Social-Media-Abteilungen in Bibliotheken?

Benötigen Bibliotheken Social-Media-Abteilungen? Notwendig ist auf jeden Fall Expertise und Erfahrung. Ob man diese jedoch in einer einzigen Abteilung (zum Beispiel im Umfeld der Öffentlichkeitsarbeit) bündeln sollte, ist nicht einfach zu entscheiden. Dafür spricht, dass in einer Social-Media-Abteilung Routine im Umgang mit Twitter & Co der Normalfall wäre. Dagegen spricht m.E. aber mehr.

Alan Wolk hat sich bei Social Media Today ein paar Gedanken zu eben dieser Frage gemacht. Zwar geht es bei ihm um Unternehmen, aber die Schlußfolgerungen lassen sich teils ohne Reibungsverluste übertragen, zum Beispiel zur Ressourcenfrage:

Many brands don’t have the resources (e.g. time and money) necessary to properly maintain so much as a Facebook page (let alone an entire social media program) and you don’t need to be a „guru“ to know that having a Facebook page that gets updated once every three months is a lot worse than not having one at all.

Ob konventionelle Verkündigungsmedien (Flyer, etc.) oder Social Media: es geht um Inhalte, um Kommunikation. Wenn ein hauptamtlicher Bibliothekstwitterer beschäftigt wird, muss dieser nicht zwangsläufig der ideale Kandidat sein, um eingehende Fragen zu beantworten oder die Kommunikation mit Nutzern zu führen.

Um ein bibliothekarisches Firmenbeispiel zu erwähnen: der Twitter-Account von Citavi funktioniert ziemlich gut, weil dort jemand twittert, der an Fachdiskussionen teilnehmen kann. Auf eine Anfrage, wer denn dort schreibt, wurde geantwortet: Primär Support – auch auf direkte Kundenanfragen – und Entwicklung. So soll es sein! Wer soll denn auch sonst Fragen zur Entwicklung und zur Benutzung beantworten? Die Marketingabteilung wäre dazu nur in der Lage, wenn ein enger Kontakt zu den jeweiligen Abteilungen bestünde.

In großen Organisationen muss die Öffentlichkeitsarbeit wahrscheinlich von der PR-Abteilung übernommen werden. In kleineren Organisationen halte ich den direkten Draht zwischen Öffentlichkeit und Fachpersonal jedoch für die gelungenere Variante.

(Auch in Österreich:) Permalinks für Katalogisate

Der Österreichische Bibliothekenverbund (OBV) bietet ab sofort eine neue Suchoberfläche an.

Positiv: Verschiedene Social-Bookmarking-Dienste sind integriert.
Negativ: Naja, so richtig integriert sind sie eigentlich doch nicht.

Ich habe versucht, Titel in Delicious zu übernehmen (vorübergehend verfügbar unter dem Tag OBV-Test, ich lösche sie aber sicherlich irgendwann wieder). Wenn mir die Funktion angeboten wird, einen Titel in Delicious zu speichern, gehe ich davon aus, dass sich die Anbieter vorher angesehen haben, wie entsprechende Metadaten zu übergeben sind. Dies war hier offensichtlich nicht der Fall.

Speichert man einen Titel, lautet der Seitentitel im Normalfall „OBV Suche“. Weitere Angaben werden nicht übergeben. Speichert man also 30 Titel, wird man sie anschließend nicht auseinanderhalten können, ohne sie einzeln anzuklicken.

