Exzellenzinitiative 2.0

Im neuen Videoportal der DFG zur Exzellenzinitiative findet man – sofern man sucht – Videos zu allen 85 geförderten Einrichtungen. Hübsches Layout, zweisprachig, eine prise 2.0 und somit natürlich auch einbindbare Videos:

Leider gibt es keinen RSS-Feed zum Blog (ist es dann überhaupt einer?). Auch wäre eine CC-Lizenz für ein DFG-Angebot meines Erachtens Pflicht. Mir ist auch nicht klar, ob es sich um ein einmaliges Projekt (à la Jahr der Geisteswissenschaften) handelt, oder ob es inhaltlich in Zukunft weiter gepflegt wird.

[via DINI]

Update am 4. Februar:
Im Blog wird schnell reagiert:

Es wird jeden Montag ein neues Video veröffentlicht, bis alle 85 Projekte vertreten sind – also in etwas über einem Jahr. Was danach passiert, ist noch nicht exakt geklärt.

Und einen RSS-Feed soll es in einigen Tagen auch geben.

KMK "enteignet" angeblich Autoren

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Deutsche Hochschulverband kritisieren eine Ankündigung der Kultusministerkonferenz, laut der sie wissenschaftlichen Autoren und Verlagen auch weiterhin keine titelbezogene Vergütung für die Nutzung ihrer Werke in den Intranets von Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bezahlen will.

Der Börsenvereins-Geschäftsführer spricht in diesem Zusammenhang von „Enteignung“. Wenn es schon den Börsenverein nicht freut, dann zumindest die Würzburger.

Hahn, Schulze: Katalogerweiterungen, Mashups und Elemente der "Bibliothek 2.0" in der Praxis

Im aktuellen Bibliotheksdienst (43 (2009), H. 1, S. 20-38), beschreiben Ulrich Hahn und Matthias Schulze, wie der Katalog der UB der Helmut-Schmidt-Universität mit allerlei Nützlichkeiten aufgebohrt wurde. Zuerst wären da:

Im Artikel wird gut deutlich, mit welch geringem Aufwand sich ein Mehrwert für Biblioteksnutzer schaffen lässt. Aber, ohne jemandem die Geschäftsgrundlage zu mißgönnen: Für Lagepläne im OPAC braucht man meines Erachtens keine Firma engagieren. Die Integration von verlinkten Standorten funktioniert zumindest in PICA-OPACs, wie man im Katalog der TUB HH sehen kann. Und wie man mit einfachen (und kostenlosen) Mittel Lagepläne erstellt, beschreibt Tobias Zeumer.

Auch bei Bibtip handelt es sich um eine kommerzielle Dienstleistung, die, obwohl es sich um ein DFG-Projekt zur dauerhaften Verbesserung der Informationsinfrastruktur wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland. handelt, entgegen einer DFG-Empfehlung (PDF) nicht im Quelltext verfügbar ist.

Mit meinen Einwänden möchte ich diesen Dienste auf keinen Fall die Praxistauglichkeit absprechen.

Im Artikel geht’s weiter mit der Einbindung von Daten und Coverbildern über die API der Google-Buchsuche. Dies wird zu Recht als „klassisches Mashup“ bezeichnet. Für die Zukunft werden unter anderem zusätzliche Erweiterungen des Katalogs und der Einsatz von Videocasts versprochen. Dem Schlußsatz kann ich mich nur anschließen: „Wir denken aber, dass unser Katalog durchaus ein klein wenig besser geworden ist.“

CfP: Die Lernende Bibliothek 2009

Call for Papers für Die Lernende Bibliothek 2009 am 6.-8. September 2009 in Chur (CH). Es geht um Wissensklau, Unvermögen oder Paradigmenwechsel.

Block 1 („Was ist das Problem?“) fragt nach einer genauen Definition des
Problems und seiner Ursachen: Wie haben sich die Rahmenbedingungen des
wissenschaftlichen Arbeitens durch die Digitalisierung veraendert? Was
wissen wir ueber Relevanz und Verbreitung von fehlerhaftem, unethischem
Verhalten in der Wissenschaft?

Block 2 („Wer traegt die Verantwortung?“) konzentriert sich auf einige
zentrale Akteure (u.a. Ausbildungsinstitutionen, Verlage und
wissenschaftliche Suchmaschinen) und deren unterschiedliche
Verantwortlichkeiten im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens.

In Block 3 („Wie kann man das Problem behandeln?“) werden
Loesungsmoeglichkeiten aus den Bereichen wissenschaftliche Ausbildung sowie
Erkennung und Sanktion von unethischem wissenschaftlichem Verhalten
vorgestellt.

Block 4 („Die Verantwortung der Bibliothek“) fokussiert auf die Bibliotheken
als bedeutsame Akteure im Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens, deren
traditionelle Verantwortung für den Bestandsaufbau und die Benutzerschulung
in einer digitalisierten Welt durch neue Fragen und Herausforderungen
gepraegt ist.

