Der Medina-Report

Vor kurzem gab’s bei Netbib schon mal eine kleine Meldung zum Medina-Report. Nun gibt’s ein paar Details dazu von Gavin Baker und im Wiki von La Quadrature Du Web. Die offizielle Version des Dokumentes gibt es hier.

Besonders kritisch wird (unter anderem von Bernard Lang) folgender Punkt gesehen:

24. Wishes the scientific community and researchers to enter into voluntary licence-issuing schemes with publishers in order to improve access to works for purposes of teaching and research; however, takes particular note of the value of learned journals, which play a key role in the peer review process of validating the results of academic research, and the financial viability of which is dependent on paid subscriptions;

Zu Bibliotheken und Archiven im Procedure File:

The Green Paper focuses on the exceptions to copyright which are most relevant for the dissemination of knowledge, namely:

1)The exception for the benefit of libraries and archives: two core issues have arisen: the production of digital copies of materials held in the libraries‘ collections and the electronic delivery of these copies to users. Under the current legal framework, libraries or archives do not enjoy a blanket exception from the right of reproduction. Reproductions are only allowed in specific cases, which arguably would cover certain acts necessary for the preservation of works contained in the libraries‘ catalogues. On the other hand, the library exception and national rules implementing it are not always clear.

Main questions:

* Should the exception for libraries and archives remain unchanged because publishers themselves will develop online access to their catalogues?
* In order to increase access to works, should publicly accessible libraries, educational establishments, museums and archives enter into licensing schemes with the publishers?
* Should the scope of the exception for publicly accessible libraries, educational establishments, museums and archives be clarified with respect to: format shifting; the number of copies that can be made under the exception; the scanning of entire collections held by libraries?
* Is a further Community statutory instrument required to deal with the problem of orphan works, which goes beyond the Commission Recommendation 2006/585/EC?

Papin-Ramcharan & Dawe – The Successful University Library in a Developing Country

Richard A. Dawe und LibWorld-Autorin Jennifer Papin-Ramcharan (alias The Caribbean Librarian) veröffentlichen in Kürze ein Buch, das schon jetzt bei Amazon vorbestellt werden kann: The Successful University Library in a Developing Country

Beschreibung:

This book studies university libraries in developing countries against the backdrop of an increasingly inter-connected and interdependent world. The book suggests that finding solutions to problems of university libraries in developing countries is a matter of ensuring that ‚global knowledge‘ is of the highest quality and is not just for altruistic reasons. It describes the many problems associated with the running of university libraries in developing countries and considers what it takes for these libraries to be successful. The book includes case studies of university libraries in several developing countries in regions including Africa, India and The Caribbean. Presenting the perspectives of practitioners and library users, solutions presented are practical and relevant.It is authored by a librarian and a member of the faculty of a university in a developing country. It gives the perspectives of both librarians and users of university libraries. It includes contributions from librarians in several developing country regions including Africa, India and The Caribbean. It addresses not only the problems of developing country university libraries but also offers practical solutions.

Blog zum Bibliotheksumzug an der FH Potsdam

Die uncoolen BibliotekarInnen machen auf ein Weblog aufmerksam, dass den Umzug der Fachbereichsbibliotheken Informationswissenschaften und Sozialarbeit in Potsdam diskutiert und dokumentiert. Wirklich ein Musterbeispiel für den sinnvollen Einsatz von Social Software in Bibliotheken, wie schon aus der regen Anteilnahme der Nutzer in den Kommentaren ersichtlich ist.

Klaus Graf vs. das Bibliothekswesen (Open Access)

Klaus Graf erhebt via Inetbib gravierende Vorwürfe gegen das Bibliothekswesen. Ein paar der Aussagen kann ich so nicht stehen lassen:

Hat es Gespraeche zwischen dem Urheberrechtsbuendnis und dem Boersenverein ueber die Auslegung des ja allgemein als nicht besonders geglueckt empfundenen § 137 l gegeben, wie nicht nur von mir angeregt?

Offenkundig nein, zumindest ist keine Silbe davon bekanntgeworden.

