Sündenpfuhl Internet bald auch in Münchner Stadtteilbibliotheken unbegrenzt verfügbar

Jürgen Plieninger macht in Netbib auf einen Artikel zur Einführung von WLAN in der Stadtbibliothek Laim aufmerksam:

Doch nicht jeder befürwortet die uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeit des Internets. So wandte BA-Mitglied Jutta Hofbauer (Bündnis 90/ Die Grünen) ein: „Es gibt schon genug Möglichkeiten für Internetnutzung.“ Zudem müsse man überlegen, wie die Internetnutzung für Kinder zu handhaben sei. Fraktionskollege Ingo Benn gab zu bedenken, dass eine W-Lan Verbindung eine unbegrenzte Nutzung des Internets und damit verschiedenster Inhalte ermögliche. Die jetzt zur Verfügung gestellten PCs hingegen seien durch Sicherheitssysteme geschützt. Und Anette Zöllner (CSU) sah die zusätzliche Strahlenbelastung, die durch W-Lan-Netzte entstünde, als einen Nachteil für die geplante Umsetzung. Auf Grund der kontroversen Ansichten, fiel schließlich die Entscheidung des Gremiums sehr knapp aus. Nur mit geringer Mehrheit stimmte der BA dem gestellten SPD-Antrag zu.

Gibt es schon genügend Möglichkeiten der Internetnutzung? Das Allensbach-Institut hat dazu folgende Frage gestellt:

„Haben Sie von zu Hause Zugang zum Internet, ich meine, gibt es bei Ihnen zu Hause die Möglichkeit, ins Internet zu gehen?“

2010 wurden dazu 9.036 Personen befragt. Hochgerechnet ergab das laut Allensbach [1] Quelle: Statista, Zugang kostenpflichtig ca. 9,5 Millionen Personen zwischen 14 und 64 Jahren, die zuhause keinen Internetzugang haben. Auch wenn Jutta Hofbauer das anders sieht: flächendeckender Internetzugang ist nach wie vor nicht gegeben.

Das es Ingo Benn erschreckt, wenn eine unbegrenzte Nutzung des Internets und damit verschiedenster Inhalte einfach so für Hinz und Kunz möglich ist, lass ich einfach mal unkommentiert stehen.

References

References
↑1 Quelle: Statista, Zugang kostenpflichtig

Kritische Recherche für Journalisten – Teil I

Immer wieder werden Jubelmeldungen über Produkte wie zum Beispiel die „Onleihe“ publiziert. Was mir ein Rätsel ist: Warum wird die Kritik an der Onleihe wirklich so gut wie nirgendwo erwähnt? Darf man in Lokalzeitungen nichts Kritisches über die Stadtbibliothek schreiben, weil die Redaktion dann befürchtet, nicht zur nächsten Autorenlesung eingeladen zu werden?

Aktuelles Beispiel: MacNews schreibt über „kostenlose E-Books und E-Paper per Onleihe“. Aha, aha. Die Onleihe ist also kostenlos. Für wen? Für die Bibliotheken? Auch wenn meines Wissens niemand belastbare Zahlen rausrückt: Eher nicht. Für die Bibliotheksnutzer? Ebenfalls eher nicht. Denn Stadtbibliotheken fordern von Ihren Nutzern oft Gebühren. Auch Steuergelder, von denen wohl fast alle Onleihe-Bibliotheken finanziert werden, kommen nicht aus dem Nichts.

Wie kommt man an solch ein Geheimwissen heran? An dieser Stelle ausnahmsweise ein Tipp vom Informationsprofi für Journalisten und solche, die sich dafür halten.

Man nehme:

  1. Die Suchmaschine des geringsten Misstrauens. Kaum zu glauben, aber dieser Trick funktioniert wirklich mit fast allen!
  2. Als ersten Suchbegriff wählen Sie den Namen des Produkts, über das zu berichten ist. In diesem Fall: „Onleihe“.
  3. Nun (und jetzt wird’s raffiniert!) fügen Sie einen zweiten Begriff hinzu. Und zwar: „kritik“.
  4. Nun lösen Sie die Suche aus.
  5. Gucken Sie sich die Suchergebnisse an. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit müssen Sie sich die Spezialkompetenz des Blätterns auf die zweite Ergebnislistenseite nicht aneignen, da sich unter den ersten Treffern schon eine Menge relevanter Kritik findet.

Auch wenn das jetzt kompliziert aussieht: Versuchen Sie es! Ich glaube an Sie! Damit Sie den Einstieg schaffen, habe ich die Probe auf’s Exempel mit den beiden zur Zeit vermutlich relevantesten Suchmaschinen und dem erwähnten Beispiel für Sie vorbereitet:

Das funktioniert auch mit anderen Suchmaschinen, z.B. Metager.

