Vorratsdatenspeicherung wie Erfassung aller gelesenen Seiten in der Bibliothek

Liebe KollegInnen aus dem Bibliothekswesen, Jan Korte (Die Linke) hat heute im Bundestag einen Vergleich geliefert, der uns allen sehr plastisch machen sollte, warum die Vorratsdatenspeicherung (VDS), die die große Koalition aus CDU und SPD gerade durchpeitschen möchte, rundheraus abzulehnen ist:

VDS bleibt VDS, bleibt VDS, daher lehne man sie ab. Gehe um Totalerfassung des Kommunikationsverhaltens fast aller Bürger der BRD. Man muss nur 30 Jahre zurückblicken, um zu versinnbildlichen. Bibliothek-Mitarbeiter hätte jede Seite mitgeschrieben, die man gelesen hätte. Das sei mit demokratischer Rechtsstaat nicht vereinbar. Es gebe keinen nachweislichen Nutzen. BMJV könne keine Fälle benennen. „Das schleichende Gift der Überwachung„ führe zu Anpassung des Kommunikationsverhaltens. Er will auf SPD eingehen, CDU/CSU wären verloren.

Protokoll von Netzpolitik, Hervorhebung von mir, Umkehrung der Unschuldsvermutung und Totalüberwachung von der großen Koalition.

Wie viele Bibliotheken gibt es in Deutschland?

Die Antwort auf die Frage, wie viele Bibliotheken es in Deutschland gäbe, lautet seit vielen Jahren klassischerweise „um die 10.000“. Und damit hat man schon viele Außerbibliothekarische überrascht. Das Lobid-Team hat eine große Datensammlung von und über Organisationen und nach einer Auszeichnung aller Bibliotheken als eben solche (siehe Github) konnte die Frage nun exakter beantwortet werden. Und es sind nicht „um die 10.000“. Nimmt man Pfarrbibliotheken dazu, sind es nun satte 19.347 ca. 19.000 Bibliotheken in Deutschland!

By MyName (Luckyprof (talk)) (Own work) [CC BY-SA 3.0 at], via Wikimedia Commons
Eine Pfarrbibliothek im Hintergrund des Schlosses Eberschwang. Von Luckyprof [CC BY-SA 3.0 at], via Wikimedia Commons

Die Ergebnisse der Abfrage sind hier zu finden, die Twitter-Konversation zu dieser Frage findet sich hier.

UPDATE: Die Zahl 19.347 ist leider nicht ganz korrekt, spiegelt aber wohl zumindest die richtige Größenordnung wieder. Mehr im ersten Kommentar von Adrian Pohl.

„Informationsberatung als zeitgemäßes Dienstleistungskonzept für wissenschaftliche Bibliotheken“

Claudia Julia Keller: Informationsberatung als zeitgemäßes Dienstleistungskonzept für wissenschaftliche Bibliotheken

Abstract:

Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit ist die These, dass Informationsberatung in Anlehnung an die in den USA verbreiteten Research Consultations eine ergänzende Methode zur prozessorientierten Förderung von Informationskompetenz an wissenschaftlichen Bibliotheken sein kann. Im Zuge der Diskussion dieser These werden zunächst die der Dienstleistung zugrunde liegenden Konzepte wie etwa das Rollenverständnis des consultant librarian und das des counseling librarian vorgestellt. Daraufhin wird die in der Fachliteratur geführte Diskussion um die Einordnung der Dienstleistung aufgegriffen und Informationsberatung gegenüber den herkömmlichen Dienstleistungen Auskunftsdienst und Informationskompetenzschulung abgegrenzt. Dabei zeigt sich, dass professionelle bibliothekarische Beratung im Zuge der Förderung des informellen Lernens einen neuen, eigenständigen und nutzerorientierten Service darstellt, der den aktuellen Bedarf nach individueller Betreuung durch persönliche Ansprechpartner und Expertenberatung deckt. Durch die inhaltliche und zeitliche Flexibilität der Dienstleistung können Nutzer am point of need abgeholt werden. Umsetzungsmodelle finden sich bspw. an der Wissensbar der SLUB Dresden, dem Helpdesk Lern- und Arbeitstechniken an der KIT-Bibliothek und dem Learning Center der Universitätsbibliothek Mannheim. Seitens der Berater werden u.a. Kompetenzen im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens sowie Kommunikations- und Sozialkompetenzen benötigt. Neben der Qualifizierung des bibliothekseigenen Personals durch Fortbildungen stellen Kooperationen mit kompetenzbildenden Einrichtungen der Universität eine Möglichkeit zur Implementierung der Dienstleistung dar, die von entsprechenden Marketingmaßnahmen begleitet sein muss. Abschließend wird die Rolle von wissenschaftlichen Bibliotheken im Hinblick auf die an deutschen Universitäten zunehmend etablierten Schreibzentren diskutiert.