Davon ist auch mir nichts bekannt. Volle Zustimmung zu diesem Punkt. Der Austausch ist dringend erforderlich, um eine politische Lösung des Problems überhaupt erst möglich werden zu lassen.

Hat es irgendeine nennenswerte Werbung seitens der Bibliotheken 2008 fuer die Moeglichkeit, Open Access ohne Zustimmung der Verlage insbesondere fuer Monographien vor
1995 zu ermoeglichen, gegeben?

Nein. Die alten Infoseiten von Ende 2007 stehen meist noch im Netz, das ist aber auch alles.

Doch, hat es. Die Infoseiten der Bibliotheken sind zum Teil sicherlich nur im Netz, um das Wirken der Bibliothek sozusagen offiziell werden zu lassen. Ein Großteil der Werbung wird per hochschulinternem Mailverteiler passiert sein. Es geht schließlich darum, Hochschulangehörige zu erreichen, und da ist die Bibliothekshomepage kein besonders gut geeignetes Mittel. Dort kann man für eh schon Bekehrte die Informationen zusammenfassen, aber die Werbung muss anders erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit, von der außerhalb der Hochschule nichts zu sehen ist, ist z.B. das Ansprechen von Open-Access-Pionieren, die wiederum als Multiplikatoren agieren und ihre Kollegen anwerben können. Wenn also kein Werben sichtbar ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht stattfindet.

Allerdings muss auch ich sagen, dass ich auf viel mehr Masse gehofft hatte, die binnen kurzer Zeit online verfügbar gemacht wird.

Hat es den von Herrn Kaemper geforderten staerkeren Erfahrungsaustausch der Schriftenserver gegeben?

Nicht dass ich wuesste. Auch die mehr tote als lebendige Mailingliste von open-access.net hat sich mit dem Thema nicht mehr beschaeftigt. Was mir von 2008 bekannt ist (insbesondere juristische Stellungnahmen, wobei Herr Steinhauer in seinem Bibliotheksrecht-Weblog fleißig
referiert hat) habe ich unter http://archiv.twoday.net/stories/5408482/ zusammengetragen. Das Urheberrechtsbuendnis hat (wohl im November 2008, wenn man das Auffinden des Google-Bot zugrundelegt) in einem internen (wenngleich auf der Internetseite einsehbaren) Newsletter nochmals zum Widerruf
der Nutzungsrechte aufgerufen, aber wenn ich nichts uebersehe, gibt es keinerlei Hinweis auf der Website auf das Newsletter-Dokument.

Es gibt den Erfahrungsaustausch, auch wenn er nicht besonders gut institutionalisiert ist. Es gibt den angesprochenen, dämmernden Newsletter. Es gibt aber vor allem Kontakte zwischen den einzelnen Serverbetreuern, die sich bei Bedarf gegenseitig aus der Patsche helfen. Dies reicht nicht aus, aber mit dem OA-Netzwerk ist hoffentlich ein Schritt in Richtung Verfestigung dieser Strukturen.

Wo schon Herr Steinhauer und dessen juristische Analysen erwähnt sind: Genau dort liegt meines Erachtens der allergrößte Unsicherheitsfaktor bei allen Bemühungen in Sachen Open Access. Was fehlt, ist ein Handbuch „Was darf und sollte die Bibliothek in Sachen OA unternehmen“ inklusive eines umfangreichen Anhangs mit Mustertexten.

Wer noch etwas tun moechte, kann meine FAQ http://archiv.twoday.net/stories/5408494/
beherzigen. (Wenn nur jeder Inetbib-Abonnent persoenlich 10 Wissenschaftler informiert, haetten wir 50.000 Leute, die vom Fristablauf in einigen Tagen wissen, aber ich bezweifle, dass Bibliothekare Wissenschaftler kennen …)

Dies lässt mich zweifeln, ob Herr Graf Bibliothekare kennt.

Nach dem Dezemberfieber 2008 waren die Bibliotheken offenkundig viel zu erschoepft von den sie ueberfordernden Nutzungsrechtsuebertragungen, als dass sie irgendeine weitere Werbung verantworten konnten. Schmerzlich mussten sie erkennen, dass Open Access durchaus Arbeit machen kann, und Arbeit haben sie nun ja schon genug, gelle?