Achtung: Die Berücksichtigung dieses Tipps könnte zu kritischer Berichterstattung führen. Wenn Sie eine Karriere in den PR-Abteilung der zu besprechenden Firmen beabsichtigen, sollten Sie eventuell davon absehen.

Rostocks Bibliotheken tauschen Mitarbeiter

Die beiden sehr schönen Bibliotheken im ebenso schönen Rostock lassen ihre Mitarbeiter künftig die Arbeitsplätze tauschen:

„Damit man besser Bescheid weiß über den anderen und die aktuellsten Entwicklungen“, sagt Manfred Heckmann, Direktor der Stadtbibliothek Sein Kollege, Robert Zepf, der neue Direktor der Universitätsbibliothek, pflichtet ihm bei. „Wir wollen, dass beide Einrichtungen sich künftig noch besser ergänzen und dass sich dies im Bewusstsein der Menschen verankert“. Beide Chefs, für die der Kundenservice höchste Priorität hat, sind aufeinander zugegangen und waren sich schnell einig, dass man die ohnehin schon gute Zusammenarbeit weiter ausbauen kann. Nutznießer seien die Besucher, die so noch mehr Zugriff auf die Bestände haben. Einige Mitarbeiterinnen der Uni-Bibliothek kennen den Weg: Sie absolvierten ihre Ausbildung in der Stadtbibliothek.

[via IDW]

OCLC kauft BOND

OCLC kauft BOND. Ziel war es, die „Marktposition auszubauen“. Außerdem wird nun „zum Wohle der Bibliotheken“ an „zukunftsweisenden Lösungen“ gearbeitet:

Weitere positive Aspekte resultieren in dem Bereich Produktentwicklung. Gemeinsam kann verstärkt an zukunftsweisenden Lösungen für Bibliotheken im wissenschaftlichen und öffentlichen Bereich gearbeitet und der fachliche und funktionale Ausbau der existierenden und neuen Produkte zum Wohle der Bibliotheken vorangetrieben werden. „In dem sich enorm wandelnden Bibliotheksmarkt wird es zunehmend schwieriger, den hohen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Von der bedeutsamen Erhöhung der Ressourcen im Entwicklungs- und Dienstleistungsbereich werden unsere Kunden merklich profitieren“, ergänzte Michael König, Geschäftsführer und Inhaber von BOND, der auch innerhalb von OCLC Deutschland eine leitende Rolle übernehmen wird.

Laut Wikipedia, wo auf Erhard Kantzenbach verwiesen wird, führen „weite Oligopole“ im Idealfall zu einer erhöhten Wettbewerbsintensität. Ein weites Oligopol besteht sicherlich nicht nur aus 2-3 annähernd gleichstarken Teilnehmern. Wie weit sind wir noch von einem Duopol Ex Libris und OCLC entfernt? 2007 [1] Elke Greifeneder (2007): Effektivität und Effizienz von Online-Hilfesystemen in deutschen Universitäts-OPACs, S. 45 hieß es über Universitätsbibliotheken:

Bei der Auswertung konnte man eine deutliche Marktführerschaft der Firma OCLC PICA konstatieren. Deutlich mehr als die Hälfte, genauer gesagt 63 %, verwenden einen OPAC der Firma OCLC PICA.

Ich vermute, das es aktuell für ILS, ob ÖB oder WB, nicht wesentlich anders aussehen wird.

The Gatekeeper is Dead! Long live the Gatekeeper!

Cameron Neylon (Science in the Open) hat in dieser Präsentation zusammengefasst, warum er die These vom „Filter Failure“ für falsch hält. In guter alliterierender Tradition geht er vom „discovery deficit“ aus. Die Folien geben auch ohne Vortrag einen zumindest grundlegenden Eindruck, worum es geht:

In einem Posting erläutert Neylon die zugrunde liegende Überlegung: so lange Publizieren aufwändig und teuer war, mussten leistungsfähige Filter die Menge der publizierten Informationen begrenzen. Durch das Web ist Publizieren jedoch so einfach und auch kostengünstig geworden, dass diese Filter nicht mehr benötigt werden. Seine These:

We don’t need more filters or better filters in scholarly communications – we don’t need to block publication at all. Ever. What we need are tools for curation and annotation and re-integration of what is published. And a framework that enables discovery of the right thing at the right time. And the data that will help us to build these. The more data, the more reseach published, the better.