Der gesamte Call for Papers (PDF). Deadline ist der 15. März 2009.

Rezensionen im Katalog via SeeAlso

Carsten Schulze beschreibt in seinem Blog, wie man Rezensionen via SeeAlso in den Bibliothekskatalog einbinden könnte. Er hat eine Beispielimplementation für H-Soz-u-Kult gebastelt, da deren Betreiber dankenswerterweise eine XML-Schnittstelle bereitstellt.

Alles weitere – inklusive Diskussion über weitere Schritte – findet sich in Carstens Blog.

OCLCs neue Policy verschoben

OCLC hat durch die Änderung der Policy fast ausschließlich verärgerte Reaktionen provoziert. Der ganze Fall ist im Code4Lib-Wiki dokumentiert. Tim Spalding fasste die Argumente gegen OCLCs neue Policy zusammen: Why libraries must reject the OCLC Policy (part 1). Jetzt ist im Librarything-Blog folgende Erfreulichkeit zu lesen:

Big news. As you may have heard, OCLC has reversed itself and delayed its new Policy due to take effect in February. They will be setting up a „Review Board of Shared Data Creation and Stewardship“, with broad member consultation promised. At best, they’ve heard the message and may end up embracing truly free and open library data. (A man can dream!) At worst their strategic retreat gives free-and-open data proponents time to articulate and broaden their case.

For people like me who have been pluging away at this for months and feeling increasingly depressed about what seemed the library world’s inevitable slide into data monopoly, it was a big, big win.

Tim Spalding führt die OCLC-Reaktion auf die Schlagkraft des Web 2.0 zurück:

Content aside, however, it was a big win for library „social media,“ particularly the „biblioblogosphere.“ OCLC’s new Policy was rushed through so quickly that it effectively bypassed traditional library-world tools, like professional conference. Press coverage too was minimal, late and mostly dependent on the blogosphere.

Bibliothekarisches Handauflegen

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Laying_on_of_hands.jpg

Etwas, das nur zu dieser Jahreszeit funktioniert: Handauflegen zur Erhöhung der Wahrsagewahrscheinlichkeit bei wenig kommunikativen BibliotheksnutzerInnen.

Schritt 1: NutzerIn kommt auf die Theke zu, legt die Bücher vor den wartenden Bibliothekar, die Ohren voller iPod, den Blick ins Nichts gerichtet.
Schritt 2: BibliothekarIn guckt nicht wie sonst fragend und redet wegen nutzerseits iPod-voller Ohren ins Nichts, sondern legt die Hand aufs vorgelegte Buch.
Schritt 3: Nun kommt’s zum spektakulären Handauflegen! Ist das Buch eiskalt, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass das Buch zurückgenommen werden soll. Ist es dagegen bibliothekswarm, soll es vermutlich ausgeliehen werden.
Schritt 4: … kann nun der Handauflegediagnose entsprechend durchgeführt werden.

Open Shelves Classification in der Testphase

I can haz free classification?Am 28. April 2009 findet das 3. EDUG-Symposium mit dem Titel „Dewey goes Europe: on the use and development of the Dewey Decimal Classification (DDC) in European libraries“ in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien statt. Ein Blick auf den urheberrechtlichen Hinweis auf DDC-Deutsch.de und die Geschäftspolitik OCLCs wirft die Frage auf, warum OCLC gen Europa wandern sollte.

Mal ganz abgesehen von den Kosten ist es doch sicherlich nachhaltiger, eine freie Klassifikation zu verwenden. Damit ist zumindest gesichert, dass man seine bibliographischen Daten samt Erschließung auch in die Freiheit entlassen kann, wenn man das möchte. Und eine freie Klassifikation ist just heute in die Testphase gegangen: die Open Shelves Classification (OSC).

Die Testphase funktioniert folgendermaßen: Wenn man sich bei Librarything anmeldet und einen beliebigen Titel (z.B. diesen hier) aufruft, kann man ganz unten auf dem Bildschirm eine von über 40 Top-Level-Categories auswählen. Dann folgt die Frage: Do you know the book at first hand?. Bejaht man diese Frage, wird angezeigt, wie andere User klassifiziert haben. Die Debatte zum Testlauf findet sich hier. Das Verfahren erinnert mich ein bißchen an den Google Image Labeler, auch wenn der Spielcharakter nicht so ausgeprägt ist.

Die OSC hat einen großen Nachteil: sie ist noch nicht vollständig. Das ist allerdings gleichzeitig ein großer Vorteil. Noch kann jeder sich und seine Ideen einbringen.

Wie sieht’s aus? Hat die OSC eine realistische Chance, im deutschsprachigen Raum eingesetzt zu werden?