Siehe oben.

Ein Jahr spaeter kann ich nicht erkennen, dass die 2007 erfolgreich eingesammelten Nutzungsrechte schon in nennenswertem Umfang Eingang in die Schriftenserver gefunden haben.

Zu wenig, das ist richtig. Auf dem Schriftenserver der FH Hannover ist ein Großteil der durch die eingeworbenen Nutzungsrechte verfügbaren Dokumente schon veröffentlicht. Schwierigkeiten gibt es teilweise bei der Beschaffung der Werke. Aber da sind wir auf einem guten Weg zur weitgehenden Vollständigkeit.

Hinsichtlich der Beitraege zur Hexenforschung durfte ich vor einiger Zeit in der von mir administrierten Mailingliste Hexenforschung einen besonders miesen persoenlichen Angriff von Dr. Katrin Moeller, Halle (historicum.net) zur Kenntnis nehmen:

http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa?A2=ind0810&L=HEXENFORSCHUNG&P=R859&I=-3

Ueber 100 Schriften konnten demnach eingesammelt werden, die alle noch nicht online sind.

Ohne die Hintergründe des Projekts zu kennen (und kennenlernen zu wollen): Ein Digitalisierungsvorhaben, das über einzelne Werke hinausgeht, ist nicht zwischen Tür und Angel gemacht. Wer sich für ein paar Details interessiert, mag hier bei Infobib mal nach PDF/A suchen. Stolpersteine gibt es viele, hilfreiche Dokumentationen nicht so sehr, und wer nachhaltig sinnvoll digitalisieren will, kann die Bücher halt nicht einfach auf den Scanner werfen und die Dateien irgendwo ins Netz laden.

Das Fazit ist deprimierend: Einmal mehr erweist sich das deutsche Bibliothekswesen als trojanisches Pferd fuer Open Access. Auf eine breite Unterstuetzung von Open Access durch die Wissenschaftler ist es nicht vorbereitet, die Betreuer der Dokumentenserver sind klammheimlich vermutlich ganz froh, dass ausser ein paar Dissertationen meist gaehnende Leere herrscht. Eigene Erfahrungen mit Freidok legen den Schluss nahe, dass eine vorbehaltlose und unbuerokratische Unterstuetzung der Autoren nicht gewuenscht ist. Statt die Werbetrommel 2008 weiter zu ruehren und mit den 2007 eingesammelten Schriften weitere Autoren zu gewinnen und zu motivieren, beim Verlag zu widersprechen und anschließend Nutzungsrechte an den Hochschulschriftenserver zu uebertragen, ist man erschoepfungsbedingt in den ueblichen Bueroschlaf versunken. Nachdem ich 2008 das deutsche Bibliothekswesen zumindest in dieser Sache weitgehend in Frieden gelassen und nicht durch weitere Ueberrumpelungsmanoever beim Vorsichhinschnarchen gestoert habe, darf ich zum Fristablauf, ohne jemand damit ueberrumpeln zu wollen, doch anmerken, wie erbaermlich diese „Foerderung“ von Open Access anmutet.

Alles wesentliche habe ich schon weiter oben erwähnt. Die Betreuer der Dokumentenserver sind mit Sicherheit nicht froh über ausbleibende neue und alte Dokumente. Die Organisation des Digitalisierens und das Einwerben von Dokumenten ist jedoch alles andere als trivial. Das viel zu wenig passiert, halte auch ich für höchst wahrscheinlich. Dem Bibliothekswesen insgesamt Versagen vorzuwerfen, ist jedoch nichts anderes als albern.

Fakt bleibt allerdings, und davon möchte ich auf keinen Fall ablenken: Viele Bibliotheksleitungen müssen sich Herrn Grafs Vorwürfe gefallen lassen!

Update: Eine Replik findet sich hier.

Finanzkrise und Bibliothekwesen II

Die ALA in einer Presseerklärung:

The American Library Association (ALA) is asking Congress for $100 million in stimulus funding to aid the nation’s working families during the current economic crisis. Aid is sought to stem the bleeding of critical library services that help Americans with job searches, small business development, financial literacy and other essential assistance in hard economic times.

