DeepDyve: Nur gucken, nicht anfassen

Wer bislang dachte, die Onleihe hätte schon recht verschrobene Nutzungsbedingungen für elektronische Dokumente, der sollte sich einmal DeepDyve ansehen. Dort kann man Artikel mieten. Information Today beschreibt das so:

Rental means just that: DeepDyve is not selling articles for you to own. You can read the article on the screen. You can’t download it, you can’t use a screen capture, and you can’t print it. You can take notes from the article you’re viewing-but only with those old-fashioned devices, pencil (or pen) and paper. The viewer is Flash-based and is a proprietary system developed by DeepDyve. Park compares it with the YouTube viewer, which also prohibits you from downloading material.

Für 24 Stunden „nur gucken, nicht anfassen“ bezahlt man as little as $0.99. Wie dies dann aussieht, kann man bei den Open-Access-Artikel ausprobieren, die von DeepDyve bereitgestellt werden. Zum Beispiel dieser hier von Catriona MacCallum. Wenn ich nun aus diesem Artikel zitieren wollte, müsste ich die entsprechende Stelle abtippen.

Sollte dieses Angebot wider Erwarten erfolgreich sein, wüsste ich wirklich nicht, welche Lehren Bibliotheken daraus ziehen könnten. „Erfinde möglichst abstruse und restriktive Nutzungsbedingungen für elektronische Dokumente“ wäre die einzige Möglichkeit, die mir einfällt. Der einzige Punkt, mit dem Deepdyve punkten kann, ist der schnelle Zugriff auf Toll-Access-Ressourcen zu einem überschaubaren Preis. Könnte man sich bei einer großen deutschen Bibliothek mit umfangreichem E-Journal-Angebot so einfach anmelden und das Angebot dann auch so bequem aus der Ferne nutzen wie in der Koninklijke Bibliotheek, könnte DeepDyve hierzulande eigentlich gar kein Thema werden.

[via Librarian in Black]

Umfrage zu OpenDOAR und ROAR

The Centre for Research Communications and the University of Southampton would like your help in improving the repository services OpenDOAR (http://www.opendoar.org/) and ROAR (http://roar.eprints.org/). We want to know what our users would like to see in the future as developments in our services.

As you know, our services share some aspects in our work on analysing the world’s repositories, but exist as separate services with individual aims. ROAR has a focus on quantitative and statistical analysis of repositories and their holdings; OpenDOAR has a focus on qualitative analysis and policy and standards development.

We would appreciate it if as a user of OpenDOAR or ROAR, you would take a few moments to complete a survey, to help guide the development of both services for your needs.

Survey for OpenDOAR and ROAR Development – http://www.surveymonkey.com/s.aspx?sm=rsplng6%2flT0KYziYjAOy3w%3d%3d

Feel free to forward the URL to anyone you know who may be interested in contributing.

Welchen OA-Server hätten Sie gerne?

Eine hübsche kleine Service-Leistung liefert The Depot, ein Open-Access-Repository an der University of Edinburgh. Zum Depot:

The purpose of the Depot is to enable all academics worldwide to share in the benefits of open access exposure for their research outputs. The Depot is provided as an international facility geared to support the policies of universities and national funding agencies towards Open Access, aiding policy development in advance of a comprehensive institutional archive network.

Wer dort eine Publikation veröffentlichen will, bekommt (je nach IP-Netz) eventuell den jeweils lokal ansässigen Dokumentenserver vorgeschlagen. So sieht das aus:

Elinor Ostrom erhält Wirtschaftsnobelpreis

Elinor Ostrom erhält den Wirtschaftsnobelpreis, der ja eigentlich gar kein Nobelpreis ist. Was ihn nicht weniger renommiert macht. Und erwähnenswert in infobibschen Zusammenhängen ist dies, weil sich Ostrom mit commons beschäftigt, mit Gemeingütern. Und in diesem Zusammenhang widmet sie sich auch ausführlich den intellektuellen Gemeingütern, auch der Open-Access-Bewegung. 2008 gab sie Understanding Knowledge as a Commons heraus, zu dem auch der Open-Access-Pionier Peter Suber einen Beitrag lieferte.

Bei Wikipedia findet sich ein gerade rapide wandelnder Artikel über Ostrom.

Update: Via Commonsblog bin ich nun noch auf eine cc-lizensierte deutschsprachige Veröffentlichung mit Ostrom-Beteiligung gestoßen: in „Wem gehört die Welt“ (PDF) schreibt sie über „Gemeingütermanagement“.

Michael Roesler-Graichen zweifelt an Hybridpublikationstest

Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen zweifelt das Ergebnis des Ulmerschen Hybridpublikationstests im Börsenblatt schon mal prophylaktisch an:

Man wird allerdings nicht den Fehler machen dürfen und die Ergebnisse auf andere Publikationen übertragen wollen.

Bitte in den Kommentaren des Börsenblatts diskutieren!

Dezentrale OAIster-Alternative mit YaCy

In einer Mail an NGC4LIB, einer Mailingliste, in der das Ende des OAIster derzeit heftig debattiert wird, habe ich vorgeschlagen eine dezentrale Alternative mit YaCy aufzubauen.