Ähnlich untauglich ist der Link, der an Delicious übergeben wird. Ich habe zwei Titel gebookmarked. Klickt man sie an, wird man feststellen, dass man beim gleichen Katalogisat landet. Gespeichert wird nämlich nicht ein präziser und permanenter Link, sondern die Suchanfrage. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Delicious-User sowohl den selben Titel als auch den selben Suchweg speichern, tendiert bei Literatur abseits von Harry Potter & Co vermutlich gen Null. Die sozialen Funktionen von Delicious werden somit raffiniert umgangen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen:

  1. Katalogisate brauchen Permalinks!
  2. Katalogisate brauchen Permalinks!
  3. Katalogisate brauchen Permalinks!

Bei Uraltkatalogen habe ich ja noch begrenztes Verständnis dafür, dass sie sich nicht ohne weiteres nachrüsten lassen. Bei einer Oberfläche, die vom Anbieter angepriesen wird für ihre Library 2.0 und Social Computing Eigenschaften, kann ich es aber nicht aufbringen.

Gartners Prophezeiungen für Mobile Technologien

Die Listen-Großmeister der Informationstechnologie aus dem Hause Gartner versuchen die 10 wichtigsten Technologien für Mobile Devices für die nächsten 2 Jahre zu prophezeien: Gartner Outlines 10 Mobile Technologies to Watch in 2010 and 2011. Für Bibliotheken wichtig scheinen mir auf den ersten Blick „App Stores“, das „Mobile Web“ oder auch „Mobile Widgets“:

Widgets are installable Web applications that use technologies such as JavaScript and HTML. Many handsets support widgets running on their home screens, where they are easily visible and accessible. Despite the lack of standards, widgets provide a convenient way to deliver simple, connected applications, especially those involving real-time data updates (such as weather forecasts, e-mail notifications, marketing, blogs and information feeds). Because widgets exploit well-understood tools and technologies, they have lower entry barriers than complex native applications, and thus can be a good first step to assess the demand for an application on a specific platform before undertaking expensive native development.

Was auch immer, sowohl Kataloge als auch Inhalte erst web- und dann auch gleich mobiltauglich zu machen, das ist das Thema der Stunde.

Movers and Shakers 2010

Jedes Jahr werden im Libraryjournal die Movers and Shakers des Jahres benannt. Das sind Menschen, die die Zukunft des Bibliothekswesens formen (sollen). Dieses Jahr gab es 50 Preisträger in sechs Kategorien:

Advocates: They don’t waver in the effort to battle illiteracy, save library funding, help the unemployed, or fight censorship.

Innovators: These librarians create savvy solutions such as mobile apps, reference service à la Twitter, and a general store-like library.

Marketers: See libraries afresh through a Ben & Jerry’s library flavor, Library Minute vids, a Library Use Value Calculator, and more.

Tech Leaders: These techies take our services to the next level with a „technology petting zoo,“ a mashup of images and maps, „The Techie Is IN“ program, to name a few.

Community Builders: They break barriers to expand the library’s reach, with green initiatives, training, and outreach across geographic, cultural, and administrative lines.

Change Agents: No problem is too big for these librarians as they foster GED readiness for the 17-plus crowd, day-by-day literacy for preschoolers, health info for all, and more.

Es geht längst nicht nur um technische Innovationen oder „neue Produkte“. Zwar sind einige PreisträgerInnen auch wegen technischer Entwicklungen ausgezeichnet worden, wie z.B. Joann Ransom für Kete. Aber es werden eben auch Preise für Innovationen in anderen Bereichen vergeben. Zum Beispiel an Gretchen Caserotti, die Dewey als nicht kinderbibliothekstauglich befand:

She wanted to reorganize the picture books. Taking Dewey out of the equation, she scrapped alphabetical organization (how many four-year-olds will look for fairy-tale books by author?) and went for an intuitive approach—using colored tabs for categories like “Transportation,” “Folk and fairy tales,” etc. The next year saw an 80 percent jump in circulation, month to month, plus sky-high spirits among kids. “My heart soared when I overhead a four-year-old boy, pulling his grandfather’s arm, saying, ‚C’mon, Grandad! The trucks are the red books over here!’” she says.

