Movers & Shakers 2013

Die Movers & Shakers 2013 wurden vorgestellt. In den Begründungen liegen viele gute Ideen für Bachelor- und Masterarbeiten verborgen, aber auch viele Anregungen für Praktiker. Eine subjektive Auswahl:

  • Sue Considines Bibliothek broke new library ground with its Fab Lab, a Maker space (see Lauren Britton, p. 40), and was also the first library in New York State to introduce a 3M Cloud Library. Other programs for users include iPad training; meet-the-author via Skype; and “Take It Apart,” where patrons disassemble objects to see how they work.
  • Amber Hunt führte Open-Source-Software (Koha, CUFTS: Open Source Serials Management und den Linkresolver GODOT) in ihrer Bibliothek ein.
  • Emily Puckett Rodgers:

    In June 2012, Open.Michigan published 16 multimedia “learning objects” (e.g., wiki-based syllabi, interactive quizzes, podcasts, tutorial videos) and 35 open educational resources from faculty representing six disciplines that are openly licensed as part of the Michigan Education Through Learning Objects (MELO 3D) project—the result of a two-year grant-funded project with faculty, staff, and students from across the university.

  • Micah Vandegrift, der sich seine Stelle als „scholarly communications librarian“ selbst geschaffen hat: His focus is on outreach to the FSU community, raising awareness about the evolving scholarly research environment, including open access, institutional repositories, author rights (he established an in-house copyright committee), and fair use.
  • Richard Lyda, der die Fahrbibliothek seiner Stadt modernisierte: Arapahoe outreach coordinator Padma Polepeddi (a 2008 Mover & Shaker) says that Lyda “never lets library management forget that…equity of access must include populations that cannot go to four-walled, physical libraries.”

Und der User Experience Librarian Jason Paul Michel oder Matthew Reidsma, der Responsive Design in seine Bibliothek brachte.

[via Netbib und Lesewolke]

Online-Demonstration auf Bibliothekswebseite

Drüben bei Netbib wird über eine interessante Online-Demonstration berichtet. Die Webseite der Stadtbibliothek Stühlingen – bzw. eigentlich ist es nur der dort üblicherweise zu findende Inhalt – ist zur Zeit nicht erreichbar. Unter bibliothek.stuehlingen.de wird derzeit statt auf Öffnungszeiten, Lesungen und neu erworbene Bücher auf die Genehmigung eines Windparks hingewiesen. Verantwortlich dafür ist der für diese und andere Stühlinger Webseiten ehrenamtlich tätige Webmaster Ueli Joss.

Laut Südkurier fordert Joss, dass „alle relevanten Unterlagen“ zum Vorgang bis zum 17. April öffentlich gemacht werden. Andernfalls würde er die von ihm betreuten Seiten nur gegen einmalige Zahlung von 5000 Euro und Stundenhonorar wieder zugänglich machen und weiter pflegen. Das Geld sei für Initiativen gegen die Windkraftanlagen gedacht.

Die Besetzung der Webseite hat für die Stadtbibliothek auch Konsequenzen abseits des Web. Wie der Südkurier in einem weiteren Artikel berichtet, enthält die Webseite „umfangreiches organisatorisches und administratives Handwerkszeug“. In der Folge müsse die Bibliothek bis auf weiteres geschlossen werden. Ausleihfristen würden zwar verlängert, aber das Bibliotheksteam habe zur Zeit keinen Zugriff auf die eigene Webseite und offensichtlich dringend benötigtes Handwerkszeug.

Ist das noch eine Online-Demonstration? Was sagt uns das über das Ehrenamt in Bibliotheken? Unabhängig von der persönlichen Meinung zum Thema mutet es seltsam an, das ein Ehrenamtlicher eine gesamte Stadtbibliothek zur Verfolgung eigener politischer Ziele schließen kann. Und ebenso merkwürdig ist es, dass das Bibliotheksteam keinen Zugriff auf das eigene Handwerkszeug hat. Dazu fällt mir wieder eins meiner Lieblingspostings aus von Jakob Voss ein. Vor fast genau fünf Jahren schrieb er:

Ich finde es äußerst problematisch, wie sich Bibliotheken unnötig in Abhängigkeit von Firmen begeben […] und dabei ihrer eigenen Handlungsspielräume und Fähigkeiten einschränken. “Mal schnell” etwas an der Webseite oder am OPAC ändern geht nicht dann nicht mehr so einfach und/oder kostet zusätzlich Geld.

Ist das utopisch für kleine Bibliotheken?

Publishing frontiers: The library reboot

In der aktuellen Nature-Ausgabe schreibt Richard Monastersky über den Wandel bibliothekarischer Tätigkeit durch Open Data:

At Johns Hopkins and many other top universities, libraries are aiming to become more active partners in the research enterprise — altering the way scientists conduct and publish their work. Libraries are looking to assist with all stages of research, by offering guidance and tools for collecting, exploring, visualizing, labelling and sharing data. “I see us moving up the food chain and being co-contributors to the creation of new knowledge,” says Sarah Thomas, the head of libraries at the University of Oxford, UK.

Ebenfalls interessant:

  1. Advocacy: How to hasten open access
  2. Licence restrictions: A fool’s errand

Und weitere Artikel und Kommentare dieser Ausgabe zu „Data Reuse“, Open Access und den Wandel des wissenschaftlichen Publizierens.

Relikte der Browserantike: "Optimiert für …"

Wir schreiben das Jahr 2013. Mehr oder weniger zufällig stieß ich gerade auf einen Bibliothekskatalog einer kleinen öffentlichen Bibliothek. Was nicht bemerkenswert wäre, hätte dort nicht in großen roten Lettern gestanden:

Für die historisch Interessierten oder Jüngeren: Internet Explorer 6.0 und Netscape 7.0 wurden beide im 2002 veröffentlicht. Die Phrasensuche „Optimal mit Netscape 7.0 / IExplorer 6.0“ lässt Google zur Zeit 79 Treffer finden.

Mit wenig Aufwand und ein wenig Kenntnis der Browserantike lassen sich schnell weitere Relikte der Browserantike finden. Zum Beispiel Optimierungen für Netscape 4.7 (30. September 1999), Internet Explorer 5.5 (die Beta ist vom 25.12.1999) und Lynx 2.8.3:

Wer kann das toppen? Ich habe noch eine sehr hobbyistisch anmutende Bibliotheksseite im Geocities-Look gefunden, die lasse ich aus Gründen der Fairness außen vor, da sie offensichtlich als Praktikantenprojekt entstanden und vermutlich in Vergessenheit geraten ist.

Technisches Update zu 027.7

Andreas Ledl weist in Inetbib auf Neuigkeiten zu „027.7 – Zeitschrift für Bibliothekskultur“ hin:

So verfügen jetzt alle Artikel über eine DOI-Nummer und erscheinen zusätzlich zum PDF auch in HTML und EPUB.

Der Titel ist ja Geschmackssache. Aber wenn mich nicht alles täuscht, ist 027.7 nun das erste deutschsprachige Open-Access-Journal aus der BID-Ecke mit Artikel-DOI und mehreren Ausgabeformaten! Glückwunsch!

Forrest Wright: "What do Librarians Need to Know About MOOCs?"

Erschienen in D-LIB. Abstract:

Over the past several months, the proliferation of MOOCs (Massive Open Online Courses) has been hailed as a potent defense against the rising cost and insular culture of attending a traditional college. The courses, which are generally taught by experts with affiliations to elite universities, are characterized by their unique pedagogy and unlimited enrollment. To date, no course has been accepted for transfer credit at a major on-campus institution; however some administrators and higher-education experts predict their gradual integration into university curriculum. This article examines the MOOC phenomenon, identifying aspects that academic librarians should consider in the coming years, including how these courses interact with scholarly resources and library services. Methods for integrating library services in these courses are evaluated, with recommendations for the best course of action.

Link: http://dx.doi.org/10.1045/march2013-wright

Board des Journal of Library Administration tritt zurück

Der ubiquitious librarian berichtet über die Hintergründe:

“Authors find the author agreement unclear and too restrictive and have repeatedly requested some form of Creative Commons license in its place.”

“After much discussion, the only alternative presented by Taylor & Francis tied a less restrictive license to a $2995 per article fee to be paid by the author. As you know, this is not a viable licensing option for authors from the LIS community who are generally not conducting research under large grants.”

IEEE-Thesaurus: "easily accessible"?

The IEEE Computer Society is the computing professional’s single, unmatched source for technology information, inspiration and collaboration. By making the most up-to-date and advanced information in the computing world easily accessible, we are the source that computing professionals trust to provide high quality, state-of-the-art information on an on-demand basis.

Diese Selbstbeschreibung findet sich auf computer.org. Dort ist die IEEE Computer Society zuhause. Auf eben dieser Seite suchte ich nach einem Informatik-Thesaurus. Ich wurde auch fündig. Aber der Weg zum Dokument war bemerkenswert.

Über die Suchfunktion gelangte ich zügig auf die Thesaurus-FAQ. Dort ist zu lesen:

 

Q: How does a TC [Anm.: technical committee) know IEEE vocabulary documents are sufficient for their field of interest?

A: Each TC can review the Thesaurus for any missing words in their field of interest. As the Thesaurus is a PDF document, you can directly search for terms. It is preferable to search for the term stem because “-ing,” “-ers,” and plural versions of terms might already exist or be found as non-preferred and link to preferred terms.

Klickt man auf den Link „PDF document“, wird aber kein PDF-Dokument geladen. Sondern ein RTF-Dokument. Was dort enthalten ist? Kein Thesaurus. Sondern:

Ruft man dann die Webseite auf, muss man tatsächlich nur noch seinen Namen und seine E-Mail-Adresse angeben (die Institutionszugehörigkeit ist optional), bevor man zum Download eines 520-Seiten-PDF-Dokuments geführt wird. PDF ist ja bekanntlich State-of-the-Art in Sachen Thesaurus-Präsentation. Nichts schlägt eine PDF-Datei, denn (siehe Zitat oben): you can directly search for terms!

Dieses PDF-Monster ist übrigens tatsächlich CC-lizenziert. BY-NC-ND natürlich, aber immerhin. Wer möchte, kann den Thesaurus irgendwo hochladen, solange kommerzielle Interessen außen vor bleiben. Im Dokument selbst wird die CC-Lizenz nicht weiter erwähnt. Dafür ist in der Fußzeile jeder Seite zu lesen:

Na, wenn’s denn for the benefit of humanity ist, kann man gegen solch ein Prozedere kaum etwas einwenden.

Wikidata wächst und gedeiht

Wikidata ist zur Zeit vermutlich das spannendste Wikimediaprojekt. Umso schöner, dass es offensichtlich nicht nur eine Kopfgeburt ist, sondern von den aktiven Nutzern sehr gut angenommen wird. Im Wikimediablog sind nun erste Zahlen zur Nutzung zu lesen:

Vor einem Monat wurden Aussagen in Wikidata verfügbar gemacht. Inzwischen sind zu mehr als 660.000 Objekten auch Aussagen hinzugefügt worden, was im Endergebnis mehr als 1,4 Millionen Aussagen bedeutet. Das Objekt mit den meisten Aussagen ist das Objekt “Vereinte Nationen (Q1065)“, welches alle Mitgliedsstaaten auflistet. Das Wachstum der Aussagenmenge ist großartig und übertrifft unsere Erwartungen.

Bisher haben wir mehr als 22 Millionen Links zu Wikipedia Artikeln. Es gibt etwas 24 bis 25 Millionen Wikipedia-Artikel, was also bedeutet, dass wir bereits mehr als 90% aller Links in Wikidata haben. Angenommen die Bots arbeiten weiterhin so effizient wie bisher, sollten alle Links in einem oder zwei Monaten übertragen sein. Danach ist es zu erwarten, dass das Wachstum in der Anzahl der Objekte erheblich zurückgeht.

Es sind aber auch schon über zwei Millionen manuelle Edits durchgeführt worden.

Wer sich unter Wikidata nichts vorstellen kann, sollte sich einfach ein paar Beispieldatensätze ansehen (zum Beispiel Ranganathan, Academic Library, Nordhorn oder Harry Potter and the Philosopher’s Stone) oder auch Lydia Pintschers Vortrag zu Wikidata ansehen.

Frauen in Führungspositionen bei DBV-Mitgliedern

Frauen in Führungspositionen bei den DBV-Mitgliedern nach Sektionen. Vollansicht nach dem Klick:

Die Grafik ist „work in progress“. Die Basis der verwendeten Zahlen wurde mir freundlicherweise vom DBV nach sehr kurzer Antwortzeit (und mit der Genehmigung, sie als Open Data zu veröffentlichen!) überlassen. Die Daten sind bei Figshare zu finden:

Members of Deutscher Bibliotheksverband e. V. (dbv).
http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.647329
Retrieved 19:35, Mar 17, 2013 (GMT)

Die dort zu findenden Daten habe ich für die Darstellung noch ein wenig angereichert und um ein paar Dutzend Angaben ergänzt. Sobald ich dazu komme, werde ich die vollständigeren Daten zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. An den Zahlenverhältnissen wird sich nach jetzigem Stand kaum etwas ändern.

Die schwarze Hilfslinie kennzeichnet den Gesamtanteil von Frauen im Bibliothekswesen nach „Berufe im Spiegel der Statistik“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Mittel von 2007 bis 2011 (74,48%). Auch da ist keine statistisch signifikante Änderung durch aktuellere Daten zu erwarten.

Sektion 3B, in denen der Frauenanteil in Führungspositionen höher ist als im gesamten Bibliothekswesen, beinhaltet 1113 Mitglieder in Öffentlichen Bibliothekssystemen und Bibliotheken für Versorgungsbereiche bis zu 50.000 Einwohner und Landkreise mit bibliothekarischen Einrichtungen. Am niedrigsten ist der Frauenanteil an den Spitzen von „Wissenschaftlichen Universalbibliotheken“ (Sektion 4) und Öffentlichen Bibliothekssystemen und Bibliotheken für Versorgungsbereiche von über 400.000 Einwohnern (Sektion 1).

In Danilo Vetters Film „Die geschätzte Kollegin vom festgezurrten Haupthaar : Geschlecht (k)eine Frage in Bibliotheken?“ wurde das Thema Frauen in Führungspositionen übrigens auch angesprochen, ebenso das Thema Reputation und (ungleiche) Bezahlung. Ein Beispiel: Frauen waren für die Führungsaufgaben ja angeblich überhaupt nicht geeignet (ca. 06:55).