Board des Journal of Library Administration tritt zurück

Der ubiquitious librarian berichtet über die Hintergründe:

“Authors find the author agreement unclear and too restrictive and have repeatedly requested some form of Creative Commons license in its place.”

“After much discussion, the only alternative presented by Taylor & Francis tied a less restrictive license to a $2995 per article fee to be paid by the author. As you know, this is not a viable licensing option for authors from the LIS community who are generally not conducting research under large grants.”

Keine Ausrede für Paywall-Journals von Fachgesellschaften

Das Argument, dass diese oder jene Zeitschrift eine Fachgesellschaft finanzieren würde, fällt häufiger, wenn es darum geht, eine Zeitschrift OA zu stellen. Die passende Antwort hat Mike Taylor im Guardian formuliert:

But this paywalled journal’s subscription fees fund its scholarly society …

No. This is the tail wagging the dog. The purpose of a scholarly society is to promote scholarship, which is best done by making that scholarship available. A society that cares more about preserving its own budget than about the field it supposedly supports has lost its way. Societies need to find other ways to fund their activities. And yes, I am talking to you, Society of Vertebrate Paleontology (my own field’s society). You cannot support the science of vertebrate palaeontology by taking science and hiding it where most people can’t see it.

Mir ist so, als hätte ich das aus dem Bibliothekswesen auch schon das eine oder andere Mal vernommen.

Das Kerngeschäft der Buchwissenschaftler?

Der Buchwissenschaftler David Oels schrieb einen Kommentar für den Freitag, in dem er das Kerngeschäft der Bibliotheken thematisiert. Also, eigentlich thematisiert er es nicht.

Der Kommentar trägt den Titel “Die Onleihe”. Um die Onleihe geht es aber auch nicht so wirklich. Vielmehr beschreibt Oels die miserable Situation der Bibliotheken. Budgetkürzungen, verkürzte Öffnungszeiten: Krise. Dann die Begründung:

Dabei sammeln Bibliotheken schon lange nicht mehr nur Bücher und machen sie ihren Benutzern zugänglich. Seit den siebziger Jahren verstehen sie sich als Informationsdienstleister, die Zugang ebenso zu den jeweils neuen Medien ermöglichen. Das ist löblich und verständlich, aber womöglich auch Teil des Problems.

Das bibliothekarische Selbstverständnis als Informationsdienstleister sorgt für Budgetkürzungen? Oels hält diese steile These wohl für selbsterklärend. Denn schon der nächste Satz singt das Hohelied des gedruckten Buches, das ja im Gegensatz zur Langspielplatte und Disketten auch nach vielen Jahrzehnten, Jahrhunderten noch benutzbar sind.

Ob Oels auf dieser Erkenntnis den nächsten Absatz aufbaut oder ihn völlig unabhängig davon geschrieben hat, ist mir nicht klar. Auf jeden Fall weist er nun auf den jüngsten Medienwandel hin, der eine Lösung eröffne:

Denn erstmals lassen sich E-Books, Zeitschriften, Datenbanken oder ­Archive zentral anbieten und dezentral nutzen. Die Deutsche Digitale Bibliothek soll ab 2012 das „kulturelle Erbe“ online verfügbar machen, und im ­Frühjahr dieses Jahres hat die Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder ein „Gesamtkonzept für die ­Informationsinfrastruktur in Deutschland“ verabschiedet, das auf Open ­Access setzt, also den unentgeltlichen Zugang zu relevanten wissenschaft­lichen Publikationen. Selbst die Stadt­bibliotheken forcieren die „Onleihe“. Angemeldete Bibliotheksnutzer können digitale Bücher, aber auch Filme, Musik und E-Paper großer Zeitungen unentgeltlich ausleihen.

[Kleine Detailkritik am Rande: Project Gutenberg ist mehr oder weniger seit 1971 aktiv. Datenbanken und elektronische Zeitschriften gibt es auch schon ein paar Jahre. Und wenn Open Access für Zugang zu “relevanten” wissenschaftliche Publikationen gilt, bedeutet das dann im Umkehrschluss… naja. Immerhin wird hier kurz die Onleihe erwähnt.]

Wie auch immer, wir feiern die digitalen Medien und ihre Möglichkeiten! Und plötzlich fordert Oels:

Für die stationären Bibliotheken ergibt sich damit die Chance, das Kerngeschäft, das gedruckte Buch und dessen Vermittlung, wieder ins Zentrum zu stellen. Darauf gilt es zu bestehen, und das gilt es durchzusetzen, auch wenn findige Stadtoberhäupter auf die Idee kommen sollten, analoge Bibliotheken angesichts der digitalen Möglichkeiten gleich ganz abzuschaffen.

