Lobbyisten der CDU: Die fehlenden üblichen Verdächtigen

Kürzlich schrieb ich hier über die veröffentlichte Liste von Lobbyisten im Bundestag:

Sehr verwunderlich ist, dass weder Bertelsmann noch Axel Springer auf der Liste zu finden sind. Die Organisationen, denen die Unionsparteien einen Hausausweis gegönnt haben, sind in der Liste aber auch nicht enthalten.

Auf Spiegel Online ist die vollständige Liste (PDF) inklusive eines Begleitartikels nun zu finden. Natürlich sind Axel Springer und Bertelsmann, neben zahlreichen anderen von der CDU mit einem Hausausweis versorgten Firmen und Verbänden, nun aufgeführt.

#bibtag16: Abgelehnte Bibliothekstag-Vorträge als Webcast

Felix Lohmeiers Einreichung für den Bibliothekstag 2016 wurde abgelehnt. Seine Reaktion:

Interessanter Beitrag abgelehnt? Wie wär’s mit einer Webcast-Serie für abgelehnte Beiträge zum #bibtag16? #reject https://pad.okfn.org/p/bibtag16-reject

Fantastische Idee, und das Programm liest sich schon recht spannend. Bis zum 30.11.2015 können noch „Einreichungen“ eingetragen werden. Ich freue mich auf interessante Vorträge!

Hauschke/Liventsova: Erstellung wiederverwendbarer RDF-Geodaten mit Google Refine

Gemeinsam mit Elena Liventsova habe ich meinen ersten Informationspraxis-Artikel veröffentlicht: Erstellung wiederverwendbarer RDF-Geodaten mit Google Refine.

Abstract:

Das Forschungsinformationssystem VIVO bietet als Linked-Data-basiertes System die Möglichkeit, Daten aus anderen Quellen wiederzuverwenden. In der Praxis kann man dabei auf Konvertierungsprobleme stoßen. Oft liegen Daten nur in tabellarischem Format vor, z.B. als CSV-Datei. Zur Konvertierung dieser Daten existieren verschiedene Werkzeuge, viele dieser Werkzeuge erfordern jedoch entweder spezielle technische Umgebungen (oft Linux-Systeme) oder sie sind in der Bedienung sehr anspruchsvoll. Im Artikel wird ein Workflow für die Konvertierung von Daten aus GeoNames für VIVO mit Google Refine beschrieben.

Das Ergebnis des beschriebenen Vorgangs wurde schon hier im Blog erwähnt und ist auf Zenodo und auf Github zu finden.

Es war übrigens sehr aufschlussreich, den Informationspraxis-Veröffentlichungsprozess einmal aus Autorensicht zu erleben. Und nun kann ich die Veröffentlichung dort auch als Autor durchaus empfehlen – was vermutlich niemanden überraschen wird. Das nicht-anonyme Peer Review empfand ich als sehr konstruktiv. Schwächen des Artikels konnten behoben werden, und dadurch, dass die Begutachtung nicht anonym war, konnten direkte Rückfragen die Bearbeitung des Artikels erheblich beschleunigen. Meine Erfahrungen decken sich an dieser Stelle mit dem Feedback, dass wir bislang von anderen AutorInnen bekommen haben. Wer das auch erfahren möchte: hier geht es lang!

Europäischer Fotowettbewerb der Wissenschaften 2015

Ohne die Europäische Wissenschaft ist die Europäische Kultur unvorstellbar. Es reicht nicht, einfach nur darüber zu reden. Es muss auch gezeigt und gelebt werden. Um dies zu erreichen ist es ein Muss das alles mit der Kamera einzufangen und zu teilen. Deswegen ist es wichtig einen Fotowettbewerb der Wissenschaften zu haben. Der erste Wettbewerb dieser Art wird im November 2015 stattfinden.

Hier geht es zum Europäischen Fotowettbewerb der Wissenschaften 2015 auf Wikipedia/Wikicommons.

Vielbefragter Wikidata Query Service

Die Nutzung des Wikidata Query Service ist seit einigen Tagen um ein zigfaches gestiegen, wie man der entsprechenden Monitoring-Seite entnehmen kann. Die Ursache ist anscheinend noch unklar. Vielleicht ein amoklaufendes Skript oder ein Dienst, der Wikidata produktiv eingebaut hat? Bemerkenswert ist allerdings, dass man als Normalnutzer nichts davon mitbekommt. Ein Lob an die Admins, deren betreute Infrastruktur diese Explosion einfach so auffängt.

[via Wikidata-List]

Bibliothek in Moskau gestürmt, Leiterin verhaftet

In Moskau wurde die Bibliothek für Ukranische Literatur(?) gestürmt, weil dort anti-russische Propaganda vorzufinden sei. Natalia Sharina, Leiterin der Bibliothek, wurde verhaftet. Nach der zur Zeit einzigen von mir gefundenen deutschsprachigen Quelle zu diesem Vorgehen auf Euronews.com:

Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Bibliothek stürmten etwa 15 Polizisten die Räume am Donnerstagmorgen und nahmen die Direktorin Natalya Sharina fest. Sie wird beschuldigt, “auf nationaler Grundlage Hass und Feindseligkeit” entfacht zu haben.

