SPD fordert Open Access auf Bundesebene

Saskia Esken, Mitglied des Bundestags für die SPD, erinnert auf ihrer Webseite daran, dass die aktuelle Bundesregierung eigentlich eine Open-Access-Strategie vorlegen wollte.

„Im Koalitionsvertrag haben wir uns darauf geeinigt, auf Bundesebene eine Open-Access-Strategie zu entwickeln, die die Rahmenbedingungen für einen effektiven und dauerhaften Zugang zu öffentlich finanzierten Publikationen und Daten verbessern soll – bislang hat das hierfür zuständige Ministerium aber hierzu keine Initiative erkennen lassen. Wir fordern das Bundesministerium für Bildung und Forschung daher auf, dies zügig nachzuholen“, erklärt Saskia Esken, Mitglied im Ausschuss für Bildung und Forschung sowie Berichterstatterin für Digitale Bildung und stellvertretende digitalpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag. „Eine solche Strategie ist auch ein wichtiger Baustein, damit Deutschland im internationalen Wissenschaftsvergleich wettbewerbsfähig und innovativ bleibt.“

Sie veröffentlichte nun ein Positionspapier der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion mit dem Titel Vorschläge und Forderungen der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion an eine moderne Open Access-Strategie (PDF). In diesem Papier sind 10 Anregungen und Forderungen formuliert. Unter anderem sollen Empfänger öffentlicher Fördermittel zu OA verpflichtet werden – ein längst überfälliger Schritt. Die Berliner Erklärung soll flächendeckend unterzeichnet werden und die Umsetzung der dort formulierten Ziele institutionell verankert werden. Darüber hinaus:

(6) Vorlage eines Konzepts zur bundesweiten Förderung einer einheitlichen Infrastruktur für die elektronische wissenschaftliche Kommunikation und zur Vernetzung der bestehenden Infrastrukturen zur Open Access-Publikation wie insbesondere von Repositorien. Darüber hinaus sind Anreize zu schaffen, existierende sowie geplante Angebote zu vereinheitlichen mit dem Ziel eines erleichterten Zugangs und eine befristete öffentliche Förderung von „Open Source“ Projekten zur Entwicklung von digitalen Gold Open Access Publikationsinfrastrukturen auf den Weg zu bringen.

(7) Förderung und Koordination von Aktivitäten zur Sicherstellung eines nachhaltigen und systematischen Zugangs zum übergreifenden Zugang zu Forschungsdaten und Entwicklung entsprechender förderpolitischer und rechtlicher Rahmenbedingungen; hierzu zählt auch der Aufbau von Plattformen, um dem wachsenden Informationsbedarf in Wissenschaft, Lehre und Forschung Rechnung zu tragen.

“Text and data mining” ist ebenfalls im Papier verzeichnet. Spannend ist der letzte Punkt:

(10) Durchführung einer regelmäßigen Konferenz zur Digitalisierung in der Wissenschaft mit dem Ziel, die Sichtbarkeit Deutschlands in diesem Zukunftsfeld zu steigern, Leuchttürme des digitalen Fortschritts in der Wissenschaft zu identifizieren und über „best practice“-Beispiele eine neue Dynamik in diesem Bereich zu entfachen.

Mir fehlt gerade ein wenig die Fantasie, wie solch eine Konferenz aussehen könnte. Kann jemand auf vergleichbare Veranstaltungen im Ausland verweisen?

QOAM: Quality Open Access Market

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Neues Tool zur Bewertung von wissenschaftlichen Fachzeitschriften:

Quality Open Access Market (QOAM) ist ein Tool, das WissenschafterInnen die Bewertung von über 17.000 Open-Access-Zeitschriften und konventionellen Zeitschriften mit Open-Access-Option ermöglicht.

Beispieltitel: Libreas und Informationspraxis.

Weitere Infos:

Gerestein, D. van ., (2015). Quality Open Access market and other initiatives: a comparative analysis. Liber Quarterly. 24(4), pp.162–173. DOI: http://doi.org/10.18352/lq.9911

Kritik an Altmetrics

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Erste Meldung:

Scholar urges delegates at conference in the Netherlands to use measures like Twitter to measure public engagement, rather than turning them into new metrics

Ähnliches Thema:

Open access papers ‘more likely to be cited on Twitter’

Articles that are free to view are also more frequently shared on Facebook, new research finds

Börsenvereins-Lobbyismus gegen Bibliotheks-Open-Access

Viele von Bibliotheken oder bibliothekarischen Organisationen verfasste Positionspapiere und Stellungnahmen zum Urheberrecht oder zu wissenschaftspolitischen Fragen sind sehr darauf bedacht, ausgleichende Positionen einzunehmen, Interessen anderer Parteien zu berücksichtigen und auf keinen Fall unmäßig zu wirken.