Hier geht’s zum Volltext dieser Bachelor-Arbeit.

Rudolf Mumenthalers Herausforderungen für Bibliotheken Q2/2015

Rudolf Mumenthaler hat sich in einem einer Reihe von Blogpostings mit 14 aktuellen Herausforderungen für Bibliotheken auseinandergesetzt. Jeder Punkt ist für sich eine Diskussion wert, ob Kollaboration, Linked Open Data oder Internet der Dinge.

Eine Herausforderung fehlt mir allerdings, obwohl sie nicht neu scheint. Denn Open Access klingt zwar alles andere als aufregend, ist aber durch aktuelle politische Entwicklungen in diversen (primär nicht von der CDU/CSU federführend regierten) Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Schleswig-Holstein (PDF), in weiteren Bundesländern tut sich ebenfalls etwas) so stark auf der Agenda, dass viele Bibliotheken dies tatsächlich als eine der aktuell größten Herausforderungen sehen werden. Und zwar so sehr, dass ein eigener Punkt jenseits von Open Content angebracht wäre.

Forschungsinformationssysteme wären ein weiterer Punkt, über den man in den nächsten 2-3 Jahren sicherlich viel hören wird.

Die Lesewolke liest seit fünf Jahren in Biblioblogs

Heute vor genau fünf Jahren hat Liane Haensch eine kleine Sammlung der subjektiv am interessantesten Bibliotheks-Postings der letzten Woche veröffentlicht. Und seitdem gibt es (fast) jeden Montag ein „Gelesen in BiblioBlogs (XX. KW)„.

Herzlichen Glückwunsch, Liane, und vielen Dank für fünf Jahre fleissiges Perlentauchen in deutschsprachigen Biblioblogs!

xISSN und Google Refine: Infos über Zeitschriften sammeln

Für Vertragsverhandlungen wollte ich herausfinden, bei welchen Verlagen die Autoren unserer Hochschule Zeitschriftenartikel veröffentlicht haben. In einem Citaviprojekt habe ich eine Stichprobe von ca. 1000 Artikeln, die ich verwenden wollte. Das Problem: In Citavi sind die Zeitschriftenverlage nicht ordentlich zu hinterlegen. Die Lösung: wir haben die ISSN, und mit xISSN gibt es eine ganz brauchbare Schnittstelle, um mehr Daten zu einer ISSN zu bekommen.

Das Vorgehen:
Die Artikeldaten wurden inklusive ISSN in eine CSV-Tabelle exportiert. Diese CSV-Tabelle habe ich in Google (oder Open) Refine importiert. Dort ging es dann weiter. Zunächst habe ich die Spalte ISSN auf jeweils eine ISSN reduziert. In einigen Fällen waren mehrere ISSN (online und offline) im Feld.

Transform auf der Spalte ISSN mit dem Kommando slice(value, -9) nimmt die jeweils 9 letzten Zeichen und wirft den Rest weg. Aus 1234-5678, 9876-5432 wird also 9876-5432.

ISSN-Analyse in Google Refine

Danach „Add column by fetching urls on column ISSN“ mit dem Kommando „http://xissn.worldcat.org/webservices/xid/issn/“+value+“?method=getHistory&format=json“, mit Anführungszeichen! Das dauert dann ganz schön. In meinem Fall hat es ca. zwei bis drei Stunden gedauert für etwa 1000 Titel.

Danach erhalte ich eine Spalte, in der die Daten zu einer Zeitschrift im JSON-Format enthalten sind. Daraus wiederum extrahiere ich eine neue Spalte („Add column based on this column“) mit value.parseJson().group[0].list[0].publisher. Fertig.

Naja, es muss dann noch ein bißchen aufgeräumt werden. Allein Springer fand ich in 5 verschiedenen Schreibweisen, ebenso die American Physical Society. Aber prinzipiell war es das.

Zoosphere: Datenaggregator mit CC0-Insekten-Bildern

Zoosphere ist ein Portal, in dem Sequenzen digitalisierter Insektenpräparate aus dem Bestand des durch das Museums für Naturkunde Berlin unter CC0-Lizenz(!) veröffentlicht werden, zum Beispiel von Chrysis comparata, einer recht hübschen Wespe.