A lot of people don’t seem to be very happy with OCLCs decision on OAIster. There’s a general problem with centralized services like OAIster. Too much can happen to that single service, and if it’s down it’s down. That’s why I thought about a distributed OA search for some time now and the OAIster decision gave reason to me to ask the YaCy [1] developer Michael Christen if YaCy could be used for such a search. To make it short: he’s quite optimistic.

Right now YaCy is not able to import data via OAI-PMH but that should be possible to realize. Of course there’s still some work to be done, for example the proper implementation of dublin core. On page 2 of http://yacy.net/material/YaCy_LT2009_Flyer_216x303.pdf (in German) you can find an example of the current possibilities of YaCy with dublin core. BTW: It’s SRU compliant.

We’d like to set up a Yacy instance as a proof of concept. In future it should be possible to cluster some of these instances to a large network of open access search engines. Just to mention the name of this mailing list: kind of a „next generation catalog for libraries“, I guess.

Opinions, anyone? Do you think a distributed OA search could be useful?

Kritik, Vorschläge und andere Äußerungen dazu bitte in die Mailingliste oder hier in die Kommentare. Gerne auch direkt per Mail. Hätte solch ein Projekt Zukunft? Was wären die Anforderungen?

OCLC stampft OAIster ein. Was tun?

Klaus Graf machte kürzlich darauf aufmerksam, was OCLC mit OAIster vorhat. Verständlicherweise brach ein Sturm der Entrüstung los. Nun beantwortet Roy Tennant zumindest einige der aufgetretenen Fragen. Ein paar der spannendsten Punkte:

Starting in October, the records will be freely discoverable along with all the other content in WorldCat.org. However, it will not be possible to limit a search to OAIster records alone.

[…]

Contributors of OAIster records can receive free access to the OAIster aggregation in FirstSearch by request. Contributors were recently contacted to offer them such access and many have already responded that they would like to have such access.

Only data providers that request that we not harvest their records will be removed from the aggregation. We feel strongly that one of the main benefits of OAIster has been the aggregation of records from the vast majority of repositories worldwide. Therefore, unless a repository denies us permission to harvest their records, we will seek to include them.

[…]

We are exploring options for machine access. Z39.50 access to OAIster is available to FirstSearch subscribers now, and we are considering whether additional options should be supported. The University of Michigan did not offer an OAI-PMH or Web Services interface, although they did offer an rsync option. Learning the needs of the community will help inform what we do in this area.

Eine höchst unbefriedigende Situation. Es spricht meines Erachtens nichts dagegen, dass der OAIster in irgendwelche OCLC-Produkte eingebunden wird, aber der OAIster oder ein adäquater Nachfolger sollte unbedingt erhalten bleiben. Ist das OCLCs verfrühter Beitrag zur Open-Access-Week?

Im Posting erklärt Tennant noch, wie kompliziert es sei, Metadaten per OAI-PMH zu harvesten. Vielleicht wäre es ja eine Aufgabe für einen oder mehrere Bibliotheksverbünde, eine Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, auf die andere Suchdienste aufbauen könnten. Konkret könnte das so aussehen, dass ein Server alle greifbaren Daten aggregiert, normalisiert und zum Beispiel per SRU (nur als Beispiel) durchsuchbar macht oder auch als komplettes Datenpaket zum Download anbietet. Das wäre wirklich ein Fortschritt für die Open-Access-Bewegung. Und der Ausfall einer Suchoberfläche kein Problem mehr, da ruckzuck eine weitere aufgebaut werden könnte.

Erst die Kontroverse über die OCLC-Policy, nun dies. Das Fazit kann nur sein, OCLC nicht mehr Verantwortung und Daten in die Hand zu geben, als unbedingt notwendig ist.

Antworten auf die Fragen der Hochschulrektorenkonferenz an ein paar Parteien zu Open Access

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) befragte ein paar Parteien unter anderem zu Open Access. Ich wiederum befragte daraufhin die HRK, da ich über die (höchst lobenswerte) Initiative der HRK berichten wollte. Ich erhielt zwar die Rückfrage, wer denn „Träger“ von Infobib ist, aber keine Antworten auf unter anderem folgende Fragen, die ich nun zum Teil selbst beantworten kann.

1. Werden Sie die Antworten veröffentlichen? Falls ja, wo?

Ja. Hier.

2. Wurde eine Frist gesetzt, bis zu der die Fragen beantwortet werden müssen?

Im Quelltext der Seite ist das DC.Date „13.09.2009 22:51:30“ angegeben. Also lief die Frist, wenn es denn eine gab, vermutlich vorher ab.

3. Um welche Parteien handelt es sich im Einzelnen?

Antworten sind nur von CDU und CSU (leider gemeinsam, obwohl da vielleicht interessante Unterschiede auszumachen wären), SPD, FDP, Grüne und Linke zu finden. Ob andere Parteien befragt wurden, ist nicht auszumachen.

