Open Library Environment Project

Ole ProjectMit Unterstützung der Andrew W. Mellon Foundation hat sich ein Konsortium anglo-amerikanischer und australischer Bibliotheken daran gemacht, ein offenes Bibliothekssystem unter dem Projektnamen „Open Library Environment“ („OLE Project“) zu entwickeln.

Hintergrund:

Proprietary Integrated Library Systems do not fit the modern scholarly research process or modern library workflows. It is nearly impossible for a library to integrate its commercial ILS with tools widely used by faculty and students, such as a course management system or emerging social-networking tools. Libraries find themselves adapting their workflows to outdated technology, rather than using technology to facilitate more efficient and effective workflows. The burden of maintaining and supporting existing ILS systems is hindering libraries’ ability to respond to new technologies and to scholars’ information needs and expectations. Dissatisfaction with current ILS systems is widespread. Many libraries are actively planning for life beyond their current ILS, but skeptical that good commercial alternatives will be available. By working together on a community-designed, open-source alternative to the ILS, libraries can design a technology system that will support rather than hinder their desire to innovate and to provide access to high quality scholarly information.

Ich bin nicht davon überzeugt, dass es wirklich notwendig gewesen wäre, ein komplett neues Projekt zu beginnen. Eine Integration vorhandener Lösungen wäre eventuell sinnvoller gewesen. Immerhin wird hier offensichtlich versucht, nicht nur den OPAC, sondern ein gesamtes Bibliothekssystem abzubilden.

Librarything Web Services API

Heute wurde im Librarything-Blog das(?) neue Web Services API vorgestellt. Wenn ich das auf den ersten, flüchtigen Blick richtig erfasse, wächst mit Common Knowledge gerade ein Konkurrent für die PND ran. Die biographischen Daten zum Beispiel für Michael Ende werden zumindest für den Hausgebrauch meist ausreichen. Wenn man an das Potential der PND denkt!

Die PND umfasst zur Zeit rund 2,6 Mio. Namen (davon ca. 1.000.000 Personen mit individualisierten Datensätzen) aus der Katalogisierung der PND-Kooperationspartner und der Deutschen Nationalbibliothek, aus Projekten der Altbestandserschließung und Namen der Bayerischen Staatsbibliothek aus dem osteuropäischen und islamischen Kulturkreis, aus den Bereichen Musik und Karten sowie den Personennamen der Zentralkartei der Autographen der Staatsbibliothek zu Berlin und den Personennamen der SWD.

Ein Ferrari unter den Datenbanken! Aber fahren darf er nur im Parkhaus.

Die Deutsche Nationalbibliothek nutzt die PND als integrierte Normdatei bei der Katalogisierung und verknüpft die Normdatensätze mit den Titelsätzen.

Der Unterschied zwischen PND und Common Knowledge ist außer der Datengrundlage, dass Librarything alle Daten bequem per verständlich dokumentierter API unter CC-SA-Lizenz zugänglich macht. Das hat Potential. Verknüpfen wir das mal mit den Gedanken zu einem freien Klassifikationssystem, dann muss man ganz klar konstatieren, dass sich das Bibliothekswesen gerade in die Bedeutungslosigkeit schnarcht.

Archiv der NASA mit freien Bildern

Unter nasaimages.org stellt die NASA pünktlich zum 50. Geburtstag eine ganze Menge Bilder online. Die Nachnutzung jeglicher Art ist erlaubt:

The NASA imagery offered on NASAIMAGES.ORG is generally not copyrighted. You may use this NASA imagery for educational or informational purposes, including photo collections, textbooks, public exhibits and Internet Web pages (personal or otherwise). […]

If the NASA images obtained from NASAIMAGES.ORG are used for commercial purposes (including advertisements or packaging), such use may not suggest, either explicitly or implicitly, that NASA endorses any commercial goods or services.

Die Webseite stellt viele Funktionen zur Verfügung, die auch so manchem Dokumentenserver gut stehen würde. Unter anderem eine „Embed“-Funktion (drei verschiedene Modi), mit der man z.B. diese Darstellung verschmelzender weißer Zwerge einbinden kann:

Die Umsetzung ist noch nicht so optimal, da die ganze Seite eingebunden wird. Die HTML-Embed-Funktion erzeugt dann konsequenterweise auch eine komplette Seite. Wer dies nutzt, zerschießt bestenfalls sein eigenes Layout. Ich gehe von einer Kinderkrankheit aus, die mit Sicherheit beseitigt werden wird.

Verfügt man über einen Account, kann man direkt auf der Seite Präsentationen erstellen, die sich auf die gleiche Art in andere Webseiten einbinden lassen:

Alles in allem ein wirklich gutes Angebot, dessen technische Schwierigkeiten sicherlich bald überwunden sein werden. Es kommt sicherlich nicht nur Verschwörungstheoretikern entgegen, die jetzt ungestört Mondlandungsbilder nach Fälschungsspuren untersuchen dürfen. ;o)

Studie zur Akzeptanz von Open-Access-Zeitschriften veröffentlicht at IBI-Weblog

Karin Weishaupt vom Institut Arbeit und Technik hat in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin eine Online-Befragung zur Akzeptanz von Open Access-Zeitschriften unter knapp 1000 Autor/innen von Aufsätzen in deutschen Open-Access-Zeitschriften durchgeführt.

Erste Ergebnisse der Studie kann man hier einsehen. Zitat:

Das erklärte Ziel dieser Studie: „Dahin wirken, dass alles Gute Gemeingut werde und den Freien alles frei stehe“ (Friedrich Nietzsche)25 – bis dahin bleibt noch viel zu tun; und es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Autor/inn/en sich diesem Motto anschließen und ihre nächsten Beiträge in Open-Access-Zeitschriften veröffentlichen könnten.