Die Verteilung aller 450 Preisträger seit 2002 auf einer Karte kann man sich hier ansehen. Dabei fällt auf, dass nur wenige Preisträger außerhalb Nordamerikas beheimatet sind. Genauer gesagt:

  • 1x Australien
  • 1x England
  • 3x Niederlande
  • 1x Neuseeland

Der Rest der Welt starrt bewundernd nach Nordamerika und hinkt hoffnungslos hinterher? Spielt das deutsche Bibliothekswesen international wirklich keine Rolle? So ganz mag ich da nicht zustimmen, und bis zum 1. November darf sich jeder aufgerufen fühlen, die Movers and Shakers 2011 zu nominieren:

The editors of Library Journal need your help in identifying the emerging leaders in the library world. Our tenth annual round of Movers and Shakers will profile 50 or more up-and-coming individuals from around the world who are innovative, creative, and making a difference. From librarians to vendors to others who work in the library field, Movers and Shakers 2011 will celebrate the new professionals who are moving our libraries ahead.

Mir fällt auf Anhieb mindestens eine Handvoll bewegender Bibliothekswesen ein, die ich zweifellos nominieren könnte. Ich hoffe, das geht nicht nur mir so. Also nur keine Hemmungen!

PaperC im KUG

Kürzlich traf ich mich mit Martin Fenner, Lambert Heller, Felix Hofmann und Martin Fröhlich (beide PaperC), um über dieses und jenes zu schnacken. Dabei kam auch der Vorschlag auf, eine API für Bibliothekskataloge einzurichten. Unabhängig davon wurde eine API auch von Oliver Flimm vorgeschlagen.

Die Antwort auf diesen Vorschlag:

Umgesetzt! Unsere API ist fertig, bald mehr dazu im PaperC Blog. Entwickler sind willkommen.

Im Blog finde ich zwar noch nichts, dafür hat sich Oliver Flimm aber schon ans Werk gemacht und PaperC in den KUG eingebunden. Das Ergebnis kann man sich u.a. bei diesem Prachtstück der Kataloganreicherung durch APIs ansehen.

Frage am Rande: Warum heißt es eigentlich „eine“ API? „Die“ Schnittstelle? Oder nicht doch eher „das“ Interface? Lesen zufällig Linguisten mit?

Open-Source-Recommender easyrec

Die Recommender-Software easyrec ist seit sechs Tagen komplett Open Source.

Benötigt werden für die Installation auf einem eigenen Server:

  • Java 5 SE [1] or later
  • Application Server Tomcat 6.0 [2] or later recommended or see other Application Servers
  • Database Server MySQL 5.1 [3] or later

Man kann den Dienst jedoch auch über eine API ausprobieren. Wer hat Zugriff auf einen Katalog und traut sich, das mal einzubauen? Mich würde doch sehr interessieren, ob die Ergebnisse so viel schlechter als die von Bibtip sind. Bibtip ist ein Projekt, dass zwar aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde, aber dennoch sogar für öffentliche Einrichtungen kostenpflichtig ist. Kostenpflichtig für Hosting und Support würde ich ja noch verstehen. Wie auch immer: Easyrec wird z.B. beim Film-Shop Flimmit genutzt. Interessiert man sich z.B. für Plattfuss am Nil, wird sofort weitere Unterhaltungsware der schlagkräftigen Art angeboten („Sie könnten auch an folgenden Produkten interessiert sein“).

Die Bibliothek der Zukunft

Die uncoolen Bibliothekarinnen weisen auf einen Workshop zum Thema „Planning the library of the future“ (PDF) hin:

Die diesjährige Preisträgerin des John Jacob Astor Award in Library and Information Science , Donna Scheeder, Deputy Chief Information Officer, Congressional Research Service, Library of Congress wird im Rahmen der Initative Fortbildung einen workshop zum Thema durchführen.

Die UTS Library (Sydney) hat kürzlich ein schönes Video nach Common-Craft-Art zu eben diesem Thema veröffentlicht.

Knapp fünf Minuten komprimierter Informationen, wie eine Bibliothek (eigentlich nicht nur die) heute funktionieren sollte, zum Beispiel in puncto Hierarchien (hier und da).

