E-Book: Einführung in das Bibliothekswesen

E-Books mit geringem Umfang sind ein beliebtes Geschäftsmodell für AutorInnen und Verlage, so stellte es Florian Geuppert kürzlich in einem Interview im Literaturcafé dar. Da ist es wenig verwunderlich, dass inzwischen Unmengen an kürzeren Texten als E-Books für kleines Geld zu erwerben sind, so zum Beispiel diese Einführung in das Bibliothekswesen, die interessierten Laien einen Einblick in die Materie bieten soll. Schon der Klappentext – oder wie nennt man das bei E-Books? Abstract klingt so lieblos – lässt einiges erwarten. Wir, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bibliothekswesen, werden zu Recht auch als die „Erbsenzähler“ der Wissenschaften bezeichnet. Bei der Beschreibung von uns und unseren Habitaten wurde vom Autor versucht möglichst wenig wissenschaftlich, dafür aber praxisnah zu berichten.

Wer möchte, darf für die 19 Kindle-Seiten 99 Cent ausgeben. Vom Autoren sind übrigens noch weitere Werke zu erwerben.

Wichtige Ergänzung: Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass man meinen kleinen Hinweis als Lese- oder Kaufempfehlung missverstehen könnte. Ich empfehle geneigten Käufern einen Blick in die konfuse Einleitung mit Fokus auf unkonventionelle Argumentationslinien und die sparsame Verwendung von Satzzeichen. Kurz gesagt gehe ich nicht davon aus, dass es sich um ein lesenswertes Büchlein handelt. Meine Einschätzung beruht ausschließlich auf dem Einleitungstext und einem Blick in die Vorschau und die Bewertungen (auch der anderen Bücher des Autors).

CeBIT 2014: Docear

Großbritannien ist Partnerland der CeBIT 2014. Kombinieren wir das mit dem „Top-Thema Datability“ bin ich mit der Erwartung zur CeBIT gegangen, von einem der Marktführer in Sachen Big Data etwas lernen zu können. Da wurde ich ein bißchen enttäuscht. Zu lernen und entdecken gab es dennoch einiges.

Einer der Stände, die ich aufsuchte, war der der Literaturverwaltungs-Suite Docear. Ziemlich viel Wissenswertes zu Docear gibt es im Literaturverwaltungsblog. Beim Standbesuch interessierten mich hauptsächlich die Kollaborations-Features. Denn:

Wer eine komfortable Lösung zur Kooperation möchte (Dateisynchronisierung, private Gruppen, …), und bereit ist dafür zu zahlen, wird bei Docear ebenfalls enttäuscht und sollte sich besser die Angebote von Zotero, Mendeley, etc. anschauen.

So richtig toll sind aber auch Zotero und Mendeley nicht für die kollaborative Literaturverwaltung. Leider traf ich keinen der Entwickler an. Angeblich wird daran gearbeitet, so steht es auch im Wikipedia-Artikel. Ich bin mal gespannt, was da noch kommt.

GND per SPARQL

Die ZBW hat nun einen SPARQL-Endpoint für die GND (Fuseki) gebaut. Aus der dazugehörigen Mail von Joachim Neubert:

Der Endpoint ist rein experimentell und ohne jede Gewähr auf Verfügbarkeit oder Performanz. Ich würde mich freuen davon zu hören, wenn er sich für Experimente als hilfreich erweist (oder was ggf. verbessert werden könnte).

Dies ist nützlich u.a. für den Abgleich (Reconciliation) von eigenen Daten mit der GND zum Beispiel via Google Refine/OpenRefine.

NSA: Größte Malware-Schleuder der Welt?

Die NSA arbeitet zusammen mit dem britischen GCHQ an einer industriellen Automatisierung von Malware. Das belegen neue Enthüllungen aus dem Fundus von Edward Snowden über die Glenn Greenwald bei TheIntercept berichtet: How the NSA Plans to Infect “Millions” of Computers with Malware

Es! Ist! Zum! ******!

[via Netzpolitik.org]

Schleswig-Holsteins Hochschulen forcieren Open Access

Deutschlandfunk.de:

Schleswig-Holstein will alle öffentlich finanzierte Forschung unentgeltlich ins Internet stellen. Das zuständige Wissenschaftsministerium und die Hochschulen erarbeiten dafür Open-Access-Richtlinien. Sie berühren unter anderem finanzielle, technische und urheberrechtliche Aspekte des digitalen Publizierens.

Passend dazu sei auf die verschrobene Position des DHV im Falle der Open-Access-Strategie Baden-Württembergs verwiesen, die Wissenschaftsfreiheit durch Wegsperren von wissenschaftlichen Publikationen hinter Bezahlschranken fördern möchte. Das dort verlinkte Börsenvereinspapier ist übrigens lesenswert und es wäre sehr lustig, wenn nicht zu befürchten wäre, dass die Politik es ernst nehmen könnte. Spitzenzitat: Bestehender Markt für wissenschaftliche Publikationen funktioniert.

Das FOSTER-Projekt: Facilitate Open Science Training for European Research

Open Access and Open Science principles are an essential part of knowledge creation and sharing. They directly support the researchers need for greater impact, optimum dissemination of research, while also enabling the engagement of citizen scientists and society at large on societal challenges.

This two year project aims to set in place sustainable mechanisms for EU researchers to FOSTER OPEN SCIENCE in their daily workflow, thus supporting researchers optimizing their research visibility and impact, the adoption of EU open access policies in line with the EU objectives on Responsible Research & Innovation.

Mehr Infos gibt es auf der Projektwebseite.

Protest gegen die Diskriminierung der Hochschulwissenschaft im Urheberrecht

Die Unterzeichner dieses Aufrufs protestieren gegen die Anfang 2014 in Kraft getretene Regelung im Urheberrechtsgesetz, § 38 (4), die der Mehrheit von Autorinnen und Autoren an den Hochschulen das Zweitveröffentlichungsrecht verweigert. Die Unterzeichner fordern ein Zweitveröffentlichungsrecht für alle Autorinnen und Autoren, unabhängig von ihren Beschäftigungsverhältnissen. Die Unterzeichner fordern den Bundesjustizminister auf, rasch eine entsprechende Änderung im Urheberrechtsgesetz auf den parlamentarischen Weg zu bringen

Begründung:

Das Recht von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, ihre öffentlich geförderten Werke nach einer kommerziellen Erstveröffentlichung zweitveröffentlichen zu dürfen, ist seit Anfang 2014 im deutschen Urheberrechtsgesetz verankert. Dieses neue Recht ist eine wichtige Errungenschaft, obgleich es in manchen Details unzureichend ist. So ist z.B. die Frist mit 12 Monaten nach der Erstveröffentlichung zu lang und berücksichtigt werden nur Publikationen in Zeitschriften, nicht aber solche in Konferenz-Proceedings oder anderen Sammelbänden geschweige denn Monographien.

Keinesfalls akzeptabel ist, dass nur solche Forschungen bzw. solche Werke von diesem Recht betroffen sind, „die im Rahmen der öffentlichen Projektförderung oder an einer institutionell geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtung durchgeführt werden“ (so in der Begründung zum Gesetz).

Insbesondere die mit Grundmitteln finanzierte Forschung an den Hochschulen bleibt damit von diesem Recht ausgeschlossen. Dieser Ausschluss wurde von der früheren Bundesregierung dadurch begründet (und vom Bundestag akzeptiert), dass bei der Drittmittel- und institutionellen Forschung „das staatliche Interesse an einer Verbreitung der Forschungsergebnisse besonders hoch“ sei (ebenfalls in der Begründung). Wir, die Unterzeichner, halten diese Begründung der Ungleichbehandlung für nicht akzeptabel und die Differenzierung deshalb für verfassungswidrig.

Die Unterzeichner dieses Aufrufs protestieren daher gegen die in § 38 (4) UrhG ersichtliche Diskriminierung der Hochschulwissenschaft. Daher fordern die Unterzeichner dieses Aufrufs die Politik (Bundesregierung und Bundestag) auf, die bestehende Regelung für das Zweitveröffentlichungsrecht in oben genanntem Sinne zu verbessern und vor allem das Recht auf alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auszuweiten.

Dieser Protest kann von allen unterzeichnet werden, die ein umfassendes und nicht-diskriminierendes Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und einen raschen und freizügigen Zugriff zum Wissen, vor allem zu dem mit öffentlichen Mitteln finanzierten Wissen haben, einfordern.

Hier geht es zur Petition.

Wikidata als Über-Klassifikation

Am Sonntag hat Lydia Pintscher in ihrem wöchentlichen Wikidata-Newsletter neue Properties bekannt gegeben. Und einige davon muten reichlich bibliothekarisch an:

impact factor, Municipality code (Denmark), USB ID, Home world, Cardinality of the group, Internet media type, Bluebook abbreviation, Z39.5 abbreviation, ISO 4 abbreviation, CODEN, landing site, US Congress Bio identifier, Scopus Source ID, Scopus Affiliation ID, Scopus EID, Scopus Author ID, IPTC Media Topic, topic’s main portal, Regensburg Classification, Library of Congress Classification, neutron number

Über die Nachnutzung der Daten (Scopus oder impact factor)  ließe sich im bibliothekarischen Kontext einiges schreiben. Besonders aufgefallen sind mir jedoch LoCC und RVK. Wenn die nun eine eigene Property haben, was denn noch?

Ein Blick in ein paar populäre Wikidata-Topics erhellt die Lage. Sport wurden folgende statements zugewiesen:

Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es? Reicht es künftig, auf ein Wikidata-Topic zu verlinken, um Ressourcen gleich in mehreren Klassifikationen zu verorten?