Amen.

[via IBI-Weblog]

Stiglitz & Sulston fordern Open Access (zumindest zwischen den Zeilen)

Die meist hitzige Debatte über geistiges Eigentum geht in eine neue Runde; diesmal angestoßen von sehr prominenter. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert – gemeinsam mit Medizin-Nobelpreisträger John Sulston – das System des geistigen Eigentums:

It is now widely recognised that the system of law and practice that has regulated science and protected the rights of those who make scientific discoveries and turn them into products and therapies in a process known as “innovation” is unfit to serve the needs of the contemporary world.

Weiter:

The second issue we wish to highlight is that of access to science itself. The ideal shared by almost all scientists is that science should be open and transparent, not just in its practices and procedures, but so that the results and the knowledge generated through research should be freely accessible to all. There is a broad consensus in the scientific community that such openness and transparency promotes the advancement of science and enhances the likelihood that the benefits of science are enjoyed by all. For more than a hundred years, these principles have been the bedrock of academia and the scientific community.

Ohne Sulston und Stiglitz Naivität unterstellen zu wollen: Liege ich sehr falsch, wenn ich den meisten vielen manchen Wissenschaftlern wesentlich weniger edle Motive unterstelle? Das Zurückhalten von Informationen ist doch immer noch gängige Praxis, wird durch die Konkurrenz bei Projektanträgen auch (ungewollt) gefördert.

Die Richtigkeit von Sulston & Stiglitz‘ Folgerungen bleibt davon natürlich unberührt. Auch wenn die Worte open und accessible im Text nicht direkt nebeneinander stehen, ist eindeutig, wie diesen Forderungen entsprochen werden kann und muss.

Mehr im offenen Brief von S&S in der Times.

ALA 2008: Top Tech Trends

Josh Hadro fasst im Library Journal die „Top Tech Trends“ des diesjährigen ALA-Konferenz zusammen.

  • Perennial favorites open source, APIs, and mobile devices given as top trends, among others
  • Technology glitches during streaming video, distracting chat room discussion during panel
  • Karen Coyle: Future may not involve libraries „if we don’t make some extreme changes.“

Äußerst empfehlenswerte Lektüre. Die meisten Erkenntnisse sind zwar weder neu, noch überraschend. So gebündelt findet man die diversen Ermahnungen („Mehr Offenheit!“) und Visionen („Mehr Offenheit!“) jedoch selten.

Staatliche Informationen mashen: Show us a better way

Die britische Regierung schreibt einen Wettbewerb aus, in dem nach Mashup-Ideen für Regierungsdaten gesucht wird: Show us a better way! Bis zu £20.000 werden für die Umsetzung ausgelobt.

We are offering up to £20,000 to take your ideas forward with a development team. That may be time with a designer to create a professional mockup that can be pitched to organisations, or some programmer time to create a working prototype. The best idea overall will win a symbolic trophy trawled from our archives.

Solange es nicht um personenbezogene oder sonstwie sensible Daten geht: großartig! Als Beispiele dienen unter anderem „Rate my prison“ oder „Fix my street“.

Diesmal geht also nicht (wie in Großbritannien anscheinend üblich) um versehentlich, sondern tatsächlich um absichtliches Freisetzen von Informationen.

[via Golem]

PDF/A vs. Open Access?

Subjektive Meinung: PDF/A ist der vermutlich am schlechtesten implementierte Standard seit Erfindung von Dokumentstandards überhaupt. Es ist veröffentlichungswilligen und dem Open Access zugeneigten Autoren kaum zumutbar, schon vorhandene Dokumente in standardkonformes PDF/A zu konvertieren. Kaum eine Lösung hält, was sie verspricht, bei fast jeder Konvertierung schlägt irgend etwas fehl. Auf meinen Hilferuf zur PDF/A-Konvertierung haben sich etliche Leute bei mir per Mail gemeldet. Alle mit dem gleichen oder zumindest ähnlichen Problemen.

Wie ist Abhilfe zu schaffen? Eine mögliche Lösung scheint mir, auf die konsequente Einhaltung des PDF/A-Standards bei Dokumentenservern zu verzichten. Wer etwas veröffentlichen will, sollte nicht mit allzu vielen technischen Hürden belastet werden. So wie es momentan aussieht, steht die an sich gute Idee, einen offenen und einheitlichen Standard für Dokumentenserver zu verwenden, einer breiten Akzeptanz der Selbstarchivierung entgegen.

Es ist einfach lächerlich, dass jeder Autor vor der Archivierung seiner Dokumente drei Semester PDF/A studieren muss. Um eine breite Akzeptanz von OA zu erzielen, müssen wir es den Autoren so einfach wie möglich machen. Youtube und Slideshare müssen zumindest hierbei Vorbilder sein. Klar ist, dass eine solche Einfachheit vermutlich nicht erreicht werden kann. Zu unterschiedlich sind die Ziele der Dienste. Aber als Richtlinie kann und soll der Veröffentlichungsvorgang bei solchen Angeboten dienen.

Bleibt das Problem der Langzeitarchivierung. Eine mögliche Umsetzung wäre, diese zentral z.B. durch die DNB zu organisieren. Sie sollte auf jeden Fall nicht zum Problem der Autoren werden.

Ich bitte um Meldung in den Kommentaren: An welcher Bibliothek funktioniert der Umgang mit PDF/A auch nur halbwegs problemlos?