Dass andere Parteien ihre Interessen selbst formulieren und auch keine übertriebene Rücksicht auf Bibliotheken nehmen, kann man in diesem Schreiben (PDF) des Börsenvereins (Landesverband Nord) sehen.

Die […] erwähnte Mitwirkung der Hochschulbibliotheken bei der “freien und ungehinderten Verbreitung und Zugänglichmachung wissenschaftlicher Arbeiten (Open Access)” verstehen wir so, dass die Bibliotheken ausschließlich vorhandene OA-Angebote von Institutionen und Verlagen erschließen, nicht jedoch selbst OA-Initiativen ergreifen.

Lächerlich. Und ich hoffe, das wird vom Bibliothekswesen (Nord) gen Ministerium genauso kommuniziert.

[via @esteinhauer]

#DeleteAcademiaEdu und die Geschäftsmodelle

Academia.edu ist mächtig unter Beschuss, weil dort für eine käuflich zu erwerbende verbesserte Position in den seiteneigenen Artikelempfehlungen geworben wurde. Die akademische Gemeinschaft griff zu Heugabeln, Fackeln und Hashtags und ließ ihrem Unmut freien Lauf. Der Ursprung der Debatte ist im Chronicle of Higher Education zusammengefasst. Das Promotions-Angebot wurde per Mail an Scott F. Johnson herangetragen, der sich darüber öffentlich echauffierte.

Mr. Johnson, who has publicized seven books and almost two dozen articles and book reviews on Academia.edu, said he would never pay for his work to be recommended by the website, and he doesn’t believe many other scholars in the humanities would either.

Das kann man wohl so stehen lassen.

Dieses Promotionsangebot wirft für Academia.edu, ResearchGate, Mendeley und ähnliche Dienste eine Frage auf, nämlich die nach dem Geschäftsmodell. Wer bezahlt die schicke ResearchGate-Seite? Ich habe da aus beruflichen Gründen ein Profil, ebenso wie ich mal eines bei Academia.edu oder Mendeley hatte. Ich bezahle dort nichts, was ich auch nicht ändern werde. Nennenswerte Reichweite erziele ich durch ResearchGate nicht. Die Mails, das “mein Research im Fokus” sei und letzte Woche sensationelle 20 Leser angezogen hat, finde ich im Gegenteil eher erheiternd. Wenn AutorInnen nichts bezahlen, wer dann? Werbung ist mir dort nie unangenehm aufgefallen. Die paar Stellenanzeigen finanzieren vermutlich auch keinen Mitarbeiterstab von (laut Hoppenstedt) 120 Personen. Verfolgen diese Dienste also alle das Mendeley-Ziel, von großen Playern geschluckt zu werden? Thomson Reuters hat noch kein Wissenschaftsnetzwerk.

Academia.edu versuchte also, Geld über Promotionsangebote zu verdienen. Versuchte, Vergangenheitsform, weil das Angebot längst wieder eingestampft wurde. Die Aufregung darüber kann ich allerdings nicht verstehen. Wer Academia.edu (ResearchGate etc.) für einen Teil der offenen Wissenschaftscommunity hält, wird noch die eine oder andere Enttäuschung erleben müssen. Das sind Firmen, die müssen Geld verdienen. Das ist nichts Verwerfliches. Um eine offene und nachhaltige wissenschaftliche Infrastruktur zu schaffen, sind aber wissenschaftliche Institutionen gefordert, die dies selbst in die Hand nehmen müssen. Gerne mit Firmen als Dienstleistern.

PS: Kritik zu Academia.edu findet sich auch in Archivalia und auf Twitter unter dem oben schon verlinkten #DeleteAcademiaEdu. Die Kritik an diesen Diensten ist übrigens nicht gerade neu.

