(Auch in Österreich:) Permalinks für Katalogisate

Der Österreichische Bibliothekenverbund (OBV) bietet ab sofort eine neue Suchoberfläche an.

Positiv: Verschiedene Social-Bookmarking-Dienste sind integriert.
Negativ: Naja, so richtig integriert sind sie eigentlich doch nicht.

Ich habe versucht, Titel in Delicious zu übernehmen (vorübergehend verfügbar unter dem Tag OBV-Test, ich lösche sie aber sicherlich irgendwann wieder). Wenn mir die Funktion angeboten wird, einen Titel in Delicious zu speichern, gehe ich davon aus, dass sich die Anbieter vorher angesehen haben, wie entsprechende Metadaten zu übergeben sind. Dies war hier offensichtlich nicht der Fall.

Speichert man einen Titel, lautet der Seitentitel im Normalfall „OBV Suche“. Weitere Angaben werden nicht übergeben. Speichert man also 30 Titel, wird man sie anschließend nicht auseinanderhalten können, ohne sie einzeln anzuklicken.

Ähnlich untauglich ist der Link, der an Delicious übergeben wird. Ich habe zwei Titel gebookmarked. Klickt man sie an, wird man feststellen, dass man beim gleichen Katalogisat landet. Gespeichert wird nämlich nicht ein präziser und permanenter Link, sondern die Suchanfrage. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Delicious-User sowohl den selben Titel als auch den selben Suchweg speichern, tendiert bei Literatur abseits von Harry Potter & Co vermutlich gen Null. Die sozialen Funktionen von Delicious werden somit raffiniert umgangen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen:

  1. Katalogisate brauchen Permalinks!
  2. Katalogisate brauchen Permalinks!
  3. Katalogisate brauchen Permalinks!

Bei Uraltkatalogen habe ich ja noch begrenztes Verständnis dafür, dass sie sich nicht ohne weiteres nachrüsten lassen. Bei einer Oberfläche, die vom Anbieter angepriesen wird für ihre Library 2.0 und Social Computing Eigenschaften, kann ich es aber nicht aufbringen.

Google Maps für Fahrradfahrer

Google Maps hat mal wieder eine neue Funktion verpasst bekommen. Neuerdings kann man Strecken planen und sich das Höhenprofil anzeigen lassen. Höhenprofile kennt man eventuell schon von verschiedenen Webseiten. Die Stadt Stuttgart bietet sowas zum Beispiel an, um Fahrradrouten zu planen. Dies geht nun auch in den Google Maps, allerdings (wenn ich das richtig verstanden habe) erstmal nur über eine API.

Der Dienst nennt sich Elevation. Wie das praktisch aussieht, kann man sich z.B. bei ReadWriteWeb ansehen, die eine Karte samt „Elevation“ in einen Artikel eingebettet haben.

Das ist zum Beispiel das Höhenprofil einer von mir regelmäßig absolvierten Fahrradtour, zusammengeklickt in ca. 3 Minuten.

Sinnvolle bibliothekarische Anwendungen fallen mir spontan zwar nicht ein, aber das ist nur eine Frage der Zeit und des Bedarfs. Wer alpennäher wohnt, hat da vielleicht mehr Ideen.

QR-Codes + mobil-freundliche Webseiten für die Öffentlichkeitsarbeit

Der QR-Code (QR steht für englisch: quick response = schnelle Antwort) ist ein zweidimensionaler (2D) Code, der von der japanischen Firma Denso Wave im Jahr 1994 entwickelt wurde.

So ist es in Wikipedia zu lesen. Ein QR-Code ist sozusagen eine Art quadratischer Barcode, mit dem verschiedene Informationen transportiert werden können, zum Beispiel Texte oder Webadressen.

