TextGrid Summit in Göttingen

Per Mail erreichte mich ein Hinweis auf das TextGrid Summit in Göttingen:

We would like to turn your attention to the TextGrid Summit, January 21-22 in
Göttingen.

A lot of international experts will be on the spot to discuss the further
development and the prospects of the Virtual Research Environment for text
scientists and other specialists in the arts and humanities. You are cordially
invited to take part in the TextGrid Summit and to join in discussing this part of
the emerging e-Humanities infrastructure.

* TextGrid Summit (conference language: English)
** 21.01.09, 10.00 a.m. – 4.00 p.m. – a symposium with international keynotes,
TextGrid Hands-on Session
** 22.01.09, 11.00 a.m. – 6.00 p.m. – Developers‘ Workshop

Diskriminierung in der bibliothekarischen Fortbildung

Ein lesenswertes Posting zur Diskriminierung im deutschen Schulsystem wird im FOBIKOM-Blog zum Anlaß genommen, über Diskriminierung in der bibliothekarischen Fortbildung nachzudenken.

Als erster Diskriminierungsmangel wird der einfache Mangel an Fortbildungsveranstaltungen genannt. Positivbeispiel ist hier NRW, die durch HBZ und ZBIW ein reichhaltiges Programm anbieten. Dies ist laut FOBIKOM nicht in allen Bundesländern der Fall.

Das Stichwort Mangel führt uns aber schon zum nächsten Diskriminierungsverdacht: Wenn bestimmte Fortbildungen nur für bestimmte Laufbahngruppen angeboten werden (sollen) oder wenn bei bestimmten Angeboten eine bestimmte Laufbahngruppe herausfällt. Haben in Ihrer Einrichtung die FAMIs gleiche Chancen, sie betreffende Fortbildungen zu besuchen wie die Diplomkräfte? Wenn nein, dann werden die FAMIs diskriminiert. In anderen Fällen sind es wieder die Diplomkräfte, die leer ausgehen (sollen): Ich sollte einmal eine Fortbildung in Web 2.0 nur für den höheren Dienst durchführen. Als ich darauf hinwies, dass ich diese Fortbildung für Dippel-Bibbels genauso sinnvoll hielte, wenn nicht gar mehr, habe ich nie wieder etwas von dem Veranstalter gehört.

Wahrlich kein Einzelfall. Aber exemplarisch dafür, dass die Idee der Offenheit, die der gesamten Web-2.0- und der Open-Access/Source-Bewegung zugrunde liegt, im Bibliothekswesen noch lange nicht angekommen ist. Verschiedene, sehr hierarchiebegeisterte Kommentare vom bibliothekarischen Nachwuchs lassen mich auch nur sehr verhalten an Besserung in naher Zukunft glauben.

CERN fördert Open Peer Review

CERN will mit offenem Peer Review das Open-Access-Modell beflügeln

Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Teilchenphysik und internationale Bibliotheken wollen die Qualität von Fachartikeln, die gemäß dem Open-Access-Prinzip kostenlos übers Internet veröffentlicht werden, verbessern. Sie haben daher ein Konsortium ins Leben gerufen, um eine gemeinsame Begutachtung der in Eigenregie publizierten Texte im wissenschaftsüblichen Peer-Review-Verfahren zu ermöglichen. Seinen Sitz hat das Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics (SCOAP3) am Genfer CERN, einem der weltweit führenden Institute im Bereich der Nuklearforschung und Geburtsstätte des World Wide Web. Kernidee der Vereinigung ist es, die Kosten für das Gegenlesen und Kommentieren der Beiträge durch andere Forscher aus dem gleichen Fachgebiet gemeinsam zu schultern.

Deutscher Teilnehmer des Konsortiums ist unter anderem die TIB.

Blog zum Bibliotheksumzug an der FH Potsdam

Die uncoolen BibliotekarInnen machen auf ein Weblog aufmerksam, dass den Umzug der Fachbereichsbibliotheken Informationswissenschaften und Sozialarbeit in Potsdam diskutiert und dokumentiert. Wirklich ein Musterbeispiel für den sinnvollen Einsatz von Social Software in Bibliotheken, wie schon aus der regen Anteilnahme der Nutzer in den Kommentaren ersichtlich ist.

