Norbert Lammert über zu Guttenberg

Norbert Lammert über Ansehen und Anstand in der WDR-Mediathek (zumindest bis zur Depublizierung) ab ca. 4:30:

„Die Presseerklärung, die Karl-Theodor zu Guttenberg am vergangenen Freitag gegeben hat, war jedenfalls kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung“, sagte Lammert am Dienstag im WDR-Fernsehen. „Ich kann mir seinen Auftritt (…) nur so erklären, dass ihm zum damaligen Zeitpunkt das Ausmaß der Schlampigkeit nicht klar war, mit der die Arbeit verfasst und eingereicht worden ist.“

Zitiert nach Handelsblatt. Was anderes ist dies, als der recht direkte Vorwurf, dass Guttenberg seine Arbeit nicht selbst verfasst hat?

Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland

Die Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland (PDF) sind nun veröffentlicht. Gefordert wird ein Wechsel weg von den regional ausgerichteten Strukturen. Insgesamt sei das jetzige System nicht effektiv. Die auf den ersten Blick wichtigsten Passagen aus der dazugehörigen gemeinsamen Erklärung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates zur Zukunft der Bibliotheksverbünde als Teil einer überregionalen Informationsinfrastruktur in Deutschland:

3 – Im Gesamtsystem der Verbünde sollte zukünftig eine primär funktional und verbindlich koordinierte Arbeitsteilung entwickelt werden. Dienste sollen verbundübergreifend in einer modernen technischen Architektur offener Systeme zentralisiert angeboten und, wenn sachlich geboten, mit einem regionalen Betrieb kombiniert werden.

Offene, zentral angebotene Dienste. In Teilen ist dies ja schon der Fall. So steht zum Beispiel das OPUS-Hosting des BSZ auch Bibliotheken außerhalb des BSZ offen.

4 – Mit einer Integration bislang regional geführter Kataloge und Dienste auf nationaler und internationaler Ebene sollen Redundanzen und eine heute so nicht mehr benötigte Komplexität der Verzeichnungsstrukturen vermieden werden.

Kann man als Plädoyer für zentrales Indexhosting betrachten, wie es auch hier diskutiert wird.

5 – Die Verbünde sollten mit ihren überregionalen Serviceanteilen in eine zukünftige bundesweite Koordination von Informationsdienstleistungen integriert sein. Dies schließt internationale Kooperationen ein.

6 – Für die Koordinierung des zukünftigen Verbundsystems ist ein Strategie- und Steuerungsgremium erforderlich, das für die Umsetzung der einzelnen Schritte im gesamten System über die erforderlichen Kompetenzen verfügt.

Hier wird es äußerst spannend. Was für ein Gremium soll das sein? Kompetenznetzwerk für Bibliotheken? Das Deutsche Bibliotheksinstitut gibt es ja nicht mehr. DNB?

9 – Mit dem intendierten Systemwechsel von einer primär regional zu einer funktional organisierten Verbund- bzw. Dienstleistungsstruktur wird eine leistungs- und zukunftsfähige überregionale
Informationsinfrastruktur für Wissenschaft und Forschung nachhaltig ausgebaut und
gesichert.

Wenn die Aufgaben zwischen den Verbünden nun nicht mehr nach Regionen verteilt sind, ist ein Hauen und Stechen bezüglich der zukunftsträchtigsten Aufgaben zu befürchten.

Drei neue Empfehlungen des Wissenschaftsrats

Auf drei Empfehlungen des Wissenschaftsrats macht Wisspub aufmerksam.

Adrian Pohl analysiert eine Aussage aus den „Übergreifenden Empfehlungen“, die sich mit zwei verschiedenen Ansätzen der Metadatenbereitstellung beschäftigt: Linked Open Data vs. WorldCat, oder: Eine Alternative, die keine ist.

Am 3. Februar soll darüber hinaus eine Empfehlung zur „Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland“ veröffentlicht werden.