Es wird an dieser Stelle selbstverständlich noch einmal auf den hohen Return on Investment des Bibliothekswesens aufmerksam gemacht:

Investments in libraries often yield high dividends for communities. Studies show economic returns from salaries and wages paid to staff, construction costs, employment services and library purchases. A recent Pennsylvania study points out that for every dollar invested in the public library, the community receives a return of $5.50. A similar report from Florida shows a $6.54 return on investment.

[via Librarian in Black]

Pia Kluth: Leser, Kunde oder Benutzer?

Pia Kluth widmet sich in ihrer Arbeit „Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken“ [1]Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken / Kluth, Pia. – 1. Aufl. – Saarbrücken : VDM Verlag Dr. Müller, 2007, S. 32-36 unter anderem der Frage, wer das denn nun eigentlich ist, der da Bibliotheken benutzt oder bekundet. Eine befriedigende Antwort findet sie leider nicht.

Beim Vergleich der Begriffe Benutzer und Leser greift Kluth auf das Lexikon des Bibliothekswesens (Kunze) von 1969 zurück. Da es sich bei der Umwidmung des Bibliotheksbenutzers in einen Konsumenten um ein neueres Phänomen handelt, scheint mir dies verfehlt. Wie auch immer, wesentlicher ist der Vergleich der Begriffe Benutzer und Kunde, auf den sie später eingeht. Zitat, S. 33f:

Anders als bei den Begriffen „Leser“ und „Benutzer“ führt die Bezeichnung „Kunde“ zu weiteren Implikationen. Kundenwert, Kundenverständnis und Kundenbindung sind einige Anknüpfungspunkte, die von diesem Begriff ausgehen. Die Richtung ist deutlich, es geht um ein innovatives Bild der Bibliotheksklientel. Das Wort „Kunde“ löst Assoziationen aus, die Menschen und nicht Medien ins Zentrum bibliothekarischer Arbeit rücken. Kundenorientierung bedeutet, die Aufmerksamkeit auf Dienstleistungen zu richten, die Kundenbedürfnisse befriedigen.

Auf S. 35 zitiert sie Umlauf („Die Bibliothek als wirtschaftliches Dienstleistungszentrum“, 2001, S. 7):

Mir scheint, dass die Beziehung zwischen den Nutzern der Bibliothek und der Bibliothek nicht vergleichbar ist zwischen den Kunden und einem Unternehmen, das diesen Kunden Waren und Dienstleistungen verkauft.

S. 35f:

Folglich scheinen sich beide Begriffe im bibliothekarischen Sprachgebrauch durchgesetzt zu haben, auch wenn sie nicht sauber voneinander abgetrennt werden. „Benutzer“ ist das traditionellere und gewohntere Wort. „Kunde“ hebt die ursprünglich intendierte Botschaft aus der Marktwirtschaft hervor. Vielleicht ist der sorglose Gebrauch aber nicht als Makel zu interpretieren, zeugt er doch von einer Normalisierung und realen Integration des dienstleistungsorientierten Wortes „Kunde“ in die bibliothekarische Alltagssprache.

Noch ein Fragment, das wohl nie fertig geworden wäre. Daher einfach mal so als hoffentlich nützliche Zitatsammlung ins Netz gepackt.

References

References
↑1 Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken / Kluth, Pia. – 1. Aufl. – Saarbrücken : VDM Verlag Dr. Müller, 2007, S. 32-36

Berliner Manifest: Öffentliche Dienste 2.0

Auf einer Verdi-Konferenz zur „Staatlichen Verantwortung und Öffentlichen Daseinsvorsorge in der Informationsgesellschaft“ wurde ein Berliner Manifest verabschiedet, dessen Volltext bei Netzpolitik.org einzusehen ist. Das riecht nach einem klassisch bibliothekspolitischen Thema. Im Folgenden sind die Punkte herausgepickt, in denen Bibliotheken auf den ersten Blick eine Rolle spielen.