Goethe-Institute haben wieder Bibliotheken

Brigitte Doellgast schreibtim Librarian in Residence Blog über ihr ganz persönliches Bibliotheks-Highlight 2008:

Das Goethe-Institut hat sich Anfang November 2008 entschlossen, dass seine Bibliotheken wieder Bibliotheken heißen dürfen. Die letzten Jahre hatte man großen Wert darauf gelegt, dass wir ‚Informationszentren‘ haben und nicht ‚nur‘ Bibliotheken. Die Begründung für die nun erfolgte Rückbesinnung lautet ebenso simpel wie zutreffend, dass Bibliotheken schon längst keine Bücherspeicher sind, sondern ‚ein breites Spektrum an Dienstleistungen (anbieten), das alle realen und virtuellen
Möglichkeiten umspannt.‘

Im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit eine sinnvolle Entscheidung, ist der Begriff „Bibliothek“ doch gut eingeführt und meist das, wonach Nutzer suchen dürften.

Zypries will "geistige Eigentumsrechte" fortentwickeln.

Zypries will geistige Eigentumsrechte fortentwickeln:

Bereits beschlossene Sache ist, dass die „europäische Harmonisierung“ bei Immaterialgüterrechten weiter vorangetrieben werden soll. Hier nennt die Ministerin eine „einheitliche Regelung der Privatkopie“ sowie Vergütungsregelungen für diese. Die bisherigen Debatten in den EU-Gremien deuten darauf hin, dass diese Vereinheitlichung deutliche Verschlechterungen für deutsche und österreichische Verbraucher bringen könnten.

Mein Wunsch für 2009: Frau Zypries behält ihr „geistiges Eigentum“ in Zukunft für sich und sucht sich eine Tätigkeit, in der sie nicht so viel Schaden anrichten kann.

Google lässt Wissenschaftler im Stich

Im September 2007 gab Google bekannt, dass wissenschaftliche Daten in Zukunft gratis gehosted werden können, sofern die Eigentümer die Daten frei (public domain) zur Verfügung stellen. Zu diesem Zweck sollten per Post Festplatten verschickt werden, deren Inhalt – wissenschaftliche Terabytes – von Google dann kostenlos gehosted wird. Details in dieser Präsentation:

Nun bekommt Google kalte Füße und stampft das Projekt ein, bevor es überhaupt offiziell eröffnet wurde. Nature Blog:

Initially scheduled for public release around last month, Google pushed the launch date back to January 2009. Since then Google has been making economies in the face of the financial crisis, and the non-profit Google Research Datasets project was reviewed. Late Wednesday evening, a spokesperson wrote me to say that “We’ve been evaluating our resources to ensure they are used in the most effective possible way to bring maximum value to our users. Unfortunately, we’ve decided not to launch Google Research Datasets publicly, but to instead focus our efforts on other activities such as Google Scholar, our Research Programs, and publishing papers about research here at Google.”

Bislang wurden anscheinend nur Testdaten bearbeitet, glücklicherweise noch keine „richtigen“ Daten. Dies ist ein Präzedenzfall bezüglich der Zuverlässigkeit Googles im Ernstfall. Wired:

„‚It’s a sad story if it’s true,“ wrote Attila Csordas, a stem cell biologist and author of Partial Immortalization who recently moved to Hungary from Tulane University, in an email to Wired.com. „Assuming it is true that might mean that Google is still a couple years away from directly helping the life sciences (on an infrastructural level).“

Other scientists remained hopeful that the service might return in better times.

Selbst wenn der Dienst wieder aufleben sollte, bleiben nun doch ernste Zweifel an dessen Zuverlässigkeit. Eine Alternative kann sein, die Daten in P2P-Netze zu stellen und an mehreren Standorten zu verteilen. Universitäre Rechenzentren sollten eigentlich Kapazitäten für solche Projekte haben oder zumindest schaffen können. Das Outsourcen der Archivierung und Verteilung freier wissenschaftlicher Daten ist meines Erachtens nur eine Notlösung.

Beyond the API: Why Companies Should Have a Presence on All Major Platforms

Beyond the API: Why Companies Should Have a Presence on All Major Platforms

Web sites are only one kind of presence that companies can have today. Social Networks like Facebook and MySpace, mobile platforms like iPhone and Blackberry, browser extensions and RIA Applications all have an equal – sometimes considerably larger – share of users attention. Figuring out which presence should be delivered by the website vs. a third party is an important question that each company should ask.