[via @mstephens7]

iPhone vs. Second Life: 1-0

Ende 2006 hüpften zwei Begriffe auf wie aus dem Nichts in den Mainstream. Second Life und iPhone. Während Second Life ungefähr zu dieser Zeit den einmillionsten Secondlifer feierte, kursierten am Jahresende 2006 die ersten Gerüchte um das iPhone. Wie die Relevanz der Begriffe und der dahinter stehenden Konzepte (mobiles Web, bzw. virtuelle Welten) sich entwickelt hat, kann man hervorragend bei Google Trends beobachten.
Google Trends: iPhone vs. Second Life

iPhone: rot
Second Life: blau.

Gartner ignorierte die eigenen Erkenntnisse und prophezeite:

By the end of 2011, 80 percent of active Internet users (and Fortune 500 enterprises) will have a “second life”, but not necessarily in Second Life, according to Gartner, Inc.

Zwar ist noch nicht Ende 2011, aber diese Prognose würde heute niemand mehr abgeben wollen. Dies bedeutet nicht, dass Gartner mit einer anderen, wesentlich neueren Prognose nicht recht haben könnte. Mitte November wurden die 10 Top-Trends bis 2012 für mobile devices prophezeit.

No. 2: Location-Based Services
No. 3: Mobile Search
No. 4: Mobile Browsing

Addiert man diese drei Trends, kommen wir zum mobilen OPAC, der nicht nur gleich zeigt, wie man zum Buch kommt, sondern auch noch (falls vorhanden) einen Volltext anbietet. Ich hoffe jedoch nicht, dass die Bibliotheken, die unsinnigerweise viel Energie in Second Life gesteckt haben, nun vor dem mobilen Weg zurückschrecken. Noch sind es nur Pioniere, die dort bedient werden. Also genau die Leute, die sich vor drei Jahren auch in Second Life tummelten. Relevanz für den Alltag hatte Second Life jedoch nie, ganz im Gegensatz zu Smartphones.

Repository-Software IR+

Logo IR+Der Chronicle of Higher Education berichtet über die neue Repository-Software IR+ der University of Rochester.

The idea is to get professors and graduate students to contribute their papers and dissertations to the repository by combining it with a Web-based workspace that accomplishes lots of other stuff they need to write up that research. Stuff like creating folders, managing files, and collaborating with colleagues. Also, they get to showcase their work on customized “researcher pages.”

Wie wichtig Funktionen wie personalisierbare Seiten sind, wurde hierzublog nun schon oft genug erwähnt. Und in Rochester kann man sich nun am praktischen Beispiel ansehen. Open Access kommt nur voran, wenn die Server den Wissenschaftlern handfesten Mehrwert bieten. Repository-Entwickler, sehr Euch IR+ bitte genau an! Das Repository selbst muss diese Funktionalitäten nicht unbedingt anbieten, aber die Schnittstellen dafür müssen geschaffen und gut dokumentiert werden. Mehr zum Thema Schnittstellen (Serviceorientierte Architektur) übrigens aktuell im Jakoblog.

Trend Nr. 2 für 2010: Open (Government) Data / Linked Data

lod-datasets_2009-07-14

Christiane Schulzki-Haddouti nimmt mir die Worte aus dem Mund:

Open Data – so nicht nur mein Blick in die Kristallkugel – wird 2010 das große Thema werden und die Entwicklung des Internet in diesem Jahrzehnt wesentlich vorantreiben.

Und nicht nur die Entwicklung des Internets, auch gesellschaftliche, künstlerische und wissenschaftliche Entwicklungen können durch Open Data maßgeblich beeinflusst oder überhaupt erst ermöglicht werden. Infos zum Reinlesen gibt es z.B. hier von Lambert Heller. Dass sich auch Bibliothekswesen damit beschäftigen müssen, sollte spätestens nach dem Durchklicken dieser Vortragsfolien von Anne Christensen klar sein: