verfügung. Daraus folgten dann erst einmal die Downloadcharts für 2009 und für die erste Jahreshälfte 2010. Kürzlich wurden auch die Download-Charts für 2010 veröffentlicht.

Die aufgeführten AutorInnen wurden über Ihre Platzierung und ihre Download-Zahlen informiert und waren fast durchweg positiv überrascht. Ein wesentliches Ziel der Charts konnte also erreicht werden: positive Aufmerksamkeit für den Dokumentenserver. Momentan werden die Statistiken manuell ausgewertet. Vom BSZ werden die Daten über das Web-Analyse-Tool AWStats zugänglich gemacht. Um die relevanten Daten zu finden, muss jedoch noch ein wenig bearbeitet werden.

Ein Aufwand, der sich jedoch durchaus lohnt. Bestehende Kontakte zu Open-Access-willigen AutorInnen werden vertieft, was zu neuen Inhalten für den Dokumentenserver führen kann.

Wenn man möchte, kann man das als Beleg für die Attraktivität von Game-Mechanismen auch in der wissenschaftlichen Publikationspraxis betrachten. Amy Jo Kim hat diese in ihrer Präsentation “Putting the fun in functional” sehr schön beschrieben. „Earning Points“ ist ein simpler, aber wirkungsvoller Hebel für die Motivation. Wieder ein Grund, um eine möglichst schnelle flächendeckende Umsetzung des OA-Statistik-Projekts anzumahnen.

Kritik der Informationswissenschaft – kleiner Widerspruch im Detail

Willi Bredemeier nimmt im neuesten Teil seiner „Kritik der Informationswissenschaft“ wieder einzelne Beiträgen aus dem Tagungsband „Information: Droge, Ware oder Commons? : Wertschöpfungs- und Transformationsprozesse auf den Informationsmärkten“ unter die Lupe. Zu Jan Steinbergs „Instrumente der Überzeugungsarbeit : ­ Etablierung des Open-Access an Hochschulen“ schreibt er:

Beschreibung: Der Autor vom Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg sieht als „herausragende Chance der Hochschulbibliotheken“ die „Nähe zu den Wissenschaftlern an den Hochschulen in Verbindung mit Überzeugungskraft und Kreativität…, um die für den Open Access notwendige qualitative und quantitative Durchdringung zu erreichen.“ Der Beitrag will „mögliche Instrumente zur Etablierung des Open Access an Hochschulen“ benennen. Es werden Gründe für Open Access, Open-Access-nahe Modelle sowie die Hochschulen und Bibliotheken als Handlungsträger thematisiert.

Bewertung: Wenn weitgehend bekannte Positionen um Open Access referiert werden, kann ein Neuheitscharakter nicht gegeben sein. Der Verfasser geht über die Interessentenposition einer Hochschulbibliothek hinaus, indem er zusätzlich die Hochschule als Handlungsträger thematisiert. Dennoch fragt sich, ob die Erwägungen nicht besser in ein Bibliotheksblatt als auf eine informationswissenschaftliche Tagung gehört hätten. Die Erörterungen beschränken sich weitgehend auf die Beschreibung von Maßnahmen, sehen von Interessen, Barrieren, Spezifika von Stakeholdern und weiteren Hintergründen, überhaupt von Menschen als politischen Entscheidungsträgern, weitgehend ab und bleiben, soweit sie zu Handlungsempfehlungen kommen, merkwürdig ab-strakt. Eine wissenschaftliche Relevanz ist kaum, eine pragmatische nur sehr bedingt gegeben.

Dass der Beitrag eigentlich besser in ein Bibliotheksblatt gehören, würde ich auch sagen, wenn es denn ein praxisorientieres deutschsprachiges Open-Access-Journal gäbe. Dies nur am Rande. Wichtig ist mir hier eigentlich nur die letzte Bemerkung, dass eine pragmatische Relevanz nur bedingt gegeben sei. Genau das Gegenteil ist der Fall. Es gibt kaum im Open-Access-Kontext kaum ein Thema, zu dem mehr Austausch- und Forschungsbedarf besteht! Content-Akquise ist ein mühseliges Geschäft. Der Aufbau eines Best-Practice-Werkzeugkastens wird von jedem Repository-Betreiber jubelnd begrüßt werden.

Und somit haben wir schon mal eine Session-Idee fürs #Bib4.