Cebit 2008: Bookeye WalkUp Scan Station, Groupme & Yovisto

Logo Cebit 2008

Anfang des Jahres in Hannover: die Cebit öffnet ihre Pforten und lockt mit allerlei Interessantem. Besonders bemerkenswert erschienen mir dieses Jahr ein paar Produkte und Projekte, die ich hier kurz vorstellen möchte.

Zuerst ist die Bookeye 2 WalkUp Scan Station zu nennen. Dabei handelt es sich um einen Scanner für Bibliotheksbenutzer. Die Bedienung erfolgt mittels Touchscreen und einer abgespeckten und anpassbaren Version der Scansoftware BCS2. Wirklich sehr einfach zu bedienen, und es ist auch definitiv ein Konzept, dass überzeugen kann. Besonders die drei Einsatzmöglichkeiten, sich Scans einerseits per Email zuschicken lassen zu können, auf einen USB-Stick zu ziehen oder aber mittels angeschlossenem Drucker einen Kopierer zu ersetzen, machen das Gerät für etwas größere Bibliotheken interessant. Für kleinere Bibliotheken wird sich das vermutlich nicht lohnen, weil die nicht geringen Investitionskosten nur mit einer hohen Auslastung zu rechtfertigen sind.

Dann wäre noch Groupme zu nennen, ein Projekt der GWLB Hannover des Instituts für verteilte Systeme, Fachgebiet wissensbasierte Systeme (siehe Kommentar). In der Selbstbeschreibung heißt es:

GroupMe! extends the idea of social tagging systems like del.icio.us, Flickr or BibSonomy by introducing the group dimension. The foundation of social tagging systems are so-called folksonomies, which describe how users (folks) tag resources (e.g. photos, videos, publications, etc.). In technical terms a folksonomy is just a collection of tag assignments:
(User, Tag, Resource) = User has tagged Resource with Tag at a particular time.

Over time it is likely that semantics emerge, e.g. tags that are often assigned to same resources may be synonyms. Hence, folksonomies are promising to improve (web) search, etc. With GroupMe!’s approach of taggable groups we extend tag assignments with a group dimension.

Ein Konzept, das bisher allerdings nur für kleinere Datenmengen taugt. Aber da sich das Projekt noch in der Entwicklung befindet, kann sich noch einiges tun. Ein vielversprechender Ansatz ist auf jeden Fall vorhanden.

Auf Yovisto (ehemals Osotis) werde ich in einer ausführlicheren Kritik noch einmal eingehen. Die nette Vorführung am Stand war auf jeden Fall sehr überzeugend.

Es gab natürlich noch einige weitere Highlights der Cebit, die aber an anderen Orten besser gewürdigt werden können.

MARC in Drupal

This module provides a way to map data in the MARC record to Drupal content types and import sets of MARC records. The module currently supports mapping to the default node fields, taxonomy fields and CCK text fields… By importing a library’s MARC records directly in to Drupal as nodes, you can easily recreate your library’s catalog in a rich social environment.

Dies wurde im OSS-4-Lib-Blog bekannt gegeben. Damit bietet sich die Möglichkeit, auf relativ einfache Art und Weise einen Katalog anzubieten, der von den Bibliotheken selbst gestaltet werden kann.

Eine laufende Implementierung konnte ich leider nicht ausfindig machen.

Auch Sony BMG nun ohne DRM

Gestern habe ich noch darüber genörgelt, und heute kündigt BMG einen Kurswechsel in Sachen DRM an. Wie Heise berichtet, wird auch Sony BMG in Zukunft MP3-Dateien ohne Nutzergängelung (a.k.a. DRM) verkaufen.

Diese Entwicklung lässt mich zwei Fragen stellen.

  1. Wie lange werden nun die E-Book-Verkäufer und -Verleiher brauchen, um ebenfalls zu der Einsicht zu gelangen, dass man als Firma nie gewinnt, wenn man seinen Kunden generell misstraut und gegen sie arbeitet und entwickelt?
  2. Werden mir nun alle Wünsche binnen Tagesfrist erfüllt? Nur zur Sicherheit: Einmal Weltfrieden und kosmische Harmonie, bitte!

