Gewinner des "WissensWert"-Wettbewerbs

Via Heise.de:

Der Verein Wikimedia Deutschland hat die Gewinner seines Ideenwettbewerbs „WissensWert“ bekannt gegeben. Aus den 93 Ideen und Projektvorschlägen zur Förderung freien Wissens, die seit dem Start der Aktion Mitte September bis Mitte Oktober eingegangen sind, hat die fünfköpfige Jury acht ausgesucht, die kommendes Jahr mit bis zu 5000 Euro unterstützt werden sollen.

Unter den Gewinnern befindet sich unter anderem Jan-Christoph Borchardt mit seinem Vorschlag für ein Verzeichnis freier Projekte:

Es gibt viel freies Wissen, nur wenige die _das_ wissen. Die größte Barriere freier Software, Musik, Produkte und vielem mehr ist deren Bekanntheit.

Es fehlt eine Webseite, auf der all diese Dienste kategorisiert und beschrieben sind. Ein bisschen wie http://alternativeto.net, allerdings nicht nur für Software und nur für freie / offene.

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV)

CC: BY-NC-SA von Vollefolklore
CC: BY-NC-SA von Vollefolklore

So wie es aussieht, wird der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) tatsächlich am 1. Januar in Kraft treten. Jugend und Schutz, das klingt ja immer erstmal toll und lobenswert. Faktisch ist es jedoch ein hanebüchener gefährlicher Irrsinn, dem sich so ziemlich alle Parteien über den 5%-Hürden angeschlossen haben. Die Konsequenzen für Bibliotheken, Blogger und so ziemlich alle, die Inhalte irgendeiner Art im Web zur Verfügung stellen, könnten enorm sein. Da zur Zeit nahezu überall darüber berichtet wird, verlinke ich hier nur ein paar wenige Quellen. Von dort aus findet man schnell weitere Infos. Ansonsten einfach nach „JMStV“ suchen.

Lesen! Überlegen, was das für Konsequenzen haben wird! Den Verantwortlichen Bescheid geben. Auch wenn Linus Neumann wider das große Blogschließen wegen des JMStV argumentiert: ob Infobib 2011 noch existieren wird, steht in den Sternen. Die drohenden finanziellen und rechtlichen Konsequenzen des JMStV sind bei der mit Sicherheit folgenden Abmahnwelle für Privatpersonen nicht zu tragen. Und Öffnungszeiten per Cronjob sind auch keine Alternative.

Vielleicht kommt ja jetzt mal etwas von den Bibliotheksverbänden, die sich ja sonst gerne gegen Zensur und für Meinungs- und Informationsfreiheit äußern?

PS: Kleines Fünkchen Hoffnung(?) ist die eventuelle Nichtzustimmung der Grünen in NRW.

Europas Medien-Gewerkschaften fordern Zensurmaßnahmen

Nicht einmal einen Monat ist es her, da forderte Ver.di in einem Positionspapier die Einrichtung einer Zensurinfrastruktur. Die bei Verkündung solch gefährlichen Unsinns zu erwartende Protestwelle (hier nur mal 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 Beispiele) fegte durch Blogs und 1-2 andere Medien. Ver.di fühlte sich mißverstanden.

Nun jedoch wird nachgelegt. UNI-Europa, die europäische Sektion des internationalen Dachverbands der Gewerkschaften des Medien- und Unterhaltungssektors (UNI-MEI) hat ein Konsultationspapier (PDF) verfasst, dass von Markus Beckedahl drüben bei Netzpolitik.org folgendermaßen zusammengefasst wird:

Im Grunde kann man das Papier auf die zentrale Forderung reduzieren: Totalüberwachung jeglichen Netzverkehrs mit Hilfe von Deep-Packet-Inspection-Technologien zur Filterung von Urheberrechtsverletzungen.

Ver.di ist nicht nur Mitglied von UNI-Europa, sondern stellt mit Heinrich Bleicher-Nagelsmann auch eins von drei Mitgliedern im Executive Commitee (PDF). Vor diesem Hintergrund muss man die folgende Stelle aus dem Konsultationspapier lesen, das also zumindest in der Mitverantwortung eines hochrangigen Ver.di-Funktionärs entstand:

Any definition of “non-discrimination” and “reasonable network management” should permit Internet service providers to use all available tools in a competitively neutral manner to detect and prevent the illegal up- and downloading of copyrighted works. Just as reasonable network management practices today are employed to improve the quality of service to end-users (for example to block viruses), they should be permitted to block content distributed in violation of copyright. Net neutrality policies should promote the responsibility of Internet service providers and stipulate requirements regarding network management to tackle unauthorised use of protected works over the Internet. Requirements should include notifications of end-users who try to access copyright-infringing material. Following such notification, appropriate steps to block access to that content should be permitted.

As long as these steps are implemented in an impartial manner, end-users should be able to view all lawfully distributed content of their choice. With respect to such procedures end-users should be informed of their rights and transparency be guaranteed. However the disclosure of specific tools or processes used to screen for stolen material should not be required. Excessive disclosure could undermine efforts to effectively combat the growth of unauthorised use of protected content over the Internet.

Hervorhebung von mir. Mehr Informationen zu den Hintergründen, auch zur schizophrenen Positionierung von Ver.di in dieser Frage gibt es bei Netzpolitik und im Blog der Digitalen Linken.

Nur zur Erinnerung: Ver.di ist die Gewerkschaft, die sich auch für die Mitarbeiter von Archiven, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen zuständig fühlt. Im Code of Ethics (PDF) des BID findet sich zur Zensur folgende Formulierung:

Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

Wenn der CoE kein Feigenblatt sein soll, müssen sich die Verbände zu diesem Ver.di-Vorstoß äußern. Aber auch Ver.di selbst sollte sich hinterfragen.

In Marokko erstellte die Gewerkschaft der Nationalen Presse eine Liste der gegen Pressefreiheit begehenen Verletzungen und Schwierigkeiten der Journalisten bei Ausübung ihrer Arbeit.

So ist es in den Maghreb-Nachrichten zu lesen. In Europa gehen die Gewerkschaften nun einen anderen Weg und bereiten solche Verstöße gegen die Pressefreiheit selbst vor. Auch aus der Gewerkschaftsgeschichte sollten die Gewerkschaften eigentlich eine klare Lektion ziehen können und jede Zensur ermöglichende Infrastruktur ablehnen. Gestern waren es Kinderpornos, heute Urheberrechtsverletzungen, morgen vielleicht Aufrufe zu Demonstrationen?

Wertvolle TIB/UB Hannover

TIB/UB Hannover, CC: BY-SA von Manfred Nowak
CC: BY-SA von Manfred Nowak

Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka zeigt sich beeindruckt vom volkswirtschaftlichen Nutzen der TIB /UB Hannover. Wie einer Pressemitteilung der Bibliothek zu entnehmen ist:

Aus jedem Euro öffentlicher Finanzierung generiert die TIB 3,80 Euro Mehrwert. Damit schafft sie für ihre Kunden einen 3,8 Mal höheren Nutzen als sie kostet. Aus 23 Millionen Euro jährlicher Förderung erwirtschaftet die TIB 87 Millionen Euro für die deutsche Wissenschaftsgesellschaft.

Errechnet wurde der Wert mit Hilfe der Contingent-Valuation-Methode. Die vollständige Studie ist als PDF verfügbar.

Update am 26. November: Ich wurde gerade aus der TIB informiert, dass die Studie nur die TIB betrifft, nicht den die /UB Hannover. Obwohl nur die TIB untersucht wurde, halte ich den Rest der TIB/UB Hannover dennoch für wertvoll und belasse es daher bei der bisherigen Überschrift.

Du wolltest zur Website der Universitätsbibliothek Leipzig?

