Wissenschaftsjahr 2014: Digitale Gesellschaft

Das Wissenschaftsjahr 2014 ist der Digitalen Gesellschaft gewidmet. Dazu auf Heise.de:

Thematisch sollen im Wissenschaftsjahr drei „Handlungsfelder“ im Vordergrund stehen: Das „Digitale Wir“ beschäftigt sich mit digitaler Identität, der Netiquette und der Frage, ob mit E-Democracy die direkte Demokratie möglich ist. Die „Digitale Wirtschaft“ untersucht den Einfluss neuer Technologien wie dem 3-D-Druck und die Arbeit des Einzelnen im Home Office. Auch soll untersucht werden, ob „Crowd-Investing-Modelle“ eine neue Form der Geschäftsgrundlage bilden können und das Zeug haben, langfristig „gar das Bankensystem ersetzen“ können. Das „Digitale Wissen“ will untersuchen, welche Art der Intelligenz für die digitale Revolution benötigt wird, wie das Lernen in Webinaren und Online-Kursen vonstatten geht. Schließlich will man an den Fundamenten der Wissenschaft rütteln: „Wird Wird Big Data in der Wissenschaft das Prinzip der Theorie ablösen?

Die zentrale Plattform des Wissenschaftsjahres ist digital-ist.de. Dazu gibt es eine Forschungsbörse und die Möglichkeit, Veranstaltungen anzumelden. Überwachung und Zensur sind sicherlich naheliegende Themen. Aber auch im bibliothekarischen Umfeld gibt es da einiges: Open Access, Versorgung mit elektronischen Medien (vielleicht auch im ländlichen Raum), Open Data etc.

Jetzt für Archive.org spenden! JETZT!

Weil es eilt und weil es sinnvoll ist, hier gleich noch eine Meldung zum Internet Archive:

You’ve heard about the fire that destroyed one of our thirty-two scanning centers last month. But here’s what you may not have heard: the good news.

An incredibly generous anonymous donor is helping us rebuild—and grow—by matching every donation made before 2014 three-to-one. That means your $50 donation results in a $200 contribution.

We are raising $1,000,000 before the end of the year to fund more machines and five petabytes—that’s five thousand terabytes!—of storage.

Noch einmal auf Deutsch: Im Internet Archive hat’s gebrannt, es ist großer Schaden entstanden. Nun hat sich ein anonymer Gönner bereit erklärt, zu jeder Spende, die noch 2013 erfolgt, das Dreifache draufzugeben. So wird aus einer 50-Dollar-Spende eine 200-Dollar-Spende.

Auf geht’s zum Spenden! Keine Ausreden! Immerhin kann man da auch Mario Bros spielen. Und sagt das alle ganz schnell weiter!

The Internet Archive Console Living Room

Das Internet Archive ist nun auch im Softwarebereich aktiv und hat in den letzten Tagen ein paar Konsolenklassiker veröffentlicht, die man per Emulation im Browser spielen kann. Echte Klassiker wie Mario Bros (1988) oder Tennis (1983). Hier geht es zum Console Living Room.

Sound ist leider noch nicht dabei, aber der Emulator soll kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Weitere Titel: Ninja Golf, One-on-One-Basketball, Sword and the Sorcerer, etc.

PS: Ob das hier wohl dazu führen wird, dass Archive.org in Großbritannien zensiert wird?

Jabber bietet Verschlüsselung an

Die Kombination Jabber/Pidgin ist seit Jahren ein hilfreiches Instrument für den Austausch mit KollegInnen in meiner Hochschule und in anderen Bibliotheken. Nun widmet sich Jabber der Verschlüsselung von Kommunikation. Zwei Punkte:

  • Mandatory encryption of client connections
  • Mandatory encryption of server-to-server connections.

Mehr Infos auf der Jabber-Seite.

Wikipedia: Deuten viele Bearbeitungen auf gute Artikel hin?

Roth, Clemens ; Griesbaum, Joachim ; Kölle, Ralph: „Was bedeutet 11.882 Bearbeitungen? Die qualitative Inhaltsanalyse zur Untersuchung des Entstehungsprozesses von Wikipedia-Artikeln“

Abstract:

Der Wikipedia-Artikel „Deutschland“ ist trotz 11.882 Bearbeitungen kein als exzellent oder lesenswert ausgezeichneter Artikel. Man kann dementsprechend davon ausgehen, dass er im Sinne der Wikipedia-Qualitätskriterien nicht besonders hochwertig ist. Dieses Beispiel dient als Aufhänger für die Frage, ob und inwiefern Zusammenhänge zwischen der Anzahl und Art von Bearbeitungen und der Qualität von Beiträgen existieren. Was bedeutet eine Bearbeitung eines Wikipedia-Artikels hinsichtlich der Qualität des Beitrags und welche Aspekte sind bei der Untersuchung dieses Zusammenhangs wichtig? Um diese Frage zu adressieren, wurde eine explorative Studie in Form einer qualitativen Inhaltsanalyse von sechs Wikipedia-Artikeln durchgeführt. Der Artikel stellt den methodischen Ansatz dieser Studie sowie deren Ergebnisse dar.

Zum Volltext.

(Elektronische) Deutsche Forschungsberichte im Katalog der Bibliothek der HsH

42.000 elektronische Deutsche Forschungsberichte sind nun in unseren Katalogen, alt und neu. Mehr darüber im Blog der Bibliothek der Hochschule Hannover.

Bibliothekarischer Hintergrund:
Es gibt nun eine Kollektion GBV-FB-TIBUB („f xpr gbv-fb-tibub“) im CBS, über die sich die Dokumente selektieren lassen. Dies funktioniert mit leicht abweichender Trefferzahl auch im GVK. In dieser Kollektion befinden sich von der TIB/UB Hannover gehostete elektronische Publikationen aus den Deutschen Forschungsberichten, die keinen Zugriffssbeschränkungen unterliegen (wie beispielsweise bei diesem Titel). Über die Kollektion ist ein automatisches Ansigeln möglich.

Da Bibliotheken den Verlagen immer größere Summen für manchmal verschrobene Geschäftsmodelle für E-Books überweisen, sollten wir Bibliothekswesen verstärkte Aufmerksamkeit darauf lenken, wieviel freie Medien es schon gibt. Diese im Bibliothekskatalog nachzuweisen erfordert manchmal etwas Mühe, sollte aber gegenüber dem bequemen Einkauf von E-Book-Paketen nicht vernachlässigt werden. In diesem Kontext ist auch die Nachricht zu sehen, dass inzwischen über 1,5 Millionen Artikel aus dem DOAJ in unserem VuFind-Katalog zu finden sind. [1] Siehe auch: DOAJ in unserem Katalog in unserem Bibliotheksblog.

Vielen Dank an VZG und TIB/UB für die Zusammenarbeit!

References

References
↑1 Siehe auch: DOAJ in unserem Katalog in unserem Bibliotheksblog.

Neue Zitier-Norm: DIN ISO 690:2013-10

DIN ISO 690 ist da und löst die allseits bekannte und mancherorts sogar genutzte Norm DIN 1505-2 ab. In beiden Normen geht es ums Zitieren. Der Titel der neuen DIN ISO 690: Information und Dokumentation – Richtlinien für Titelangaben und Zitierung von Informationsressourcen (ISO 690:2010).

Der Beuth-Verlag ist für seine Schnäppchen bekannt. In diesem Fall ist die Norm (47 S. inkl. Titelblatt und Inhaltsverzeichnis) für nur 112,10 EUR verfügbar. [1] Bevor man das Geld ausgibt, lohnt allerdings ein Blick in Perinorm. Einige Bibliotheken bieten Zugang zum Volltext dieser Norm.

Die Norm enthält mindestens einen etwas ärgerlichen Punkt zu Zeitschriftenabkürzungen (S. 16):

Titel von Periodika, für die kein ISSN-Titel verfügbar ist, dürfen nach ISO 4 abgekürzt werden. Besteht ein Risiko der Mehrdeutigkeit, sollte der Titel vollständig angegeben werden.

Wie genau erkennt man, ob ein Risiko der Mehrdeutigkeit besteht? Woher soll man das als Zitierender wissen? Und warum sollte man sich damit beschäftigen müssen? Zeitschriftenabkürzungen stammen aus dem Postkutschenzeitalter und sollten möglichst gar nicht verwendet, erlaubt oder sogar empfohlen werden. Begründete Gegenmeinungen zu diesem Thema würden mich sehr interessieren.

In Citavi wurde die DIN-Norm noch nicht als Zitierstil umgesetzt, jedoch, wie in anderen Literaturverwaltungsprogrammen auch, eine ältere Fassung; hier die ISO 690:2010. Zotero bietet (via Citation Style Language) verschiedene Fassungen (slowakisch, litauisch) an, die deutsche Umsetzung gibt es noch nicht. Auch Endnote hat nur eine englische Fassung.

Achtung: Die in der Norm verwendete Typographie und Interpunktion ist ausdrücklich(!) nicht verpflichtend:

Um die Wichtigkeit der Konsistenz hervorzuheben, wird in den Beispielen in dieser Internationalen Norm ein einheitliches Interpunktionsschema verwendet. Dieses Schema dient nur der Veranschaulichung und stellt nicht Teil der Empfehlungen dar.

Gerade heute hatte ich ein Gespräch über die fürchterlichen Kapitälchen im Citavi-DIN-1505-2-Stil. Dies muss nicht sein, man kann also auch hübschere Interpretationen anfertigen.

References

References
↑1 Bevor man das Geld ausgibt, lohnt allerdings ein Blick in Perinorm. Einige Bibliotheken bieten Zugang zum Volltext dieser Norm.

Valeria Pesce: A Global Ontology-Driven RDF Store Based on a Distributed Architecture

Die Aufzeichnung des auf der SWIB 13 gehaltenen Vortrags ist (noch?) ab ca. der 13. Minute auf make.tv zu finden. Der Anfang fehlt leider, es beginnt auf Folie 9.

Open Access im Entwurf des Koalitionsvertrags CDU/CSU/SPD

Malte Spitz auf Grün Digital:

Heute wird in zahlreichen Medien aus dem aktuellen Arbeitsstand für den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD zitiert. Stand des Dokuments ist laut Deckblatt Sonntag, 24. November 20.00 Uhr. Ich werde erstmal keine Bewertung vornehmen, sondern warte damit auf die finale Fassung. Zahlreiche Punkte sind noch strittig, stehen unter Finanzierungsvorbehalt oder werden ggf. auch noch gekürzt. Um sich selber einen Eindruck zu verschaffen, verlinke ich aber den aktuellen Arbeitsstand als PDF.

Und hier geht es direkt zum Vertragsentwurf (PDF). Über Open Access ist dort zu lesen (Zeile 763-767):

Die digitale Lehrmittelfreiheit muss gemeinsam mit den Ländern gestärkt werden. Grundlage hierfür ist ein bildungs- und forschungsfreundliches Urheberrecht und eine umfassende Open-Access-Politik. Schulbücher und Lehrmaterial auch an Hochschulen sollen, soweit möglich, frei zugänglich sein, die Verwendung freier Lizenzen und Formate ausgebaut werden.

Zeile 6037-6045:

Wir werden eine Reform des Urheberrechts auf den Weg bringen mit dem Ziel, den wichtigen Belangen von Wissenschaft, Forschung und Bildung stärker Rechnung zu tragen und eine Bildungs- und Wissenschaftsschranke einführen.

Wir werden prüfen, ob den öffentlichen Bibliotheken gesetzlich das Recht eingeräumt werden sollte, elektronische Bücher zu lizensieren.
Wir werden eine umfassende Open Access Strategie entwickeln, die die Rahmenbedingungen für einen effektiven und dauerhaften Zugang zu öffentlich finanzierten Publikationen und auch zu Daten (open data) verbessert

Es bleibt abzuwarten, was in der finalen Fassung steht und was davon dann letztendlich auch umgesetzt wird. Aber eine Open-Access-Strategie, die den effektiven und dauerhaften Zugang zu öffentlich finanzierten Publikationen und Daten verbessert, ist ja schon mal nicht schlecht. Entscheidend wäre hier der Grad der Verbesserung. Die Formulierung klingt sehr zaghaft und sehr nach Verlagslobby. Statt „verbessert“ hätte ich mir ein klares „sicherstellt“ gewünscht.

Aber ich möchte nicht vorgreifen. Warten wir es ab. Vielleicht bekommen wir in den nächsten ein bis zwei Quartalen tatsächlich eine neue Regierung und erfahren dann mehr.

[via Stefan Niggemeier]