Offener Brief des Direktors der Bibliotheca Alexandrina

Ismail Serageldin, Direktor der Bibliotheca Alexandrina, hat einen offenen Brief zur politischen Situation in Ägypten verfasst:

To our friends around the world: The Events in Egypt
30 Jan 2011

The world has witnessed an unprecedented popular action in the streets of Egypt. Led by Egypt’s youth, with their justified demands for more freedom, more democracy, lower prices for necessities and more employment opportunities. These youths demanded immediate and far-reaching changes. This was met by violent conflicts with the police, who were routed. The army was called in and was welcomed by the demonstrators, but initially their presence was more symbolic than active. Events deteriorated as lawless bands of thugs, and maybe agents provocateurs, appeared and looting began. The young people organized themselves into groups that directed traffic, protected neighborhoods and guarded public buildings of value such as the Egyptian Museum and the Library of Alexandria. They are collaborating with the army. This makeshift arrangement is in place until full public order returns.

The library is safe thanks to Egypt’s youth, whether they be the staff of the Library or the representatives of the demonstrators, who are joining us in guarding the building from potential vandals and looters. I am there daily within the bounds of the curfew hours. However, the Library will be closed to the public for the next few days until the curfew is lifted and events unfold towards an end to the lawlessness and a move towards the resolution of the political issues that triggered the demonstrations.

Google verstümmelt Auto-Complete

Wer nach einem Torrent für die neueste Linux-Distribution sucht, wird neuerdings nicht mehr von der Auto-Complete-Funktion unterstützt. Wie Switched berichtet, werden Begriffe wie „Torrent“ oder „Bittorrent“ nun blockiert. Andere Beispiele geblockter Begriffe (aus der englischsprachigen Google-Version), unter anderem:

  • „Pamela Anderson“ (though „Pam Anderson“ works)
  • „bisexual“
  • „women rapping“
  • „babes in toyland“
  • „white power“
  • „i hate“
  • „fuchsia“

Rappende Frauen und Fuchsien? Darauf einmal die nicht rappenden Babes in Toyland und noch einmal Babes in Toyland:

Japaner lesen in vollen Zügen

In der NZZ vom 19.1.2011 ist der Artikel „In vollen Zügen“ über den Japanischen Buchmarkt erschienen. Japaner lesen viel! Dies hängt u.a. auch mit den langen Pendelstrecken zusammen. Spannend finde ich, dass sich das gedruckte Buch neben dem Handy weiterhin sehr gut behauptet. Und jährlich werden über 100 Literaturpeise verliehen.

Bibliotheksverbände verschweigen Wikileaks

Peter Mayr hat in seinem Blog Ethik von unten die Wikileaks-Resolution der ALA aufgegriffen. Zu den Reaktionen anderer Bibliotheksverbände schreibt er:

Übrigens ist die ALA nicht die einzige Bibliotheksorganisation die sich zum Fall WikiLeaks geäussert hat, auch die Norwegischen Bibliotheksverbände haben ein Statement veröffentlicht.

Im BID gibt es ja die Arbeitsgruppe „Bibliothek und Ethik“, die in Ihrer Selbstbeschreibung meint „Die Arbeitsgruppe soll ferner auf aktuelle Konfliktfälle und Kontroversen allgemeiner Art reagieren.“ Ich bin mal gespannt…

Weil’s so schön passt, zitiere ich mich mal selbst:

Der Einsatz “für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen” findet sicherlich hinter den Kulissen statt. In zukünftigen Wikileaks-Veröffentlichungen werden wir lesen können, wie unerbittlich die Vertreter des Bibliothekswesens in Sachen Wikileaks für die Meinungsfreiheit gekämpft haben.

Aber dass die Informationsbranche kollektiv schweigt, ist ja nichts Neues.

