Angry Bird Hannover (oder: Buchfink vs. Bibliothek)

Angry Birds Rio ist jetzt erhältlich, heißt es überall. Angry Birds, ein harmloser Zeitvertreib? Mitnichten! Was es heißt, wenn Birds wirklich angry sind, das wird verharmlost oder einfach unter den Tisch gekehrt.

In Hannover spielt die Tierwelt verrückt. Würgeschlangen treiben sich in Sanitäranlagen herum. Und im selben Stadtteil begab es sich vor nicht allzu langer Zeit, dass ein Buchfink (wie passend!) eine Bibliothek attackiert(e). Ob er mit der stetig ansteigenden Zahl der E-Books unzufrieden ist, lässt sich in Gesprächen bisher nicht klären. Wir haben auch keinen E-Buchfink für eine ausgewogene Podiumsdiskussion auftreiben können.

Doch was passierte dort, in Hannover-Linden? Zwischen dem Hauptgebäude der Fachhochschule Hannover und der Zentralbibliothek steht ein Baum. Dort ließ er sich nieder, der besagte Buchfink. Dieser hier:

Ruhe vor dem Sturm: Schöner Finkenmann in Lauerstellung

Dieser Fink ist, wie man deutlich erkennen kann, ein besonders hübscher Kerl. Dessen ist er sich bewusst. Und wie es sich für einen finkischen Narziss gehört, duldet er seinesgleichen nicht neben sich. Doch – und dies ist die tragische Wendung dieser Geschichte – die Bibliothek, vor der er hausiert, ist voller schöner Finkenmänner!

Zumindest denkt dies der Fink. Mens sana in corpore sano? Ein schöner Fink, ein klarer Verstand? Leider nicht. Denn sein Spiegelbild, sein ach so schönes Spiegelbild, es versetzt den feinen Finken in Raserei! Fliegt er am Fenster vorbei und entdeckt dabei sein prächtiges Spiegelbild, hält er es offensichtlich für einen Kontrahenten, für einen Eindringling in sein Revier. Und was macht er dann, der tumbe Schönling? Er greift an!

Angry Bird in Aktion
Attacke!

Dagegen hilft nur Stein, Schere, Papier:

Täuschungsmanöver zwecks Abwehr narzisstischer Macho-Finken

Die Raubvogelattrappe zeigte nur kurzfristig Wirkung. Auch sie wurde schon attackiert. Ob die todesmutigen Rasereien des Buchfinks die Finkendamenwelt hinreichend beeindruckt haben, konnte bislang nicht herausgefunden haben.

Innovation gegen anfänglichen Widerstand: Amazon-Recommender

Greg Linden beschrieb 2006, wie er die Recommender-Funktion bei Amazon gegen den Widerstand des Managements durchsetzte. Nachdem er die Idee dazu hatte, setze er erst einmal einen Prototypen auf und führte ihn verschiedenen KollegInnen vor.

While the reaction was positive, there was some concern. In particular, a marketing senior vice-president was dead set against it. His main objection was that it might distract people away from checking out — it is true that it is much easier and more common to see customers abandon their cart at the register in online retail — and he rallied others to his cause.

Linden wurde die Weiterentwicklung des Prototypen verboten. Er widersetzte sich diesem Verbot und bereitete eine Version vor, die im Echtbetrieb getestet werden konnte. Gegen sein Ansinnen, diesen Test dann auch durchzuführen, gab es keine schlagkräftigen Argumente. Im Testbetrieb zeigte sich dann, was für ein enorm wichtiges Instrument die Recommender-Funktion für Amazon sein könnte. Sein Fazit:

Creativity must flow from everywhere. Whether you are a summer intern or the CTO, any good idea must be able to seek an objective test, preferably a test that exposes the idea to real customers.

Everyone must be able to experiment, learn, and iterate. Position, obedience, and tradition should hold no power. For innovation to flourish, measurement must rule.

Mein Fazit: dito. Wer ausschließlich oder auch nur vorwiegend Top-Down denkt, schließt die Entwicklung einer innovativen Organisation aus. Dies ist eine Binsenweisheit, hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen.

[via Daniel Lemire]

Esoterische Prüfungstäuschung

Hadmut Danisch überlegt, ob es als Täuschungsversuch zu gelten hat, wenn man die Hilfe eines Geistheilers zwecks Absolvierung einer Prüfung in Anspruch nimmt.