1. Grundversorgung und offener Zugang!
Offener Zugang zum Internet gehört heute zu den unverzichtbaren Voraussetzungen einer Informationsgesellschaft. Nicht am Internet teilhaben zu können, bedeutet den Ausschluss aus weiten Teilen des gesellschaftlichen und familiären Lebens, Ausschluss von Bildungs- und Informationsmöglichkeiten, von demokratischer Teilhabe – privat, wie beruflich.

Jeder Bürger – ob in Stadt oder Land, ob arm oder reich, ob behindert oder nicht – benötigt Zugang zum Internet mit ausreichender Bandbreite. Um die „digitale Spaltung“ von Arbeitswelt und Gesellschaft zu verhindern, gilt es:

Die Grundversorgung neu zu definieren, Zugang für alle Menschen auch dadurch zu garantieren, dass Dienstleistungen von „Mensch zu Mensch“ erhalten bleiben und in der Arbeitswelt alle Beschäftigten (z.B. auch ArbeiterInnen) Zugang zu Intra- und Internet bekommen.

Logisch: So lange es keine Hartz-IV-Flatrate gibt, ist der Internetzugang über die Bibliothek für viele zumindest theoretisch eine Möglichkeit, ins Internet zu gelangen. Wenn nicht sogar die Einzige. Siehe auch hier.

Das Bibliotheken von ganzen Bevölkerungsschichten kaum genutzt werden [1] unbelegte Behauptung. Hat jemand Zahlen parat? , steht dem faktisch allerdings im Weg.

3. Keine Privatisierung öffentlicher Güter im virtuellen Raum!
Öffentliche Archive, Bibliotheken, Museen und andere Kulturstätten gehören der Allgemeinheit – deren Bestände und Schätze auch in digitalisierter Form. Ihre Veräußerung oder Abtretung an private Einrichtungen muss unterbleiben.

Was mit öffentlichen Geldern oder Zuschüssen finanziert wurde, muss für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein und sollte entsprechend der neuen technischen Möglichkeiten auch digital öffentlich und weitgehend kostenfrei nutzbar gemacht werden.

Kurz gefasst: Mehr Open Access, weniger Copyfraud. (Ich habe gerade mit Erstaunen festgestellt, dass es bei Archivalia keine gleichnamige Kategorie gibt. Über die Suchfunktion erhält man jedoch einen guten Überblick.)

References

References
↑1 unbelegte Behauptung. Hat jemand Zahlen parat?

DBV lehnt Verlängerung des urheberrechtlichen Schutzes ab

Richtige und wichtige Stellungnahme des DBV, um ein Micky-Maus-Schutzgesetz (siehe auch hier) in Europa zu verhindern.

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (DBV) lehnt den von der Europäischen Kommission am 16. Juli 2008 veröffentlichten Richtlinienvorschlag zur Änderung der Richtlinie 2006/116/EG über die Schutzdauer des Urheberrechts und bestimmter verwandter Schutzrechte in allen Punkten ab. Der Vorschlag blockiert eigenschöpferische Kreativität in Europa und behindert dadurch nachdrücklich Europas Bemühen im globalenWettbewerb. Gleichzeitig erschwert er die Nutzung des kulturellen Erbes in Europa.

Quelle: DBV lehnt vorgeschlagene Verlängerung der Schutzdauer im Urheberrecht ab (PDF)

Debatte um "Bibliothekswertrechner"

Sharp EL-8

Die Debatte über Tools zur Berechnung des wirtschaftlichen Nutzens von Bibliotheken kocht zur Zeit wieder etwas höher. Ausgangspunkt war die Meldung von Jürgen Plieninger in Netbib, dass im Bibliotheksportal nun ein Bibliothekswert-Rechner zu finden sei. In INETBIB wurde dazu natürlich eifrig diskutiert, auch beim Haftgrund stieß die Meldung auf reges Interesse und große Ablehnung.

Was mir auch an diesem Rechner wieder mißfällt:

  1. Scheingenauigkeit
  2. Wenn ich alle anklickbaren Dienstleistungen genau ein Mal nutze, bekommt man einen Wert von € 134,59. Über das Zustandekommen der Zahl muss man nun gar nicht debattieren. Ob eine durchschnittliche Zeitschriftenausleihe wirklich dem Gegenwert des Spiegels entspricht, sei dahingestellt. Die Genauigkeit der Angaben wird auf der Seite nirgendwo in Frage gestellt. Journalisten nehmen so etwas für bare Münze. Aber das ist wohl beabsichtigt.