Fu-PusH-Statement-Finder

Mit dem Statement-Finder können Aussagen aus Interviews gesammelt und erschlossen werden, wie hier bei über 3000 Aussagen aus dem Fu-PusH-Projekt. Die einzelnen Tags (z.B. zu Bibliotheken und Empfehlungen) und Aussagen wie diese über die Notwendigkeit von Langzeitarchivierung in öffentlicher Hand sind einzeln verlinkbar.

Weitere Informationen zum Statement-Finder sind hier zu finden. Die Daten stehen unter CC-BY 3.0.

Neuer Open-Access-Fonds der Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft hat einen von TIB, ZB MED und ZBW gesteuerten Publikationsfonds eingerichtet. Bedienen können sich dort die 18.000 Mitarbeiterinnen in den Leibniz-Einrichtungen. Aus dem TIB-Blog (in dem sich noch viele weitere Infos dazu finden):

Die Förderbedingungen des Publikationsfonds ähneln den Kriterien, die für viele DFG-geförderte Publikationsfonds an Hochschulen gelten (auch den Förderkriterien des Publikationsfonds der Leibniz Universität Hannover). Ein wesentliches Kriterium ist die Beschränkung der Förderung auf Veröffentlichungen in Open-Access-Zeitschriften – eine Förderung von Open-Access-Optionen in Subskriptionszeitschriften („hybrid“) ist nicht möglich. Andere Kriterien beziehen sich auf die Qualitätsstandards der Zeitschrift und auf die Erteilung von Nachnutzungserlaubnissen für Repositorien (LeibnizOpen). Die Kosten für Open-Access-Artikel werden übernommen, wenn die Gesamtkosten 2.000 EUR nicht übersteigen. Liegen die Kosten höher, ist unter bestimmten Bedingungen eine anteilige Finanzierung mit Kostenbeteiligung von Autorin/Autor oder Institut möglich.

Für die 18.000 MitarbeiterInnen (davon 9.000 WissenschaftlerInnen) stehen im Fonds 200.000 Euro zur Verfügung.

Digitalisierung und Open Access im SPD-Grundsatzprogramm

Die SPD hat ein “Grundsatzprogramm für die digitale Gesellschaft” (PDF) veröffentlicht. Ab Zeile 726 heißt es:

Urheberrecht weiterentwickeln, Open Access fördern
Die Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen, bedeutet auch, das Urheberrecht zu modernisieren und weiterzuentwickeln. Notwendig sind ein bildungs- und forschungsfreundliches Urheberrecht und eine umfassende Open-Access-Politik. Durch ein unabdingbares Zweitverwertungsrecht muss der freie Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen im Internet systematisch gefördert und ausgebaut werden, insbesondere wenn Beiträge durch öffentliche Mittel gefördert wurden. Darüber hinaus braucht es eine allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht.

Umfassende Open-Access-Politik ist reichlich schwammig, zumal nirgendwo definiert wird, was darunter verstanden wird. Zur Digitalisierung ist ab Zeile 1222 folgendes zu lesen:

Nachhaltige Digitalisierungsstrategien von Kunst und Kultur stärken
Digitalisierungsstrategien und -konzepte müssen nicht nur die Sicherung und den Erhalt des kulturellen Erbes im digitalen Zeitalter schaffen, sondern auch die Authentizität und Wirkungsmächtigkeit von Kultur und Kunst stärken. Dies gilt nicht nur für Bildwerke wie Fotografie, Malerei und Film, sondern auch für alle weiteren Bereiche wie Museen und Parks, Architektur, Konzerte und Theater, die durch entsprechende digitale Zugangsformen wie virtuelle Rundgänge und digitale Information erfahrbar werden. Das trifft besonders für Archive und Bibliotheken zu, deren Erhalt als moderne, sozial offene Räume der kulturellen Kommunikation die Digitalisierung mit einschließen muss. Wir brauchen eine Stärkung der kulturellen und medialen Bildung, um das Authentische erfahren zu können. Zugleich müssen die Kultur- und Wissenseinrichtungen darin unterstützt werden, die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung auch nutzen zu können.

“Wir brauchen eine Stärkung” ist kein Programm, das ist eine Feststellung. Warum wird hier nicht klarer formuliert? “Angestrebt wird die Digitalisierung aller in öffentlicher Hand befindlicher Werke und ihre bedingungslose Veröffentlichung, sobald sie gemeinfrei sind.” Ja, das kostet viel Geld. Aber nur so wird eine notwendige Grundbedingung für wirkliche “Digitale Bildung” und Teilhabe geschaffen.