Objektiv betrachtet ist es ja kein Betrugsversuch, weil derjenige ja nicht daran vorbeikommt, die Prüfungsleistung selbst zu erbringen. Wenn es dazu führt, daß der Geheilte beim Sex oder in Prüfungen besser ist, weil er auf Geister vertraut und damit auch mehr (falsches) Selbstvertrauen hat, ist das objektiv kein Schwindel.

Objektiv zweifeln könnte allerdings der Prüfer an der Befähigung zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten, wenn jemand zum Geistheiler geht. Ist das aber ein hinreichender – oder gar zwingender? – Grund, jemanden die Promotion abzuerkennen?

Sobald man die psycho-kinetische Energie nachweisen kann, muss man mit Sicherheit eingreifen.

1 Jahr VuFind an der TU Hamburg-Harburg

Was zunächst als Aprilscherz für das Personal der TU-Bibliothek gedacht war, entwickelte sich sehr schnell zum Erfolgsmodell. TUBfind ist zwar noch nicht als Standardkatalog bei uns eingestellt, das liegt aber nicht primär an VuFind, sondern mehr an unseren (Alt)Daten. Weitere Informationen zum Stand der Entwicklung im TUB-Weblog und natürlich immer auch im TUBfind-Weblog.

[via Netbib]

E-Book-Spam

Mike Essex schreibt über E-Books, deren Inhalt aus dem Netz zusammengeklaubt wird:

Once a ‘writer’ has scraped their content for the web they can then have their eBook live in less than 24 hours on the Kindle platform, and even less time on 3rd party sites like Smashwords who aggregate eBooks to multiple formats in one go. This puts a minimal time pressure on the creator, who can be earning money on their content relatively quickly. Worse still if they survive a financial quarter without being caught, it’s an easy pay day.

Mehr dazu im Digital Marketing Blog.

[via Library Journal]

One Pager: Webseiten-Konzentrat für Bibliotheken

One Pager ist ein minimalistisches, nutzerzentriertes Konzept für Bibliothekswebseiten. Grundprinzipien sind:

  • Designing for Mobile First
  • Saving the Time of the Reader
  • Librarians are Busy
  • Writing is Important
  • Clarity through Simplicity

Die Idee, primär für mobile Geräte zu entwickeln zahlt sich aus, da man sich dann zwangsläufig auf das Wesentliche konzentriert. Insgesamt gilt: weniger ist mehr!

Bislang ist der One Pager anscheinend noch nicht für CMS umgesetzt worden. Wer in näherer Zukunft eine neue Bibliothekswebseite plant, sollte sich das Konzept inkl. Screenshots auf jeden Fall näher ansehen.

One Pager ist in Github unter CC-BY-NC-SA veröffentlicht.

Akademischer Schwindel auch in Italien?

Ok, das Fragezeichen in der Überschrift muss man eigentlich nicht setzen. In Italiens akademischer Landschaft wird mit Sicherheit genauso betrogen wie in allen anderen Ländern auch. Nun allerdings ist ein Fall in die Schlagzeilen geraten, dessen Brisanz Vergleiche mit Guttenberg aufkommen lässt. Daniela Santanchè ist Staatssekretärin der Berlusconi-Regierung. Und angeblich soll sie ihren Master-Abschluss an der Bocconi School of Management erfunden haben. Mehr Infos gibt’s unter anderem bei Tagesschau.de.

[Via Forschungsmafia]

10 Bücher über Bibliotheks-Technologie (und mehr)

Das Tech Set ist eine Kollektion von 10 Büchern, die die neuesten (technologischen) Entwicklungen im BID-Bereich abdecken. Aus dem LITA-Blog:

The Tech Set includes ten printed books, ten wikis, and ten podcasts by the following authors:
Marshall Breeding (Next-Gen Library Catalogs)
Sarah Houghton-Jan (Technology Training in Libraries)
Jason Griffey (Mobile Technology and Libraries)
Lauren Pressley (Wikis for Libraries)
Robin M. Hastings (Microblogging and Lifestream in Libraries)
Cliff Landis (A Social Networking Primer for Librarians)
Steve Lawson (Library Camps and Unconferences)
Kelly Nicole Czarnecki (Gaming in Libraries)
Connie Crosby (Effective Blogging for Libraries)
Thomas Sean Casserley Robinson (Library Videos and Webcasts)

Was mich zu der Frage bringt, ob Blogstöckchen schon so sehr außer Mode sind, dass man eine Vintage-Retro-Renaissance-Auflage mit der Frage starten kann, welche drei Bücher der letzten fünf Jahre für den LIS-Bereich persönlich am besten/wichtigsten gefunden wurden. Kann man?