Bestandsaufnahme: Digitalisierungsprojekte in Deutschland

Annette Seiler hat in Ihrem (gerade von Drupal auf WordPress re-migriertem) Blog Intelligent Information eine Bestandsaufnahme deutscher Digitalisierungsprojekte gemacht. Aufgelistet ist ziemlich viel von der Sammlung Geschichte der Hochschule beim Archiv der RWTH Aaachen (mit einer Webseite im Retro-Stil) bis hin zur Franconica-Sammlung der UB Würzburg.

Händel-Oper Erstdruck im Händel-Haus

Im Händeljahr 2009 hat die Stiftung Händel-Haus Halle (Saale), so die Pressemitteilung von heute, ihr umfangreiches Archiv um eine weitere Rarität erweitern können: In der Bibliothek des Händel-Hauses steht seit kurzem ein seltener, 285 Jahre alter Erstdruck der Händel-Oper „Tamerlano“ (HWV 18). „In Deutschland sind nur noch zwei weitere der wertvollen Exemplare in Bibliotheksbesitz“, sagt Jens Wehmann, Bibliothekar im Händel-Haus.

mehr gibt es hier und hier.

UB Augsburg übernimmt Bibliothek der verbrannten Bücher

Sueddeutsche.de berichtet das die rund 12.000 Bände umfassende Sammlung, die Georg P. Salzmann in 30 Jahren zusammengetragen hat an die Universitätsbibliothek Augsburg geht. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Autoren deren Werke bei Bücherverbrennungen durch die Nazis zerstört wurden.

Am vergangenen Freitag haben der Sammler Georg P. Salzmann, der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, Alois Loidl (Vizepräsident der Universität Augsburg) sowie der Vorsitzende des Vereins Patenschaften für verbrannte Bücher, Wolfram P. Kastner, den Vertrag über den Ankauf der Büchersammlung unterzeichnet.

Bibliothek wieder in Eigenregie

Nach fünfjährigem Intermezzo hat das Haus Thurn und Taxis wieder die Verantwortung für die 220 000 Bände umfassende fürstliche Hofbibliothek übernommen. Seit 2004 hatte die Regensburger Universität das historische Archiv im Schloss St. Emmeram betreut. Nach Auslaufen des Vertrages habe sich das Fürstenhaus entschieden, die Bibliothek wieder in Eigenregie zu führen, teilte die Fürst Thurn und Taxis Gesamtverwaltung mit. Es soll aber weiter eine enge Zusammenarbeit mit der Uni geben. Das Fürstenhaus wollte mit der Kooperation vorübergehend Personalkosten einsparen. Den Grundstock für den Bücherschatz mit allein mehreren tausend alten Handschriften hatte im 18. Jahrhundert Fürst Carl Anselm gelegt.

[via sueddeutsche.de]

Konferenztwittern

Was schon bei den letzten bibliothekarischen Tagungen mehr als deutlich wurde, gibt’s nun noch einmal schriftlich: Study Reveals High Levels of Twitter Use at Conferences.

Wer also etwas nicht bekannt geben möchte, sollte es auf Konferenzen gar nicht erst erwähnen. Was am Pult gesagt wird, verlässt den Saal mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Hoffentlich führt das zu mehr Kommunikation auch außerhalb von Veranstaltungen und nicht dazu, dass man nun auch bei Vorträgen nichts handfestes mehr erfährt.

Joachim Losehand: Open Access senkt die Produktionskosten

Dank Joachim Losehand ist der Freitag inzwischen eine von wenigen Zeitungen, in denen ab und an etwas handfestes zu Open Access zu lesen ist. Aktuell: Open Access senkt die Produktionskosten.

Jedoch ist die eigentliche Publikation, sind die Schritte, die zur Veröffentlichung eines Textes führen, nicht der hauptsächliche Kostenfaktor wissenschaftlichen Arbeitens, im Grunde sind diese Kosten vernachlässigbar. Und zwar vernachlässigbar angesichts der Kosten, die zur Erstellung des wissenschaftlichen Textes, zur Gewinnung der Forschungsergebnisse führten. Die Produktion von Forschungsergebnissen und deren notwendiger Verschriftlichung ist mit Produktionskosten verbunden, welche in der Debatte um die Kosten von Open Access zu kurz kommen.

Richtig, das Thema Zugang zu wissenschaftlichen Informationen muss auch volkswirtschaftlich betrachtet werden. Nur dem Gejammer einiger Verlage und Appell(unter)schreiber zu lauschen führt definitiv nicht zu einer verbesserten Faktenlage. Daher ist Losehands Fazit uneingeschränkt zuzustimmen:

Hier valides und empirisch gesichertes Material zu erarbeiten und in die öffentliche Diskussion einzubringen, ist unzweifelhaft ein Desiderat der Forschung. In unser aller Interesse.

Schön, dass es gerade letzten Monat eine passende Studie zu diesem Thema veröffentlicht wurde: „Open Access – What are the economic benefits? A comparison of the United Kingdom, Netherlands and Denmark“. Der Autor John Houghton untersuchte verschiedene Publikationsmodelle in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden. Er kommt zu folgendem Schluß:

In the three national studies the costs and benefits of scholarly communication were compared based on three different publication models. The modelling revealed that the greatest advantage would be offered by the Open Access model, which means that the research institution or the party financing the research pays for publication and the article is then freely accessible.

Adopting this model could lead to annual savings of around EUR 70 million in Denmark, EUR 133 million in The Netherlands and EUR 480 in the UK. The report concludes that the advantages would not just be in the long term; in the transitional phase too, more open access to research results would have positive effects. In this case the benefits would also outweigh the costs.

Deutschland gibt erheblich mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als z.B. Großbritannien, daher ist für Deutschland auch mit erheblich höheren Einsparungen zu rechnen. Vielleicht sollte der Bund der Steuerzahler hier mal nachhaken? Zumindest sollte angesichts der vorliegenden Erkenntnisse die Position des Wirtschaftsministers eigentlich völlig eindeutig pro Open Access sein.

PICA, Perl und die Pfolgen.

Zwei Jahre gibt es nun PICA::Record, schreibt Jakob Voss. Und da die jakoblogliche Kommentarfunktion momentan nicht so will, kommentiere ich von hier:

Sicher gibt es schönere Programmiersprachen als Perl, aber wenn schon mehr Personen im Bibliotheksumfeld programmieren (oder zumindest skripten) lernen – was unbedingt notwendig ist – könnte Perl die richtige Wahl sein, da sich mit PICA::Record bereits nach kurzer Zeit praxistaugliche Ergebnisse erzielen lassen.

Das schreit doch geradezu nach einem Workshop/Crashkurs „Perl für Bibliothekswesen“!

Neue Open-Access-Blogs

Die deutsche Open-Access-Szene öffnet sich. Dies manifestiert sich unter anderem in zwei neuen Blogs zum Thema, die ich kurz vorstellen möchte:

WissPub: Gemeinschaftsblog zu wissenschaftlicher Kommunikation im Netz. Das Autoren-Team ist bunt gemischt. Geschrieben wurde bislang über die Open-Access-Week 2009, digitale Geisteswissenschaften in Deutschland oder (aktuell) über deutschsprachige Open-Access-Blogs.

OANetzwerk: Auf Anregung beim letzten OA-Netzwerk-Treffen in Stuttgart hat Robin Malitz ein Blog eingerichtet, dass die Aktivitäten des Netzwerkes erläutern soll. Im letzten Posting erklärt er die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen OA-Projekten wie OA-Statistik (das für meinen Geschmack gar nicht schnell genug einsatzfähig sein kann) oder DOARC.