Wenn man diesen QR-Code photographiert, wird man beispielsweise auf eine kleine mobilfreundliche Infoseite (Achtung, Inhalt nicht aktuell!) geleitet, über die man sich für eine Citavi-Schulung anmelden kann. Die mobilfreundliche Webseite ist alles andere als perfekt. Aber sie sollte ausreichend sein, um die wesentlichen Informationen auch auf dem Smartphone lesbar anzuzeigen und eine problemlose Anmeldung zu ermöglichen.

QR-Codes kann man beispielsweise mit dem QR-Code Generator von Kaywa erstellen. Wer kein Smartphone hat, um die Codes zu testen, der kann das mit einer Webcam auch mit der Freeware bcWebcam erledigen. Komfortabel ist das nicht besonders, aber es funktioniert.

Die mobil-freundliche Webseite wurde ebenfalls größtenteils mittels eines Generators erstellt: mit dem Mobile Site Generator v1.0 von Chad Haefele. Wenn man die Webseite generiert hat, kippt man sie einfach in einen Ordner zusammen mit dem iUi-Framework und die ganze Mobilfreundlichkeit ergibt sich von allein.

Und wozu braucht man jetzt diesen QR-Code? Um ihn zum Beispiel auf Flyern und Broschüren anzubringen, wie im folgenden Beispiel:

Literaturverwaltung Mit Citavi_QR

Ganz rechts unten ist der QR-Code angebracht. Wer ihn als solchen erkennt und auch etwas damit anfangen kann, kann ihn einscannen und die mobile Webseite besuchen. Wer sich nicht davon angesprochen fühlt, wird ihn höchstwahrscheinlich einfach übergehen. Der ganze Spaß ist, wenn man einmal weiß, wie es geht, sehr schnell umgesetzt. So schnell, dass ich hiermit endlich mal wieder einen Beitrag zur vor Urzeiten begonnenen Reihe „Klein, aber oho!“ hinzufüge.

Besten Dank an alle ehrenamtlichen Mobilwebseitentester und nochmal speziell an Edlef für den Austausch zu QR-Codes!

PaperC im KUG

Kürzlich traf ich mich mit Martin Fenner, Lambert Heller, Felix Hofmann und Martin Fröhlich (beide PaperC), um über dieses und jenes zu schnacken. Dabei kam auch der Vorschlag auf, eine API für Bibliothekskataloge einzurichten. Unabhängig davon wurde eine API auch von Oliver Flimm vorgeschlagen.

Die Antwort auf diesen Vorschlag:

Umgesetzt! Unsere API ist fertig, bald mehr dazu im PaperC Blog. Entwickler sind willkommen.

Im Blog finde ich zwar noch nichts, dafür hat sich Oliver Flimm aber schon ans Werk gemacht und PaperC in den KUG eingebunden. Das Ergebnis kann man sich u.a. bei diesem Prachtstück der Kataloganreicherung durch APIs ansehen.

Frage am Rande: Warum heißt es eigentlich „eine“ API? „Die“ Schnittstelle? Oder nicht doch eher „das“ Interface? Lesen zufällig Linguisten mit?

DMOZ-Relaunch im März?

Das Open Directory Project DMOZ war mal ein unverzichtbarer Bestandteil des Webs, ein moderierter Webkatalog mit hohem Anspruch an Aktualität und Seriösität. Administratoren für spezielle Kategorien sollten dafür sorgen, dass nur geprüfte, „gute“ Webseiten aufgenommen werden. Dadurch baute sich DMOZ einen sehr guten Ruf auf, der natürlich schwarze SEO-Schafe noch und nöcher anzog. Kürzlich konnte man sogar einen DMOZ-Eintrag (für 87 €!) bei Ebay ersteigern.

Dazu kommt, dass manche Kategorien schon seit Jahren nicht mehr gepflegt wurden.

Nichtsdestotrotz wird die Aufnahme einer Webseite in DMOZ nach wie vor von vielen Ranking-Tools und vielleicht sogar noch von Suchmaschinen als Qualitätsfaktor gewertet. Als Beispiel sei seitwert.de genannt.