Ein paar Links zu Wikileaks

Ein paar Links rund um Wikileaks:

  • Was WikiLeaks mit Internetsperren zu tun hat
  • Hätten die USA ein Zugangserschwerungsgesetz, wie es Ursula von der Leyen einst vorgeschlagen hat, hätten sie die nötige Infrastruktur – wie würden sie heute verfahren? Würde dieses Werkzeug weiterhin nur gegen Kinderpornografie eingesetzt? Oder wäre ein Land, in dem man Soldaten das Zeitunglesen verbietet, nicht womöglich doch bereit, eine solche Infrastruktur auch zum Schutz der eigenen Bevölkerung vor allzu viel Information zu nutzen? Wären Wikileaks.ch, Wikileaks.de und all die anderen Alternativadressen (mittlerweile sind es weit über 2000), unter denen man die Botschaftsdepeschen und andere Dokumente heute selbst nachlesen kann, von den USA aus noch zu erreichen? Oder würde im Interesse der nationalen Sicherheit nicht vielleicht doch gefiltert?

  • Heinrich C. Kuhn zieht die Konsequenz aus einer befremdlichen Diskussion über Wikileaks in Inetbib und meldet sich nach ca. 15 Jahren ab:
  • Wenn in einer Liste zum Bibliothekswesen nicht mehr einhellig die Freiheit der Information aus öffentlich zugänglichen Quellen verteidigt wird, wenn in diesem Kontext Schreiben über Netiquette wichtiger ist als Erwägen inhaltlicher Argumente und Erwägen was gültige Argumente sind, und was nicht, und warum: wenn dem so ist, dann bin ich zu sehr zum Dinosaurier geworden als dass meines Bleibens noch wäre. Der Punkt ist erreicht.

    Grund dürften unter anderem die absurden Behauptungen sein, die in dieser Diskussion aufgestellt wurden. Völlig unbeleckt jeder Tatsachen vermuten „Informationsprofis“ alles mögliche über Wikileaks. Dabei ist eine Faktenprüfung kaum je einfacher gewesen als im Falle Wikileaks. Man nehme: die FAQ zu den Cablegate-Dokumenten. Zweit- und Drittmeinungen und Expertisen jeglicher Couleur sind darüber hinaus einfach zu recherchieren.

  • Der Freitag, die tageszeitung, Frankfurter Rundschau, Perlentaucher, ECCHR, Der Tagesspiegel und Berliner Zeitung veröffentlichen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks
  • Abschließend die Reaktionen von BID, DBV und IFLA auf Wikileaks. An dieser Stelle sei nochmal erinnert an den Code of Ethics (PDF):
  • Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

Der Einsatz „für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen“ findet sicherlich hinter den Kulissen statt. In zukünftigen Wikileaks-Veröffentlichungen werden wir lesen können, wie unerbittlich die Vertreter des Bibliothekswesens in Sachen Wikileaks für die Meinungsfreiheit gekämpft haben.

Abschließend ein Zitat:

Die Frage, ob wir als Berufsgruppe bedingungslos an die Gesetze halten sollen wird sich dann stellen, wenn staatliche Stellen beginnen zensierend auf das Internet zu wirken. Die Geschichte Deutschlands muß als Warnung dienen. Die Schwelle zur Zensur wird in Deutschland auch in den letzten Jahren aktuell debattiert. Wenn es zu spät ist hilft nur noch ziviler Ungehorsam für das hohe Gut der Informationsfreiheit.

(Gerald Schleiwies im Blog Ethik von unten)

Montreux Sounds Digital Project

Mehr als 5000 Stunden des Montreux Jazz Festivals mit Künstlern wie Ella Fitzgerald, David Bowie und Miles Davies können dank dem „Montreux Sounds Digital Project“ für die Nachwelt erhalten bleiben. Seit dem Jahre 1967 liess das Festival seine Konzerte filmen. Am Projekt beiteiligen sich die ETH Lausanne, der Uhrenhersteller Audemars Piguet und die Montreux Sounds SA . Ziel ist es, die Aufnahmen in einem Verzeichnis zu erfassen und zu digitalisieren. Mehr Infos hier.

Best of Montreux Jazz Festival 1967 – 2006