Beate Rajski verweist in Netbib auf eine gelungene Aktion des Leipziger StudentInnenrates. Wollte man die Webseite der Leipziger UB aufrufen, wurde man auf eine Informationsseite weitergeleitet, auf der sich folgender Infotext findet:

Bereits in diesem Jahr fehlen der Uni-Bibliothek 700.000€. Die Folge der jetzigen und folgenden Einsparungen sind ein geringerer Etat für den Erwerb von Monographien und für die Bestellung von Zeitschriften. Aufgrund der fachspezifischen Anforderungen ist eine gerechte Verteilung der Fehlbeträge kaum möglich. Vor allem in den Naturwissenschaften werden Datenbanken für Studium und Forschung gebraucht. Diese Datenbankabonnements laufen zumeist über mehrere Jahre und können im Gegensatz zu Zeitschriftenabonnements oftmals nicht sofort abbestellt werden. Dadurch sind zur Zeit vor allem die Geisteswissenschaften von den Einsparungen und Kürzungen betroffen. In Zukunft wird es aufgrund der Fehlbeträge der Bibliothek weniger möglich sein ein konstantes Angebot für alle Studierende und BibliotheksnutzerInnen zu bieten. Die Finanzierung der 24h-Campusbibliothek für die kommenden Semester steht ebenfalls in Frage. In allen Standorten der Universitätsbibliothek wird es wahrscheinlich weniger Personal und somit weniger Beratungsangebot geben. Zusammengefasst lässt sich sagen: Das selbstständige Lernen in Bibliotheken wird durch die Kürzungen in ihrer jetzigen Qualität nicht erhalten werden können.

Dörte Böhner hat ein Video bei Youtube eingestellt, dass die Umleitung demonstriert:

Mehr Infos zu dieser hoffentlich zu dieser Aktion gibt es auch bei Bibliothekarisch.de.

Ver.di fordert Zensurinfrastruktur

Matthias Spielkamp über Ver.di (auch zuständig für Archive, Bibliotheken, Dokumentationseinrichtungen):

Die Gewerkschaft Verdi fordert, Internetnutzer per „Warnhinweis“ davon abzuhalten, Urheberrechte zu verletzen, und ein Ordnungsgeld zu verhängen, sollten sie es dennoch tun. Dazu müsste die Internetnutzung aller Bürger überwacht werden.

Ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske hielt übrigens kürzlich noch eine Rede bei der Demonstation „Freiheit statt Angst“, die sich gegen staatliche Überwachung richtete. Bsirske selbst wurde Opfer der Überwachung durch die Telekom und fand, dies

heimliche Abhören und Ausspähens eigener Mitarbeiter, von Betriebsräten und Journalisten sei „durchaus mit Stasi-Methoden vergleichbar“

Wenn alle abgehört werden (können), ist das wohl etwas anderes. Oder aber, und das ist wahrscheinlicher, das Papier wurde von Gutmeinenden und Ahnungslosen geschrieben.

Mehr dazu u.a. bei Netzpolitik.org, wo auch das Positionspapier (PDF) selbst verfügbar ist.

Gartner: 10 Strategic Technologies for 2011

Gartner Identifies the Top 10 Strategic Technologies for 2011

  1. Cloud Computing
  2. Mobile Applications and Media Tablets
  3. Social Communications and Collaboration
  4. Video
  5. Next Generation Analytics
  6. Social Analytics
  7. Context-Aware Computing
  8. Storage Class Memory
  9. Ubiquitous Computing
  10. Fabric-Based Infrastructure and Computers
Glaskugel by Eva K. (CC: BY-SA)
Glaskugel by Eva K. (CC: BY-SA)

Zwei Open-Data-Links

  1. Der elektrische Reporter berichtet über das Open (Government) Data.
  2. Lorentz Matzat schreibt neuerdings den (bzw. im) Open-Data-Blog der Zeit.

Gerade die Zeit hat das Thema in den letzten Wochen häufiger behandelt. Es ist eindeutig ein Trendthema. Hoffentlich bleibt es so beliebt und vieldiskutiert, bis der Ansatz auch in großen Teilen der Behördenpraxis Einzug gehalten hat.