[via Heise.de]

De Gruyter, die ZLB und der Bibliotheksbärendienst

Eigentlich wollte ich zum Bibliotheksdienst nichts mehr schreiben. Viele andere vermutlich auch nicht. Adrian Pohl hat dies letztens aber getan, und zwar höchst lesenswert und unter dem hübschen Titel Bibliotheksbärendienst. Worum ging es?

Adrian wollte auf einen Artikel verlinken, den er selbst 2009 im Bibliothekdienst veröffentlicht hat. Er stellte dabei fest, das dieser Artikel nicht frei im Web verfügbar ist und stellte die Frage, ob die ZLB überhaupt das Recht hatte, die Nutzungsrechte an de Gruyter zu übertragen. Klaus Graf meint dazu: nein.

Adrian Pohl hat De Gruyter auch direkt gefragt und die Antwort in seinem Blog veröffentlicht. De Gruyter sieht sich im Recht  und verlangt für alte Bibliotheksdienst-Artikel satte 30 Euro.

Sehen wir es positiv und als ganz großartige Öffentlichkeitsarbeit für die inzwischen beachtliche deutschsprachige Open-Access-Landschaft im Bibliotheks- und Informationsbereich –   und das ausgerechnet in der Open Access Week!

Ich möchte hier einmal direkt zur Mitarbeit bei der Zeitschrift aufrufen, bei der ich mich selbst engagiere, der Informationspraxis. Und darauf hinweisen, dass es darüber hinaus noch  027.7, GMS Medizin, Bibliothek, Information, Libreas, O-Bib, Perspektive Bibliothek und die VÖB-Mitteilungen gibt. Und vielleicht noch andere, die ich gerade übersehen habe.

Wer offene Fachkommunikation befördern möchte – und nur offene Fachkommunikation ist in meinen Augen tatsächlich stattfindende Fachkommunikation – hat eigentlich keine Ausrede mehr. Egal, ob man sich mit der Schweizer Verbundlandschaft, mit Problemen beim Einsatz von Textvergleichsprogrammen zur vermeintlichen Plagiatsvermeidung, mit sozialer Bibliotheksarbeit, Anforderungen an einen Fachinformationsdienst, RFID in Bibliotheken oder mit Barrierefreiheit für Digitale Bibliotheken beschäftigt: Es gibt eigentlich kein Thema mehr, für das sich nicht ein Ort außerhalb der früher mal üblichen Zeitschriften finden würde. Schön wäre dann noch der Schritt weg von den sattsam bekannten Sammelbänden, die meist doch eh nur Artikelsammlungen sind, hin zu Themenschwerpunkten in OA-Zeitschriften.

Tl;dr: Kein Mensch braucht mehr den Bibliotheksdienst. Aber der Bibliotheksdienst braucht Menschen. Es werden sich in den nächsten Jahren mehr und mehr Menschen für die oben genannten Open-Access-Optionen entscheiden. Und dass der Bibliotheksdienst im Toll-Access-Knast steckt, ist erbärmlich.

“Zugänglich” bedeutet auch “verständlich”

Für den ersten Begriffsteil von “Open Access” gibt es im Deutschen oft Übersetzungsschwierigkeiten. Offen? Frei? Beim zweiten Begriffsteil ist man auf der sicheren Seite, selbst wenn man, wie hier im Telegraph, damit meint, dass Forschung auch verständlich und nicht nur erreichbar sein soll.

In eben diesem Beitrag des Telegraph wird gefordert, dass publizierte Forschung nicht nur zugänglich sein soll, sondern neben einem Abstract auch einen “People’s Paragraph” (“Volksabsatz”? Oder eher “Laienabsatz”?) beinhalten sollte.

A spokesperson for Research Councils UK, commented: “Relevance, trust, accountability and transparency are the cornerstones of the relationship between research and society. It is vital that the public have both access to the knowledge research generates and the opportunity to influence the questions that research is seeking to address.”

Ob sich dieser Absatz so schnell schreibt? Aber eine breite Verfügbarkeit und bessere Vermittlung wissenschaftlicher Forschung würde der Akzeptanz sicherlich nicht schaden. Und vielleicht auch dabei helfen, den teils aufgeblähten Wissenschaftsjargon ein wenig einzudämmen.

Hier geht’s zum Volltext der Erklärung des Research Councils UK (PDF).