Diese These kann man auch im Zusammenhang mit der stets wiederkehrenden Debatte diskutieren, welche Inhalte für Kataloge in öffentlichen Bibliotheken „angemessen“ sind. So wird gerade in den Netbib-Kommentaren behauptet, für öffentliche Büchereien [sei] der Gesamtbestand von PaperC wohl doch zu wissenschaftlich ausgerichtet.. Zugegeben, die Zahl derer, die nach Perelmans mutmaßlichen(?) Beweis der Poincaré-Vermutung in ÖB-Katalogen sucht, wird eher gering sein. Doch wenn jemand danach sucht, warum soll es nicht zu finden sein? Vom PaperC-Bestand, der meines Erachtens zu einem beachtlichen Teil auch im herkömmlichen Sinne „ÖB-tauglich“ ist, ganz zu schweigen. Spontan gefunden habe ich zum Beispiel:

Wer kann behaupten zu wissen, was die Nutzer einer Bibliothek tatsächlich suchen? Dahinter steckt auch ein wenig die Frage, was sie zu verstehen in der Lage sind. Eine Antwort darauf zu finden, steht Bibliothekswesen meines Erachtens nicht zu. Finanzielle Gründe, juristische Straftatbestände oder mangender Platz im Buchregal sind Filtergründe. Rein inhaltliche Filter sind nicht oder nur schwer zu begründen.

Bibliotheksprivatisierung in Santa Clarita

A private company in Maryland has taken over public libraries in ailing cities in California, Oregon, Tennessee and Texas, growing into the country’s fifth-largest library system.

So berichtet die New York Times nun über die Übernahme der Santa Clarita Library (ich vermute, dass es sich um diese hier handelt) durch Library Systems & Services (LSSI). Im ersten Jahr sollen $ 1.000.000 eingespart werden. Dazu sollen unter anderem Gewerkschaftsmitglieder ersetzt werden. Die Meinung des LSSI-Gründers Frank A. Pezzanite über Bibliotheksmitarbeiter lässt an Deutlichkeit auch nichts zu wünschen übrig:

“A lot of libraries are atrocious,” Mr. Pezzanite said. “Their policies are all about job security. That’s why the profession is nervous about us. You can go to a library for 35 years and never have to do anything and then have your retirement. We’re not running our company that way. You come to us, you’re going to have to work.”

Auch wenn die Bibliotheksmitarbeiter wütend sind, der Protest gegen die Übernahme der Bibliothek durch LSSI wird laut Herald Tribune nicht von ihnen angeführt:

The angry reaction, though, has been mostly led by patrons who say they cannot imagine Santa Clarita with libraries run for profit.

Merkwürdigerweise fanden sich bislang nach ähnlichen Versuchen in anderen Städten anscheinend weiterhin Freiwillige, die sich in der Bibliothek engagieren. Ob diese Menschen auch ehrenamtlich die Regale im örtlichen Supermarkt einräumen?

Nordhorner Stadtbibliothek wird ein bißchen Hochschulbibliothek

Die Stadtbibliothek Nordhorn übernimmt in Zukunft die Aufgaben einer Hochschulbibliothek für die Medikon GmbH, deren Lehrveranstaltungen in einem Krankenhaus stattfinden und in Zusammenarbeit mit der Saxion Hogeschool in Enschede (NL) angeboten werden.

Mehr Informationen zu dieser Kooperation:

Bibliotheken in der Wirtschaftskrise

Verschiedene, nicht nur aktuelle Artikel zur Lage der Bibliotheken in der Wirtschaftskrise:

Die Tage der Zivilisation sind gezählt, wenn der wirtschaftliche Aufstieg nicht bald beginnt.

Library sees 11 percent increase in use

The dip in the economy has made the library more popular, and a library expansion and remodeling five years ago helped draw more users, Myers said.

Redouble or Retrench? Reacting to the Financial Crisis

Clearly, it will take more work than in the past to raise money. However, a new opportunity is there, and the money is there. I maintain that this is not the time to retrench; it is the time to redouble our efforts.

Campaign is on to save one of region’s libraries

Cllr Sir Peter Brown, the council’s communities chief, said: “We have to chop £2 million from an £8 million budget and we are looking to provide the best possible library service within that budget.“

Johnson County Library a busy place to be

„But we are also finding that the tight economy is bringing in those who are searching for jobs and career information or wanting to use computers. Many patrons are cutting back in their personal budgets and look to the library as a free resource for newspapers, magazines, and audiovisual materials as well as books that they no longer are able to or want to purchase.“

Letter: Local libraries offer a wide assortment of services

In this economy where can one go to explore the world for free? Come over to the library and see. The residents of our community do use the library, so let’s keep it going.

Die Stadt der Bücherwürmer

Erwachsene zahlen für die Ausleihe pro Jahr 20 Euro. Kinder bis 18 Jahre dürfen den Service der Stadtbücherei gratis nutzen. Vielleicht ist das auch ein Teil des Erfolges für die Neumünsteraner, denn so manche familiäre Haushaltskasse hat in Zeiten der Wirtschaftskrise durchaus mal Ebbe.

Live in the library 17: Oberpichler – Erika

The next song in the famous and amazingly popular series „live in the library“ was performed last june at the Bezirksbibliothek Rheinhausen. The artists Oberpichler seem to be bookish people. They also played in three book stores this year.

If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.