Flachbildschirmrückseitenberatung und das Internet als gesellschaftliches Betriebssystem

Edlef Stabenau weist auf einen Vortrag von Gunter Dueck beim Bibliothekartag hin. Der ist zwar im Web nicht verfügbar, dafür aber ein Vortrag vom darauf folgenden Tag beim ZVEI:

“Die haben alles automatisiert, alles, nur das Buch noch nicht. Solange sind ihre Arbeitsplätze noch da. […] Dann kommt Traum oder Alptraum, wie man das will. Und dann [fragen die Bibliothekare]: “Was sollen wir denn machen?”

Dann sag ich: Das Wissen der Welt ist vertausendfacht. Ich hätte gerne sowas wie die Primärdaten und die Rohdaten aller Studien von allen wissenschaftlichen Sachen, oder EHEC-Studien oder sonstwas, möchte ich gerne im Internet haben. Und dann können wir darauf forschen. Dann suchen wir nicht mehr auf Texten, sondern auf Daten. Und dann hätte man doch ein hundertfach vervielfältigtes Feld für Bibliothekare. Die können die ganze Welt nochmal neu systematisieren. Und dann sagen sie: “Und wer soll das jetzt machen?”

Die 40 Minuten für den Vortrag lohnen sich. Das Bild ist nicht unbedingt erforderlich, man kann es also auch als Radio im Hintergrund laufen lassen.

Linked Open Data mit Sternchen

Daniel Dietrich machte in der Mailingliste des Open-Data-Networks auf das Linked Open Data Star Scheme aufmerksam. Es dient dazu, veröffentlichte Daten nach ihre Nachnutzbarkeit zu bewerten.

no star Web data
one star open Web data
two star open Web data
three star open Web data
four star open Web data
five star open Web data

Die Bewertungskriterien basieren auf den 5 LOD-Sternen von Tim Berners-Lee. Dies Schema lässt sich auch übertragen auf Open Bibliographic Data. Eine Erweiterung der Sterne um eine maschinenlesbare Fassung (z.B. mit rel-license) der Kriterien wäre allerdings wünschenswert.

Linked Open Data der UB Mannheim

Die UB Mannheim ist nach der Veröffentlichung ihrer Katalogdaten im letzten Jahr nun den konkreten Schritt gegangen, diese durch freie Lizenzierung tatsächlich nachnutzbar zu machen. Mehr dazu im Blog der UB Mannheim.

Warum das so ein wichtiger Schritt ist, erläutert Greg Grossmeier von der University of Michigan in seinem “Commitment to Compatibility”. Fazit:

By using the most compatible license available from Creative Commons, MLibrary enables efficient content creation. We make it possible for users to worry less about license incompatibility and permissions — and instead spend more time on the actual creation of quality content. We hope to see the positive influence of this throughout the local, national, and international library communities.

Es lohnt sich jedoch, das ganze Posting zu lesen.

Danke an Kai für den Hinweis!

Drei neue Empfehlungen des Wissenschaftsrats

Auf drei Empfehlungen des Wissenschaftsrats macht Wisspub aufmerksam.

Adrian Pohl analysiert eine Aussage aus den “Übergreifenden Empfehlungen”, die sich mit zwei verschiedenen Ansätzen der Metadatenbereitstellung beschäftigt: Linked Open Data vs. WorldCat, oder: Eine Alternative, die keine ist.

Am 3. Februar soll darüber hinaus eine Empfehlung zur “Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland” veröffentlicht werden.

Themen der Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft"

Netzpolitik.org macht auf die angekündigte Enquête-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” aufmerksam. Mitglieder werden je 13 Sachverständige und 13 Mitglieder des Bundestages sein:

  • 5x CDU
  • 3x SPD
  • 2x FDP
  • 2x Linke
  • 1x Grüne

Es sind verschiedene Themen angekündigt. Eine Auswahl:

  • Stärkung des Bewusstseins für den Wert geistigen Eigentums
  • Maßnahmen zur digitalen Sicherung des kulturellen Erbes und seiner Nutzung
  • Förderung der Medienkompetenz, Medienerziehung in Schule, Hochschule sowie Aus- und Weiterbildung
  • Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Wissenschaft
  • Strategien zur Überwindung der digitalen Spaltung (Digital Divide)
  • Initiativen zum freien Zugang zu den Ergebnissen staatlich finanzierter Forschung (Open Access)
  • Weiterentwicklung und Definition offener Standards und Normen
  • Weiterentwicklung der staatlichen Dienstleistungen (eGovernment)
  • Strategien für einen freien Zugang zu staatlichen Informationen (Open Data)

Auswahl und Hervorhebungen von mir, die komplette Liste entnehme man bitte dem Netzpolitik-Posting.

Trend Nr. 2 für 2010: Open (Government) Data / Linked Data

lod-datasets_2009-07-14

Christiane Schulzki-Haddouti nimmt mir die Worte aus dem Mund:

Open Data – so nicht nur mein Blick in die Kristallkugel – wird 2010 das große Thema werden und die Entwicklung des Internet in diesem Jahrzehnt wesentlich vorantreiben.

Und nicht nur die Entwicklung des Internets, auch gesellschaftliche, künstlerische und wissenschaftliche Entwicklungen können durch Open Data maßgeblich beeinflusst oder überhaupt erst ermöglicht werden. Infos zum Reinlesen gibt es z.B. hier von Lambert Heller. Dass sich auch Bibliothekswesen damit beschäftigen müssen, sollte spätestens nach dem Durchklicken dieser Vortragsfolien von Anne Christensen klar sein:

Kein Open-Data-Vortrag auf dem Bibliothekskongress

Zeitgleich wurde von Anne Christensen, Patrick Danowski und Adrian Pohl auf den Blogs Netbib, Bibliothek 2.0 und mehr und Übertext ein Posting veröffentlicht, in dem die Bedeutung von Open Data fürs Bibliothekswesen ebenso beschrieben wird wie das Unverständnis darüber, dass gleich zwei Vorträge zu diesem Thema für den Bibliothekskongress 2010 abgelehnt wurden.

Gespannt erwarten wir das Programm, um zu sehen welche Themen BID Deutschland für wichtig und innovativ hält.

Da bin auch ich gespannt. Normalerweise vermute ich nur überhebliches Heulsusentum hinter Postings mit dem Tenor “warum wurde mein Vortrag/Paper abgelehnt” oder “skandalöserweise wurde meine tolle Arbeit zu diesem Thema nicht zitiert”. Dies ist hier jedoch nicht der Fall. Vielmehr vermute ich, dass den inhaltlich für den Bibliothekskongress Verantwortlichen entweder die Relevanz des Themas nicht klar ist, oder sie gar nicht wissen, worum es genau geht.