Genug des Vorgeplänkels. Kommen wir nun zu direkt der für viele BibliothekarInnen vermutlich interessantesten Frage:

Unterstützt Ihre Partei die open-access-Strategie der Allianz im Wissenschaftsbereich und beabsichtigt sie den 3. Korb der Urheberrechts-Novelle in der nächsten Legislaturperiode umzusetzen?

CDU/CSU unterstützen die Ziele der Allianz und lässt Open Access dabei eine wichtige Rolle zu kommen. Die SPD sieht urheberrechtlichen Reformbedarf:

Bei der Prüfung eines dritten Korbes zur Novellierung des Urheberrechtes ist insbesondere zu berücksichtigen, wie das Prinzip eines freien und für die Nutzer im Regelfall kostenlosen Zugangs zu mit öffentlichen Mitteln produziertem Wissen (Open Access) auch in Deutschland festgeschrieben werden kann. Damit könnte die Chance eröffnet werden, dass auf der Grundlage des Open-Access-Prinzips innovative, attraktive und elektronischen Umgebungen und angemessene Organisations- und Geschäftsmodelle für Publikation und Distribution von Wissen entstehen, die auch Verlagen und der gesamten Informationswirtschaft neue Möglichkeiten zur Erschließung von Publikations- und Distributionsmärkten bieten.

Die FDP unterstützt Open Access ebenfalls. Und zwar ausdrücklich als ein Alternative zur herkömmlichen Publikation im Wissenschaftsbereich. Forderungen nach einer Beschränkung urheberrechtlicher Nutzungsrechte durch gesetzliche Eingriffe in das Urheberrecht der Autoren sieht die FDP allerdings kritisch. Dennoch macht sie sich eine für konsequente Weiterentwicklung des Urheberrechts auf nationaler wie auf europäischer Ebene stark.

Die Linke möchte einerseits eine Novelle des Urheberrechts mit dem Ziel, Open-Access-Veröffentlichungen zu vereinfachen. Sie möchte Total-Buyout-Verträge und Exklusivabtretungen begrenzen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Verhandlungen mit Verlagen stärken. Letztere sollen auf ihre eigentliche Rolle als Dienstleister orientiert werden. Die Linke setzt allerdings nicht nur auf juristische Handhabe:

Um die weitere Verbreitung von Open Access zu stärken, muss allerdings neben Veränderungen im Urheberrecht auch die Akzeptanz in der Scientific Community gesteigert werden.

Die Grünen wollen eine grundlegende Urheberrechtsreform, Flickschustereien wie in der Vergangenheit seien zu vermeiden.

Wir drängen in eine Richtung, die zuvorderst BürgerInnen, KünstlerInnen, ForscherInnen, Schulen und Universitäten nützt, nicht der Medien- und Geräteindustrie oder Verlagsgiganten.

Hier gibt’s alle Fragen im Überblick, hier die Open-Access-Frage inklusive Antworten. Die HRK bietet übrigens auch ein totes Forum an.

Matthias Kleiner und Roland Reuß zu Open Access und zum Heidelberger Appell

Harter Starker Tobak von Roland Reuß im Interview mit Forschung&Lehre, die einen Schwerpunktausgabe zu Open Access herausgebracht haben.

F&L: Sie meinen, die DFG gibt Gutachten mit Hinweis auf das gewünschte Ergebnis in Auftrag?

Roland Reuß: Ja, bei jemandem, der auch schon den englischen Open-Access-Publikationssektor schöngerechnet hat. Souveränität sieht anders aus. Offenheit und selbstkritisches Verhalten auch.

Reuß prophezeit auch, dass die OA-Initiative der Allianz der Wissenschaftsorganisationen am Grundgesetz scheitern wird. Ich bin gespannt auf die erste Verfassungsklage gegen das Max-Planck-Institut. Ansonsten wirft er mal wieder OA und Google in einen Topf. Man kann das nicht mehr mit Unkenntnis entschuldigen. Reuß sollte inzwischen wissen, wo die Unterschiede liegen. Ich bin auch müde, sie immer und immer wieder zu formulieren. Dazu Matthias Kleiner (DFG-Präsident) im zweiten F&L-Artikel zu OA:

Die Freiheit der Autoren ist durch Open Access nicht bedroht. Der „Heidelberger Appell“ hat leider sehr unglücklich, und wie ich finde auch unzulässig, die Debatten um die Google Book Search einerseits und um Open Access andererseits vermischt. Beim Open-Access- Publizieren geht es ausschließlich darum, dass Autoren als Urheber ihrer Werke den über das Internet für den Leser entgeltfreien Zugang zu ihren eigenen Schöpfungen gewähren. Somit entscheiden immer die Urheber über die Art und Weise einer Publikation.
Diesen ganz grundsätzlichen Punkt konnte ich inzwischen auch in einem Briefwechsel mit Vittorio Klostermann, der ja nicht nur Mit-Initiator des „Heidelberger Appells“, sondern auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger ist, klar stellen. Dadurch sind solche Missverständnisse für die Zukunft hoffentlich ausgeräumt.

Ein frommer Wunsch, der schon wegen der sturen Ignoranz der Heidelberger Missionare nicht in Erfüllung gehen wird.