Was hat das nun wieder mit Open Access, der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Onleihe zu tun? Und teilt Oels Bibliotheken ein in stationäre und nicht-stationäre? Wo sind sie, die rastlos durch die Lande ziehenden und gezogen werdenden Bibliothekswesen? Digitale Nomaden, E-Books verteilend und relevante Publikationen zugänglich machend?

Zum Kerngeschäft der Bibliotheken kann ich im ganzen Artikel keine relevante Aussage finden. Aber es gehört offensichtlich zum Kerngeschäft der Buchwissenschaftler, einfach mal die Relevanz des gedruckten Buches in den Raum zu werfen.

[Besten Dank an Frank für den Hinweis!]

Fünf Jahre offizielle Open-Access-Heuchelei im deutschen Bibliothekswesen

“Heute vor fünf Jahren…” sollte dieser Artikel eigentlich anfangen. Nun ist es ein paar Tage später, doch der geneigte Leser ignoriere das bitte.

Also, genau heute vor fünf Jahren, am 12. August 2006, hat Klaus Graf in Archivalia ein Posting veröffentlicht mit dem zum geflügelten Wort avancierten Titel “Die Open-Access-Heuchelei der Bibliotheken”. Darin kritisiert er sieben Punkte:

(1) Bibliothekarische Fachzeitschriften sind nur zum kleinen Teil Open Access!
Kaum Änderung im deutschsprachigen Bereich. Bis auf Libreas ist da eigentlich nichts. Peinlich.

(2) Bibliothekarische Fachliteratur ist kaum OA!
Hier ist Verbesserung zu spüren, zum Beispiel mit dem Handbuch Bibliothek 2.0.

(3) Bibliotheken beliefern kostenpflichtige bibliographische Datenbanken!
Gilt weiter. Wenn es eine nicht-exklusive Lieferung ist, die Daten also jedem zur Verfügung stünden, wäre das übrigens auch nicht weiter zu beanstanden.

(4) Bibliotheken treten als Mitglieder von Digizeitschriften e.V. die Interessen von Bildung und Wissenschaft mit Füßen!
Gilt weiter.

(5) Bibliotheken denken nicht daran, “permission barriers” einzureissen!
Gilt generell nicht mehr. CC-Lizenzen sind inzwischen vielerorts im Einsatz.

(6) Sogar OAI-Metadaten werden nicht OA freigegeben!
Die Diskussion ist faktisch beendet, alle Argumente ausgetauscht. Der Trend geht zu CC0. Da wird in sehr kurzer Zeit sehr viel passieren.

(7) Die Bibliotheken betreiben in großem Stil Bildrechte-Tyrannei und Copyfraud!
Gilt weiter.

Fazit: Es sind Fortschritte zu erkennen. Insgesamt ist es jedoch ernüchternd, wie wenig sich in fünf Jahren bewegt hat. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können wir eine offene Fachkommunikation im Bibliothekswesen für ca. 2025 prognostizieren.

Schlimmer als Murdoch: Wiley-Blackwell, Elsevier & Springer

George Monbiot ledert im Guardian ordentlich ab gegen Wiley-Blackwell, Elsevier und Springer: Academic publishers make Murdoch look like a socialist.

What we see here is pure rentier capitalism: monopolising a public resource then charging exorbitant fees to use it. Another term for it is economic parasitism. To obtain the knowledge for which we have already paid, we must surrender our feu to the lairds of learning.

Seine Forderung ist unmissverständlich:

In the short term, governments should refer the academic publishers to their competition watchdogs, and insist that all papers arising from publicly funded research are placed in a free public database. In the longer term, they should work with researchers to cut out the middleman altogether, creating – along the lines proposed by Björn Brembs of Berlin’s Freie Universität – a single global archive of academic literature and data. Peer-review would be overseen by an independent body. It could be funded by the library budgets which are currently being diverted into the hands of privateers.

Daten über britische Hochschulen

Britische Hochschulen sollen ab nächstem Jahr voraussichtlich bestimmte Kennzahlen in einem normierten Format veröffentlichen müssen.

The information universities could be required to publish will include students’ views on course content, contact hours and teaching quality.

Institutions will also have to make public detailed figures about facilities such as libraries, laboratories and information technology.

Crucially, data collected by universities about their graduates’ performance in the labour market will also be included, including average starting salaries and the speec with which they secure a job.

Die Daten sollen vermutlich auf Unistats gesammelt werden.

[via Telegraph]

Die drei dicken B des Bibliothekswesens

Die drei dicken B des Bibliothekswesens (Blogs, Barcamps, Bibliothekarinnen), bzw. der Fachkommunikation in einer Präsentation beim Workshop “Web- und andere Trends im Bibliothekswesen” beim ZBIW der FH Köln.

Zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens

Inspiriert und mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Michal, der seine zwölf hoffentlich finalen Thesen zur Zukunft des Journalismus allen Zukunftsberufen zur Verfügung stellt, nun zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens:

1. Das Bibliothekswesen der Zukunft wird das gegenwärtige Bibliothekswesen eines Tages ablösen.

2. Zukunftsfähig wird das Bibliothekswesen nur dann, wenn es die Gegenwart nicht als Bedrohung empfindet.

3. Bibliothekswesen, die heute nicht vernetzt sind, werden morgen in den Netzen nicht vorkommen.

4. Alle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Leser der Zukunft auch tatsächlich die künftigen Leser sind. (Addendum: Oder von ihnen abstammen.)

5. Die zunehmende Abwendung von den heutigen Medien bedeutet nicht, dass die Zuwendung zu den künftigen Medien nicht zunehmen wird.

6. Im Kampf um die Aufmerksamkeit werden sich Bibliotheken und Leser mehr anstrengen müssen.

7. Mit der wachsenden Orientierungslosigkeit des Bibliothekswesens wächst auch die Navigationsfreude der Leser. Und umgekehrt.

8. Die Nähe zum Geschehen wird die Distanz zu den Lesern bestimmen. Und umgekehrt.

9. Rückkopplungseffekte machen das Bibliothekswesen der Zukunft erst dialogfähig.

10. Leser und BibliothekarInnen werden immer häufiger die Rollen tauschen. Beide werden deshalb die Frage beantworten müssen: Was macht das mit uns?

11. Die Nachfrage nach Qualitäts-Angeboten wird künftig von der Bereitschaft abhängen, Qualitäts-Angebote auch tatsächlich nachzufragen.

12. Wer das Bibliothekswesen der Zukunft finanzieren wird, ist noch nicht raus.

Disclaimer: Die Thesen sind bis auf Kleinigkeiten komplett und 1:1 den 12 Thesen Wolfgang Michals zum Journalismus entnommen.

Bibliothekswesen für "imagefördernden Zeitungsartikel" gesucht

Aufruf zur Mitarbeit an einer deutschen Fassung von “What it takes to be a 21st century librarian in Germany”:

Ich beabsichtige für eine überregionale deutsche Tageszeitung oder Wochenzeitung einen ähnlichen Artikel wie den vor zwei Wochen in der englischsprachigen Zeitung Guardian erschienen Artikel “Beyond books: what it takes to be a 21st century librarian” zu verfassen. In sogenannten “Case-studies” werden 4 verschiedene BibliothekarInnen und deren Arbeit vorgestellt. Zu einer überregionalen deutschen Zeitung ist der Kontakt hergestellt. Die positive Resonanz auf der Fanseite von Bibliothekarisch.de hat gezeigt, dass dieser Artikel, der von zwei englischen Bibliothekarinnen verfasst wurde ein wichtiger Schritt wäre aus dem “Bibliotheksschneckenhaus” hervorzutreten und selbst mehr in nichtbibliothekarischen Zeitschriften und Zeitungen zu publizieren und “uns weniger von anderen darstellen zu lassen, da dadurch das Bild über den Beruf verzerrt sein kann. Hierfür suche ich Mitstreiter, 3-4 BibliothekarInnen aus dem ÖB-Bereich, dem WB-Bereich und einer Spezialbibliothek, die bereit wären an dem Artikel mitzuschreiben.

Natürlich wäre es gut, wenn gerade jüngere BibliothekarInnen sich angesprochen fühlten und wenn zumindest ein männlicher Bibliothekar dabei wäre. Dennoch ist das keine Bedingung und ich freue mich über interessierte BibliothekarInnen, die mit dazu beitragen wollen, ihren Beruf und ihr Tätigkeitsfeld zu beschreiben, um LeserInnen auf den Beruf neugierig zu machen und ihnen erzählen, was wir den ganzen Tag so machen.

Es geht darum der Außenwelt – der nichtbibliothekarischen Öffentlichkeit – ein zeitgemäßeres Bild (frei von Stereotypen) zu vermitteln, welches den Wert und die Arbeit von BibliothekarInnen ins Zentrum rückt. Warum sollen nicht mehr bibliothekarische Themen (z.B. Medien- und Informationskompetenz, die Förderung der frühkindlichen Buchkultur, das Lebenslange Lernen und der Umgang mit Plagiaten und dem Urheberrecht) in Massenmedien wie Zeitungen und Zeitschriften von BibliothekarInnen auf die Agenda gebracht werden, um den gesellschaftlichen Stellenwert stärker hervorzuheben?

Kontaktdaten für Interessenten (egal ob FachreferentInnen, Fachangestellte für Medien und Information oder Diplom-BibliothekarInnen) gibt es drüben bei Bibliothekarisch.de.