  3. Das Konzept des „Bibliothekswerts“
  4. Berücksichtigt wird hier ausschließlich der Wert für den einzelnen Nutzer. Das eine Bibliothek einen gesamtgesellschaftlichen Effekt hat, der auch rein wirtschaftlich weit über den Nutzen für den einzelnen hinaus geht, wird überhaupt nicht erwähnt. Wenn bibliothekarische Lobbyarbeit schon über ökonomische Zahlenspielereien stattfinden soll, dann darf das auf keinen Fall verschwiegen werden.

  5. Fokus auf den Konsumenten
  6. Bibliotheken haben auch eine wichtige Rolle für die Partizipation am politischen, sozialen und kulturellem Leben. Wer am Geschehen teilhaben möchte, benötigt Informationen. An vieles kommt man inzwischen zwar auch ohne Bibliotheken, an andere aber auch nicht.

Selbst wenn man den Rechner als das nimmt, was er ist (nämlich als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit) müsste er meines Erachtens in einen größeren Kontext gestellt werden. Es sollten zumindest Informationen verlinkt werden, die auch den Nutzen erläutern, der über den für das Individuum hinausgeht.

Google und das Bibliothekswesen II

Kleiner Nachtrag zu Googles Liebesentzug für Bibliothekswesen. In der Librarian Central wurde, wie schon vermerkt, aufgrund der Diskussion in amerikanischen Blogs tatsächlich noch einmal geposted. Angekündigt wurde, dass ab sofort wieder ein Newsletter verschickt wurde. Die Reaktionen auf dieses Posting sind äußerst interessant. Hans meinte in den Kommentaren:

Come on guys, closing the blog and reverting to an od styl e-mail newsletter, and this from an innovative company like Google? I can’t be the only one who doesn’t get this.

Deftiger wird die Kritik in den Postings, die auf die Librarian Central verlinken.

Lattice of Coincidence:

A message from the Google! And it says… „go phokk yourselves“

John Adkins:

Librarians have long complained about Google’s lack of responsiveness on Google’s very own Librarian Central blog (styled „Your official source for Google tips, news, and updates.“) How dare they ignore us? Don’t they know we are the gatekeepers to the info highway? Well, today we got our answer.

The MLxperience:

The blog shut-down provides even more evidence that Google has been just using Librarians to merely increase their Book Project. Hmmph.

Rick Mason:

They could have kept the blog alive by posting the individual newsletter items one-by-one. They could have used the blog for items posted or discussed elsewhere, but posted there because of their interest to libraries. They could have opened things up a bit and asked for volunteers to coordinate topics and ideas for better incorporating Google into libraries. Any of these would have been about the same amount of work, and would have preserved or improved the dynamic and social aspects of the site. They backed away instead.

Im Absatz zuvor fühlt sich Mason durch den Medienwechsel RSS zu Mail ins Web 1.0 versetzt. Die Frage ist nun (und sie wurde irgendwo anders schon aufgeworfen, ich finde die Quelle leider nicht mehr): Geschah dies absichtlich, oder ist es bloße Mißachtung der BibliothekarInnen? Zumindest im anglo-amerikanischen Bereich gibt es doch mehr als ein paar Dutzend Bibliotheksmitarbeiter, die wissen, was RSS ist. Vielleicht waren es Google nicht genug, so dass nun für die unbeweglicheren unter den Kollegen auf Newsletter zurückgeschaltet wird?

Zumindest wäre das eine Erklärung. Es kann ja nicht viel aufwendiger als der Newsletter sein, einen einmal erstellten Text in ein Blog zu geben. Dass die Googles Library-Aktivitäten als gönnerhaftes Geschenk zu sehen ist, sollte nun klar sein. Wenn man sich bei Googles also ohnehin die Arbeit macht, dieses Geschenk zu basteln: Warum hat man die Form des Newsletters gewählt?

Ach ja, hier geht’s zur Juli-Ausgabe 2008.