Wie Webranking.com nun berichtet, soll (eventuell noch in diesem Monat) ein Relaunch stattfinden.

Wird ein Webkatalog wie DMOZ jedoch überhaupt noch noch benötigt? Die Verschiebung von Webkatalogen zu Suchmaschinen fand vor einigen Jahren statt. Aktuell zieht Facebook zumindest in den USA an Google in puncto generierter Traffic vorbei.

Wenn man möchte, kann man also von vier Phasen der „Webseitenfindung“ ausgehen:

  1. Die persönliche Empfehlung von Webseiten durch Freunde & Bekannte in direkter Kommunikation. Motto: „Guck mal, ich bin beim Surfen auf diese Webseite gestoßen.“
  2. Nachschlagen in Webkatalogen wie z.B. Altavista.
  3. Suchen in Suchmaschinen wie Yahoo oder Google.
  4. Die persönliche Empfehlung von Webseiten über Social Networks wie Facebook & Co.

  1. Die persönliche Empfehlung von Webseiten durch Freunde & Bekannte in direkter Kommunikation. Motto: „Guck mal, ich bin beim Surfen auf diese Webseite gestoßen.“
  2. Nachschlagen in Webkatalogen wie z.B. Yahoo.
  3. Suchen in Suchmaschinen wie Altavista oder Google.
  4. Die persönliche Empfehlung von Webseiten über Social Networks wie Facebook & Co.

Auch wenn sich die Mechanismen geändert haben, ist die Übermittlung von Webfundstücken wieder an ihren Ursprung gelangt. Ein modernes DMOZ müsste sich diesen Gegebenheiten anpassen. Es dürfte also weder Moderatoren noch vorbestimmte Kategorien geben. Beides ist anachronistisch. Ein modernes DMOZ könnte Empfehlungen aus sozialen Netzwerken fischen und stets aktuell in Ad-hoc-Kategorien clustern. Dies entspräche auch dem erklärten Ziel des DMOZ-Projektes:

Anstatt sich dem explosiven Wachstum des Internets entgegenzustellen, stellt das Open Directory Project dem Internet die Mittel zur Verfügung sich selbst zu organisieren. Gleichzeitig mit dem Internet wächst auch die Anzahl der Internet-Bürger. Diese Bürger können jeder einen kleinen Teil des Internets ordnen und das Ergebnis der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Sie sortieren dabei Schlechtes und Unnützes aus und übernehmen nur qualitativ hochwertige Inhalte.

Ich bin gespannt, wie DMOZ in ein paar Wochen aussehen wird.

[via Blogs-optimieren.de]

Open-Source-Recommender easyrec

Die Recommender-Software easyrec ist seit sechs Tagen komplett Open Source.

Benötigt werden für die Installation auf einem eigenen Server:

  • Java 5 SE [1] or later
  • Application Server Tomcat 6.0 [2] or later recommended or see other Application Servers
  • Database Server MySQL 5.1 [3] or later

Man kann den Dienst jedoch auch über eine API ausprobieren. Wer hat Zugriff auf einen Katalog und traut sich, das mal einzubauen? Mich würde doch sehr interessieren, ob die Ergebnisse so viel schlechter als die von Bibtip sind. Bibtip ist ein Projekt, dass zwar aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde, aber dennoch sogar für öffentliche Einrichtungen kostenpflichtig ist. Kostenpflichtig für Hosting und Support würde ich ja noch verstehen. Wie auch immer: Easyrec wird z.B. beim Film-Shop Flimmit genutzt. Interessiert man sich z.B. für Plattfuss am Nil, wird sofort weitere Unterhaltungsware der schlagkräftigen Art angeboten („Sie könnten auch an folgenden Produkten interessiert sein“).