Klaus Graf vs. das Bibliothekswesen (Open Access)

Klaus Graf erhebt via Inetbib gravierende Vorwürfe gegen das Bibliothekswesen. Ein paar der Aussagen kann ich so nicht stehen lassen:

Hat es Gespraeche zwischen dem Urheberrechtsbuendnis und dem Boersenverein ueber die Auslegung des ja allgemein als nicht besonders geglueckt empfundenen § 137 l gegeben, wie nicht nur von mir angeregt?

Offenkundig nein, zumindest ist keine Silbe davon bekanntgeworden.

Davon ist auch mir nichts bekannt. Volle Zustimmung zu diesem Punkt. Der Austausch ist dringend erforderlich, um eine politische Lösung des Problems überhaupt erst möglich werden zu lassen.

Hat es irgendeine nennenswerte Werbung seitens der Bibliotheken 2008 fuer die Moeglichkeit, Open Access ohne Zustimmung der Verlage insbesondere fuer Monographien vor
1995 zu ermoeglichen, gegeben?

Nein. Die alten Infoseiten von Ende 2007 stehen meist noch im Netz, das ist aber auch alles.

Doch, hat es. Die Infoseiten der Bibliotheken sind zum Teil sicherlich nur im Netz, um das Wirken der Bibliothek sozusagen offiziell werden zu lassen. Ein Großteil der Werbung wird per hochschulinternem Mailverteiler passiert sein. Es geht schließlich darum, Hochschulangehörige zu erreichen, und da ist die Bibliothekshomepage kein besonders gut geeignetes Mittel. Dort kann man für eh schon Bekehrte die Informationen zusammenfassen, aber die Werbung muss anders erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit, von der außerhalb der Hochschule nichts zu sehen ist, ist z.B. das Ansprechen von Open-Access-Pionieren, die wiederum als Multiplikatoren agieren und ihre Kollegen anwerben können. Wenn also kein Werben sichtbar ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht stattfindet.

Allerdings muss auch ich sagen, dass ich auf viel mehr Masse gehofft hatte, die binnen kurzer Zeit online verfügbar gemacht wird.

Hat es den von Herrn Kaemper geforderten staerkeren Erfahrungsaustausch der Schriftenserver gegeben?

Nicht dass ich wuesste. Auch die mehr tote als lebendige Mailingliste von open-access.net hat sich mit dem Thema nicht mehr beschaeftigt. Was mir von 2008 bekannt ist (insbesondere juristische Stellungnahmen, wobei Herr Steinhauer in seinem Bibliotheksrecht-Weblog fleißig
referiert hat) habe ich unter http://archiv.twoday.net/stories/5408482/ zusammengetragen. Das Urheberrechtsbuendnis hat (wohl im November 2008, wenn man das Auffinden des Google-Bot zugrundelegt) in einem internen (wenngleich auf der Internetseite einsehbaren) Newsletter nochmals zum Widerruf
der Nutzungsrechte aufgerufen, aber wenn ich nichts uebersehe, gibt es keinerlei Hinweis auf der Website auf das Newsletter-Dokument.

Es gibt den Erfahrungsaustausch, auch wenn er nicht besonders gut institutionalisiert ist. Es gibt den angesprochenen, dämmernden Newsletter. Es gibt aber vor allem Kontakte zwischen den einzelnen Serverbetreuern, die sich bei Bedarf gegenseitig aus der Patsche helfen. Dies reicht nicht aus, aber mit dem OA-Netzwerk ist hoffentlich ein Schritt in Richtung Verfestigung dieser Strukturen.

Wo schon Herr Steinhauer und dessen juristische Analysen erwähnt sind: Genau dort liegt meines Erachtens der allergrößte Unsicherheitsfaktor bei allen Bemühungen in Sachen Open Access. Was fehlt, ist ein Handbuch „Was darf und sollte die Bibliothek in Sachen OA unternehmen“ inklusive eines umfangreichen Anhangs mit Mustertexten.

Wer noch etwas tun moechte, kann meine FAQ http://archiv.twoday.net/stories/5408494/
beherzigen. (Wenn nur jeder Inetbib-Abonnent persoenlich 10 Wissenschaftler informiert, haetten wir 50.000 Leute, die vom Fristablauf in einigen Tagen wissen, aber ich bezweifle, dass Bibliothekare Wissenschaftler kennen …)

Dies lässt mich zweifeln, ob Herr Graf Bibliothekare kennt.