International finden sich zahlreiche weitere Quellen:

Weniger Sammelbände, mehr Zeitschriftenartikel

Adrian Pohl hat einen dritten Beitrag zum Bibliotheksbärendienst veröffentlicht, in dem er unter anderem einen Absatz zur offenen Fachkommunikation von mir zitiert. Den letzten Satz möche ich noch einmal hervorheben:

Schön wäre dann noch der Schritt weg von den sattsam bekannten Sammelbänden, die meist doch eh nur Artikelsammlungen sind, hin zu Themenschwerpunkten in OA-Zeitschriften.

Es ist wirklich schade, dass viele sehr gute und interessante Beiträge in Sammelbänden erscheinen, wo sie höchstens zufällig gefunden werden. Zwar werden diese inzwischen deutlich besser erfasst und suchbar gemacht. Aber generell gilt immer noch: Statt sein wissenschaftliches Werk als Buchkapitel zu publizieren, könnte man es genauso gut in einem Loch im Garten vergraben.

Lobbyisten im Bundestag und im Innenministerium

Thomas de Maizières Innenministerium erhielt eine Mail von Peter Clever (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) zu einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung über „Ökonomie und Gesellschaft – Zwölf Bausteine für die schulische und außerschulische Bildung“. Der Rest der Geschichte hat es zu Recht schon in die Wikipedia geschafft:

„Mit viel Einsatz“ (Der Spiegel) verhinderte Peter Clever, dass eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung „Ökonomie und Gesellschaft“ vertrieben wird. Der Band enthält zwölf von unterschiedlichen Autoren geschriebene „Bausteine für die schulische und außerschulische politische Bildung“ und wurde im Februar 2015 veröffentlicht. Im Juni 2015 schrieb Clever dem Bundesinnenministerium, dem die Bundeszentrale formal untersteht, einem fünfseitigen Brief und äußerte sein „Befremden“ über die Publikation, da dass freie Unternehmertum dort zu schlecht wegkäme. „Die in Ihrer Publikation transportierten ideologischen und voreingenommenen Anschuldigungen kennen wir aus interessierten Kreisen schon länger. Dass sie nun aber durch die Bundeszentrale für politische Bildung verbreitet und empfohlen werden, ist skandalös und nicht hinnehmbar.“ Das Buch entspreche „einseitiger Propaganda gegen die Wirtschaft“. Clever bat darum das Buch aus dem Vertrieb zu nehmen, was das Innenministerium unter Thomas de Maizière (CDU) dann auch veranlasste.

Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie zeigte sich schockiert, der wissenschaftliche Beirat der BpB befasste sich mit dem Fall und votierte mit großer Mehrheit für eine Aufhebung des Vertriebsverbotes.

Mehr Infos sind im zitierten Spiegel-Artikel zu finden, der den Artikel schlüssig beendet:

Besonders echauffiert hatte sich Arbeitgeber-Geschäftsführer Clever in seinem Brandbrief übrigens über das Kapitel zum Thema Lobbyismus. Es werde ein „monströses Gesamtbild von intransparenter und eigennütziger Einflussnahme der Wirtschaft auf Politik und Schule gezeichnet“, schrieb er darin.

Vielleicht ist ja auch der Versuch des BDA, ein Wirtschaftsbuch aus dem Verkehr zu ziehen, künftig ein gutes Beispiel für den Unterricht.

Ein gutes Beispiel für den Unterricht ist auch die kürzlich von Abgeordnetenwatch veröffentlichte Liste von 607 Konzernen, Lobbyverbänden und Organisationen mit Bundestagshausausweis:

Neben vielen Organisationen, die man dort erwartet hätte, sind auch ein paar Überraschungen zu finden. Zum Beispiel die Universiäten Bielefeld und Duisburg-Essen. Die Max-Planck-Gesellschaft ist vertreten, Helmholtz, Leibniz und Fraunhofer nicht. Der DBV übrigens auch nicht. Sehr verwunderlich ist, dass weder Bertelsmann noch Axel Springer auf der Liste zu finden sind. Die Organisationen, denen die Unionsparteien einen Hausausweis gegönnt haben, sind in der Liste aber auch nicht enthalten.

RFC: Open-Data-Aktionsplan des Bundes

Der Open-Data-Aktionsplan des Bundes geht in die dritte Runde:

Der Entwurf des Fazit-Berichts ist fertig und steht zur Diskussion. Jetzt sind Sie gefragt, sich einzubringen und den Umgang mit Open Data auf Bundesebene mitzugestalten.

Der hier zur Diskussion gestellte Fazit-Bericht beleuchtet den Prozess und fasst Erkenntnisse und Ergebnisse zusammen. Bitte bewerten und kommentieren Sie ihn. Bringen Sie Ihre Perspektive ein und sagen Sie uns, wo wir noch nachbessern können oder ob wir noch etwas vergessen haben. Ihr Feedback wird in den Bericht einfließen und zur Weiterentwicklung des Open Data Aktionsplans genutzt.

Diese Diskussion läuft bis zum 6. November 2015.