Google Buzz

Googles neuestes Heilsversprechen, Google Buzz im Werbevideo:

Mehr Infos bei Heise und vor allem in diesem dazugehörigen Foren-Posting von paedubucher. Für mich kommt es schon deswegen nicht in Frage:

google_buzz

Ich entscheide gerne selbst, mit wem ich in welchem Medium Kontakt aufnehme. Ich habe irgendwann jemandem eine Mail geschrieben, und schon stehe ich mit ihm oder ihr in „Buzz“-Kontakt? So etwas als Default-Einstellung anzubieten ist absurd.

Mehr Kritik gibt es hier und hier und (naja) hier und hier und …

iPhone vs. Second Life: 1-0

Ende 2006 hüpften zwei Begriffe auf wie aus dem Nichts in den Mainstream. Second Life und iPhone. Während Second Life ungefähr zu dieser Zeit den einmillionsten Secondlifer feierte, kursierten am Jahresende 2006 die ersten Gerüchte um das iPhone. Wie die Relevanz der Begriffe und der dahinter stehenden Konzepte (mobiles Web, bzw. virtuelle Welten) sich entwickelt hat, kann man hervorragend bei Google Trends beobachten.
Google Trends: iPhone vs. Second Life

iPhone: rot
Second Life: blau.

Gartner ignorierte die eigenen Erkenntnisse und prophezeite:

By the end of 2011, 80 percent of active Internet users (and Fortune 500 enterprises) will have a “second life”, but not necessarily in Second Life, according to Gartner, Inc.

Zwar ist noch nicht Ende 2011, aber diese Prognose würde heute niemand mehr abgeben wollen. Dies bedeutet nicht, dass Gartner mit einer anderen, wesentlich neueren Prognose nicht recht haben könnte. Mitte November wurden die 10 Top-Trends bis 2012 für mobile devices prophezeit.

No. 2: Location-Based Services
No. 3: Mobile Search
No. 4: Mobile Browsing

Addiert man diese drei Trends, kommen wir zum mobilen OPAC, der nicht nur gleich zeigt, wie man zum Buch kommt, sondern auch noch (falls vorhanden) einen Volltext anbietet. Ich hoffe jedoch nicht, dass die Bibliotheken, die unsinnigerweise viel Energie in Second Life gesteckt haben, nun vor dem mobilen Weg zurückschrecken. Noch sind es nur Pioniere, die dort bedient werden. Also genau die Leute, die sich vor drei Jahren auch in Second Life tummelten. Relevanz für den Alltag hatte Second Life jedoch nie, ganz im Gegensatz zu Smartphones.

Repository-Software IR+

Logo IR+Der Chronicle of Higher Education berichtet über die neue Repository-Software IR+ der University of Rochester.

The idea is to get professors and graduate students to contribute their papers and dissertations to the repository by combining it with a Web-based workspace that accomplishes lots of other stuff they need to write up that research. Stuff like creating folders, managing files, and collaborating with colleagues. Also, they get to showcase their work on customized “researcher pages.”

Wie wichtig Funktionen wie personalisierbare Seiten sind, wurde hierzublog nun schon oft genug erwähnt. Und in Rochester kann man sich nun am praktischen Beispiel ansehen. Open Access kommt nur voran, wenn die Server den Wissenschaftlern handfesten Mehrwert bieten. Repository-Entwickler, sehr Euch IR+ bitte genau an! Das Repository selbst muss diese Funktionalitäten nicht unbedingt anbieten, aber die Schnittstellen dafür müssen geschaffen und gut dokumentiert werden. Mehr zum Thema Schnittstellen (Serviceorientierte Architektur) übrigens aktuell im Jakoblog.

Scribd und alternative Publikationsdienste

Eine kleine Übersicht über Publikationsdienste wie Scribd stellt Sebastian Schürmanns im DIYG vor. Für wissenschaftliche Autoren sind natürlich Open-Access-Server die erste Wahl (auch wenn sie von den vorgestellten Publikationsdiensten in Sachen Usability eine Menge lernen müssen). Da kämen dann fachliche oder institutionelle Dokumentenserver in Frage.