Nach dem Dezemberfieber 2008 waren die Bibliotheken offenkundig viel zu erschoepft von den sie ueberfordernden Nutzungsrechtsuebertragungen, als dass sie irgendeine weitere Werbung verantworten konnten. Schmerzlich mussten sie erkennen, dass Open Access durchaus Arbeit machen kann, und Arbeit haben sie nun ja schon genug, gelle?

Siehe oben.

Ein Jahr spaeter kann ich nicht erkennen, dass die 2007 erfolgreich eingesammelten Nutzungsrechte schon in nennenswertem Umfang Eingang in die Schriftenserver gefunden haben.

Zu wenig, das ist richtig. Auf dem Schriftenserver der FH Hannover ist ein Großteil der durch die eingeworbenen Nutzungsrechte verfügbaren Dokumente schon veröffentlicht. Schwierigkeiten gibt es teilweise bei der Beschaffung der Werke. Aber da sind wir auf einem guten Weg zur weitgehenden Vollständigkeit.

Hinsichtlich der Beitraege zur Hexenforschung durfte ich vor einiger Zeit in der von mir administrierten Mailingliste Hexenforschung einen besonders miesen persoenlichen Angriff von Dr. Katrin Moeller, Halle (historicum.net) zur Kenntnis nehmen:

http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa?A2=ind0810&L=HEXENFORSCHUNG&P=R859&I=-3

Ueber 100 Schriften konnten demnach eingesammelt werden, die alle noch nicht online sind.

Ohne die Hintergründe des Projekts zu kennen (und kennenlernen zu wollen): Ein Digitalisierungsvorhaben, das über einzelne Werke hinausgeht, ist nicht zwischen Tür und Angel gemacht. Wer sich für ein paar Details interessiert, mag hier bei Infobib mal nach PDF/A suchen. Stolpersteine gibt es viele, hilfreiche Dokumentationen nicht so sehr, und wer nachhaltig sinnvoll digitalisieren will, kann die Bücher halt nicht einfach auf den Scanner werfen und die Dateien irgendwo ins Netz laden.

Das Fazit ist deprimierend: Einmal mehr erweist sich das deutsche Bibliothekswesen als trojanisches Pferd fuer Open Access. Auf eine breite Unterstuetzung von Open Access durch die Wissenschaftler ist es nicht vorbereitet, die Betreuer der Dokumentenserver sind klammheimlich vermutlich ganz froh, dass ausser ein paar Dissertationen meist gaehnende Leere herrscht. Eigene Erfahrungen mit Freidok legen den Schluss nahe, dass eine vorbehaltlose und unbuerokratische Unterstuetzung der Autoren nicht gewuenscht ist. Statt die Werbetrommel 2008 weiter zu ruehren und mit den 2007 eingesammelten Schriften weitere Autoren zu gewinnen und zu motivieren, beim Verlag zu widersprechen und anschließend Nutzungsrechte an den Hochschulschriftenserver zu uebertragen, ist man erschoepfungsbedingt in den ueblichen Bueroschlaf versunken. Nachdem ich 2008 das deutsche Bibliothekswesen zumindest in dieser Sache weitgehend in Frieden gelassen und nicht durch weitere Ueberrumpelungsmanoever beim Vorsichhinschnarchen gestoert habe, darf ich zum Fristablauf, ohne jemand damit ueberrumpeln zu wollen, doch anmerken, wie erbaermlich diese „Foerderung“ von Open Access anmutet.

Alles wesentliche habe ich schon weiter oben erwähnt. Die Betreuer der Dokumentenserver sind mit Sicherheit nicht froh über ausbleibende neue und alte Dokumente. Die Organisation des Digitalisierens und das Einwerben von Dokumenten ist jedoch alles andere als trivial. Das viel zu wenig passiert, halte auch ich für höchst wahrscheinlich. Dem Bibliothekswesen insgesamt Versagen vorzuwerfen, ist jedoch nichts anderes als albern.

Fakt bleibt allerdings, und davon möchte ich auf keinen Fall ablenken: Viele Bibliotheksleitungen müssen sich Herrn Grafs Vorwürfe gefallen lassen!

Update: Eine Replik findet sich hier.