Chrysis Comparata
Chrysis Comparata, CC0

Die Seiten zu den einzelnen Digitalisaten sind nette Beispiele für die Aggegration von Fremddaten in Kombination mit eigenen Daten und Medien. So sind dort zum Beispiel Daten zu den Vorkommen der Insekten aus der mir bislang unbekannten Global Biodiversity Information Facility eingebunden. Vereinzelt sind auch „References“ zu finden, zum Beispiel bei der Goldschildfliege (Phasia aurigera).

Die Ziele des Zoosphere-Projekts:

  • An international repository and web hub for high resolution image sequences of biological specimen
  • Delivering content to various end user devices, such as dekstop computers, mobile devices and web browsers in general
  • Create a tool for scientists, especially taxonomists, to speed up and improve their research
  • Prevent physical object transfer via regular mail
  • Reduce travel costs and efforts related to local object inspection
  • Digital preservation of biological collection objects, which are subject to natural decay
  • Increasing the visibility and accesibility of biological collection objects
  • Making objects available to both: general public and scientists

Das Projekt befindet sich nach Eigenangabe noch in einer sehr frühen Phase. Was jetzt zu sehen ist, ist jedoch schon recht vielversprechend. Besonders die CC0-Lizenzierung muss positiv hervorgehoben werden, wo andere Museen doch lieber auf nervige Wasserzeichen und mit sachlichen Gründen nicht zu erklärenden Nutzungseinschränkungen arbeiten.

Mankos wie die nicht funktionierende(?) Favoritenfunktion werden sicherlich noch behoben. Von diesem Projekt wird man jedoch sicherlich noch mehr hören, hoffentlich auch in Form einer Kooperation mit Wikimedia/Wikidata und einer daraus resultierenden Bot-generierten Anlage von Artikeln zu bisher in der deutschsprachigen Wikipedia fehlenden Insekten.

EZB ist „Artikel des Tages“ in der deutschen Wikipedia

Der Wikipedia-Artikel zur Elektronischen Zeitschriftenbibliothek ist Artikel des Tages am 26. März 2015.

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Glückwunsch nach Regensburg und an die zahlreichen Bearbeiter dieser Seite, die aus der Ersterstellung 2004 (vermutlich durch einen „üblichen Verdächtigen“) einen lesenswerten Artikel gemacht haben.

Einige tausend Menschen werden nun vielleicht zum ersten Mal mitbekommen, dass das Kürzel EZB nicht nur für die Europäische Zentralbank steht.

#Varoufake in der Recherche-Schulung

Wer hier häufiger mitliest, weiß, dass ich das Tagesgeschehen zur Not mit großer Kraftanstrengung zur Illustrierung der Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens in meine Schulungen zerre. Zum Beispiel die Fussball-WM, Kolleginnen andernorts nutzen auch gerne Comedy-Sendungen[1]BADIA, Giovanna. Relevancy Trumps Format When Teaching Information Literacy. Evidence Based Library and Information Practice, [S.l.], v. 9, n. 4, p. 64-66, dec. 2014. ISSN 1715-720X. Available at: . … Continue reading, und alle IK-Schulenden werden sich wie die Schneekönige über die Guttenberg-Affäre gefreut haben. Wissenschaftliches Arbeiten als Thema in der Tagesschau! Toll!

Nun sind die meisten Studierenden recht jung und die Plagiats-Affäre ist jetzt schon wieder knapp fünf Jahre her. Zarte Anspielungen darauf werden von 19 bis 20jährigen Studierenden oft nicht mehr verstanden.

Gerade gab es in der Rechercheschulung jedoch einen neuen tages- und medienpolitischen Anlass, der den Studierenden anlässlich des Themas „Quellen kritisch evaluieren“ geradezu ins Gesicht sprang.

Egal, ob Fake oder Fake eines Fakes: Daraus kann man einiges lernen, darüber gibt es einiges zu diskutieren. Natürlich in diesem Fall vorwiegend über die Irrelevanz mancher Ereignisse, die von Talkshows und Boulevardblättern künstlich Relevanz zugeeignet bekommen. Aber auch über die Glaubwürdigkeit von Quellen.

References

References
↑1 BADIA, Giovanna. Relevancy Trumps Format When Teaching Information Literacy. Evidence Based Library and Information Practice, [S.l.], v. 9, n. 4, p. 64-66, dec. 2014. ISSN 1715-720X. Available at: . Date accessed: 19 Mar. 2015.