Prognose für 2008: Medienkonzerne werden verlieren

Andreas Göldi versucht sich in Prophezeiungen für das Jahr 2008. Unter anderem prognostiziert er, dass traditionelle Medienkonzerne zu den großen Verlierern gehören werden:

Sorry, aber weder die Musik-, noch die Film-, noch die Zeitungs-, noch die Fernsehbranche haben 2007 irgendeinen Hinweis darauf gegeben, dass sie digitale Medien verstehen und eine brauchbare Strategie für den Umgang mit diesem Phänomen haben.

Auch wenn er sie nicht erwähnt, trifft diese Feststellung auch auf die Verlagsbranche zu. Einzelne Verlage – bezeichnenderweise oft im Bereich der IT-Literatur – versuchen sich zwar in innovativen Marketing- und Vermarktungsstrategien, aber das uralte Thema E-Books wird immer noch künstlich am Durchbruch gehindert. Stichwort: DRM. Es ist wirklich erstaunlich, wie beratungsresistent die Branche in diesem Punkt ist. Es ist ebenso erstaunlich, wieviele Bibliotheken trotz der offensichtlichen Mängel diverser Projekte Verträge abschließen, die nur einem Teil ihrer Nutzerschaft überhaupt etwas bringen können.

Die Verlagsbranche scheint auch nicht aus den Fehlern der Musikbranche lernen zu wollen. Immerhin ist dort allmählich so etwas wie Einsicht zu vermuten. Wie der Kleinreport gestern berichtete, hat nämlich auch Warner Music inzwischen umdenken müssen und bietet nun DRM-freie MP3s via Amazon an. Heise stellt dazu fest: Unter den Major-Labels ist nun Sony BMG das einzige Unternehmen, das seine Musik ausschließlich per DRM geschützt vertreibt.

Vielleicht findet dort erst ein Umdenken statt, wenn BMG nicht mehr zu Bertelsmann gehört?

Amazon Kindle gehackt

Igor Skochinsky erklärt in seinem Blog „Reversing Everything“, wie man mit dem Kindle auch Dateien ansehen kann, die nicht mir DRM versehen sind:

Well, I’ve discovered the algorithm used to generate the PID and was able to use it on Fictionwise, but there was another catch. AZW files have a flag set in the DRM info which is not present in books bought from other vendors. After fixing that, I could read the book on Kindle.

Abgesehen davon, dass es mal wieder zeigt, wie unsinnig DRM-Maßnahmen sind, da sie einfach immer ausgetrickst werden, stellt sich die Frage, warum man sich ein Gerät kaufen sollte, dass nur Medien eines Anbieters abspielen kann. Solch ein (Un)Ding gehört eh boykottiert.

[via Gizmodo, via Gadget Lab]

Ist W-Lan in Bibliotheken gesundheitsgefährdend?

Ronald Kaiser verweist heute in Inetbib auf den Spiegel-Bericht über die Abschaltung von W-Lan-Zugängen in Pariser Bibliotheken. Demnach traten nach Einrichtung der Drahtlos-Netzwerke bei Bibliotheksmitarbeitern gesundheitliche Beschwerden auf. Bevor genauere Studien vorliegen, sollen die Netzwerke vorerst nicht wieder freigeschaltet werden.

Verworbenes PDF

Heise berichtet über Ads for Adobe PDF Powered by Yahoo:

Adobe Systems hat heute Ads for Adobe PDF Powered by Yahoo in sein Angebot aufgenommen. Bei dem Service, der momentan noch in einer Betaphase läuft, können registrierte Kunden ihre Dokumente auf einen Server hochladen, wo sie vor der Veröffentlichung mit Werbeblöcken versehen werden. Diese Werbung könne jeweils an den Kontext der Dokumente angepasst werden, heißt es in einer Mitteilung. Sie wird nur angezeigt, wenn die PDF-Dokumente mit Adobes Reader oder Acrobat betrachtet werden.

Der letzte Satz ist ein eindeutiges Argument für alternative PDF-Viewer. Eine kleine Auswahl ist hier zu finden. Wer einen schnellen Viewer für Windows sucht, sollte Foxit probieren. Dieses Progrämmchen ist um Größenordnungen schneller als der Adobe Acrobat Reader