Bibliotheksbenutzung als Verdachtsmoment

Vor drei Wochen wurde der Berliner Stadtsoziologe Andrej H. unter dem Verdacht der „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß § 129a“ festgenommen. Als Grund für die Festnahme nannte die ermittelnde Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe die Benutzung von Vokabeln, die auch in Schriften der sogenannten „Militanten Gruppe“ vorkommen. Außerdem verfügte er nach Angaben der Ermittler „über Zugang zu Bibliotheken, um dort die Recherchen durchzuführen, die notwendig sind, um Texte für eine militante Gruppe zu verfassen.“

Wenn der Zugang zu Bibliotheken ein Verdachtsmoment wird, wie es dieser Ausschnitt aus dem Heise-Artikel „Durch Google-Suche in die Einzelhaft“ nahelegt, ist Protest angesagt. Dieser manifestiert sich unter anderem in diesem Offenen Brief (z.Z. geheist).

Also, DBV & Co, meldet Euch zu Wort! Interessenvertretung des Bibliothekswesens beinhaltet auf jeden Fall, dass Bibliotheksbenutzer nicht pauschal verdächtigt werden dürfen! Dies haben die Verbände in ihrem „Code of Ethics“ selbst angemahnt:

Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft.

Nun sind Taten gefragt!

Google Research Search & Google Translate API

Zwei neue Google-APIs sind bei Programmable Web (hier & hier) zu finden:

Google Research Search API

http://research.google.com/university/search/

The University Research Program for Google Search is designed to give university faculty and their research teams high-volume programmatic access to Google Search, whose huge repository of data constitutes a valuable resource for understanding the structure and contents of the web. Our aim is to help bootstrap web research by offering basic information about specific search queries. Since the program builds on top of Google’s search technology, you’ll no longer have to operate your own crawl and indexing systems. We hope this will help enable some useful research, and request only that you publish any work you produce through this program for the academic community’s general benefit.

Google Translate API

http://research.google.com/university/translate/

The University Research Program for Google Translate provides researchers, in the field of automatic machine translation, tools to help compare and contrast with, and build on top of, Google’s statistical machine translation system. Participation in the program will allow researchers programmatic access to Google’s translation service. A translation request returns either: A single translation, the highest scoring output of Google Translate As above but with detailed word alignment information A list of the n-best translations with detailed scoring information.

Das gerade in der Offenheit für alle möglichen Anwendungen eines der Erfolgsgeheimnisse (obwohl man kaum noch von einem Geheimnis sprechen kann) liegt, ist auch anderen nicht verborgen geblieben. Zumindest macht Jakob Voss auf eine SRU-Schnittstelle für GBV-Verbunddaten aufmerksam. Siehe auch sein Beispiel im GBV-Wiki.

Bibliothek für gegenwartsbezogene Nahoststudien eingemottet

Das Hamburger Abendblatt berichtet heute über den Konflikt zwischen der Deutschen Orientstiftung und dem German Institute of Global and Area Studies (GIGA). Der Streit gipfelte heute im Abtransport der 37 000 Bände starken Bibliothek für gegenwartsbezogene Nahoststudien nach Berlin.

Die Stiftung hatte die Bibliothek im achten Stock sowie etwa 20 weitere Räume am Neuen Jungfernstieg 21 im Februar versiegelt und keine Miete an das GIGA gezahlt. Höhe der Rückstände laut Steinbach bis Juni: rund 47 000 Euro. Prominenter Anwalt der Deutschen Orientstiftung ist Otto Schily. Weder Studenten der Universität Hamburg noch die Mitarbeiter des Instituts für Nahoststudien konnten die Bibliothek seit dem 8. Februar 2007 betreten.

Ob die Bücher künftig wieder öffentlich zugänglich gemacht werden, ist derzeit noch unklar.
In die freiwerdenden Räume soll nach Plänen der Stadt die Zentralbibliothek der Wirtschaftswissenschaften einziehen.

Diskussion zur Ausschreibung des SSG "Informations-, Buch- und Bibliothekswesen"

Im B2I-Forum sind ein Äußerungen von KIBA (nein, nicht das hier, sondern das hier) und HI (Hochschulverband Informationswissenschaft) zur Ausschreibung des SSG „Informations-, Buch- und Bibliothekswesen“ zu finden. Man kann dort leider nur nach Anmeldung kommentieren.

KIBA schreibt:

Sollte die Themenbeschreibung des neu zu vergebenen Sondersammelgebiets in der Tat inhaltlich so ausgerichtet werden, wie es die Ausschreibung suggeriert, so würde einer zentralen Leitwissenschaft der aktuellen Wissens- und Bildungsgesellschaft die nationale Literaturversorgung fehlen.

Beide Verbände bedienen sich identischer Textbausteine, z.B. dem folgenden:

Das Fach „Theorie und Geschichte der Bibliographie“, um nur den ersten Anstrich zu erwähnen, wird in der hier suggerierten Form als wichtiges Thema schon lange nicht mehr in Forschung und Lehre als solches behandelt. Aspekte daraus werden an den Universitäten und Fachhochschulen ggf. in den Fachgebieten „Wissensorganisation“, „Information Retrieval“ und „Datenbanktheorie“ angesprochen, aber als bedeutsames eigenständiges Wissenschaftsthema kann man dies mit einiger Sicherheit nicht mehr ansehen.

Ob es von der DFG als Zeichen ernsthafter Beschäftigung mit dem Thema bewertet wird, wenn sich die Fachverbände nicht einmal die Mühe machen, zentrale Argumentationspunkte ein wenig umzuformulieren, scheint mir fraglich.

[via LIS in Potsdam]

"The Scholar Ship" auf Jungfernfahrt im September

Einen neue Form akademischen Lernens können ab September Studierende mit dem nötigen Kleingeld testen: Das umgebaute Kreuzfahrtschiff „The Scholar Ship“ sticht mit „800 Studenten und Professoren aus aller Welt sowie 400 Crew-Mitgliedern“ in See.

Es handelt sich um eine Hochschule auf hoher See. An Bord wird intensiv gelernt, in den eigens dafür eingebauten Hörsälen und der Bibliothek. International anerkannte Credit-Points werden den Studenten – Undergraduates sowie Postgraduates – für ihr laufendes oder ein folgendes Studium angerechnet.
Ein Konsortium aus sieben internationalen Universitäten sichert das akademische Niveau.

[Via Berlinger Morgenpost]